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VoIP oder nicht VoIP, Sammlung von erstem Feedback und weitere Recherche

Nach meinem ersten Post zum Thema Umstieg auf VoIP für unseren Telefonanschluss gingen nicht nur hier ein paar Kommentare ein, sondern auch auf Facebook und Twitter. Hier zunächst mal einiges öffentliches Feedback zu meinem Post von Twitter:

…und einen einzigen Tweet mit echter Problembeschreibung nach der Umstellung:

Das Feedback ist also relativ anbieterunabhängig überwiegend positiv zu bewerten.

Auf Facebook kam noch die Frage auf, was denn eigentlich mit Analoganschlüssen nach der Umstellung passiert, wo überhaupt kein DSL vorhanden ist. Darauf gibt der C’T-Artikel aus Ausgabe 23/2012, S. 124 ff. Antwort, der leider nur als kostenpflichtiger Download zur Verfügung steht. Bei solchen Anschlüssen übernimmt die Telefongesellschaft, also in der Regel die Telekom, den Internetzugang in der Vermittlungsstelle. Die Geräte dafür heißen POTS (Plain Old Telephone System), und der Anschlussinhaber bekommt davon im Zweifel gar nichts mit.

Ein weiterer angesprochener Punkt ist die sog. Nomadisierung des Anschlusses. Das bedeutet, dass man seinen Festnetzanschluss nutzen kann, auch wenn man in einem fremden WLAN angemeldet ist, indem man einen Sip-Client auf dem Computer oder Smartphone installiert und mit seinen Zugangsdaten füttert. Sipgate unterstützt diese von Haus aus, weil es sich hier um einen Anbieter ohne Festnetzbindung handelt. Die Telekom unterstützt sie ebenfalls. Andere Anbieter wie O2 unterstützen sie nicht. Man erkennt dies in der Regel daran, ob man für seinen Zugang echte Zugangsdaten bekommt (wie bei der Telekom) oder einen Router, den man einsetzen muss und der sich nur mit einer PIN im Netz anmeldet und alles andere selbst übernimmt (O2). Bei der Nomadisierung ist nur ein wichtiger Punkt zu beachten: Wählt man einen Notruf, gehen Polizei und Feuerwehr davon aus, dass man sich an seinem Festnetzort befindet. Ist man woanders, muss man dies entweder selbst mitteilen können oder im Vorwege konfigurieren, welchen Standort der VoIP-Anbieter im Falle eines Notrufs übermitteln soll, wie man dies z. B. bei Sipgate konfigurieren kann.

Apropos Sip-Clients: Für Windows gibt es den Client PhonerLite, welcher weitgehend gut zu bedienen ist und bei Sipgate sogar direkt, mit den eigenen Daten vorkonfiguriert, heruntergeladen werden kann. Für Screen-Reader-Benutzer ergeben sich ein paar leichte Probleme mit nicht beschrifteten buttons und manchmal einer etwas eigenwilligen Tastaturbedienung. Ansonsten scheint es aber nach meinen bisherigen Tests gut mit NVDA zusammenzuarbeiten.

Für iOS bin ich nach etwas Recherche auf Acrobits Softphone gestoßen, der vollständig mit VoiceOver bedienbar ist. Die Konfiguration von Sipgate ist denkbar einfach, und durch die Möglichkeit, Anrufe per Push-Service entgegenzunehmen, muss dieser Client auch nicht ständig im Hintergrund laufen und Batteriestrom verbrauchen.

Eine weitere Frage, die bei uns aufkam, und für die ich mal etwas recherchiert habe, ist die des Datenschutzes und der Abhörsicherheit von VoIP-Gesprächen im Vergleich zu Festnetztelefonie. Habe einen Forums-Thread dazu gefunden, der mir der vielversprechendste erschien. Die wirklich wichtigen Infos stehen in den Beiträgen 6 und 7, das Fazit des Fragestellers in Beitrag 8.

Ein letzter Punkt in diesem Beitrag betrifft die viel beworbene HD-Telefonie, die mit VoIP möglich wird. Die Realität hierzu scheint im Moment noch zu sein, dass netzintern (also von Telekom zu Telekom oder Sipgate zu Sipgate) bei entsprechenden Endgeräten auf beiden Seiten Verbindungen problemlos zustandekommen, dies über Netzgrenzen hinweg aber noch nicht funktioniert. Da die Sprachqualität in der Tat deutlich höher ist als beim herkömmlichen Codec (der Frequenzumfang verdoppelt sich fast), ist zu hoffen, dass im Zuge der immer weiter fortschreitenden Umstellung auf VoIP diese Netzgrenzen wegfallen.

Ich danke nochmals allen, die mir auf verschiedenen Wegen Feedback zu meinem ersten Beitrag gegeben haben! Feedback ist auch weiterhin sehr willkommen, das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, die Entscheidung für eine baldige Umstellung noch nicht gefallen. 🙂

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VoIP oder nicht VoIP, das ist hier die Frage

Nun, um ehrlich zu sein, es ist wohl inzwischen tatsächlich keine Frage mehr des „ob“, sondern des „wann“, dass in Deutschland alle Telefonanschlüsse auf die moderne IP-Technologie (Internet-Protokoll) umgestellt werden. Meldungen wie diese verfestigen den Eindruck, dass es dem klassischen Telefonanschluss, mit dem ich aufgewachsen bin, tatsächlich an den Kragen geht. Es wird davon ausgegangen, dass mit ISDN und analogen Anschlüssen spätestens 2018 schluss ist.

Dies war Grund genug für mich, mich endlich mal darum zu kümmern, wie meine eigene Festnetz-Telefonversorgung in Zukunft aussehen soll. Denn eines ist klar, ein „weiter so“ wird nicht mehr lange gehen.

