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Telegram ist jetzt unter iOS und Android zugänglich

Der Messenger Telegram war blinden handybenutzern bisher durch fehlende Barrierefreiheit verschlossen. Mit dem letzte Woche erschienenen Update ändert sich das nun.

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In eigener Sache: Alles neue macht 2019

Nun ja, es ist schon ungewöhnlich, auf einer persönlichen Website etwas „in eigener Sache“ zu schreiben, aber diese Änderung rechtfertigt diese Überschrift, denke ich, schon. Denn es ändert sich einiges in 2019.

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Benutzung von Twitter: Hauseigene App oder Dritthersteller-Client?

Seit Jahren bin ich ein großer Fan des Social-Media-Dienstes Twitter. Doch in letzter Zeit frage ich mich immer öfter, wie ich den Dienst zukünftig nutzen soll.

Twitter ist von Beginn an mit einer Programmierschnittstelle ausgestattet gewesen, mit deren Hilfe sich Programmierer eigene Oberflächen bauen und diese natürlich auch an andere weitergeben konnten. So entstand neben der traditionellen Twitter-Webseite z. B. EasyChirp, ein barrierefreier Web-Client. Auch mehrere freie oder kommerzielle Twitter-Clients für diverse Plattformen kamen im Lauf der letzten 10 Jahre auf den Markt. Diese sind besonders auf Smartphones und Tablets beliebt, weil sie in der Regel schneller und übersichtlicher sind als die Webseite. Selbst Twitter bietet für seinen Dienst eigene native Clients für iOS und Android, und sogar Windows 10, an.

Diverse Alleinstellungsmerkmale

Am Anfang war damit auch alles ganz prima. Aber vor einiger Zeit begann Twitter, Funktionen in seinen Dienst einzubauen, die nicht mehr über die öffentlich zugänglichen Programmierschnittstellen erreichbar gemacht wurden. Clients von Drittherstellern konnten diese also nicht nutzen. Zu diesen Funktionen gehören unter anderem:

  • Gruppen-Direktnachrichten. Direktnachrichten zwischen einzelnen Twitter-Nutzern gehen natürlich, aber seit einiger Zeit kann man auch private Gruppen-DMs, ähnlich wie Gruppenchats anderer Dienste, aufbauen. Das geht nur übers Webinterface oder die hauseigenen Twitter-Clients. Schlimmer noch, selbst wenn man welche bekommt, werden diese nicht in die Pushbenachrichtigungen von Dritthersteller-Clients aufgenommen, so dass man gar nicht mitbekommt, wenn man in einen Gruppenchat eingeladen wurde, es sei denn, man schaut regelmäßig auf der Seite oder dem Twitter-Client vorbei.
  • Umfragen. Man sieht zwar den Ursprungstweet, aber nicht, dass es sich um eine Umfrage handelt. Um diese zu beantworten, muss man den Tweet irgendwie an die Webseite oder den Twitter-Client weiterleiten.
  • Twitter-Cards. Dies sind Vorschauen von z. B. Blogartikeln wie dem hier oder anderen Nachrichtenseiten. Auch diese werden nur im Web oder den nativen Clients angezeigt.
  • Twitter-Moments. Das sind Twitter-Serien, die man nur im nativen Client oder der Webseite erstellen und ansehen kann.
  • Betreibt man einen geschützten Account, bei dem man alle Follower bestätigen muss, bevor sie die Tweets lesen können, geht das nur über die Webseite oder nativen Clients. Auch Followeranfragen werden nicht an andere Clients gepusht.
  • Benachrichtigungen im Katastrophenfall. Die mobilen Apps bieten die Möglichkeit, sich gezielt bei Katastrophen benachrichtigen zu lassen, eine Möglichkeit, die Dritthersteller-Clients nicht haben.

Andererseits haben andere Clients über die Jahre natürlich auch einige attraktive Features entwickelt. Zum einen sind dies meist umfangreiche Filterfunktionen nach bestimmten Twitter-Clients (nie wieder paper.ly-Tweets!) oder Hashtags oder Schlüsselwörtern. So wird das Herausfiltern von Tweets zu bestimmten Sportereignissen oder Trash-TV-Sendungen zum Kinderspiel. Manche Clients bieten sogar an, eine solche Stummschaltung nur für bestimmte Zeiträume einzustellen. Zum anderen gibt es natürlich auch die Möglichkeit, dass Clients Tweets anders darstellen, mehrere Zeitleisten parallel zueinander darstellen können oder ähnliches. Gerade die Filterfunktionen nach Hashtags oder Clients lässt Twitter selbst schmerzlich vermissen.

