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Erstes Anfühlen von 3D Touch auf dem iPhone 6s und 6s Plus

Ich bin gerade in Toronto in Kanada auf einem Arbeitseinsatz, hatte aber am heutigen Samstag noch nichts zu tun und somit Zeit, zum örtlichen Apple Store zu marschieren und mir die neuen iPhone-Modelle 6s und 6s Plus anzuschauen.

Die Modelle sind am gestrigen 25.09. erst erschienen, und ich gehöre diesmal nicht zu denen, die eines am Erscheinungstag bekommen. Dennoch war ich natürlich sehr neugierig vor allem auf das neue Feature 3D Touch, das auch mit VoiceOver funktioniert.

3D Touch ist eine neue Art, mit dem Touchscreen des iPhones zu interagieren. Man kann Elemente jetzt nicht nur antippen und doppeltippen, sondern an der Stelle des Elements, das man auslösen möchte, auch fest aufs Display drücken. Je nach App geschieht dann eines von zwei Dingen: Entweder wird ein Kontextmenü aufgerufen, oder es gibt eine Vorschau des Elements, das man gerade drückt. Auf dem Home-Screen zum Beispiel bewirkt das Drücken vieler Apps das Erscheinen eines Kontextmenüs. Hier gibt es z. B. Optionen wie „neue Nachricht“ bei Nachrichten, eine Liste der Favoriten und die Möglichkeit, einen neuen Kontakt zu erstellen bei Telefon usw. Auch die ersten Apps von Drittherstellern bieten inzwischen Kontextmenüs für ihre App-Symbole an.

Drückt man jedoch zum Beispiel auf eine Mail in der Liste von Mails im Posteingang, wird eine Vorschau geöffnet, die auch mit VoiceOver zugänglich ist. Man drückt also, bekommt durch ein kurzes Vibrationssignal angezeigt, dass der Vorschau-Druck erkannt wurde, und die Vorschau erscheint. Man lässt seinen Finger auf dem Display und erforscht die Elemente. Drückt man nun noch etwas fester auf, wird die Mail tatsächlich geöffnet. Hebt man hingegen den Finger an, wird die Vorschau geschlossen, ohne die Mail als gelesen zu markieren. Wischt man ohne den Finger anzuheben nach rechts, ist man in der Vorschau nun in einem Modus, in dem jede VoiceOver-Geste funktioniert. In jeden Fall kommt man mit der Zickzack-Geste wieder zurück, also sowohl aus der Vorschau als auch den Kontextmenüs.

Drückt man auf ein Element, das keine 3D-Touch-Aktionen unterstützt, wird einem dies durch zwei kurze Vibrationen angezeigt.

Es gibt drei Stufen, auf die man 3D Touch einstellen kann: Leicht, Mittel oder Fest. Dies steuert, wie stark man auf das Display drücken muss, um 3D Touch auszulösen. Standardmäßig ist Mittel eingestellt. In diesem Modus muss zumindest ich schon kräftig drücken, um den 3D Touch auszulösen. Denke, sobald ich mein neues iPhone habe, wird meine Einstellung wohl die leichte sein, da ich kein Anwender bin, der beim normalen tippen stark aufs Display drückt.

Will man auf den neuen iPhones 3D Touch gar nicht nutzen, kann man es auch komplett ausschalten. Die Einstellungen finden sich alle unter den Bedienungshilfen unter der Überschrift „Interaktion“, und zwar unabhängig davon, ob VoiceOver läuft oder nicht.

Was ich sehr beeindruckend fand, war, dass ich das Gefühl hatte, mein Finger würde tatsächlich das Display etwas eindrücken oder darin „versinken“. Ob dies tatsächlich so ist oder lediglich eine clevere Illusion darstellt, entzieht sich meiner Kenntnis. Als ich dieses Gefühl das erste Mal hatte, erschrak ich glatt, da ich fast das Gefühl hatte, ich könnte eventuell was kaputt machen oder zu stark gedrückt haben. Aber Apple verwendet in diesen neuen iPhones ein sehr viel stärkeres Displayglas als früher, und zwar das gleiche verstärkte Glas, das auch in der Apple Watch zum Einsatz kommt. Also scheint es sich tatsächlich um eine clevere Illusion zu handeln. Auf jeden Fall verstärkt es den Eindruck, dass dieser 3D Touch auch haptisch ein echtes 3D-Erlebnis ist.

Ein Hinweis nochmal in aller Deutlichkeit für VoiceOver-Nutzer: Man kann 3D Touch nur direkt auf dem Element ausführen. Einfach per wischen ein Element in den VoiceOver-Fokus bringen und dann irgendwo drücken funktioniert in diesem Fall nicht. Hier ist es also tatsächlich nötig, sich mit der Lage von Elementen vertraut zu machen und diese dann gezielt anzutippen und dann zu drücken.

Ansonsten kann ich zu den neuen iPhone-Modellen noch sagen, dass sie einen besseren Grip haben als das 6 und 6 Plus. Das liegt unter anderem auch daran, dass Apple durch das verstärkte Glas an anderer Stelle Beschichtungen weglassen konnte, die den Grip beeinträchtigten.

Die neuen Geräte machen einen guten Eindruck, sind sehr schnell, deutlich schneller als das 6 und 6 Plus beim Öffnen und Umschalten von Apps und VoiceOver-Reaktionszeiten. 3D Touch ist eine interessante neue Bedienweise für Apps, die auch für VoiceOver zugänglich ist. Obwohl sie also beim Namen nur ein s hinzu bekommen haben, sind es doch richtig große Upgrades der Geräte geworden. Ich freue mich auf meines! 🙂

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Tipp: Die Multitasking-Funktionen des iPad von iOS 9 mit VoiceOver bedienen

Ein Schwerpunkt des gerade erschienenen iOS 9 liegt auf der Erhöhung der Produktivität. Gerade die neueren iPads wie iPad Air 2, iPad Pro und das iPad Mini der vierten Generation bieten hier im Vergleich zu früheren Modellen einige spannende neue Funktionen. Eine ist das Multitasking, also das gleichzeitige Nutzen mehrerer Apps. Wie diese auch mit VoiceOver benutzt werden können, soll dieser Artikel zeigen.

Die Grundlagen

iOS konnte Multitasking, also das gleichzeitige Ausführen von mehreren Anwendungen, schon seit Version 4.0. Seitdem gibt es den App-Umschalter, der mit zweimaligem Drücken der Home-Taste erreicht wird. In iOS 7 kamen dann Hintergrundaktualisierungen hinzu, mit denen Apps ihre Inhalte auf batterieschonende Weise auch dann aktuell halten konnten, wenn sie nicht im Vordergrund waren.

Für iPads unter iOS 9 kommen jetzt noch weitere Modi hinzu: Überblendung (Slide Over), geteilter Bildschirm (Split View) und Bild-In-Bild für Videos. Jeder dieser Modi wird in den folgenden Abschnitten erklärt.

Überblendung

Ein Modus, der neben den oben genannten Modellen auch auf dem iPad Air und dem iPad Mini in der 2. und 3. Generation zur Verfügung steht, ist die Überblendung einer zweiten App über die erste. Die erste App wird abgeblendet, und die zweite legt sich am rechten Bildschirmrand darüber. Man benutzt in diesem Modus ausschließlich die zweite App, um mal eben etwas nachzugucken oder zu kopieren, schließt sie dann wieder und kehrt zur vorigen App zurück, ohne den Kontext zu verlieren.

Diese zweite App nimmt nur etwa 25% des Bildschirms ein und zeigt sich in einer schmalen Variante, die durchaus der Ansicht eines iPhone-Bildschirms entsprechen kann. Mail zeigt in diesem Modus z. B. entweder Ordner, Mails oder eine einzelne Nachricht an und hat oben links eine Zurück-Taste wie man diese vom iPhone kennt.

Man leitet die Überblendung mit VoiceOver ein, indem man auf die Statuszeile tippt und mit drei Fingern nach links streicht. Der VoiceOver-Hinweis für die Statuszeile wurde um einen entsprechenden Satz erweitert. Sehende Anwender wischen einfach von rechts auf den Bildschirm. Da dies mit VoiceOver aber so ohne weiteres nicht möglich ist, gibt es eben diese kontrollierte Art über den Drei-Finger-Wisch nach links über die Statuszeile.

Es wird dann die zuletzt genutzte App eingeblendet, die diesen Überblend-Modus unterstützt, also z. B. Mail, Safari, Nachrichten o. ä. Es steht zu erwarten, dass mit den für iOS 9 angepassten Updates von Apps noch mehr diesen Modus unterstützen werden.

Ist die App, die iOS einblendet, nicht die gewünschte App, kann man den sogenannten Seitenumschalter aktivieren. Dies tut man, indem man mit VoiceOver wieder mit drei Fingern nach links streicht. Jetzt wird eine Liste aller Apps angezeigt, die den Überblend-Modus unterstützen. Einfach durchwischen und mit Doppeltippen die gewünschte App aufrufen. Hier gibt es auch eine Möglichkeit, diesen Seiten-Umschalter wieder zu schließen.

