In eigener Sache: Alles neue macht 2019

Nun ja, es ist schon ungewöhnlich, auf einer persönlichen Website etwas „in eigener Sache“ zu schreiben, aber diese Änderung rechtfertigt diese Überschrift, denke ich, schon. Denn es ändert sich einiges in 2019.

Einstellung der Consulting-Tätigkeiten

Die wichtigste Änderung betrifft die gelegentlichen Consulting-Tätigkeiten, die ich in den letzten Jahren neben meiner hauptsächlichen Tätigkeit bei Mozilla durchgeführt habe. Diese werden zum 01.01.2019 komplett eingestellt und das Angebot in der „Über-Mich-Seite“ wird nicht mehr erwähnt werden.

Der Hauptgrund ist, dass ich bei Mozilla mehr Verantwortung übertragen bekommen habe und diese Arbeit mich nun so sehr ausfüllt, dass mir für die Nebentätigkeit schlicht und einfach keine Zeit und Energie mehr bleibt. Denn neben dem Beruf gibt es ja auch noch so etwas wie ein Privatleben, welches ich nicht zu vernachlässigen gedenke. Außerdem weiß ich seit meinem Burnout 2007 sehr genau, wie wichtig es ist, sich nicht zu überlasten und die Akkus immer wieder aufzuladen.

Und genau hier lag in letzter Zeit eines der Probleme: Die Akkus wurden nicht mehr richtig aufgeladen, selbst im Urlaub nicht. Und das hing, wie ich nach einiger Zeit feststellte, unter anderem auch mit der Art der Consulting-Tätigkeiten zusammen. Ich mache diesen Web-Accessibility-Kram jetzt schon so lange und habe doch das Gefühl, nie wirklich was zu erreichen. Bei jedem neuen Klienten, bei jedem neuen Kontakt fange ich auch im Jahr 2018 immer noch mit denselben Basics an: Semantisches HTML, Alt-Texte auf Grafiken, richtig beschriftete Formularfelder, richtige Überschriftenhierarchie, richtige Tastaturnavigation. Das alles sind Dinge, die wir auch schon im Jahr 2000 gepredigt – ach nee, gelehrt – haben. Da ist noch nichts von WAI-ARIA oder gar irgendwelchen JavaScript-Bibliotheken des neuesten hypes dabei, die bis auf wenige Ausnahmen heute eine schlimmere Div-Soße produzieren als es Framesets und Layouttabellen jemals konnten. Klar gibt es für die auch inzwischen immer wieder Nachbesserungen, aber es ist eben genau das, man programmiert den unachtsamen Entwicklern hinterher, und dann muss man noch dafür sorgen, dass auch ja die zugänglichen Versionen irgendwie auch eingesetzt werden und nicht irgendwelche älteren Versionen im NPM-Stack liegen.

Kurzum: Ich kann und will das nicht mehr. Es gibt andere, die das heute viel besser können als ich, und ich habe seit Jahren das Gefühl, da gegen Windmühlen zu kämpfen. Klar gibt es auch immer wieder mal kleine Erfolge, aber die schaffen es nicht, den Berg an immer wieder demselben Krempel irgendwie erträglicher zu machen.

Und auch, dass ich im Jahr 2018 immer noch einen ganzen Saal voller Konferenzteilnehmer bei einem Talk einfach dadurch begeistern kann, dass ich einen Screen-Reader nutze, ist irgendwie frustrierend. Das zog im Jahr 2000, vielleicht auch noch 2005 und mit einem Touchscreen in 2010 oder 2013. Aber 2018? Gimme a break!

Daher werde ich mich in Zukunft ganz auf meine Aufgaben bei Mozilla konzentrieren, denn dort habe ich tatsächlich noch einiges zu bewegen. Dies ist gerade auch nach der Ankündigung Microsofts, in Zukunft keine eigene Browserengine mehr zu entwickeln, sondern auf Chromium zu setzen, wichtiger denn je und verleiht meiner Entscheidung unerwartet noch mehr Gewicht für mich selber.

Ich weiß, einige von euch werden jetzt einwenden, dass ich durch meine Arbeit viel mehr beeinflusse, als ich selber wahrnehme usw. Das mag alles stimmen, aber immer den gleichen Kram zu machen, inzwischen gefühlte 20 Jahre lang, ermüdet irgendwann. Und das Gefühl kann und will ich nicht länger ignorieren oder wegdiskutieren.

Fokusanpassung für das Blog

Dieses Blog wird im Zuge der obigen Änderungen auch einen neuen Fokus bekommen. Ich werde hier in Zukunft noch viel verstärkter über Technologien, die mich interessieren, bloggen und nicht mehr so darauf bedacht sein wie früher, dass dies auch irgendwie was mit meiner Consulting-Tätigkeit zu tun hat. So werden sich auch verstärkt Nicht-Web-Themen finden wie Hilfsmittel für Blinde, Erfahrungen mit neuen Technologien aus meiner ganz persönlichen Sicht usw. Es wird eben tatsächlich ein persönliches Blog werden.

Die bisherigen Inhalte bleiben schon aus Archivgründen natürlich bestehen und werden, wenn nötig, auch aktualisiert.

Gute Wünsche fürs nächste Jahr

Und jetzt bleibt mir nur noch, allen treuen und neuen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2019 zu wünschen. Ich bin schon gespannt, welche Dinge wir zusammen im kommenden Jahr hier erforschen werden. Ihr auch?