Eine Frage der Ordnung

Auch bei der Darstellung selbst gibt es Unterschiede. Die meisten Clients von Drittherstellern stellen die Tweets chronologisch oder umgekehrt chronologisch dar. Einige bieten auch eine sogenannte Unified Timeline an, in der Tweets (inkl. Antworten von Leuten, denen man folgt) mit den Erwähnungen zusammengelegt werden, in denen dann auch Erwähnungen von solchen Usern stehen, denen man nicht folgt. Twitter auf der anderen Seite zeigt Tweets prinzipiell zwar auch chronologisch an, wenn man die Option „Interessanteste Tweets zuerst“ ausgeschaltet hat, mixt aber munter auch Antworten direkt hinein und holt so manchmal auch viel ältere Tweets zum aktuellen Zeitpunkt. Oft sogar den Ursprungstweet einer Unterhaltung. Auch mischt Twitter öfter mal Tweets von Leuten in die Timeline, denen man gar nicht folgt, dessen Tweets aber z. B. von besonders vielen, denen man folgt, mit einem Like versehen oder retweetet wurden. Die Darstellung ist also viel dynamischer und hält sich eben nicht strikt an die Regel, dass nur Tweets von Leuten, denen man folgt, plus deren Retweets, und Erwähnungen angezeigt werden. Auf der einen Seite ist für Control Freaks diese dynamische Herangehensweise sehr verwirrend, bis hin zu störend, auf der anderen Seite bekommt man so vielleicht aber auch mal Tweets von jemandem zu sehen, dem man noch nicht folgt, dem man aber vielleicht gern folgen möchte.

Apropos folgen möchten: Auch mixt Twitter selbst gern mal Folger-Empfehlungen, Tweets „während Du weg warst“ und natürlich gesponsorte Tweets in die Zeitleiste. Letzteres dient natürlich zum Geld verdienen. Clients von Drittherstellern bekommen diese gesponsorten Tweets nicht mit in die Programmierschnittstelle. An denen verdient Twitter also auch kein Geld.

Ebenfalls gibt es Unterschiede bei den Benachrichtigungen. Twitter selbst ist viel smarter bei den Benachrichtigungen und zeigt z. B. auch an, wenn den eigenen Followern Tweets gefallen, die man retweetet hat. So kann man schnell erfassen, wer eventuell gut bei den eigenen Followern ankommt und wer nicht. Diese Art Benachrichtigung ist mir bisher bei keinem anderen Client begegnet.

Gibt es eine Lösung?

Klar kann man zwei Clients parallel betreiben. Es ist aber schon lästig, für bestimmte Funktionen den Client wechseln zu müssen. Z. B. um nur mal eben eine Umfrage zu beantworten, muss man den Tweet irgendwie an den hauseigenen Twitter-Client senden. Das geht je nach Betriebssystem und verwendetem Dritthersteller-Client mal einfacher, mal weniger.

Die Frage ist also, ob man das möchte, oder ob man vielleicht lieber auf die Filterfunktionen verzichtet, sich dafür aber durch Tweets zum sonntäglichen Krimi quält, den man selbst seit Jahren schon nicht mehr guckt, oder gesponsorte Tweets und solche, die unsortiert in die Timeline gespült werden, erträgt, dafür aber nur noch einen Client nutzt.

Ich habe für mich dafür noch keine Lösung gefunden, empfinde die aktuelle Situation aber als sehr unbefriedigend. Vielleicht, so ein spontaner Gedanke beim Schreiben, sollte ich mal eine Challenge machen, eine Woche oder so nur mit den hauseigenen Twitter-Clients verbringen. Oder gucken, wie lange ich durchhalte, ohne wahnsinnig zu werden. 😉

Bei anderen Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Google+ (nutzt das noch jemand?) gibt es dieses „Problem“ gar nicht, es gibt nämlich keine Schnittstellen für Hersteller von Drittsoftware.

Was meint ihr? Wie handhabt ihr euer Twitter-Dasein? Hinterlasst gern einen Kommentar oder antwortet mir auf Twitter, wenn ihr diesen Beitrag über einen Tweet von mir aufgerufen habt. Ich bin gespannt! 🙂

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Eine Fahrt in einem Tesla Model S

Ich hatte es neulich auf Twitter und Facebook schon mal angedeutet, aber hier möchte ich nochmal ausführlicher über meine erste Fahrt bzw. Mitfahrt in einem Elektroauto berichten.