Man arbeitet nun in der überblendeten App genauso wie üblich, halt nur beschränkt auf die rechte Seite des Bildschirms. Der Rest des Bildschirms ist eine große Taste zum Schließen dieser überblendeten App. Nach getaner Arbeit doppeltippt man also einfach darauf und kehrt so zur ursprünglichen Anwendung zurück, um dort weiter zu arbeiten.

Geteilter Bildschirm

Dieser Multitasking-Modus steht nur auf neueren iPad-Modellen zur Verfügung. iPad Air und das Mini der 2. und 3. Generation, sowie noch ältere iPads, bleiben außen vor. In diesem Modus werden zwei Apps nebeneinander angezeigt und können auch gleichzeitig bedient werden. Sie werden entweder im Verhältnis 70:30 oder 50:50 dargestellt. Die primäre App ist immer links und nimmt also entweder 70 oder 50 % der Bildschirmbreite ein. Die sekundäre App nimmt entsprechend 30 oder 50 Prozent der rechten Bildschirmseite ein.

Dieser Modus wird genauso eingeleitet wie der Überblend-Modus im vorigen Abschnitt. Man tippt also mit dem Finger auf die Statuszeile und wischt mit drei Fingern nach links. Jede sekundäre App beginnt ihr Leben also als überblendete App. Auf iPads der neueren Generation kommt allerdings ein senkrecht stehendes Element hinzu, das die überblendete App zur sekundären App machen kann, wenn diese das unterstützt. Dieser Bildschirm-Teiler unterstützt diverse VoiceOver-Aktionen, also durch auf- und abwärts wischen auswählbare Aktionen. Man kann mit ihm die App auf 30 % erweitern, die Liste der unterstützten Apps aufrufen oder die überblendete App wieder schließen. Spielen wir das doch mal an einem Beispiel durch:

  1. Öffnet auf eurem iPad die Mail-App. Sie wird im Vollbildmodus angezeigt.
  2. Tippt mit einem Finger auf die Statuszeile und wischt mit drei Fingern nach links. Es wird entweder die zuletzt verwendete App eingeblendet, die die Überblendung unterstützt, oder die Liste der diesen Modus unterstützenden Apps, falls sich iOS nicht von allein entscheiden kann, welche App die sinnvollste sein könnte. In meinem Fall kommt der Safari sofort rechts in den Vordergrund. Tut er das bei euch nicht, tippt noch einmal auf die Statuszeile und wischt mit drei Fingern nach links, um die Liste der Apps auszuwählen und wählt dort Safari durch Doppeltippen aus.
  3. Der Safari wird nun als Überblendung angezeigt, Mail ist nicht mehr aktiv. Links des Safari-Fensters befindet sich ein senkrechtes Element, das über die gesamte Bildschirmhöhe geht. VoiceOver nennt sie die Seiten-App-Trennlinie. Der VoiceOver-Hinweis dafür ist sehr aufschlussreich: Man soll zum Befestigen von Apps doppeltippen. Außerdem sind Aktionen verfügbar, die man über auf- und abwärts wischen und dann doppeltippen auswählen kann.
  4. Doppeltippt diese Seiten-App-Trennlinie, ohne eine gesonderte Aktion auszuwählen. VoiceOver sagt jetzt so etwas wie: „Mail links. Safari rechts.“
  5. Erforscht den Bildschirm mit dem Finger. Ihr werdet beide Apps in der Aufteilung Mail ca. 70% und Safari ca. 30% finden. Ihr könnt mit beiden Apps interagieren. Ruft z. B. in Safari eine andere Seite auf, kopiert deren Adresse und startet links eine neue Mail, in die ihr diese einfügt. Getrennt werden beide wieder durch die Seiten-App-Trennlinie.
  6. Diese Trennlinie bietet jetzt noch mehr Aktionen. Das Doppeltippen löst die Verankerung wieder, d. h., Safari würde in den Überblendungs-Modus zurückkehren. Eine weitere Aktion, die zur Verfügung gestellt wird, ist, den Seiten-App-Umschalter zu öffnen. Den kennen wir schon, dadurch wird eine andere sekundäre App gewählt, die diesen Modus unterstützt. Weiterhin kann Safari auf die halbe Bildschirmgröße skaliert werden. Das macht genau das: Safari und Mail teilen sich den Bildschirm dann 50:50. Mail sieht dann in jedem Fall aus wie im Hochformat, nicht mehr wie ein etwas verkleinertes Querformat. Und man kann Safari maximieren. Dies macht Safari danach automatisch zur Primäranwendung. Das ist besonders dann praktisch, wenn man merkt, dass man diese eigentlich als sekundäre App gestartete Interaktion länger braucht und mehr Platz des Bildschirms möchte. Und man kann Safari natürlich schließen. Dies würde Mail wieder in den Vollbildmodus zurückführen, in dem wir ja gestartet waren.
  7. Wählt nun die Option „Safari auf halbe Bildschirmbreite skalieren“ aus und doppeltippt. Safari und Mail teilen sich nun den Bildschirm zu je einer Hälfte.
  8. Findet die Seiten-App-Trennlinie und schließt Safari.

Diese Ansicht zweier Programme gleichzeitig ist sehr praktisch, wenn man z. B. für einen Blogbeitrag, eine E-Mail oder ein Dokument viel recherchieren muss und nicht ständig den App-Umschalter bemühen möchte, um z. B. aus dem Web verschiedene Dinge zusammenzusuchen. Safari und eine weitere App gleichzeitig angezeigt zu bekommen und einfach dort hineintippen und los arbeiten zu können ist ein unglaublicher Gewinn an Geschwindigkeit! So zugänglich und genial effizient kenne ich das nicht mal von Desktop-Anwendungen auf Mac oder PC, wo Screen Reader doch irgendwie immer auf das aktuelle Anwendungsfenster beschränkt sind und selbst die Trackpad-Steuerung von VoiceOver einem so etwas nicht ohne weiteres ermöglichen könnte.

Übrigens: Wer sich die Hinweise zur Seiten-App-Trennlinie ganz angehört hat, wird festgestellt haben, dass man diese auch mit doppeltippen und halten hin und her ziehen kann, um die sekundäre Anwendung auf 50% zu skalieren oder gar ganz zu maximieren. Wem’s beliebt, kann gern diese Technik nutzen, die für Sehende übrigens die gängige Methode ist, das zu machen. Ich finde aber die Aktionen dafür praktischer, ich finde das Ziehen von Elementen eher fummelig.

Bild-in-Bild

Zu guter letzt noch der Modus Bild-in-Bild, der genau das tut, was man schon seit längerem aus der Unterhaltungselektronik kennt: Man startet ein Video, z. B. in Safari oder der Videos-App, schaltet auf eine andere App um, und das Video läuft als kleines Bild inklusive Audio im Hintergrund in einer Bildschirmecke weiter. Früher war so etwas z. B. ein zweites Fernsehprogramm, das der Videorecorder aufzeichnete, das man in einer Ecke des Fernsehers mitlaufen lassen konnte, während man eigentlich einen anderen Film schaute.

Während der Videowiedergabe hat man nun neben den Tasten für Zurück, Wiedergabe/Pause und Vorwärts eine neue Taste namens „Bild in Bild“. Aktiviert man diese, verkrümelt sich das gerade laufende Video in einen freien Bildschirmbereich und kann dort jederzeit wiedergefunden werden. Man kann das Video anhalten und schließen oder es wieder ins Vollbild holen. Sehende können es weiterhin skalieren und es auch an verschiedene Stellen des Bildschirms verschieben. Und noch eine gute Nachricht: Auch diese Funktion ist für alle iPads ab iPad Air und iPad Mini 2 verfügbar.

Fazit

Ich hoffe, ihr könnt mit dieser Anleitung das iPad ebenso produktiver nutzen wie ich und erfreut euch in Zukunft noch an weiteren neuen Apps, die diese Möglichkeiten unterstützen! Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels sind bereits Pages, Numbers und Keynote von Apple und ihre Entsprechungen von Microsoft, also Word, Excel und PowerPoint, aufs iPad Air 2 und iOS 9 vorbereitet und im App Store erhältlich.

Viel Spaß!

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Apple Zugänglichkeit

Das ist neu in den Bedienungshilfen von iOS 9

iOS 9.0 ist soeben erschienen. Diese Version bringt viele Neuerungen bei der Produktivität, verbessert die Fähigkeiten von Siri bei der Suche nach Ereignissen, Fotos und anderen Daten und macht das iOS-Gerät im allgemeinen zu einem vollwertigeren Assistenten. [Update 22.10.2015: Änderungen von iOS 9.1 hinzugefügt.]

Im folgenden gebe ich einen Überblick über einige Neuerungen bei den Bedienungshilfen und behandle die spezifische Bedienung einiger neuer Funktionen mit VoiceOver.

VoiceOver

VoiceOver hat mal wieder einiges dazugelernt. Ein Schwerpunkt von iOS 9 liegt auf der Erhöhung der Produktivität und dem verbesserten Einsatz von vor allem iPads im professionellen Umfeld. Dies spiegelt sich auch in den Neuerungen bei VoiceOver wider.