Dabei bin ich, was IP-basierte Anschlüsse angeht, kein unbeschriebenes Blatt. In einer etwas turbulenten Zeit vor etwa vier Jahren war ich ein Dreivierteljahr Inhaber eines Anschlusses bei Alice (heute Telefónica O2), der IP-basiert war. Und, ach herrjee, hatte ich Probleme! Verbindungsabbrüche, sehr problematische Verständlichkeit der Sprache, wenn eine Seite eine Freisprecheinrichtung nutzte, und ein immer wieder mal hörbares Rauschen waren nur drei der Probleme, mit denen ich zu kämpfen hatte. Das guckte ich mir, wie gesagt, ein knappes Dreivierteljahr an und wechselte dann dank einer vierwöchigen Kündigungsfrist zur Telekom. Die bot mir nicht nur einen „sicheren Hafen“ mit einem analogen Anschluss, sondern obendrein auch noch einen VDSL-50-Anschluss, der in meiner damaligen Wohnlage ganz frisch verfügbar war. Wow, was für ein Gewinn!

Wiederum ein Dreivierteljahr später zog ich aus der Hamburger Randlage in meine heutige Wohnung in Hamburg Barmbek-Süd um und nahm den Telefonanschluss gleich mit. Ein halbes Jahr später bohrte ich diesen auf einen ISDN-Anschluss auf, weil eine veränderte Lebenssituation eine weitere Telefon- und eine Faxnummer erforderte. 😉 Auch ein IP-basierter Anschluss wurde mir vorsichtig angeboten, da die schlechten Erfahrungen aber erst zwei Jahre zurück lagen, lehnte ich dankend ab.

Dieser Vertrag ist nun ausgelaufen und läuft halt so weiter, aber es ist eben ein ISDN-Anschluss mit inzwischen allgemein veralteter Technik. ISDN wurde in den 1990er Jahren eingeführt und hat sich seitdem quasi nicht verändert. Wie in der C’T 23/12, S. 124 ff. zu lesen ist, gibt es inzwischen immer mehr Probleme bei der Versorgung mit Ersatzteilen für diese alte Technik, und Mitarbeiter der Telefongesellschaften mit dem Knowhow dafür gibt es aus Altersgründen auch immer weniger.

Dabei gibt es noch ein weiteres Problem, das mich beim Thema VoIP-Anschluss recht misstrauisch stimmt und welches z. B. auch in diesem PC-Welt-Artikel zum Thema angeschnitten wird: Ist der Strom weg oder das Internet ausgefallen, ist auch die Telefonversorgung weg. Bei zwei Menschen mit Schwerbehinderungen durchaus kein unwesentlicher Faktor, denn es kann ja immer ein Notfall eintreten, der ein schnelles Absetzen eines Anrufs erforderlich macht. Bei näherer Betrachtung stellte sich aber heraus: Dieses Problem habe ich mir schon mit einem ISDN-Anschluss eingehandelt, zumindest was den Aspekt des Stromausfalls angeht. Ein NTBA (ISDN-Box der Telekom) hat seine eigene Stromversorgung. Ist die weg, funktioniert höchstens noch eine Notspeisung aus der Telefondose. Da in diesem Haushalt aber kein reines ISDN-Endgerät außer der Fritz!Box mehr vorhanden ist, hätten wir im Fall eines Stromausfalls tatsächlich kein Telefon.

Von Telekom-Mitarbeitern wird für diesen Fall immer gern angeführt: „Ja, aber heute hat doch jeder ein Handy!“ Das stimmt, und auch in diesem Haushalt gibt es zwei davon. Allerdings befindet sich dieser Haushalt auch in einem verdammt solide gebauten Neubau von 2010. Während draußen die Versorgung mit LTE beim Vollanschlag ist, ist diese Versorgung schon beim Betreten des Treppenhauses und dem Zufallen der Haustür auf Edge reduziert. 3G hat hier auch noch nie funktioniert. In der Wohnung schwankt die Versorgung mit Edge zwischen 0 und 3 Balken (iPhone). Ja, es gibt regelmäßig den Fall, dass das Handy tatsächlich keinen Netzempfang hat. Das betrifft übrigens nicht nur Mobilfunkanschlüsse der Telekom, sondern aller vier – ach nee, bald sind’s ja wohl nur noch drei – Anbieter. Besonders im Wohnzimmer ist die Versorgung mit Mobilfunk sehr wackelig. Ob und wie dies gelöst werden kann, weiß ich noch nicht.

Auch muss ich zugeben – und ich werde von der Telekom nicht dafür bezahlt, dass ich das schreibe -, dass in den drei Jahren, die ich jetzt in Barmbek wohne, der DSL-Anschluss kein einziges Mal ausgefallen ist. Ausfälle lagen entweder an einer abgestürzten Fritz!Box oder am Verschlucken der Time Capsule, die bei uns das primäre WLAN zur Verfügung stellt. Ich schätze mal vorsichtig eine Verfügbarkeit von 99,9%. Das beruhigt, zumal bei Wegfall bei einer eventuellen Umstellung auf der Leitung nur noch ein Signal läuft, nämlich das DSL-Signal, das ISDN-Signal aber wegfällt, eventuelle Störeinflüsse also noch weiter verringert werden würden. Also sind die Bedenken wegen der Trennung von Telefon- und Internetversorgung zwar nicht gänzlich zerstreut, aber doch zumindest sehr stark vermindert.

Um nach diverser Lektüre von Foren, der Infoseite zum IP-basierten Anschluss der Telekom, zeitschriften- und Online-Artikeln mal echte VoIP-Erfahrungen jenseits von Skype und FaceTime zu sammeln, besorgte ich mir nun einen Zugang zu Sipgate Basic. Bei diesem Prepaid-Tarif bindet man sich vertraglich nicht, hat aber eine Rufnummer und die Möglichkeit, einen VoIP-Anbieter auf aktuellem Stand zu testen.