Letzte Woche wurde ich vom Mozilla-Büro abgeholt und zum Flughafen Toronto gefahren. Der Fahrer fuhr ein Tesla Model S, also ein Elektroauto. Es war das erste Mal, dass ich mit so einem Wagen mitgefahren bin. Hybridautos wie die von Toyota kannte ich schon, aber eben noch kein vollelektrisches Fahrzeug.

Und ich muss sagen, dass ich tief beeindruckt war. Außer einem leisen Sirren beim Beschleunigen und Abbremsen war kein Motorengeräusch zu hören. Das Sirren erinnerte mich an moderne U oder S-Bahn-Züge, nur nicht so laut. Ansonsten war das einzige Geräusch dasjenige, welches durch die Interaktion von Reifen und Straßenbelag verursacht wurde. Je besser der Belag, desto ruhiger glitt das Auto dahin. Und ja, es fuhr nicht, es glitt förmlich. Keine Vibrationen durch einen Motor, und selbst auf dem Stück Autobahn, das wir fuhren, konnte man sich bequem unterhalten, da es kaum lauter war als im Stadtverkehr. Das Fahren fühlte sich regelrecht edel an.

Als Blindem sind mir aber natürlich die Probleme, die dies für mich und andere als Fußgänger verursacht, sehr bewusst. Als wir ausgestiegen waren und der Fahrer abfuhr, hörte ich nichts davon. Die anderen Autos waren einfach zu laut, genauso wie der restliche Umgebungslärm. Solange diese Autos also mit den lärmenden Benzinern und Dieseln koexistieren müssen, brauchen sie eine akustische Markierung nach außen hin, sonst hört man sie nicht. Wenn so ein Auto an einer Ampel steht, hört man es schlicht und einfach nicht. OK, das gilt auch für Hybrid-Fahrzeuge, aber die machen ja ab irgend einem Punkt wieder Motorengeräusche.

Der Fahrer sagte aber was sehr interessantes, als wir während der Fahrt über diese Problematik sprachen. Er fährt vorsichtiger, seit er den Tesla fährt. Ihm ist sehr wohl bewusst, dass Menschen auf der Straße ihn nicht hören können, und er meinte damit nicht nur Blinde.

In meiner Brust schlagen definitiv zwei Herzen: Das eine ist das umweltbewusste, das ganz klar möchte, dass sich diese Autos sehr sehr schnell durchsetzen und die Benziner und Diesel von der Straße verdrängen. Das andere ist das des Blinden, der immer hofft und bangt, dass die Fahrer von Elektroautos so verantwortungsbewusst sind und die akustischen Warnvorrichtungen, die es in Elektroautos gibt, nutzen und nicht grundsätzlich abschalten. Erst, wenn alle Autos elektrisch sind und keine lärmenden Altfahrzeuge sie mehr übertönen können, ist ein sicheres Miteinander ohne akustische Sondervorrichtungen wieder möglich, denke ich.

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Allgemein

Änderung im Blog: Alle Verbindungen sind nun verschlüsselt

Hier ein schneller Hinweis für alle Leser: Dieses Blog verwendet ab sofort verschlüsselte Verbindungen, also solche, deren Adressen mit „https“ beginnen. Auch Links zu meinen Beiträgen, die ihr euch vielleicht als Lesezeichen gespeichert habt, werden automatisch auf ihre verschlüsselten Äquivalente umgeleitet, so dass ihr nichts weiter tun müsst.

Für euch bedeutet dies vordergründig zweierlei:

Erstens könnt ihr in der Adresszeile eures Browsers überprüfen, dass ihr euch tatsächlich auf meiner Seite befindet und nicht auf irgendeiner betrügerischen Website, die sich als meine ausgibt und meinen Inhalt kopiert hat.

Zweitens werden alle Daten, die ihr beim Hinterlassen von Kommentaren an mein Blog übertragt, u. a. ja auch die E-Mail-Adresse, nun verschlüsselt übertragen. Dadurch kann nicht mehr ohne weiteres jeder, der irgendwo am Rand der Leitung sitzt, die Daten einfach abschnorcheln.

Dies ist mein Beitrag dazu, Verschlüsselung als die Norm zu etablieren und nicht mehr als Ausnahme zu betrachten. Je mehr Leute dies tun, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man von Geheimdiensten allein aufgrund der Tatsache, dass man Verschlüsselung benutzt, als verdächtig eingestuft wird.

Sollte es wider Erwarten Probleme geben, lasst es mich bitte wissen!