Der Rotor heißt jetzt Liste

Apple hat den Rotor in „Liste“ umbenannt, die Funktionalität bleibt aber gleich. Dies spiegelt sich vor allem in den VoiceOver-Einstellungen wider, in denen der Begriff „Rotor“ jetzt nicht mehr auftaucht, auch nicht bei den Sprachausgabe-Stimmen.

Verbesserte Textauswahl

Das Auswählen (markieren) von Text wurde stark verbessert. Bisher konte man Text mit VoiceOver nur markieren, indem man zwei Finger aufs Display legte und diese dann auseinander zog. Dies führte bei vielen Anwendern inklusive dem Autor dieses Artikels dazu, dass diese Option kaum genutzt wurde. Es machte einfach keinen Spaß. Die Auswahl war ungenau oder ging gar ganz verloren, wenn man die Finger nicht genau genug bewegte.

Unter iOS 9 wird das alles ganz anders gehandhabt. Befindet man sich dort, wo man Text markieren kann, gibt es einen neuen Eintrag in der Liste mit Namen „Textauswahl“. Bei Neuinstallationen befindet er sich „rechts“ von „Zeilen“, also von der Option „Zeichen“ aus gerechnet an vierter Listenposition. Bei bestehenden Listenkonfigurationen wandert diese neue Option ganz ans Ende der Liste, die Position kann also variieren. Am besten überprüft man einmal die Einstellungen und zieht sich die neue Option dorthin, wo man sie haben möchte.

Nach der Auswahl von „Textauswahl“ ist die Steuerung im Vergleich zu sonstigen Listenoptionen etwas verändert. Hat man die Hinweise eingeschaltet, sagt VoiceOver einem dies auch sofort an. Um nämlich einzustellen, was genau markiert werden soll, streicht man mit einem Finger nach oben oder unten. Man bewegt hier mit dieser Geste also nicht die Auswahl, sondern stellt ein, ob zeichen-, wort- oder zeilenweise markiert werden soll. Die eigentliche Auswahl erfolgt dann durch Streichen nach rechts, um die Auswahl zu erweitern, und mit streichen nach links, um sie zu verringern. Der Ablauf ist schematisch ungefähr so:

  1. Man geht mit zeichen-, wort- oder zeilenweiser Listennavigation an den Anfang.
  2. Dann schaltet man auf die Textauswahl um und wählt mit Streichen nach oben oder unten aus, in welchen Schritten man auswählen möchte.
  3. Im nächsten Schritt wird dann durch Wischen nach rechts die Textauswahl erweitert. Man kann zunächst z. B. wortweise auswählen, dann wieder auf Textauswahl schalten (VoiceOver setzt sich auf Zeichen zurück) und nun auf zeichenweises Markieren umschalten und weiter nach rechts wischen, um zeichenweise weiterzumarkieren.
  4. Hat man sich vertan, wischt man nach links, um Zeichen, Worte oder Zeilen wieder zu deselektieren.
  5. Hat man alles markiert, geht man mit dem Rotor auf Bearbeiten und kann wie üblich Nachschlagen, Ausschneiden, Kopieren und in einigen Textfeldern auch Formatierungen anwenden wie kursiv, fett, unterstreichen o. ä.

Und jetzt kommt der Clou! Das funktioniert nicht nur in Textfeldern, sondern auch in Safari oder Mail und sogar in iBooks in Textbüchern. Man kann nun also endlich kontrolliert Text markieren und muss nicht mehr auf das umständliche Doppeltippen-Und-Halten und dann unsichere Hin- und Herziehen des Fingers zurückgreifen. Text auf einer Web- oder Buchseite markieren und diesen dann kopieren wird so zu einem sehr erfreulichen Kinderspiel!

Ansagen von Formatierungen

Passend zu den oben erwähnten Verbesserungen bei der Textmarkierung und -formatierung gibt es auch Neuigkeiten bei der Ansage von Formatierungen in bestimmten Anwendungen. Die neue Notizen-App kann ja jetzt angereicherten Text aufnehmen. VoiceOver sagt an, ob man sich in irgendwie vom Standard abweichenden Text befindet, nennt Absatzstile und andere Details. Hat man eine Bluetooth-Tastatur gekoppelt, kann man auch mit VoiceOver+T (Mac-Anwender kennen diese Tastenkombination) die Formatierungen abfragen. Das funktioniert bisher in Mail und Notizen. Es ist aber zu erwarten, dass Apps, die auf iOS 9 angepasst werden, diese Möglichkeiten ebenfalls bekommen. Bei nicht angepassten Apps gibt dieses Kommando einen Fehlerton. Und beim Navigieren werden Formatierungsänderungen nicht automatisch gesprochen.

Es steht also zu hoffen, dass Pages, MS Word und andere zukünftig einen erleichterten Zugang zu Informationen zu Textformatierungen bereitstellen und man sich die Infos nicht mehr mühsam auf Verdacht hin aus den Popups und Symbolleisten zusammensuchen muss. Das wird der Produktivität auf iOS-Geräten ganz mächtig auf die Sprünge helfen!

VoiceOver-Taste abändern

Apropos Hardware-Tastaturen: Für diese kann man jetzt anpassen, ob Ctrl+Auswahltaste oder zusätzlich oder sogar statt dessen die CapsLock-Taste als VoiceOver-Sondertaste verwendet werden sollen.

Die Einstellung hierfür findet sich unter Einstellungen/Allgemein/Bedienungshilfen/VoiceOver/VoiceOver-Sondertaste.

VoiceOver-Taste einrasten

Die VoiceOver-Sondertaste kann, wie unter OS X schon lange möglich, jetzt auch auf Hardware-Tastaturen unter iOS eingerastet werden.

Siri-Stimmen verwenden

VoiceOver und auch die Funktion Bildschirm Sprechen können neben der Standard- und Premium-Variante der Stimme Anna jetzt auch die männliche und weibliche Siri-Stimme in einer Standard- oder erweiterten Variante verwenden. Die Punkte Sprachausgabe in VoiceOver bzw. den allgemeinen Bedienungshilfen wurden dementsprechend erweitert. Dies gilt im übrigen nicht nur für die deutschen, sondern auch für andere Sprachen, in denen Siri-Stimmen zur Verfügung stehen. Die Auswahl an zur Verfügung stehenden Stimmen hat sich also sprunghaft erhöht, und man kann sein VoiceOver-Erlebnis jetzt sehr viel stärker personalisieren.

Begrenzungen für Sprechgeschwindigkeit erweitert

Die obere und untere Grenze der Sprechgeschwindigkeit wurden stark erweitert. Man kann VoiceOver jetzt auch viel schneller oder langsamer sprechen lassen als vorher.

Audio-Route für VoiceOver

Werden verschiedene Audio-Routen erkannt, z. B. weil Musik oder Video gerade via AirPlay auf ein Apple TV gestreamt werden, kann in der Liste jetzt ausgewählt werden, ob VoiceOver lokal auf dem Gerät sprechen oder ebenfalls per AirPlay auf das externe Gerät gegeben werden soll.

Audio-Ducking beim Telefonieren

Wenn VoiceOver während eines Telefonats sprechen muss, wird das Audio des Gesprächs jetzt ebenfalls in der Lautstärke verringert, genau wie bei der Musik- oder Videowiedergabe.

Verzögerung beim Doppeltippen

Man kann in den VoiceOver-Einstellungen ganz unten jetzt eine Verzögerung beim Doppeltippen einstellen. Das ist vor allem für diejenigen interessant, die z. B. auf Grund einer motorischen Einschränkung einen Doppeltipp nicht so schnell ausführen können, wie es standardmäßig erforderlich ist.

Unterstützung für bidirektionale Sprachen

Wird arabisch oder hebräisch verwendet, kehren sich die Wischgesten für das vorherige und nächste Element um. Das nächste Element erreicht man dann also mit einem Wischen nach links, nicht mehr nach rechts, und umgekehrt.

Wird in arabischem oder hebräischem Text lateinische Schrift gefunden, wird diese automatisch mit einer englischen Stimme vorgelesen.

Neuerungen in Braille

  • Man kann jetzt einstellen, wie lange Braille-Hinweise auf der Zeile stehen bleiben, bevor sie wieder verschwinden.
  • Die Braille-Bildschirmeingabe sagt jetzt falsch geschriebene Wörter an.
  • Nutzt man das neue Multitasking auf dem iPad (siehe unten), bewegen 3-5-Chord den Fokus auf die linke, Punkte 2-6-Chord den Fokus auf die rechte Bildschirmhälfte, und Punkte 1-6-Chord schaltet zwischen App-Switcher, Abschalter des App-Switchers und der Vordergrund-App um.
  • Unterstützung für die Zeile Seika Mini 24 hinzugefügt.

Bedienung des iPad-Multitasking

Für diejenigen unter euch, die ein iPad nutzen, habe ich in diesem Artikel beschrieben, wie man die Modi Überlagerung, geteilter Bildschirm und Bild-In-Bild mit VoiceOver bedient.