Die Einrichtung in der Fritz!Box 7390 war kinderleicht, innerhalb von Minuten konnte ich den Anschluss nutzen. Beim Testen stellten meine Herzdame und ich fest, dass mein olles Gigaset ASS28H, 2008 gebaut und 2010 für 30 Euro bei Saturn gekauft, sogar schon HD-Telefonie kann. Weitere Tests zeigten bisher, dass keine der Kinderkrankheiten von meinem damaligen Alice-Anschluss hier bisher aufgetreten sind. ich telefonierte heute Vormittag länger mit meiner Mutter, und sie hat fast immer die Freisprecheinrichtung an. Es gab keine Abbrüche, keine Sprachverständigungsschwierigkeiten und keine Echos. Ihr Anschluss ist ein ganz klassischer Analoganschluss der Telekom.

Auch bei Anrufen zu meiner Schwester (bei Alice) und besten Freund, bei dem ich nach einer Umleitung auf dem Handy landete, gab es keinerlei bzw. die bei Handytelefonaten durchaus üblichen akustischen Effekte. Beide bestätigten mir auch, dass ich nicht anders klingen würde als sonst.

Nach diesen ersten positiven Erfahrungen werde ich mit Sipgate noch weiter testen, die Bedenken zerstreuen sich aber zusehens. Auch beim „Gerätepark“ muss nichts erneuert werden. Die Fritz!Box 7390, immer auf dem aktuellen Stand gehalten, kann nicht nur VDSL, sondern auch seit der FritzOS-Version 6.0 das Vectoring, das VDSL nochmals aufbohrt. IP-Telefonie über diverse Anbieter, HD-Telefonie usw. gehören genauso zum Funktionsumfang, da braucht nichts nachgerüstet werden. Im Gegenteil: Sollten wir uns zum Umstieg bzw einer Vertragsverlängerung mit Umschalten zu einem IP-basierten Anschluss entscheiden, würde der NTBA und der Splitter (Frequenzweiche für ISDN und DSL) wegfallen, also weniger Kabel und ein Stromfresser weniger vorhanden sein. Ich bin gespannt, wie’s weiter geht!

Habt ihr Lust, mal eure Erfahrungen mitzuteilen, wenn ihr schon auf VoIP umgestellt habt oder umgestellt wurdet? Ich wäre sehr wissensdurstig! 😉

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Blogstöckchen

Oha, ein seltenes Ereignis ist eingetreten! Doris hat mir ein Blogstöckchen zugeworfen. Und frei nach dem Motto „auch ein blindes Huhn fängt mal ein Stöckchen“ fange ich diesen mal auf und beantworte gern die folgenden Fragen:

Wann und wie hast du Bekanntschaft mit diesem „Neuland“ gemacht?

Das ist schon ganz lange her! Meine allererste Mailbox-Erfahrung, quasi ein Vorläufer des kommerziellen Internets, in dem sich sogenannte User in anderer Leute Computer, die eine bestimmte Software laufen hatten, per Modem einwählen konnten, fand im Jahr 1986 statt. Der Bondwell-Laptop eines Erziehers aus dem Internat, ein 300-bps-Akustikkoppler, ein Telefon mit Wählscheibe und ein 9-Nadel-Drucker waren die Werkzeuge damals. Das Ziel war, eine Anleitung für ein Gerät zu bekommen. Über die Telefonleitung wurde diese Anleitung in einer ein-stündigen Aktion quasi direkt auf den Drucker durchgeschleift. Downloads in dem Sinne gab es kaum. Wir aßen währenddessen gemütlich zu Abend. 🙂

1994 lernte ich dann Compuserve kennen. Und von da ab ging es immer höher immer schneller über verschiedene Anbieter wie Netsurf, UUNet, und jetzt bin ich schon seit ganz langer Zeit Kunde bei der Telekom. Und in den ersten Jahren betrieb ich vor allem für Online-Banking auch noch einen BTX-Zugang. Online-Banking mache ich seit 1991.

Warum bloggst du?

Ich blogge in der Hauptsache, um Informationen zu Barrierefreiheit im Netz und anderswo zu verbreiten. Ab und an blogge ich auf einem separaten Blog aber auch über persönliche oder politisch-gesellschaftliche Themen außerhalb meines Hauptthemas.

Welche Blogs liest du regelmäßig?

„Regelmäßig“ ist immer ein schwieriges Thema bei mir. Es gibt mittlierweile so viele Informationsquellen und Themen, dass es schwierig ist, eine Auswahl für den Feed Reader zu treffen. Ich habe zwar einen, lasse mich aber heute eher von Twitter oder Aggregations-Apps wie FlipBoard inspirieren.

Welches Hobby hast du und wie widmest du dich diesem Hobby?

Ich denke, mein größtes Hobby habe ich zum Beruf gemacht, nämlich die Informatik/Computertechnik. Daher widme ich mich diesem tagtäglich in verschiedenster Ausprägung. ich bin von neuen Entwicklungen immer sehr fasziniert und bin auch so einer, der sowas dann auch gern ausprobieren muss. Ich war, glaube ich, einer der ersten Blinden, der in Deutschland ein iPhone hatte, das erste bedienbare Touchscreen-handy.

Desweiteren spiele ich gern Keyboard und singe, laut der Meinung anderer auch wohl gar nicht so schlecht, habe das aber nie kommerziell verwertbar betrieben. 😉

Was würdest du gerne können?

Da ich mein Hobby zum Beruf gemacht und mit Mozilla meinen Traum-Arbeitgeber gefunden habe, ist diese Frage recht schwierig zu beantworten. Aber doch: Es gibt Tage, da nervt es mich sehr, dass ich wegen meiner Blindheit mich nicht einfach ins Auto setzen und mal eben schnell etwas erledigen kann. Trotz der sehr guten Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel gibt es ab und an doch Situationen, in denen es einfach verdammt unpraktisch ist, nicht gucken zu können und nicht einfach wie viele sehende Freunde und Kollegen einfach mal schnell mit dem Auto irgendwo hin zu fahren, z. B. eine Besorgung machen, die man sich in den Kofferraum packt, und diese dann nach Hause zu fahren. Der logistische Mehraufwand, der durch das angeiwesen-Sein auf Öffis einfach entsteht, ist an manchen Tagen echter Nervkram und hält mich immer häufiger und immer regelmäßiger davon ab, den lokalen Einzelhandel zu unterstützen und diese Dinge dann doch einfach übers Internet zu bestellen. Dauert zwar einen oder zwei Tage länger, wird mir dafür dann aber ins Haus geliefert.