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Allgemein NVDA

Wie man mit NVDA den Bildschirm erkundet

Neulich wurde ich per E-Mail gefragt, ob ich nicht einmal etwas über die verschiedenen Cursor und Navigationsmodi des NVDA schreiben könnte. Der Autor und offenbar viele andere Umsteiger von kommerziellen Screen Readern kämen mit dem andersartigen Konzept von NVDA nicht gut zurecht. Nun denn, los geht’s!

Ein wenig Geschichtliches

Als die Screen Reader Anfang der 1990er Jahre die Windows-Welt erschlossen, gab es noch keine echten Programmierschnittstellen, um grafische Informationen per Sprachausgabe oder anderen alternativen Ausgabemedien zugänglich zu machen. Die einzige Möglichkeit war, sich per diverser schmutziger Tricks in alle möglichen dokumentierten und undokumentierten Kanäle von Windows zu hängen und Informationsflüsse abzugreifen. Daraus erstellten die Screen Reader sich dann ihre eigenen Datenbanken, ein sogenanntes off-screen model. Diese Technik wurde mit Windows 3.1 eingeführt und blieb bis zum Auslaufen von Windows Millennium quasi unverändert in den Home-Betriebssystemen bestehen.

Unter Windows NT 4 musste eine etwas andere Art der Informationsbeschaffung genutzt werden, nämlich ein Grafiktreiber, der vor den eigentlichen Treiber geschaltet wurde und so die Informationen, die eigentlich für die Grafikkarte bestimmt waren, erst abschnorchelte und dann weitergab. Diese Technik blieb bis einschließlich Windows XP unverändert bestehen.

In Windows Vista und 7 verbot Microsoft diese Art der Abschnorchelung und schaffte eine Alternative Möglichkeit, einen sogenannten Spiegeltreiber, der die Informationen von Microsoft parallel zur Grafikkarte erhielt. Aber immer noch bestand eine der Hauptinformationsquellen der kommerziellen Screen Reader wie JAWS, Window-Eyes & Co. aus diesen abgeschnorchelten und somit nicht klar definierten Daten.

Parallel gab es natürlich Entwicklungen wie Microsoft Active Accessibility (MSAA), mit denen Microsoft 1997 begann, grafische Informationen auf eine standardisiertere Weise zugänglich zu machen. Diese und andere ihr nachfolgende Methoden wie Microsofts eigener Nachfolger UI Automation (UIA), die Java Accessibility Bridge benötigen kein „Abkratzen“ grafischer Informationen mehr, sondern stellen alle benötigten Informationen über Namen, Rollen und Zustandsangaben selbst zur Verfügung. Auch die Bildschirmpositionen sind hierüber abfragbar.

Da es aber unter Windows bis heute möglich ist, Anwendungen zu schreiben, die diese Programmierschnittstellen nicht bedienen, haben sich die kommerziellen Screen Reader weiterhin auf ihre Off-Screen-Modelle verlassen, um Informationen zu erhalten. Zumeist ist dies in JAWS & Co. bis heute und bis Windows 7 die Hauptinformationsquelle, obwohl die Informationen, die MSAA & Co. bieten, deutlich besser sind und nicht von z. B. abgeschnittenen Texten verunstaltet werden

Mit Windows 8 ist nun endgültig Schluss mit der Abschnorchelei von Grafiktreiberinformationen. Microsoft hat den Laden dicht gemacht, so dass so Dinge wie der JAWS Cursor unter Windows 8 fast nichts mehr sehen. Es gibt noch einige wenige Aufrufe definierter Methoden, die Microsoft erlaubt, aber die nützen in der Regel nichts mehr.

Die Lösung des Problems

Die Lösung heißt bei JAWS Touch Cursor. Und dies ist quasi ein Abgucken dessen, was NVDA schon seit Anbeginn macht, nämlich eine Bildschirmerkundung auf Basis der besseren, weil definierten, Daten der Programmierschnittstellen MSAA und UIA. Andere Betriebssysteme wie iOS; Mac und Linux/Gnome funktionieren ausschließlich auf diesen Prinzipien, und NVDA hat sich als wesentlich jüngeres Screen-Reader-Projekt unter Windows gar nicht erst mit alten Zöpfen abgegeben, sondern den modernen Ansatz gewählt.

Und NVDA gibt den ganzen Objekten hierarchische Ordnung. Container werden als solche bezeichnet und behandelt, und wenn man sich ihren Inhalt anschauen möchte, muss man hineinzoomen. Mac-Anwender kennen dieses Konzept als Interagieren von VoiceOver mit bestimmten Elementen.