Bekannte Probleme

  • VoiceOver hatte die unangenehme Eigenschaft bekommen, bestimmte Listen z. B. in Twitterrific ganz nach oben zu scrollen, wenn es per Triple-Click auf die Home-Taste beendet und neu gestartet wurde. Dieses Problem wurde mit dem Erscheinen von iOS 9.1 am 21.10.2015 behoben.
  • Die Tastaturhilfe für externe Tastaturen sprach bei Erscheinen von iOS 9.0 noch nicht korrekt. Dieses Problem wurde in iOS 9.1 korrigiert.
  • Braille hat immer noch die unangenehme Eigenschaft, beim Ausschnittswechsel nach links über Absatzgrenzen hinweg an den Anfang des vorigen Absatzes zu springen, nicht ans Ende.
  • In iOS 9.0 gab es teils schwerwiegende Probleme mit dem Annehmen von Anrufen, wenn Bluetooth-Headsets verwendet wurden. Ich selbst konnte das Problem nie nachvollziehen, das Problem soll aber in iOS 9.1 ebenfalls behoben worden sein.

Zoom

Im Zoom ist die einzige neue Funktion, dass die Einstellung der Zoom-Filter jetzt auch von den Einstellungen aus möglich ist und nicht nur durch den Anfasser des Zoom-Fensters.

Tastatur

In iOS 9 wird per Bluetooth angekoppelten Tastaturen mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Man kann für diese in einem neuen Punkt „Tastatur“ unter den Bedienungshilfen jetzt folgendes einstellen:

  • Tastenwiederholung: Schaltet diese ein oder aus. Außerdem kann die Geschwindigkeit angepasst werden.
  • Ein-Finger-Bedienung: Ermöglicht das separate Drücken von Sondertasten, um nicht gleichzeitig mehrere Tasten drücken zu müssen.
  • Anschlagverzögerung: Ermöglicht das Einstellen der Zeit, die verstreichen muss, bis eine Taste als gedrückt erkannt wird.

Weiterhin kann für die Bildschirmtastatur eingestellt werden, ob diese bei Umschalten der Umschalttaste die Darstellung auf Groß- und Kleinschreibung ändern oder die bisherige Darstellung beibehalten soll.

Hilfe zu Tastenkombinationen

Eigentlich ist dies streng genommen gar keine Bedienungshilfe im klassischen Sinn, aber dennoch vielleicht nicht jedem sofort ersichtlich: Bedient man eine App mit externer Tastatur, kann man sich jetzt die unterstützten Tastenkombinationen anzeigen lassen, indem man die CMD-Taste ca. eine Sekunde lang gedrückt hält. Es erscheint dann eine Überlagerung mit den in diesem Fenster zur Verfügung stehenden Tastenbefehlen.

Hinweis für VoiceOver-Nutzer: Diese Überlagerung spricht in dieser Version noch nicht korrekt. Es fehlt die Ansage der eigentlichen Taste für die Funktion, und es werden immer zwei Funktionen gleichzeitig gelesen. Ich habe dies schon während der Beta-Phase an Apple gemeldet und hoffe, dass sie dies in einem baldigen Update korrigieren.

Touch-Anpassungen

Für diejenigen Anwender, die Probleme haben, den Touchscreen zu bedienen, gibt es jetzt mehrere Einstellungen zur Berührung, Haltedauer und Touch-Assistenten einstellen, um die Bedienung zu verbessern.

Schaltersteuerung

Bei der Schaltersteuerung gibt es eine deutliche Weiterentwicklung. Zum einen kann man jetzt schrittweise scannen. Man drückt so lange den Schalter, bis das gewünschte Element im Fokus ist und wartet dann die einzustellende Zeit ab, bis das Element aktiviert wird. Hierfür wird nur ein Schalter benötigt.

Ein neuer Modus „Immer Tippen“ verursacht, dass das Drücken des Schalters immer auf den Bildschirm tippt. Das Scannermenü ist dann als Icon am Ende der Elementfolge verfügbar anstatt als Aktion des Doppeltippens des Schalters.

Man kann dem langen Drücken eines Schalters jetzt eine separate Aktion zuweisen.

Weiterhin gibt es jetzt Abläufe, mit denen man bestimmte Gestenabfolgen einem Schalter zuweisen kann, die sich regelmäßig wiederholen sollen. Ein Beispiel hierfür ist das Umblättern von Seiten in iBooks. Entweder durch einen Timeout oder durch das lange Drücken des Schalters verlässt man diesen Ablauf dann wieder.

Es gibt noch einige weitere Änderungen wie eine für manche Benutzer vereinfachte Tastatureingabe. Schaut einfach mal in die Optionen, wenn ihr Schalter für die Steuerung von iOS verwendet!

Das Menü von AssistiveTouch anpassen

Bei AssistiveTouch kann man das Haupt- und die Untermenüs jetzt ändern und dieses somit besser auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die Symbole im Hauptmenü können zwischen einem und acht liegen, und die Untermenüs sind frei konfigurierbar. Und wenn etwas schief gegangen ist, gibt es einen Zurücksetzen-Schalter.

Verbesserung der Lesbarkeit im Safari Reader

Der Reader-Modus in Safari, der viele Webseiten für eine bessere Lesbarkeit aufbereitet, hat einige neue Darstellungsoptionen bekommen, um das Lesen noch augenfreundlicher zu gestalten. Verbesserte Schriften und Farbkontraste sind nur einige der Neuerungen hier. Probiert es am besten einfach mal auf einer Webseite wie dieser aus, indem ihr oben neben der Adressleiste erst den Button für den Reader antippt und dann die neu erscheinenden Darstellungsoptionen ausprobiert!

Fazit

iOS 9 ist zuvorderst ein Update zur Stabilität und mit im Vergleich zu iOS 7 (komplett überarbeitete Benutzeroberfläche) und iOS 8 (Erweiterungen aller Art) mit vergleichsweise wenigen neuen Funktionen ausgestattet. Es wurden aber viele Probleme behoben und gerade bei den Bedienungshilfen doch einige echt nützliche Funktionen eingebaut, wie die deutlich verbesserte Textauswahl und eine sehr viel robustere Unterstützung externer Tastaturen.

Im Vergleich zu den letzten beiden großen Updates ist das Update auf iOS 9 in der Tat von Anfang an bedenkenlos möglich und zu empfehlen.

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Im Test. Zagg Slim Book fürs iPad Mini

Vor zwei Wochen stieß ich auf diese Rezension von Kay des Zagg Slim Book für das iPad Mini. Seine sehr positive Rezension machte mich neugierig, und Anfang der Woche konnte ich endlich selbst ein Exemplar dieser iPad-Hülle mit Tastatur in Händen halten und begutachten.

Das Slim Book ist eine Kombination aus Tastatur und Schale fürs iPad. Zugeklappt erinnert sie mich sehr an einen dieser alten Asus EEE PCs, wie sie gegen Ende des letzten Jahrzehnts die Ära der Netbooks und Subnotebooks einleiteten. Es ist sehr kompakt und wiegt mit dem iPad Mini 2 mit Wifi und Mobilfunk 712 g.

Die Modi

Das Slim Book kann in vier Modi betrieben werden:

  1. Im Tastatur-Modus ist es mit dem iPad eine klassische Kombination. Das iPad steht im Querformat hinten an der Tastatur.
  2. Im Tablet-Modus wird die Schale, in der das iPad sitzt, einfach von der Tastatur abgenommen. Starke Magneten halten die beiden Teile zusammen, aber für den Tablet-Modus ist die Schale trotzdem schnell  abgenommen.
  3. Im Buchmodus wird die Schale des iPads umgekehrt an die Magnethalterung geklippt und über die Tastatur geklappt. Der Schließmechanismus funktioniert also auch, wenn das iPad mit der Schale auf dem Rücken liegt.
  4. Der Video-Modus schließlich ist der Buchmodus mit hochgeklapptem iPad. Es steht dann aufrecht, die Tastatur befindet sich an der Rückseite, und als Sehender hat man einen freien Blick auf den Bildschirm ohne Ablenkung durch die Tastatur.

In jedem Modus außer dem Tablet-Modus sind beide Teile also mechanisch aneinander gekoppelt, und es fliegt nichts in der Gegend herum. Und hält man das iPad samt Schale in der Hand, um es als Tablet zu benutzen, bleibt die Tastatur einfach auf dem Tisch liegen.

Aufbau und Handhabung

Die Schale ist sehr robust. Damit wurde einer der wesentlichen Kritikpunkte aus meinem großen iPad-Tastatur-Test behoben. Das Folio von Zagg hatte ja einen sehr wabbeligen und nicht passgenauen Rücken und fühlte sich nicht wertig an. Das ist beim Slim Book anders.

Der Schließmechanismus hält iPad und Tastatur sehr gut zusammen, so dass man beim Transport nicht befürchten muss, dass sie sich voneinander lösen.