Welches Lied/Musikstück möchtest du mit uns teilen, weil es dir so gut gefällt oder du es ganz schrecklich findest?

Da fällt mir eigentlich nur eines ein: Einige von euch wissen vielleicht, dass eine meiner Lieblings-Bands die Bee Gees sind. Und eines der frühen Stücke, in denen der älteste, Barry, die Hauptstimme singt, ist das Stück Words, das ich auch gern mal zu Keyboardbegleitung singe. Vielleicht mache ich davon demnächst auch mal eine Aufnahme. Bis dahin habe ich hier ein Video davon für euch. 🙂

Welche Stadt sollte man unbedingt bereist habe und warum?

Auch hier fällt mir die Antwort leicht: Meine Wahlheimat Hamburg natürlich! Sie ist vielseitig, sie hat sehr viele spannende Ecken auch abseits der Touristenziele, die Menschen sind freundlich und nicht leicht gestresst. Hamburg ist einfach immer eine Reise wert!

Was regt dich auf?

Inkompetenz. Es kommt leider viel zu oft vor, dass ich anderen leuten erklären muss, wie sie ihre Arbeit zu machen haben. Das sind zumeist Behördenmitarbeiter oder Behörden angegliederte Organisationen wie die GEZ oder ähnliche. Aber ich habe eine sehr niedrige Toleranzschwelle dafür, dass eigentlich eindeutige Sachverhalte von jemandem, der das mal gelernt hat, nicht umgesetzt werden können und ich als eigentlich Kunde und Laie derjenigen Person dann erklären muss, was sie zu tun oder zu lassen hat. Und diese Toleranz schwindet mit zunehmendem Alter auch immer mehr.

Was ist dein Lieblingskoch- oder -backrezept?

Ganz klar die Pfannkuchen meiner Herzdame. Gerade weil sie nach keinem festen Rezept gemacht sind und jedes mal etwas anders schmecken. Und sie schmecken immer gut! 🙂

Zeig uns den Blick aus deinem Küchenfenster.

Kann ich gerade nicht, weil ich nicht zu Hause bin. Daher gibt’s hier mal eine Panoramaaufnahme, die ich heute morgen aus meinem Hotelzimmer in Downtown Toronto gemacht habe:

Und da ich die Fragen eigentlich ganz schön fand, gebe ich sie einfach mal weiter, und zwar an eimerchen, Sintaura und Wandklex. Meine Herzdame hat von Doris ebenfalls schon ein Blogstöckchen bekommen, daher wird sie in dieser Aufzählung ausnahmsweise mal nicht einbezogen. 😉

Und hier nochmals die Fragen:

Wann und wie hast du Bekanntschaft mit diesem „Neuland“ gemacht?
Warum bloggst du?
Welche Blogs liest du regelmäßig?
Welches Hobby hast du und wie widmest du dich diesem Hobby?
Was würdest du gerne können?
Welches Lied/Musikstück möchtest du mit uns teilen, weil es dir so gut gefällt oder du es ganz schrecklich findest?
Welche Stadt sollte man unbedingt bereist habe und warum?
Was regt dich auf?
Was ist dein Lieblingskoch- oder -backrezept?
Zeig uns den Blick aus deinem Küchenfenster.

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Wie ich zum Programmieren kam

Heute ist der 20. November. Und an diesem 20. November feiert Turbo Pascal seinen 30. Geburtstag. Diese revolutionäre Entwicklungsumgebung, die zum ersten Mal unter MS-DOS Editor und Compiler, und später auch Debugger, unter einem Dach vereinte, war auch mein Einstieg in die Welt des Programmierens.

1988 bekam ich eine Version von Turbo Pascal 3.0 für das CP/M Betriebssystem, das ich auf meinem Commodore 128D laufen lassen konnte. Das Programmieren lernte ich durch das Diktat eines sehr simplen Programms, das einen eingegebenen Text in eine Datei schreiben und auch wieder aus ihr lesen konnte, das mir ein Erzieher von meiner Internatsgruppe diktierte. Manfred, wenn Du dies liest: Nochmals vielen vielen Dank für all Deine Zeit und Geduld!

Weiterhin studierte ich ein altes Basic-Buch aus der Presse von Regine Planer-Regis, das mir weitere Grundkonzepte beibrachte, die ja in verschiedenen Programmiersprachen gleich sind. Weiterhin diktierte mein Vater, der kein Englisch spricht, mir sämtliche Operatoren, reservierte Wörter und Prozeduren und Funktionen dieses Turbo Pascal 3.0 aus dem englischen Handbuch. Ich schrieb mir dies stichwortartig in Braille auf und heftete die Lose-Blatt-Sammlung in einen dünnen Ringordner. Außerdem half mir das Sonderheft „Simulation eines Taschenrechners“ der Paderborner Computerzeitschrift „Bits and Dots“ vom inzwischen verstorbenen Torsten Brand dabei, einige weitere Konzepte wie Referenzparameter zu verstehen. Dann begann ich selbst, ohne Sprachausgabe und nur mit Hilfe meines Vaters, der mir ab und an helfen musste, eigene Programme zu schreiben.