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Veröffentlicht von Marco

Jahrgang 1973, 80er-Jahre-Kind, Katzenliebhaber, verheiratet mit der besten Ehefrau von der Welt, blind, Barrierefreiheit, technikaffin

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19 Kommentare

  1. Finde ich gut – eine mutige Entscheidung. Es ist gut, frustrierende Dinge dort für sich ‚abzuschaffen‘, wo das möglich ist. Aus dem herzen gesprochen finde ich die Sache mit der Begeisterung bei Screenreader-Präsentationen, das dürfte es eigentlich nicht mehr geben. Accessibility gehört meines Erachtens in den Lehrplan von IT-Fächern bereits in den Schulen, so ab der 7. oder 8. Klasse, statt optisch buntes Zeug manuell zusammenzuformatieren oder halbherzige PowerPoint-Präsentationen zu basteln. In diesem Sinne: alles Gute für 2019, ich freue mich auf die Blog-Neuausrichtung!

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  2. Ich verfolge deinen Blog jetzt schon eine Weile und hab den Feed abboniert.

    Ich wuensche dir fuer deine Zukunft alles Gute,
    es ist immer gut wenn man selbst feststellt dass nicht alles immer unter einen Hut zu bringen ist!

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  3. Dann wünsche ich dir eine gute Fokussierung, dem Firefox eine gute Zukunft, frohe Feiertage, ein wunderbares 2019 und eine erholsame Freizeit. Und … pass mir auf unser Internet gut auf 🙂

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  4. Marco, ich wünsche dir alles erdenklich gute fürs nächste Jahr und ich stimme dir zu, dass wir nun alle Firefox benutzen sollten. Ich habe Angst vor einem potentiellen Chromium-Monopol und finde die Entwicklung mehr als bedenklich.

    Ich danke dir auch nochmals für deine Bereitschaft Fragen zu A11Y zu beantworten, ob auf Twitter oder per Hangout bei unserem Webdeveloper Treffen im Saarland.

    Komm gesund und relaxt ins neue Jahr!

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  5. Irgendwie kommt mir das Alles sehr bekannt vor. Spätestens seit meiner Dokumentation in aktuell 11 Folgen über den Relaunch(-Versuch) der Gemeindewebseiten ist mir der Enthusiasmus zu #a11y abhanden gekommen. Unterstützung aus dem Kreis der Betroffenen? Seit 2004 eher Null.

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  6. Hm, was heißt „Unterstützung aus dem Kreis der Betroffenen“? Wenn es z. B. um kostenloses User-Testing geht, kann ich verstehen, dass sich kaum jemand freiwillig meldet. Denn auch das ist ja Aufwand, man stellt seine Zeit und sein Wissen zur Verfügung.

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  7. wir wissen inzwischen alle, dass es nach wie vor eben nur geduldet wird aber nicht gewollt, dass es einen uneingeschränkten Zugang zu allem gibt.

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  8. Ich mach sowas schon seit 15 Jahren nicht mehr, aber fast täglich finde ich Webseiten mit Fehlern, die ich schon 1997 kritisiert habe. Falls es dich tröstet: in sämtlichen anderen Bereichen ists ebenso, man muß nunmal jede Generation neu anlernen.

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  9. Absolut verständlich und du sprichst aus, was einigen zu schaffen gibt, etwa das ewige, gebetsmühlenhafte Wiederholen. Ich wünsche Dir gutes Gelingen beim fokussieren auf das Wesentliche und dass du der a11y community weiterhin erhalten bleibst.

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  10. Diese Problematik kann ich gut nachvollziehen.
    Ein weiteres Beispiel ist der – auch von dir selbst genutzte – E-Mailanbieter mailbox.org.
    Unter anderem sind die Tarifübersicht und die Tarifauswahl seit dem Relaunch nicht mehr barrierefrei.
    Laut Ivonne Heinlein, der Pressesprecherin von mailbox.org, war jedoch Barrierefreiheit eine Anforderung an die ausführende Agentur. Dies zeigt, dass Unternehmen, die sehr kunden und datenschutzfreundlich positioniert sind, mit dieser Thematik nicht vertraut sind und Accessibility oftmals nicht als obligatorisch angesehen wird.

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    1. Ja, das ist mir auch schon aufgefallen und war mit einer der Gründe, neben dem Wechsel des primären mobilen Betriebssystems, dass Mailbox.org inzwischen nicht mehr mein hauptsächlicher E-Mail-Dienst ist, sondern ich der Masse anheim gefallen bin und jetzt primär Gmail nutze, was sich u. a. inzwischen auch im Impressum widerspiegelt. Ich will einfach nicht mehr an allen Ecken und Enden mit Barrierefreiheits-Baustellen zu tun haben, sondern einfach auch mal nur meine E-Mails lesen. 😉

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  11. Ich finde es eine mutige entscheidung von dir.
    Wirst du trotzdem noch deine Erfahrungen über iOs oder anderen Betriebssystemen mit uns teilen? die

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    1. Hallo Armin,

      nur im Rahmen dessen, was ich auch tatsächlich persönlich nutze. So habe ich inzwischen z. B. keinen Mac mehr und werde daher nicht mehr über MacOS bloggen, und was iOS angeht, so ist dies seit kurzem auch nicht mehr mein primäres mobiles Betriebssystem, so dass die Schwerpunkte definitiv in Zukunft etwas anders gelagert sein werden.

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      1. mailbox.org: Es wäre schade, wenn dieser Provider, der gute Ansätze hat, den Weg von GMX einschlagen würde.
        @Marco: Welches ist mittlerweile dein mobiles Betriebssystem und weshalb? Wieso hast du den Mac aufgegeben?

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