Die Tastatur selbst hat ein fast vollwertiges deutsches Tastaturlayout. Die Tasten für ä und ü sind etwas schmaler als die sonstigen Buchstabentasten. Die Taste für das <- bzw. >-Zeichen fehlt und wird über FN+Bindestrich-Taste ausgelöst. Genauso fehlt die Taste für das Hütchen- bzw. doppelte Accent-Zeichen. Diese wird mit FN+Zifferntaste 1 simuliert. Alles ist natürlich dem iPad Mini entsprechend etwas schmaler und steht dicht zusammen. Aber die Tasten sind so angeordnet, dass für mich ein flüssiges Schreiben, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung (siehe unten), möglich ist. Die Tasten haben einen guten Druckpunkt. Und die Konstruktion erlaubt sogar eine getrennte Leiste von Funktionstasten oberhalb der Zifferntasten. Die Funktionen sind üblich Home, Sperren, Siri, Bildschirmtastatur einblenden, Wiedergabesteuerung, Stumm, Lautstärkeregelung, und auch die Power- und Bluetooth-Tasten sind in die Leiste der Funktionstasten oben rechts integriert.

Nach einer Woche musste ich jedoch feststellen, dass trotz gut erfolgter Eingewöhnung kein wirklich flüssiges Schreiben möglich war. Das Hauptproblem sind Tastendrücke, die nicht angenommen werden. Vornehmlich betrifft dies Wörter mit doppelten Buchstaben, es fehlen aber auch gern mal andere Buchstaben. Dies wurde in einem großen Tastaturtest Im Heft 1/2015 der Zeitschrift Mac & i bei einem Vorgängermodell ebenfalls bemängelt und scheint ein grundsätzliches Problem dieser Tastatur fürs iPad Mini zu sein, gerade für Schnellschreiber. Von keiner anderen Tastatur egal für welches iPad oder MacBook kenne ich dieses Problem.

Der Akku wird wie üblich per Mikro-USB-Kabel aufgeladen und soll lange halten. Schaltet man die Tastatur nicht aus und klappt das iPad zu, wird die Tastatur schlafen geschickt und wacht nach dem Aufklappen auf Tastendruck wieder auf.

Fazit

Ich kann Kay insofern zustimmen, dass dies mit Abstand die beste Tastatur fürs iPad Mini ist, die ich bisher unter den Fingern gehabt habe. In Kombination bietet das Slim Book einen robusten Rundumschutz für Tastatur und iPad. Wer es gern lieber bebildert hat, ist herzlich eingeladen, Kays Post zu lesen. Dort gibt es Fotos. 🙂

Jedoch bedeutet das oben geschilderte Problem für mich, dass die Tastatur für meinen Zweck nicht geeignet ist. Die fehlenden Buchstaben, die ich in der Regel durchs Tastaturecho „Wörter“ bei VoiceOver sofort höre, unterbrechen meinen Schreibfluss und zwingen mich zur sofortigen Korrektur. Alternativ bedeuten sie im Nachhinein einen erheblichen Korrekturaufwand. Insofern ist für mich mit dieser Tastatur trotz allen sonstigen Gefallens kein produktives Arbeiten möglich.

Das Slim Book git es auch für das iPad Air und iPad Air 2.

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Erstes Anfühlen der Apple Watch

Endlich ist es soweit! Die von vielen mit Spannung erwartete Apple Watch, die Computeruhr von Apple, kann seit dem 10.04.2015 in den Apple Retail Stores angeschaut und vor allem auch angefasst werden. Und auch meine Herzdame und ich ließen es uns nicht nehmen, uns in den Apple Store im Alstertal Einkaufszentrum (AEZ) in Hamburg zu begeben und einen vorher reservierten Termin zur Anprobe und dem Kennenlernen wahrzunehmen.

Im Vorfeld hatten mich schon zwei Artikel von David Woodbridge und Steven Aquino sehr neugierig gemacht und bestätigt, was schon die letzten Monate durch die Gerüchteküche waberte: Die Apple Watch hat diverse Bedienungshilfen gleich eingebaut wie Zoom, großen Text, Mono Audio und auch VoiceOver. Sie ist meines Wissens nach damit das erste Wearable, das für Blinde von vorn herein zugänglich ist. Die mir bekannte Android-Wear hat entweder keine Lautsprecher oder keine Bedienungshilfen, oder beides. Apple haben hier also mal wieder ganz deutlich die Nase vorn. Sebastian Müller hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht und den Artikel von David auf deutsch zusammengefasst.

Als wir nun gestern in den Apple Store kamen, wurden wir gleich freundlich empfangen und zu unserer Anprobe gebeten. Wir konnten sogar den Termin gleich beginnen, als wir eintrafen, etwa 20 Minuten vor der eigentlichen Zeit.

In diesem Apple Store waren die Apple Watch Sport, also die Uhr mit eloxiertem Aluminiumgehäuse, und die Apple Watch in Edelstahl zu bewundern. Die Edition-Variante aus 18-karatigem Gold ist hier nicht vorhanden, interessiert mich aber auch ehrlich gesagt nicht. Ich mag’s eher dezent. 😉 Auch waren sämtliche Armbänder vorhanden.

Die Uhr ist angenehm abgerundet geformt, eindeutig als Uhr erkennbar und sehr solide verarbeitet. Die beiden unterschiedlichen Größen (38 und 42 mm) sind durchaus gerechtfertigt. An meinem Handgelenk kam sich die 38-mm-Uhr sehr verloren vor, während die 42-mm-Uhr durchaus zu mir passte. Dennoch ist die Uhr nicht wuchtig oder klobig, sondern sehr anschmiegsam und fühlt sich nach einer runden Sache an.

Der Unterschied zwischen der Sport und der Edelstahl-Variante ist sehr deutlich spürbar, sobald man die Uhr am Arm trägt. Ja, obwohl es nur 25 Gramm sind, die den Unterschied ausmachen, ist die Apple Watch deutlich schwerer bei Handbewegungen als die Apple Watch Sport. Auch die verwendeten Armbänder machen hier einen deutlichen Unterschied aus. Die beiden Varianten in Leder und die Sportarmbänder sind deutlich leichter als das Milanaise- oder gar das Gliederarmband. Die Apple Watch mit Gliederarmband fühlte sich richtig schwer an.

Zu den Bedienungselementen: Die digitale Krone ist sehr angenehm leichtgängig zu bedienen, ohne dass man die Uhr vom Handgelenk nehmen muss oder es beim Drehen zu einem unangenehmen Hautkontakt kommt. Ich konnte sie problemlos mit einem Finger in beide Richtungen bewegen. Der darunter liegende Knopf zum Aufruf der Freundesliste ist ebenfalls mit einem angenehmen Druckpunkt ausgestattet und lässt sich bequem bedienen. Der Touch Screen schmeichelt sich geradezu an den Finger, wenn man darauf wischt oder tippt. Und dieses tut er sowohl bei der Edelstahl- als auch bei der Sport-Edition.

Zu den Gehäusen kann ich sagen, dass die Sport Edition am Rand leicht angeraut ist, während die Edelstahl-Edition sehr glatt ist. Die Sport-Edition wirkt dadurch jedoch keinesfalls unedler oder unsauber.

Die Armbänder sind verschieden bedienbar. Das An- und Abdocken von der Uhr selbst dürfte mit ein wenig Fingerübung bald schnell von der Hand gehen. Das Milanaise- und „Lederarmband mit Schlaufe“haben quasi stufenlos verstellbare Längen, indem man einen Teil des Armbands durch eine Schlaufe fädelt und dann per Magnet dort an das Armband klippt, wo man es braucht, so dass die Uhr gut sitzt. Das Sportarmband aus Fluorelastomer hat mehrere Löcher, in die man ein passendes Gegenstück einfach hineindrückt, das klassische Lederarmband hat einen Verschluss wie übliche Armbänder, und das Gliederarmband öffnet und schließt man durch einen Verschluss an der Unterseite. Man passt es der Dicke des Handgelenks an, indem Glieder aus dem Armband entfernt oder wieder hinzugefügt werden. Meine Herzdame erinnert der „Flügeltürmechanismus“ dieses Armbands übrigens an die Flügeltüren des Lamborghini aus den 1980er Jahren. 😉

Zu guter letzt sei noch die taktile Komponente auf der Unterseite der Uhr angesprochen, über die man z. B. durch sanftes Tippen Signale empfangen kann. Dieses ist kreisrund und nimmt fast die gesamte Unterseite der Uhr ein. Sie fühlt sich beim Tragen jedoch überhaupt nicht wie ein Fremdkörper an, sondern passt sehr angenehm zum Tragegefühl.

Die Modelle, die man zur Anprobe verwendet, sind entweder komplett ausgeschaltet oder laufen in einer fest programmierten Demo-Schleife. Sie dienen wirklich nur dazu, das Gefühl fürs Tragen und die Armbänder zu bekommen. Zum Testen der eigentlichen Funktionen waren mehrere Modelle auf einem anderen Ausstellungstisch auf besondere iPads gemountet. Leider befinden sich diese in einem DemoModus, in dem fast alle, aber eben nicht alle Funktionen zur Verfügung stehen. So sind sämtliche Bedienungshilfen in diesem Demo-Uhren nicht aktivierbar. Ich konnte also VoiceOver nicht selbst testen. Und da ich keinen Presseausweis oder ähnliches besitze, konnte ich auch keine privilegierte Vorführung mit einer voll funktionsfähigen Uhr bekommen. Es waren allerdings auch einige andere Funktionen nicht verfügbar, für die die Uhr definitiv ein gekoppeltes iPhone braucht.