1991 bekam ich dann meinen ersten eigenen PC mit MS-DOS 3.3, einem Dolphin 1 Synthesizer und HAL 4.0. Turbo Pascal 5.5 gehörte zu meinen ersten installierten Programmen. HAL wurde mit Hilfe von Konfigurationsdateien und dem Erkennen von Hervorhebungsfarben dazu gebracht, damit nett zusammenzuspielen. Ich machte auch die Schritte auf Turbo Pascal 6.0 und Borland Pascal 7.0 mit. TP 6.0 begleitete mich auch ins Informatik-Studium. Mein letztes DOS-Programm schrieb ich, glaube ich, 1998.

1995/96 begann ich auch, mit dem damals gerade erschienenen Borland Delphi 1.0 und dem frisch erworbenen JAWS 1.21, erste Windows-Programme zu schreiben. Ich brachte JAWS dazu, besser mit Delphi zusammenzuarbeiten. Hierüber und über weitere Scripting- und Konfigurationserfahrungen schrieb ich damals in einem Henter-Joyce-Forum bei CompuServe. Dies führte letztendlich zu einer Einladung zu einem Workshop im Schwarzwald im Juli 1996 und dem Job bei Omni PC, welche 2001 Freedom Scientific einverleibt wurde.

Ich experimentierte in den folgenden Jahren mit verschiedenen Entwicklungsumgebungen wie Visual Basic, C# und .Net mit Visual Studio 2003, aber ich kehrte immer wieder zu Delphi zurück und machte dort bis ins Jahr 2007 meine privaten Programmierarbeiten.

Ich habe damals, sozusagen zwischen den Jobs bei FS und dem jetzigen bei Mozilla, als ich einen Burnout auskurierte, sogar Delphi betagetestet. Ich erlebte die Geburt von CodeGear als Abspaltung von Borland/Inprise live mit. Mein letztes Delphi, das ich noch benutzt habe und das hier auch irgendwo in einem Regal noch steht, ist RAD Studio 2007. Mein letztes großes Projekt war die Implementierung von MSAA in die Delphi-Komponente VirtualTreeView.

Ich bekomme sogar heute noch ab und zu Anfragen zu den Skripts, die ich damals für JAWS geschrieben und dem Produkt zur Verfügung gestellt habe. Auch zu aktuelleren Delphi-Versionen erreichen mich auch im Jahr 2013 immer noch Anfragen von rund um den Globus. Und es tut mir jedesmal leid, den Schreibern mitteilen zu müssen, dass ich mit Delphi seit dem Ende des Jahres 2007 nicht mehr gearbeitet habe und zu diesem Teil der Softwarewelt keinen Kontakt mehr habe.

Delphi gibt es übrigens immer noch, heute sogar mit Unterstützung für OS X und diverse mobile Plattformen.

Ich möchte also mein Glas für all diejenigen erheben, die an Turbo Pascal und Delphi mitgearbeitet haben oder dies immer noch tun, und ihnen danken! Ohne euch hätte ich vielleicht niemals mit dem Programmieren angefangen!

Program Feiern;

begin
  writeln('Prost!');
end.

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Allgemein Apple Zugänglichkeit

Neues Bezahlsystem mit Bezahlcode ein Gewinn für die Barrierefreiheit

Ich bin seit einiger Zeit Betatester für die iPhone- und iPad-Anwendung iOutBank. Das folgende ist ein Ausblick auf die kommende Version von iOutbank, speziell für das iPhone, die einen riesigen Schritt für mehr Barrierefreiheit beim Bezahlen per Überweisung darstellen kann, wenn entsprechend die Firmen mitziehen. Ich habe von der Stöger IT GmbH die Genehmigung, über dieses noch nicht veröffentlichte Feature zu bloggen.

Zunächst einmal folgt ein kleiner Einblick darin, wie ich als Blinder heute eine Überweisung tätige:

  1. Rechnung kommt mit der Post oder als PDF.
  2. Rechnung wird auf Scanner gepackt bzw. das PDF wird geöffnet.
  3. Wenn das PDF ordentlich ausgezeichnet ist, was die wenigsten sind, kann ich die Rechnung sofort verarbeiten. In den meisten Fällen muss ich aber die PDF-Rechnung durch eine Texterkennung jagen, um den Text überhaupt lesen zu können. Mit der Papierrechnung muss ich das auf jeden Fall tun.
  4. Die generierte Textdatei durchsuche ich nun nach den Daten wie Kontonummer, BLZ, genauen Namen der Firma, Rechnungsbetrag und Rechnungsnummer.
  5. Jetzt logge ich mich in mein Online-Banking-Portal ein und wähle „Überweisung“.
  6. Wenn ich Glück habe, kann ich mit Copy & Paste die Daten in die einzelnen Felder übernehmen. Wenn ich Pech habe, muss ich Dinge wie Bankleitzahl oder Kontonummer in kleineren Portionen kopieren oder im Kopf behalten, nämlich immer dann, wenn aus Gründen der optischen Verschönerung und besseren Lesbarkeit mit den Augen Leerzeichen in den Ziffernfolgen stehen. Und ich kenne bisher kein Onlinebanking-Portal, das so klug wäre, die Leerzeichen beim Einfügen rauszufiltern oder ggf. für übliche Ziffernaufteilungen in den Eingabefeldern genug Platz zu lassen. Die Folge sind abgeschnittene Kontonummern oder Bankleitzahlen, die ich erst noch mühsam nachbearbeiten und vervollständigen muss.
  7. Ist alles ausgefüllt, dann noch die indizierte TAN eingeben und die Überweisung absenden. Bei Firmen, mit denen ich öfters Zahlungsverkehr habe, kann ich die Empfängerdaten speichern und mir in Zukunft vielleicht einige Tipparbeit sparen.

Vor einigen Wochen nun sprach mich der Inhaber der Stöger IT GmbH an, dass da eine neue Funktion in IOutbank käme namens Bezahlcode-Unterstützung. Er verwies mich dann auch auf die Webseite bezahlcode.de, auf der das Verfahren näher erklärt wird und sogar ein Bezahlcode-Generator zum Ausprobieren vorhanden ist.