Auch NVDA unterstützt die verschiedenen wenigen Bildschirm-Abfrage-Möglichkeiten inzwischen, aber bei ihnen ist es eine erst vor einigen Jahren erfolgte Nachreichung, um bestimmte Lücken zu schließen, nicht die primäre Informationsquelle.

Die verschiedenen Cursor

Auch NVDA kennt verschiedene Cursor bzw. Zustände. Da wäre zunächst der Systemfokus, der immer da ist, wo die Tastatureingaben gerade hin gehen. Das JAWS-Äquivalent ist der PC Cursor. NVDA nennt dies Fokus-Modus.

Dann gibt es den Browse-Modus, der immer dann aktiv ist, wenn in Webinhalten navigiert wird. Dies ist das Äquivalent zum virtuellen PC Cursor von JAWS.

Und dann gibt es den NVDA-Cursor, manchmal auch als Objektnavigator bezeichnet. Dies ist der Modus, der immer den gesamten Baum von Bildschirmobjekten im Blick hat. Sein Ausgangspunkt ist standardmäßig die Position bzw. das Objekt des Fokus- oder Browse-Modus. Ja, ist man in Text im Web unterwegs, ist der Ausgangspunkt tatsächlich der Absatz, auf dem man sich gerade befindet. Man braucht nicht umzuschalten, sondern legt gleich mit der Erkundung los:

  • Mit NVDA-Taste und den Ziffernblocktasten 4 und 6 geht man auf einer Ebene ein Objekt zurück oder vorwärts. Im Laptop-Layout ist die Tastenkombination NVDA-Taste+Umschalt-Taste+Pfeil links oder rechts. Auf einem Touchscreen unter Windows 8 und 8.1 mit zwei Fingern nach links oder rechts wischen. Das Wischen mit einem Finger bewegt den objektnavigator zum nächsten oder vorherigen Element dem Bildschirmlayout entsprechend und hat keine Entsprechung per Tastatur.
  • Um eine Ebene nach oben zu gehen, also zum Container, der das aktuelle Objekt enthält, drückt man NVDA+Ziffernblocktaste 8 bzw. NVDA+Umschalt-Taste+Pfeil rauf. Um in einen Container hineinzuzoomen, drückt man entsprechend NVDA+Ziffernblocktaste 2 oder NVDA+Umschalt-Taste+Pfeil nach unten. Auf einem Touchscreen wischt man nach oben bzw. unten.
  • Um die Standardaktion des aktuellen Elements im Objektnavigator auszuführen wie einen Schalter zu aktivieren, drückt man NVDA+Ziffernblocktaste Eingabe bzw. NVDA+Eingabe auf dem Laptop, oder man führt einen Doppeltipp auf einem Touchscreen aus. Es ist also nicht nötig, die Maus zu diesem Objekt zu ziehen und dort zu klicken.

Standardmäßig arbeitet NVDA in einem reduzierten und somit übersichtlichen Objektnavigator-Baum, der unnötige Zwischencontainer und leere Elemente ausblendet. Um wirklich eine haargenaue Darstellung zu bekommen, kann man in den NVDA-Einstellungen unter NVDA-Cursor aber den genauen Modus anschalten, indem man das Kontrollfeld „Einfacher Darstellungsmodus“ deaktiviert.

Es ist auch möglich, mit den oben beschriebenen Navigatortasten den Bildschirm zu erkunden, so wie der Sehende ihn sieht, aber das ist nur ein sekundärer Modus, der eigentlich nur in Ausnahmefällen wie manchen Dialogen von Total Commander o. ä. nützlich ist. Man schaltet ihn mit NVDA+Ziffernblocktaste 7 bzw. NVDA+Umschalt-Taste+Seite Rauf ein und NVDA+Ziffernblocktaste 1 bzw. NVDA+Umschalt+Seite Abwärts wieder aus. Bitte beachten: Dies entspricht nicht der Erkundung eines Touchscreens, sondern dem doch sehr rudimentären Konzept des JAWS Cursors oder ähnlicher Konzepte bei anderen kommerziellen Screen Readern.

Wenn man ein Notebook mit Touchpad, eine angeschlossene Maus am PC oder einen Convertible mit Touchscreen oder gar ein Windows Tablet hat, auf dem NVDA läuft, kann man außerdem einfach mit der Maus bzw. dem Finger den Bildschirm erkunden. NVDA gibt gesprochenes Feedback, orientiert sich aber wieder ausschließlich an per Programmierschnittstellen ordentlich wiedergegebenen Objekten. Hat man ein Element gefunden, auf das man klicken möchte, kann man entweder mit der Maus bzw. dem Touchpad klicken oder ein Doppeltippen ausführen, weil der Objektnavigator dem Finger folgt.