Apropos: Um es nochmals deutlich zu sagen: Die Apple Watch benötigt ein iPhone 5 oder neuer als Partnergerät, um überhaupt in Betrieb genommen zu werden. Danach kann sie einige Funktionen selbstständig ausführen, für die allermeisten braucht sie aber das iPhone in der Nähe. So können auch einige Aspekte der Bedienungshilfen lediglich über die Apple-Watch-App auf dem iPhone richtig konfiguriert werden, wie David in seinem Artikel schreibt. Und auf dem iPhone wird mindestens iOS 8.2 vorausgesetzt, aber wer iOS 8 nutzt, sollte gerade als VoiceOver-Anwender eh auf die 8.3 aktualisieren, wegen einer riesigen Menge an Fehlerbehebungen.

Und noch ein Hinweis für Leserinnen und Leser, die selbst iOS-Apps mit Apple-Watch-Erweiterungen entwickeln: Da die Apple Watch ein voll funktionsfähiges VoiceOver enthält, müssen auch die Elemente der Benutzerführung wie unter iOS zugänglich gemacht werden. Rein grafische Elemente brauchen also genauso ein AccessibilityLabel wie die iOS App für ihre grafischen Buttons selbst. Ich habe meinen Artikel zur VoiceOver-Unterstützung für iOS um einen Abschnitt für die Apple Watch erweitert.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich schon sehr gespannt auf mein persönliches Modell bin! Meine Herzdame und ich haben ein ganz konkretes Anwendungsbeispiel, wofür uns die Apple Watch schon in ihrer Grundausstattung eine große Hilfe sein wird. Immer dann, wenn sie wegen einer Kataplexie nicht in der Lage ist, ein iPhone in die Hand zu nehmen und mich per Textnachricht zu Hilfe zu rufen, kann sie aber im Regelfall wenigstens ein Tap-Muster an mich senden, bei dem ich dann sofort bescheid weiß, was Sache ist. Die Apple Watch wird hier also zu einem Zweck zum Einsatz kommen, den Apple selbst so vielleicht noch gar nicht überlegt hat. Und sie ist eben nicht ein bloßes Gadget, sondern wird ein richtiges Hilfsmittel für uns sein, dass es so bisher noch nicht gab. Ich werde dann weiter berichten!

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Produktivität in iOS 8 – Teil 1: Grundlagen und kleine Helferlein

Neben den an anderer Stelle schon ausführlich behandelten Neuerungen zu den Bedienungshilfen bietet iOS 8 eine Fülle neuer Produktivitätsfunktionen, deren Stärken sich im Zusammenspiel mehrerer Apps erst richtig zeigen. Die Integration verschiedener Apps miteinander ist so gut gelungen, dass die Übernahme von Daten und die Interaktion zum Teil deutlich besser funktioniert als auf Mac oder PC.

Ich habe mal ein paar Apps zusammengetragen, die diese neuen Funktionen nutzen und die ich auch täglich selbst im Einsatz habe. Dabei liegt ein Schwerpunkt meiner Betrachtungen auch durchaus auf der Bedienbarkeit mit VoiceOver, und ich gebe einige Tipps, wo sich manche Funktionen verstecken, die zu aktivieren sich definitiv lohnt.

Sämtliche unten beschriebenen Apps sind mit VoiceOver zugänglich. Manche Apps sind kostenpflichtig, andere kostenlos. Links zum App Store sind Affiliate-Links, d. h., wenn Du über mein Blog eine kostenpflichtige App aufrufst und kaufst, erhalte ich eine kleine Provision von Apple dafür.

Begriffsklärung

iOS 8 kommt mit einigen neuen Konzepten daher, deren Begrifflichkeiten zu sortieren manchem vielleicht noch etwas schwer fallen könnte. Diese kleine Aufstellung soll dabei helfen, diese ein wenig zu sortieren. Wer mit Widgets, Erweiterungen, Teilen-Bildschirmen usw. schon vertraut ist, kann diesen Abschnitt gern überspringen.

Widgets

Widgets werden in die Mitteilungszentrale eingebunden und erscheinen auf dem Reiter „Heute“. Es handelt sich um kleine Teile der jeweiligen Anwendung, die Informationen anzeigen oder Schnelleinstiege zu den Apps bieten, um z. B. sofort ein neues Dokument o. ä. zu erstellen.

Unten am Bildschirmrand befindet sich eine Taste „Bearbeiten“, die einen Dialog öffnet, in dem man Widgets ein- und ausschalten und diese neu anordnen kann, so dass man den Heute-Bildschirm nach den eigenen Bedürfnissen anpassen kann. Schon aus iOS 7 bekannte Widgets sind diejenigen für den Kalender, Erinnerungen oder das Wetter. Stellt eine installierte App ein Widget bereit, erscheint es hier, ist aber standardmäßig ausgeschaltet, also nicht aktiv. Zum Einschalten einfach den zugehörigen Umschalter doppeltippen. Zum neuen Anordnen das zugehörige ziehbare Element am rechten Rand finden, doppeltippen und halten und dann langsam auf- oder abwärts bewegen, bis das Widget an der gewünschten Stelle ist. Den Finger danach einfach anheben, und das Widget ist platziert. Zum Abschluss der Konfiguration oben rechts auf Fertig doppeltippen. Einige nützliche Widgets werde ich weiter unten an passender Stelle erwähnen.

Teilen-Funktion

Viele neue Versionen von Apps erlauben jetzt durch Erweiterungen, dass Inhalte wie Fotos, Webseiten oder Dokumente mit ihnen geteilt werden. Sie können dazu in die Teilen-Funktion eingebunden werden. Am einfachsten kommt man da hin, indem man im Safari eine Webseite öffnet und dann die Taste Freigeben doppeltippt. In der oberen Reihe befinden sich Anwendungen wie Nachrichten, E-Mail, Twitter usw. Rechts am Ende dieser Reihe befindet sich eine Taste „Mehr“. Doppeltippt man sie, kommt man in einen sehr ähnlichen Konfigurationsdialog wie für die oben beschriebenen Widgets. Hier kann man Apps aktivieren, die Erweiterungen zur Verfügung stellen, um Inhalte entgegenzunehmen. Wer Pocket oder Instapaper nutzt, muss jetzt also nicht mehr umständlich ein JavaScript-Bookmarklet in Safari einbinden, sondern kann die jeweilige Ap jetzt hier aktivieren und sich an die gewünschte Stelle ziehen. Will man eine Webseite für später zum Lesen markieren, aktiviert man einfach Freigeben und dann die App, und schon ist die Webseite gespeichert. Evernote kann direkt eine neue Notiz aus Inhalten erstellen, man kann einfach Bilder an Dropbox senden und vieles mehr. Es lohnt sich ein Blick hier hinein, um festzustellen, welche Apps schon Erweiterungen zur Verfügung stellen!

Safari-Erweiterungen

Ein ähnliches Konzept bieten Safari-Erweiterungen, die jedoch, wie der Name schon vermuten lässt, auf Safari beschränkt sind. Mit 1Password kann man Logins generieren und ausführen, mit View Source sich den Quelltext von Webseiten anzeigen lassen usw. Die Konfiguration findet auch im Freigeben-Bildschirm von Safari statt, aber man nimmt hierfür die untere Reihe, wo vorkonfiguriert so Dinge wie Lesezeichen, an Leseliste senden usw. zu finden sind. Auch hier gibt es eine Taste „Mehr“, die einen entsprechenden Konfigurationsbildschirm öffnet, in dem Safari-spezifische Erweiterungen aktiviert werden können.

Speicheranbieter

Eine vierte Erweiterungsmöglichkeit ist die Einbindung von Speicherorten für Dateien. Apple stellt mit iCloud Drive bereits einen solchen Speicheranbieter zur Verfügung, Dropbox und auch der FTP/SFTP/WebDAV/Amazon-S3-Client Transmit haben ebenfalls solche Dokumentenspeicher-Erweiterungen im Angebot. Zukünftige Versionen von Apps wie Pages oder Microsoft Word fürs iPad können Dateien dann von solchen Speicherorten öffnen und bearbeiten. Der Clou ist: Diese agieren als virtuelle Laufwerke, d. h., Änderungen, die man vornimmt, werden transparent gleich wieder über diesen Speicheranbieter auf dem Server gespeichert, so dass die Änderungen sofort in Dropbox oder der privaten Cloud zur Verfügung stehen. Mit Transmit und einem kleinen Kniff ist damit sogar ein voller Zugriff auf das Dateisystem des heimischen Macs möglich. Mehrere App-Entwickler haben schon angekündigt, diese Möglichkeit, Dokumente von Cloudspeichern zu öffnen, einbinden zu wollen.

Am einfachsten konfiguriert man vorhandene Cloudspeicher aus Dropbox heraus. In Dropbox die Taste „Weitere Optionen“, dann „Datei Hinzufügen“ antippen, auf „Mehr“ tippen und vorhandene Speicheranbieter aktivieren. Die Konfiguration ist analog, nur dass diesmal keine Möglichkeit zur Änderung der Reihenfolge besteht. Will man also z. B. eine Datei von seinem SFTP-Server in Dropbox kopieren, kann man Transmit einbinden und einfach eine Datei von dort auswählen, und sie wird in Dropbox gespeichert.