Ich habe dann mal einen Test gemacht und mir selbst eine Rechnung gestellt. Der Bezahlcode war auf der Seite schnell generiert, die entsprechende Grafik in die Zwischenablage kopiert und in ein Word-Dokument eingefügt.

Als nächstes die neueste Beta von iOutbank gestartet, die entsprechenden Knöpfe betätigt und die Kamera ca. 10-20 cm über das ausgedruckte Blatt Papier gehalten. Ein bisschen hin und her bewegt, und nach wenigen Sekunden ertönte ein Signal, und iOutbank teilte mir mit, dass es einen Bezahlcode identifiziert hat. Nach dem Bestätigen wurde automatisch ein Überweisungsfenster geöffnet und die Daten eingetragen. Es war alles da: Name, Kontonummer, Bankleitzahl, Betrag und Verwendungszweck! Kein Abtippen, keine Gefahr von zahlen- oder Buchstabendrehern. Ich hätte die Überweisung jetzt einfach absenden, eine i-Tan eingeben und die Überweisung tätigen können.

Einen Audioeindruck (ganz bewusst kein Video!) gibt es in diesem AudioBoo von mir.

Ich hoffe sehr, dass sich dieser Bezahlcode durchsetzt und in Zukunft auf jeder Rechnung zu finden sein wird! Dies wird blinden und sehenden Anwendern das Bezahlen von Rechnungen ganz erheblich erleichtern und gerade Blinden viel viel Arbeit, Frust und evtl. doppelt auszuführende Überweisungen ersparen (weil eine z. B. wegen Zifferndrehern oder unvollständiger Kontonummer zurückgebucht wird).

Und hiermit möchte ich einen Aufruf an alle Firmenmitentscheider, die diesen Blog lesen, starten, diesen Bezahlcode in Zukunft zu unterstützen! Es wird weitere Anwendungen geben, die diese Bezahlcodes werden auswerten können, nicht nur die iPhone-Anwendung, und Sie werden Ihren Kunden damit einen sehr großen Dienst erweisen, egal ob diese blind sind oder nicht!

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Allgemein Blindheit Umwelt

Gedanken zu unnötigem Papierwust im Jahre 2010

Wir schreiben den 28.06.2010. E-Mail ist seit über 10 Jahren fester Bestandteil des Arbeitsleben und auch im privaten Bereich seit Jahren nicht mehr wegzudenken. Twitter, Facebook und andere Social Networks haben die Austauschmöglichkeiten der Menschen weltweit revolutioniert. Man kann heute Bahntickets per Handy lösen und abscannen lassen. Flugtickets werden schon seit geraumer Zeit vorwiegend online verkauft.

Und dann gibt es da so Organisationen wie Verwaltungsorgane, Vereine, Parteien o. ä., die auch im jahr 2010 einen Papierwust produzieren, der jedem umweltbewussten Bürger jedesmal die Tränen in die Augen treibt, wenn sie/er einen Umschlag öffnet, nur um eine Mitteilung vorzufinden, deren Inhalt auch problemlos per E-Mail hätte mitgeteilt werden können. Der Umschlag wandert ins Altpapier, die Mitteilung in der Regel auch, und beides muss recycelt werden.

Genauso ging es mir heute beim Bearbeiten der Einladung zur Jahresdelegiertenversammlung meines lokalen Sportvereins, der Turn- und Sportgemeinschaft Bergedorf. Ich bin als Delegierter der Judosparte mit eingeladen. Der Umschlag enthielt 8, in Worten acht, Din-A4-Blätter mit Infos zur Versammlung. Es musste nichts ausgefüllt werden, es war reiner Informationsgehalt. Und da der Brief acht Bögen Papier enthielt, kann man davon ausgehen, dass er mehr Porto als ein Standardbrief gekostet hat. Wieviele Delegierte da heute Abend aufschlagen werden, weiß ich nicht, ich gehe aber mal von mindestens 50 aus. Die TSG ist eine große Gemeinschaft.

Diese Schreiben wurden natürlich am Computer, also digital erstellt und dann ausgedruckt. Die Bögen enthielten jedoch nichts, was nicht auch per E-Mail hätte übertragen werden können.

Und wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ja jedes Gesetzesvorhaben in Bund und Ländern auf Papier gewälzt wird, weil ja z. B. iPads im Bundestag verboten sind und jeder Verein, jeder Ortsverein einer Partei, jede behördliche Mitteilung so an millionen „Betroffene“ verschickt wird, und wenn ich das dann aus Deutschland auf den Rest der Welt projiziere, wird mir schlecht.

Seit Jahrzehnten wird über das papierlose Büro gesprochen. Die Realität ist, dieses gibt es auch im jahr 2010 noch nicht. Stattdessen wird die Umwelt weiter mit Papiermüll belastet.

Von den Vorteilen, die digitale Übermittlung aller relevanten Informationen für Menschen mit verschiedenen Behinderungen mit sich brächten, habe ich ja noch gar nicht mal angefangen zu schreiben. Ich musste diese acht Seiten der Einladung ja erstmal scannen und erkennen lassen. Das hat bestimmt hochgerechnet eine Viertelstunde gebraucht. Und ich muss mit den Ungenauigkeiten und teilweise verrissenen Tabellen leben, die die Zeichenerkennung bei der Layoutanalyse zwangsläufig mit sich bringt. Wil lich ganz sicher gehen, muss ich so einen Erkennvorgang zwei bis dreimal durchführen lassen oder sogar eine sehende Person fragen. Und am Ende werden diese acht seiten im Altpapier landen, denn nach der Delegiertenversammlung sind die Inhalte nicht mehr relevant für den einzelnen Delegierten. Für mich jedenfalls nicht.

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Warum sind Webforen bei Blinden so unbeliebt?