Man kann aber auch die Maus zum Navigatorobjekt ziehen, nämlich mit NVDA+Zifferntaste Minus bzw. NVDA+Umschalt+M. Ein Mausklick mit der linken Taste wird dann mit Ziffernblocktaste Schrägstrich bzw. NVDA+Ü ausgeführt, ein rechter mit Ziffernblocktaste Sternchen oder NVDA+Plustaste.

Text erforschen und kopieren

Innerhalb eines Navigatorobjekts kann man auch Text erforschen und kopieren. Die Ziffernblocktasten 7, 8 und 9 gehen dabei eine Zeile rauf, lesen die aktuelle Zeile oder gehen zur nächsten Zeile. Die Ziffernblocktasten 4, 5 und 6 tun das gleiche mit dem aktuellen Wort, die Ziffernblocktasten 1, 2 und 3 tun das gleiche mit dem aktuellen Zeichen. Links geht immer eines zurück, die Mitte liest, rechts geht eines weiter. Das funktioniert übrigens auch wunderbar in der Eingabeaufforderung.

Für Laptops sind die Tasten wie folgt: NVDA+Pfeiltasten links und rechts lesen zeichenweise, NVDA+Pfeil rauf und runter lesen zeilenweise, NVDA+Strg+Pfeil links und rechts lesen wortweise. NVDA+Satzpunkt liest das aktuelle Zeichen, NVDA+Umschalt-Taste+Satzpunkt liest die aktuelle Zeile und NVDA+Strg+Satzpunkt liest das aktuelle Wort.

Auch mit Touchscreens kann man Text erforschen: Zunächst schaltet man mit wiederholtem Tippen mit drei Fingern in den Textmodus um. Danach bewirkt ein Streichen mit einem Finger nach links und rechts ein Lesen des vorherigen bzw. nächsten zeichens, nach oben und unten navigiert zeilenweise, und mit zwei Fingern nach links und rechts streichen liest das vorherige bzw. nächste Wort. Das aktuelle Wort wird durch nach oben wischen vorgelesen, eine Geste, die stärker ist als das Streichen.

Zum Lesen der aktuellen zeile des Systemcursors, also dessen, wo sich gerade die Tastatureingaben abspielen, gibt es einen gesonderten Befehl. Auf Desktops ist dies NVDA+Pfeil Rauf, und zwar die Pfeiltaste der normalen Tastatur. Da diese auf Laptops bereits belegt ist (siehe oben), gibt es dort den Befehl NVDA+L.

Möchte man beliebigen Text vom Bildschirm kopieren, geht man wie folgt vor:

  1. Man bewegt sich mit den entsprechenden Navigationsbefehlen auf den Textanfang, den man markieren möchte und drückt NVDA+F9.
  2. Man bewegt sich nun aufs Ende des zu markierenden Textes und drückt NVDA+F10. Das Zeichen unter dem Navigator-Cursor wird dabei in die Auswahl mit einbezogen.

Der Text wird nun sofort in die Zwischenablage kopiert und kann weiterverwendet werden. Wichtig ist, dass man erst den Startpunkt markiert, eine umgekehrte Reihenfolge, also von Ende zu Anfang markieren, wird von NVDA nicht unterstützt. Auch auf Touchscreens wird diese Funktion zur Zeit nicht unterstützt.

Ein Beispiel

Ein Beispiel, nach dem ich konkret in der Mail gefragt wurde, soll nun folgen, nämlich das Erfassen der Eigenschaften einer Datei. Ich habe mir mal ein Dokument vorgenommen und seine Eigenschaften mit Alt+Eingabetaste geöffnet. Die unten stehenden Schritte erläutern das Vorgehen unter Windows 8.1, sollten aber ähnlich auch in Windows 7 funktionieren.