App-Erweiterungen in anderen Apps

In iOS 8 ist es jetzt endlich möglich, Erweiterungen installierter Apps in anderen Apps zu verwenden. Prominenteste Vertreter hier sind wohl 1Password und Text Expander Touch. War es früher nur über Kniffe möglich, Erweiterungen einer App in einer anderen zur Verfügung zu stellen, bietet Apple nun einen offiziellen Weg. So kann man in Transmit z. B. mit Hilfe von 1Password einen Panic Sync Account erstellen, indem man anstatt ein Passwort einzugeben einfach die 1Password-Taste tippt und sich von diesem direkt ein starkes Passwort generieren lässt. Man vergibt für das zu erstellende Login einen Titel, tippt auf Fertig, das generierte Passwort wird im Formular zur Accounterstellung eingetragen, und zwar in beide Felder, und gleichzeitig wird das Login in 1Password gespeichert, so dass es auch auf anderen iOS-Geräten zur Verfügung steht. Installiert man Transmit nun auf diesem zweiten Gerät, kann man sich einfach an sein Panic Sync Konto anmelden, indem man im Anmelde-Bildschirm wieder auf 1Password tippt, sich am Tresor anmeldet und das oben erstellte Login für Panic Sync auswählt. Die Daten werden übernommen, man muss in Transmit dann nur noch auf Log in tippen.

Vor iOS 8 musste man für diese Abläufe umständlich über die Zwischenablage gehen und mehrere App-Wechsel vollziehen, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. Diese neuen Erweiterungen sind also ein toller Zugewinn an Komfort und Integration.

Einige nützliche Apps

1Password

1Password von AgileBits Inc. ist ein Verwaltungsprogramm für alle möglichen Daten. Logins, Kreditkarten, Bankkonten, Reisepass- oder Personalausweisnummern, Adressen und vieles mehr können in einem sicher verschlüsselten Tresor gespeichert und jederzeit abgerufen und automatisch auf Webseiten ausgefüllt werden. Wie oben beschrieben, unterstützen auch immer mehr andere Apps das Einloggen per 1Password. Die Safari-Erweiterung integriert 1Password in den täglichen Surfablauf. 1Password gibt es nicht nur für iOS, sondern auch für Android, Mac und Windows. Auch Browsererweiterungen gibt es viele, die direkt mit dem Client interagieren und eine plattform- und browserübergreifende Passwortverwaltung ermöglichen. Stellt man seine Passwörter ganz unter den Scheffel von 1Password, kann man seine gängigen Passworte durch zufällig und stark generierte Passwörter ersetzen und somit die Sicherheit der eigenen Accounts erhöhen. Wird doch mal ein Account gehackt, hat der Angreifer dann nicht gleich Zugriff auf 10 andere, weil man zu faul war, sich für jedes ein neues Passwort auszudenken.

Hat man ein iPhone 5s, 6 oder 6 Plus, unterstützt 1Password auch die Freischaltung per Touch ID, also dem Fingerabdruck, so dass man nicht jedes mal das Master-Passwort oder die PIN eingeben muss.

Ich empfehle zur Synchronisierung Dropbox, da dieser Dienst universeller einsetzbar ist als iCloud Drive, welches lediglich auf das Apple-Universum beschränkt ist. Die iOS- und Mac-Versionen sind sehr gut mit VoiceOver bedienbar, die Windows-Version größtenteils, die Browsererweiterungen vereinfachen das Handling erheblich. Die Android-Version kenne ich nicht, kann zu deren Zugänglichkeit also nichts sagen.

Dropbox

OK, zu Dropbox, dem wohl bekanntesten Cloudspeicher, muss man eigentlich keine Worte mehr verlieren, und seit der kürzlichen Neugestaltung der Preise ist auch ein Pro-Abo mit echtem Mehrwert verknüpft. Nicht nur 1 Terrabyte Speicher bekommt man für 10 Euro im Monat bzw. 99 Euro im Jahresabonnement, sondern auch vielfältige Teilen-Funktionen mit anderen Dropbox-Nutzern. Auch können sehr viele Apps Dateien aus Dropbox lesen oder dort speichern, und mit den neuen oben schon erwähnten Teilen-Erweiterungen erhöhen sich die Möglichkeiten nochmals um ein vielfaches, selbst wenn eine App Dropbox nicht selbst unterstützt.

Dropbox bietet auch ein Widget für den Heute-Bildschirm an, in dem die letzten Kontoaktivitäten angezeigt werden. So kann man schnell feststellen, ob z. B. Dateien in einem geteilten Ordner von einem anderen Teilnehmer aktualisiert wurden usw.

Kleiner Tipp: Entscheidet man sich für ein Pro-Abonnement, kann man beim Jahres-Abo 10 Euro sparen, indem man dieses per In-App-Kauf in Dropbox abschließt. Apple rechnet nämlich die 99 US$ in 89 Euro um. Auf der Webseite kostet es 99 Euro, es wird also ein schlechterer Wechselkurs zu Grunde gelegt. Auch ist Dropbox als Cloudspeicher deutlich billiger als dieselbe Speichergröße bei Apple selbst, denn 1 TB kosten dort fast 240 Euro.

Transmit

Transmit von Panic, Inc. ist ein auf dem Mac sehr beliebter und verbreiteter Client für FTP, WebDAV und Amazon S3 Cloudspeicher. FTP deckt hier auch das sichere SFTP ab. Mit dem Erscheinen von iOS 8 hat Panic mit Transmit iOS auch eine iOS-Version bereitgestellt, die es zur Einführung zum halben Preis gibt. Die universelle iPhone- und iPad-App nutzt mehrere der neuen iOS-Funktionen aus, wie oben schon angedeutet. Durch die vielfältigen Protokolle hat man Zugriff auf sehr unterschiedliche Cloudspeicher, man hat eine lokale Dateiverwaltung und kann Dateien leicht hin und her jonglieren. Zip-Dateien werden ebenfalls unterstützt sowie eine Vorschau für viele Dokumenttypen. Man kann den Client absichern per Passwort/PIN oder auch per Fingerabdruck, sofern das Gerät es unterstützt. Per Panic Sync lassen sich die Server-Logins auch mit anderen iOS-Geräten und dem Mac abgleichen.

TextExpander 3

TextExpander 3 + custom keyboard von SmileOnMyMac, LLC ist eine Textbausteinverwaltung, die mächtiger ist als die, die in iOS bereits eingebaut ist. Kann die iOS-Funktion lediglich reine Textbausteine verwalten, können die Snippets bei TextExpander mit Formatierungen, Makros wie dem aktuellen Datum oder anderen Angaben usw. angereichert sein und sind somit viel dynamischer. Die neue Version für iPhone und iPad bietet darüber hinaus noch eine Tastatur, mit der sich diese Textbausteine in jede beliebige App einfügen lassen. Die Tastatur und App sind natürlich voll VoiceOver-zugänglich, es gibt jedoch einen Bug, der die Statuszeile direkt oberhalb dieser und anderer Tastaturen dupliziert. Dies tut der eigentlichen Funktionalität jedoch keinen Abbruch, man sollte sich nur nicht davon irritieren lassen. Auch TextExpander unterstützt das Synchronisieren der Textbausteine über iCloud oder Dropbox zu anderen iOS-Geräten sowie der Mac-Version.

NitroStats

Und zum Schluss habe ich noch eine kleine App, die zur Zeit hauptsächlich für Kunden der Telekom oder solchen Anbietern wie Congstar interessant sein dürfte, die das Telekom Mobilfunknetz nutzen. NitroStats von goldfish design GbR ist eine App, deren Hauptfunktion es ist, ein Widget zu sein. Dieses zeigt bei bestehender Mobilfunkverbindung und ausgeschaltetem oder nicht verbundenem WiFi den aktuellen Datenverbrauch an, so dass man sehr einfach das monatliche Volumen im Blick behalten kann. Im Gegensatz zur Statistik im iPhone werden die Daten hier direkt von der Telekom abgefragt, so dass auch der Verbrauch von per Multi-SIM ebenfalls verbundenen Geräten mitgerechnet wird. Weiterhin zeigt das Widget an, wie viel freier Speicherplatz sich noch auf dem iPhone befindet. Die Entwickler planen laut eigener Aussage, das Widget noch um weitere Funktionen zu ergänzen. Man darf also gespannt sein, was da noch kommt!

Ich hoffe, diese kleine Einführung hat dem einen oder der anderen geholfen, sich etwas besser in den neuen Begrifflichkeiten und Funktionsweisen von iOS 8 zurechtzufinden. Und vielleicht war ja auch der eine oder andere nützliche App-Tipp dabei!

In zukünftigen Teilen dieser neuen Serie plane ich, mir weitere Apps genauer anzusehen und zu rezensieren. Man hört z. B., dass es demnächst eine spannende neue Version von Drafts geben wird. Und wer weiß, wer noch auf tolle Ideen mit den neuen Funktionen von iOS 8 kommt! Also bis demnächst an dieser Stelle auf dieser Welle! 😉

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Das ist neu in Puncto Bedienungshilfen in iOS 8

Es ist soweit, iOS 8 ist erschienen! Und es ist Zeit, sich die Neuerungen in puncto Bedienungshilfen anzuschauen. Es gibt einiges zu entdecken. Apple haben mal wieder ein echtes Feuerwerk abgebrannt, was die Neuerungen und Verbesserungen angeht.