Ende vergangener Woche erhielten mein Kollege David Tenser, Kadir Topal (Übersetzer für die deutsche Firefox-Version) und ich eine E-Mail von Dirk, einem Moderator bei BLINDzeln. BLINDzeln ist eine Mailinglisten-Plattform, in der sich hauptsächlich deutschsprachige Blinde und Sehbehinderte über so vielfältige Themen wie das Kochen, Psychologie oder auch Themen aus dem Informatikbereich austauschen. Dirk fragte uns, ob es möglich sei, deutschsprachige Mailinglisten einzurichten, in denen die Barrierefreiheitsfunktionen der Mozilla-Plattform diskutiert werden könnten. Dies würde denjenigen, die auf den Firefox oder Thunderbird umgestellt haben, oder dies tun möchten, eine gemeinsame Anlaufstelle. Er sagte ebenfalls, dass er und andere Moderatoren überlegt hätten, eine solche Mailingliste bei BLINDzeln einzurichten, davon aber abgesehen haben, weil dies eine Insellösung darstellen würde, die den potentiellen Austausch mit anderen Mitgliedern der Mozilla-Community nicht fördern würde. Daher fragte er an, ob Mozilla solche Mailinglisten auf unseren Servern einrichten könnte.

In dem Austausch, der sich daraufhin entwickelte, wurden im wesentlichen zwei Positionen deutlich:

  • Auf der einen Seite wurde deutlich gemacht, dass blinde Anwender anscheinend Mailinglisten über alle Maßen anderen Möglichkeiten zur Kommunikation, die das Internet bietet, vorziehen, und dass dies das am leichtesten zugängliche Medium ist. Dies hat viel für sich, denn für das Eintragen in eine Mailingliste braucht man nicht einmal einen Webbrowser. Wenn man die Adresse der Mailingliste kennt, braucht man nur eine Eintragunsanforderung zu schicken und diese zu bestätigen. Hierfür muss man lediglich die Funktionen zum Verfassen einer Mail und die Antwortfunktion seines bevorzugten E-Mail-Programmes kennen. Webforen werden andererseits oft durch unzugängliche grafische Sicherheitscodes abgesichert, und die Anzeige von Themen wird von vielen als höchst ineffizient und schwer navigierbar empfunden. Internet-Newsgroups befinden sich irgendwo dazwischen. Hier ist es meistens die „Netzpolizei“, die auf dem strengen Einhalten der Netiquette pocht, die gerade Anfänger oft vergrault.
  • Auf der anderen Seite machten sich David und Kadir für support.mozilla.com (Sumo) bzw. das deutschsprachige firefox-browser.de Communityforum stark. Sie führten unter anderem an, dass die meisten beruflichen und freiwilligen Communitymitglieder, die Endanwendern helfen, sich hauptsächlich bei Sumo und den Communityforen herumtreiben, jedoch kaum auf Mailinglisten zu finden sind. Kadir und ich sprachen im IRC ebenfalls über dieses Thema, und andere, die sich an der Diskussion beteiligten, benutzten teilweise sogar Wörter wie „hassen“, wenn es um Mailinglisten ging.

Ich habe ein bisschen geforscht und festgestellt, dass es eine große Diskrepanz darin gibt, wer welches Medium gern nutzt. Mozillianer, also diejenigen, die sich hauptberuflich oder stark freiwillig engagiert mit der Entwicklung der Mozilla-Produkte beschäftigen, sind fast ausschließlich in den Mozilla-spezifischen Mailinglisten zu finden, um Entwicklungsplanung, projektspezifische Diskussionen zu führen usw. Diese Mailinglisten werden in Newsgroups und Google Groups gespiegelt. Mailinglisten auf der einen, und die fast forenartige Darstellung von Google Groups auf der anderen Seite bietet also eine sehr vielfältige Möglichkeit des Zugriffs. Es gibt hier jedoch kaum Endanwender. Es gibt zwar Support-Gruppen, aber im Vergleich zu Foren wie bei firefox-browser.de oder MozillaZine ist das Nachrichtenaufkommen fast vernachlässigbar.

In anderen Bereichen habe ich ungefähr dasselbe Bild vorgefunden: Je mehr endbenutzer-orientiert die Zielgruppe ist, desto beliebter sind Webforen. Je technischer orientiert das Zielpublikum ist, desto beliebter sind Mailinglisten. OK, die meisten Mailinglisten haben ein webbasiertes Archiv, aber diese Archive sind nicht unumstritten. In der oben erwähnten Diskussion im IRC hat ein Teilnehmer angemerkt, dass er die Foren z. B. auf Heise Online oder die typischen Mailman-Archive hasst, weil diese immer nur ein Posting zur Zeit anzeigen und er ständig klicken muss, um ein Thema durchzulesen. Und diese Person halte ich für technisch sehr versiert.

Interessanterweise wurden in den Ergebnissen der Screen-Reader-Umfrage, die Webaim kürzlich durchgeführt hat, Webforen in keiner der Listen für besonders zugängliche oder besonders unzugängliche Webseiten erwähnt.

Was ist es also, das blinde Anwender so überdurchschnittlich hoch Mailinglisten gegenüber dem bevorzugt, was sonst so Mainstream im Internet ist? Sind Webforen von Natur aus unzugänglich? Oder ist dies ein Mythos, der sich hält, wo sich das tatsächliche Bild geändert hat, die Blindengemeinde dies jedoch schlicht und einfach verschlafen hat?

Zugegeben, dies sind provokante Fragen. Eines der Dinge, die Blinde in Mailinglisten treiben könnte, und was auch lange Zeit der Grund für mich war, mich so gut wie gar nicht an Foren zu beteiligen, ist die spaghetti-artige Darstellung von Forumsthemen speziell in älteren Versionen von Forensoftware. Es ist sehr schwer, den Anfang eines neuen Posts zu finden, um z. B. das Lesen des aktuellen Posts zu unterbrechen, weil er nicht von Interesse ist. Da Blinde Forenbeiträge nicht visuell quer lesen können wie Sehende, ist dies eine sehr wichtige Funktion zur effizienten Navigation und Beteiligung in Webforen.