  1. Der Fokus landet bei mir auf dem Kontrollfeld „Schreibgeschützt“. Weiterhin liest NVDA einmal den gesamten Sermon des Dialogs vor, aber das kann sich ja kein Mensch so schnell merken!
  2. Also beginne ich mal, indem ich mit dem navigator zum Elternelement gehe. Das ist NVDA+Pfeil Rauf bzw. NVDA+Umschalt+Pfeil Rauf auf Laptops. Ich lande auf „Allgemein Eigenschaftsseite“. Jetzt kann ich beginnen, die Infos von vorn nach hinten zu lesen.
  3. Ich drücke nun die Tastenkombination zum Reinzoomen, also das erste Kindelement dieser Eigenschaftsseite zu lesen. Das ist NVDA+Ziffernblock 2 bzw. NVDA+Umschalt+Pfeil Runter auf Laptops.
  4. Ich lande auf einer unbeschrifteten Grafik. Das ist keine Grafik, die er durch Bildschirmabkratzen gefunden hat, sondern eine, die tatsächlich ohne Beschriftung so definiert wurde. Nun wandere ich mit NVDA+Ziffernblock 6 bzw. NVDA+Umschalt+Pfeil Rechts Objekt für Objekt weiter. Als erstes kommt der Dateiname, dann wieder eine Grafik, dann der Dateityp, dann ein Öffnen mit, dem sogar noch ein Button fürs Ändern folgt, und dann der Dateipfad. Na,e, Typ und Dateipfad sind schreibgeschützte Eingabefelder. Mit Tab komme ich nicht zu allen hin, mit dem Objektnavigator schon, und vor allem kann ein Sehender mit der Maus reinklicken, um z. B. den Pfad o. ä. zu kopieren. Nun, wir können das auch.
  5. Mit NVDA+Eingabetaste setze ich den Fokus in das Eingabefeld Pfad. Das bewirkt, dass der Systemfokus sich ändert und wir ab sofort wieder damit interagieren. jetzt kann ich z. B. mit Strg+A den Text markieren, wenn das noch nicht der Fall ist und ihn mit Strg+C kopieren.
  6. Mit NVDA+Ziffernblock 6 bzw. NVDA+Umschalt+Pfeil Rechts kann ich jetzt einfach weiter navigieren, wir sind ja schon ein gutes Stück weit gekommen und müssen nicht wieder von vorn anfangen.
  7. Wandert mal weiter bis zum Schalter „Erweitert“. Ein Weiterwandern verursacht die Meldung „Kein weiteres objekt“. Hier sind wir also am Ende angekommen. Wie in Schritt 2 können wir jetzt wieder zum Elternelement wandern und z. B. gucken, was es auf der Ebene noch gibt. Da finden sich bei mir als nächstes, also nach der Allgemein Eigenschaftsseite, noch der OK Button, der Abbrechen Button und ein Container namens Registerkarte, der die Tabs Allgemein und Details enthält.

Alles klar? 🙂

Fazit

Ich hoffe, dass mit dieser kleinen Einführung etwas Licht ins Dunkel der verschiedenen NVDA-Modi gebracht wurde! Wichtig ist sich klarzumachen, dass bei NVDA alles standardmäßig ein Objekt mit ordentlichen Eigenschaften ist und nicht eine platte Bildschirmdarstellung ohne semantischen Bezug zu dem, was das objekt ist, was es tut und in welchem Zustand es sich befindet. Und eines noch: Es gibt keine Möglichkeit, Grafiken zu beschriften. Dieser Altlast hat sich NVDA niemals bedient. 😉

Gerade wenn man schon mit VoiceOver auf dem Mac vertraut ist, kommen einem viele Konzepte hier wieder bekannt vor. Man hat immer eine genaue Kontrolle darüber, welche objekte da sind und welche nicht, und es gibt keine Ungenauigkeiten außer denen, die tatsächlich aus Fehlern in Anwendungen resultieren. Aber Ungenauigkeiten durch Bildschirmneuaufbauten, durch die kommerzielle Screen Reader schon immer gern mal aus dem Tritt gerieten, gibt es bei NVDA nicht.

Viel Spaß beim Erforschen! 🙂

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Allgemein WordPress

Alles neue macht der August

Einige haben es vielleicht bemerkt, und wenn ja, sorry dafür, aber das Blog war heute kurzfristig nicht erreichbar. Der Grund ist ein Facelifting, das dieses Blog erfahren hat. ich habe es nicht nur auf eine Multi-Site-WordPress-Installation umgestellt, mit der ich in Zukunft alle meine Blogs verwalte und die mir eine eindeutig leichtere Handhabung ermöglichen wird. Ich werde hiermit in Zukunft auch leichter Nebenprojekte realisieren können, ohne auf externe Dienste angewiesen zu sein. Wegen der Klasse und so. 😉

Es gibt auch ein neues Theme, nämlich das zugängliche und responsive Theme Simone.

Und da dies alles jetzt auf einem performanteren Webspace lagert, sollte die allgemeine Geschwindigkeit auch deutlich besser sein. Hoffe, es gefällt euch! Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!