Folgend ein paar Beispiele von Ansichten von Forumsthemen, die darüber Aufschluss geben könnten, warum Blinde Foren nicht mögen, und auch solche, warum dies nicht mehr unbedingt ein berechtigter Vorbehalt sein muss.

  • In diesem Thema im MozillaZine-Forum (englischsprachig) beginnt jeder neue Beitrag innerhalb des Themas bei einem neuen Eintrag einer großen Definitionsliste. Da jedoch die zur Verfügung stehenden Aktionen wie „Reply…“ ebenfalls innerhalb von hierin verschachtelten Listen stehen, kann man nicht einfach mit einer Schnellnavigationstaste von Listeneintrag zu Listeneintrag springen, um den Anfang des nächsten Beitrags zu finden.
  • Dieser Beitrag in der phpbb.com Community zeigt auf, wie man es richtig macht. Jede Antwort beginnt bei einer neuen Überschrift, so dass man ganz leicht zur nächsten Antwort springen kann, wenn man die aktuelle Antwort nicht zu ende lesen möchte. Da sowohl phpbb.com als auch MozillaZine auf phpBB basieren, scheint dies eine Frage des Themings zu sein.
  • Ebenfalls auf phpBB basierend, jedoch auf einer älteren Version, ist dieser Beitrag in den Foren der Delphi-Praxis. Dies ist der spaghetti-artige Aufbau, den ich vorher schon erwähnte: Es wird eine HTML-Tabelle verwendet, und jeder Beitrag bekommt seine eigene Tabellenzeile. Screen Reader verfügen zwar über Tastenkombinationen, um sich durch Datentabellen zu bewegen, diese sind jedoch nicht so komfortabel zu greifen wie die Navigation durch Überschriften o. ä. Das Interagieren mit einer Datentabelle ist immer eine bewusste Entscheidung, kein beiläufiger Handgriff, wie er beim Lesen eines Forums eher angebracht ist. Ähnlich tabellarische Darstellungen habe ich auch schon bei Foren gesehen, die auf dem System VBulletin basieren, als auch bei dem Carookee.com Forenservice. Das deutsche firefox-browser.de-Forum verwendet zur Zeit noch eine ähnliche Darstellung von Themen. Dies wird sich aber in den nächsten Wochen ändern, wenn das Forum auf phpBB Version 3 umgestellt wird.
  • Wenn man sich bbPress anschaut, das Schwesterprojekt zur WordPress Blogsoftware, so verwendet dieses ebenfalls eine Listendarstellung von Forenthemen. Hier gibt es jedoch keine eingestreuten Listen, so dass man prima von der aktuellen Position schnell zum Beginn des nächsten Beitrages springen kann, indem man einfach zum nächsten Listenelement springt.
  • Zuletzt noch ein Blick auf ein Sumo-Thema: Dieses zeigt einen ähnlich spaghetti-haften Aufbau. Die Beiträge werden lediglich durch bestimmt gestilte Div-Elemente voneinander getrennt, es gibt jedoch kein semantisch eindeutiges Element, zu dem man navigieren könnte. Der einzige Unterschied besteht also darin, dass hier Div-Elemente anstatt von Layouttabellen verwendet werden.

Hinweis: Die oben ausgewählten Themen und die Kommentare zur Güte der Anzeigestile sagt nichts über die Qualität der individuellen Foren an sich oder deren Mitglieder aus.

Wie das Beispiel der phpBB Community oder das von bbPress zeigen, gibt es gute Beispiele mit schnellen Navigationsmöglichkeiten, die Forensoftware auch für blinde Benutzer attraktiv machen. Es gibt jedoch auch immer noch viele Forumsinstallationen, deren Anzeige für Blinde zur Navigation sehr abschreckend wirken und keinen Barrierefreiheitsstandards entsprechen.

Ein Thema, das ich auch kurz ansprach, sind grafische Sicherheitscodes. Mit einer Firefox-Erweiterung wie WebVisum sind die meisten dieser Codes lösbar. Außerdem verbreiten sich Audioalternativen immer mehr, so dass dies eine Barriere ist, die mit entsprechenden Werkzeugen inzwischen zum Glück gut zu meistern ist.

Und jetzt würde ich gern eure Meinung zum Thema hören! Bevorzugt ihr Mailinglisten vor Newsgroups und Webforen? Welche Herausforderungen und Barrieren machen euch die Benutzung von Webforen schwer? Findet ihr leicht den Faden wieder, wenn neue Beiträge zu einem Thema hinzugekommen sind? Lest ihr lieber im Web, im E-Mail-Programm oder im RSS-Aggregator?

Auf der anderen Seite: Was schreckt euch als Forenbenutzer von Mailinglisten oder Newsgroups ab, oder bewegt euch sogar zu der Aussage, sie zu „hassen“?

Freue mich auf eure Kommentare!

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Würde sich der Hund von Frau Link bitte mal melden? :-)

Als ich am Sonntagmorgen zu meinem Flug nach San Francisco aufgebrochen bin, brachte meine Frau Gesa mich zum Flughaffen. Wir nahmen unsere 14-monatige Hündin Ronja mit, damit sie die Atmosphäre auf einem Flughafen mal kennenlernen kann. Zum Hintergrund: Meine Frau ist Rollstuhlfahrerin, wir sind also ein Paar aus Blindem und Rollifahrerin, genauso wie Christiane und Artur.
Nachdem ich von der Assistenz abgeholt worden war, gingen Gesa und Ronja noch etwas im Abflugterminal auf und ab. Gesa wurde plötzlich von einer Flughafenangestellten angesprochen, seit wann sie denn einen Hund habe. Bei Gesa klingelte es natürlich sofort: Sie ist mit Christiane verwechselt worden. Frei nach dem Motto „da war doch eben ein blinder Mann bei der Rollifahrerin, können ja nur die beiden sein“. 🙂

Gesa hat die Verwechslung dann natürlich sofort aufgeklärt.