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Allgemein

Schnellanleitung: Telekom-Rufnummer in Acrobits Softphone einrichten

In den Kommentaren zu einem meiner früheren VoIP-Artikel wurde die Frage gestellt, was man genau in Acrobits Softphone, einem der populären SIP-Clients für iOS und Android, eintragen muss, damit man seine Telekom-Rufnummer auch hiermit nutzen kann. Die Terminologie von Acrobits und Telekom unterscheiden sich etwas, so dass ich hier mal eine „Übersetzung“ zur Verfügung stellen möchte, die vielleicht dem einen oder anderen Leser das Einrichten erleichtert.

Als Datenbasis dient diese Übersicht von der Telekom. Die Einstellungen sind in Acrobits Softphone und GroundWire wie folgt zu machen:

  • Kontoname: Beliebig wählbar.
  • Benutzername: Die eigene Rufnummer inklusive Vorwahl, nach dem Schema 0401234567
  • Kennwort: Das Kennwort, das zur Kundencenter-Login-E-Mail-Adresse gehört. Oder wenn nur am heimischen Anschluss verwendet wird, leer lassen.
  • Bildschirmname: Exakt wie Benutzername oben, also 0401234567
  • Domain: Das, was bei der Telekom als Registrar angegeben ist, also tel.t-online.de
  • Weitere Einstellungen -> Auth-Benutzername: Die Kundencenter-Login-E-Mail-Adresse, oder anonymous@t-online.de, wenn nur am heimischen Anschluss über WiFi genutzt wird

Alle anderen Einstellungen so lassen, wie sie sind, also keinen Proxy eintragen und keine Ports verändern. Lediglich die Audio- und Video-Codecs können gern nach Belieben angepasst werden. Nach dem Speichern ist die Rufnummer dann sofort mit dem Softphone nutzbar.

Die Rufnummern bei der Telekom unterstützen die sogenannte Nomadisierung, also das Nutzen von anderen als dem heimischen Anschluss aus. Einzige Voraussetzung ist, dass man sich in einem Telekom-Netz befinden muss, also z. B. an einem Hotspot der Telekom oder bei einem Freund, der auch einen Telekom-Anschluss hat. Und wenn man sich in seine FRITZ!Box einen VPN-Zugang schafft, klappt’s auch hierüber von jedem anderen Internetzugang. 😉

Viel Spaß beim VoIPen!

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VoIP-Umstellung erfolgt, bye bye altes Festnetz

Heute Vormittag war es soweit: Um kurz nach 9 Uhr bekam ich einen anruf von einem Telekom-Techniker, dass er mich jetzt auf eine „andere VDSL-Plattform umstellen“ würde und ich die VoIP-Rufnummern im Router konfigurieren könne.

Gesagt, getan: Ich stöpselte also den Splitter von der TAE-Dose ab, zog das Y-Kabel der Fritz!Box aus dem Splitter und steckte es in den dafür vorgesehenen DSL-Adapter. Dieser landete dort, wo vorher der Splitter steckte. Kurz darauf war die Internetverbindung wieder da.

Ich ging dann strikt nach dieser Anleitung von AVM vor, bis auf den Teil über Entertain, weil das hier nicht genutzt wird. Im Handumdrehen waren die Nummern wieder eingetragen, die Einstellungen für die DECT-Telefone, das Fax und die Anrufbeantworter wieder nachjustiert und alle sonstigen Telefonie-Einstellungen wie Rufweiterleitungen und Rufsperren überprüft.

Um 10 Uhr war alles fertig und läuft prima. Und nun bin ich gespannt auf meinen ersten Anrufer, der auch bei der Telekom ist und auch HD-Telefonie kann. 😉 Zwei inzwischen getätigte Telefonate mit Standard-Anschlüssen funktionierten jedenfalls wie sonst auch ohne Qualitätsunterschied.

Die einsamen NTBA und Splitter werde ich dieser Tage zur Telekom tragen und dort zur Weiterverwendung oder Entsorgung abgeben. Das war die Ära klassisches Festnetz für mich! Es hat mir sehr lange treue Dienste geleistet. Bye bye!

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Kurzes Update zu VoIP oder nicht VoIP

Inzwischen ist VoIP keine Frage mehr. Nach noch ein wenig mehr Recherche, einigem weiterem Feedback auf meine bisherigen zwei Artikel zum Thema und einem ausführlichen Gespräch mit meiner Herzdame habe ich am vergangenen Montag eine Vertragsverlängerung mit neuem Tarif bei der Telekom beantragt. Der Auftrag wurde mir bestätigt, und die Umstellung soll am 09.07.2014 erfolgen. Man darf gespannt sein!