VoiceOver

Im Bereich VoiceOver, der viele meiner Leser am brennendsten interessieren dürfte, haben sich ein paar Dinge getan, die die Arbeit noch einmal deutlich erleichtern könnten.

Brailleeingabe auf dem Touchscreen

In den Rotoreinstellungen gibt es eine neue Einstellung mit Namen „Braillebildschirmeingabe“. Fügt man diese dem Rotor hinzu, steht in Eingabefeldern eine neue Rotorfunktion gleichen Namens zur Verfügung, ähnlich wie die Handschriftoption in iOS 7. Schaltet man auf diesen Modus um, wird das iPhone, iPad oder der iPod Touch der 5. Generation zur Brailleeingabetastatur. Auf den kleinen Bildschirmen des iPhone und iPods lediglich für 6-Punkt-Braille, auf iPads sogar 8-Punkt-Braille. Dies passiert grundsätzlich im Querformat. Die Home-Taste zeigt hierbei üblicherweise nach rechts. Hier unbedingt auf die Ansage von VoiceOver achten!

Zunächst wird man aufgefordert, die Finger zu kalibrieren. Jeder hält seine Hände etwas anders, und damit das Gerät weiß, wie, und dementsprechend die Braillezeichen deuten kann, muss es ihm beigebracht werden. Zunächst legt man die Finger der rechten Hand aufs Display und wartet zwei akustische Signale ab. VoiceOver sagt dann „Im Erkundungsmodus, Punkte 4 5 6“. Dann hebt man sie an und wiederholt diese Prozedur mit den Fingern der linken Hand für die Punkte 1 2 3. Nun ist man startklar und kann lostippen. Die folgenden weiteren Gesten stehen nun zur Verfügung:

  • Mit einem Finger nach rechts wischen: Leerzeichen einfügen.
  • Mit einem Finger nach links wischen: Letztes Zeichen löschen.
  • Mit einem Finger nach oben oder unten wischen: Vorschläge aus dem Wörterbuch auswählen.
  • Mit drei Fingern nach links oder rechts wischen: Umschalten zwischen Kurzschrift- und Computerbraille-Eingabe, mit der Einschränkung, dass diese auf dem iPhone nur im 6-Punkte-Modus zur Verfügung steht.

Es wird sogar die Eingabe in mehreren Sprachen unterstützt. Schreibt man z. B. viel auf deutsch und englisch, hat man in der Regel auch für beide Sprachen die normale Tastatur installiert. Schaltet man nun vor Betätigen des Rotors die Tastatur auf deutsch oder englisch ein und schaltet dann in den Brailleeingabemodus, erfolgt die Interpretation auch in der gewählten Sprache, also bei Kurzschrift deutsche oder eben englische.

Was Apple hier deutlich besser gelöst hat als die Macher der Software mBraille, ist, dass sie nicht fest vorgeben, wie man die Finger auf einem iPhone plazieren muss. Die sehr abgeschrägte Handhaltung von mBraille konnte ich z. B. nie gut ausführen, während die Brailleeingabe nach der Apple-Methode nach dem Kalibrieren der Finger wunderbar funktioniert.

Das Kalibrieren kann man übrigens jederzeit wiederholen. Wenn man beim Tippen merkt, dass die Finger so doch nicht richtig funktionieren, kann man eine neue Kalibrierung beginnen, indem man die Finger der rechten hand so aufs Display legt, wie es dann am bequemsten ist und die Prozedur dann mit der Linken wiederholt, jeweils bis die zwei akustischen Signale und die VoiceOver-Ansagen erfolgt sind.

Diese Brailleeingabemethode ist ein echter Gewinn für Leute, die gern und viel Braille schreiben oder auch schnell sein wollen. Auch, dass die Kurzschrifteingabe so gut funktioniert, ist ein echter Sprung in der Funktionsvielfalt!

Genauere Einstellung der Brailleein- und -ausgabe

In den VoiceOver-Einstellungen für Brailleschrift gibt es jetzt genauere Einstellmöglichkeiten für die Aus- und Eingabe von Brailleschrift. Sowohl die Ausgabe als auch die Eingabe per Brailletastatur und Braillebildschirmeingabe können getrennt nach 8-Punkt-Braille, 6-Punkt-Braille (entspricht der deutschen Basisschrift) und Braillekurzschrift eingestellt werden, bei der Einstellung für die Brailletastatur sogar noch zusätzlich, ob eine Braillerückübersetzung stattfinden soll. Schaltet man diese aus, kann man z. B. als Lehrer in Zukunft kontrollieren, ob ein Brailleschüler richtig Kurzschrift schreibt. Für die Bildschirmeingabe steht diese Möglichkeit jedoch nicht zur Verfügung, hier wird immer zurückübersetzt.

Fortlaufendes Lesen

Ebenfalls in den Brailleschrifteinstellungen gibt es jetzt eine Einstellung, die sich „Automatisches Umblättern“ nennt. In iBooks, Kindle und anderen Anwendungen mit Textausgabe ist es nun endlich möglich, nur mit Hilfe der fortlaufenden Lesetasten der Braillezeile ein ganzes Buch zu lesen, ohne von Hand die Seite umblättern zu müssen.

Audioducking abschaltbar

in iOS 8 ist es jetzt ähnlich wie in OS X Mavericks endlich möglich, das Audioducking, also das Leiserdrehen der Medienwiedergabe, wenn VoiceOver spricht, an – und abzuschalten. Man geht hierfür in die Rotoreinstellungen und aktiviert den Punkt Audioducking. Will man die Funktion nun umschalten, kann man dies mit Wahl der Rotoreinstellung und dem Wischen nach oben oder unten tun.

Eine neue Tastatureingabemethode

In der Rotorstellung Eingabemodus gibt es eine neue Einstellung mit Namen „Direkte Berührung Eingabe“. Apple empfiehlt, diese nur in Verbindung mit den Einstellungen „Zeichen“ oder „Zeichen und Wörter“ beim Sprechen der Eingabe für Softwaretastaturen zu verwenden. Diese Einstellung besagt nämlich, dass man den Bildschirm nur ganz kurz berühren soll, um eine Taste einzugeben. Legt man den Finger zu lange auf eine Taste, wird sie gesprochen und beim Anheben des Fingers nicht eingegeben. Diese Art der Eingabe ist für Leute gedacht, die die Lage der Tasten ihrer Tastatur sehr genau kennen und so sehr schnell schreiben können wollen.

Die Standardeinstellung für diese Rotorfunktion ist jetzt übrigens auch in den VoiceOver-Einstellungen vorbelegbar. Es gibt dafür einen neuen Punkt „Eingabemodus“.

Neue Stimmeneinstellungen

Der Umschalter „Kompakte Stimme“ ist aus den VoiceOver-Einstellungen verschwunden. Stattdessen gibt es jetzt einen neuen Punkt „Sprachausgabe“, der dem Punkt „Sprachen und Dialekte“ entspricht, aber etwas umgestaltet und erweitert wurde. Hier fügt man wie gehabt diejenigen Sprachen hinzu, die man im Rotor haben möchte und die VoiceOver auch beim automatischen Erkennen von Sprachen z. B. auf Webseiten verwenden soll. Ganz oben legt man die Standardsprache fest, inklusive der Tatsache, ob die Standard- oder Premium-Stimme verwendet werden soll und wie schnell diese spricht.

Sämtliche solche Einstellungen kann man nun für jede weitere hinzuzufügende Sprache einstellen. Für jede Sprache ist einstellbar, ob die kompakte bzw. Standard-Stimme oder die Premium-Stimme heruntergeladen und verwendet werden soll, und wie schnell diese spricht. Für U.S. Englisch gibt es in iOS 8 außerdem die Stimme Alex, die von OS X seit Jahren als englische Standardstimme bekannt ist. Allerdings ist diese den 64-Bit-Geräten, also iPhone 5S oder neuer und iPad Air und iPad Mini mit Retina Display vorbehalten. Ältere Geräte bekommen diese Stimme nicht angeboten. Achtung, der Download ist 805 MB groß!

Zoom

Der Zoom ist in iOS 8 erheblich erweitert worden. So kann man jetzt einstellen, ob der Fokus verfolgt werden soll oder nicht, ob die Tastatur gezoomt werden soll und ob ein Menü mit Zoomfunktionen angezeigt wird. Auch kann man jetzt festlegen, ob der gesamte Bildschirm oder nur das Fenster gezoomt werden soll. Und letztendlich kann man die maximale Zoomstufe festlegen. Standardwert ist fünffacher Zoom, man kann dies aber auch auf bis zu 15-fach hochdrehen. Ob man das Gerät dann allerdings noch sinnvoll bedienen kann, überlasse ich dem geneigten Leser festzustellen. 😉

Graustufen-Darstellung

Dieser Punkt befindet sich unterhalb der Einstellung für die Farbumkehr und ist neu in iOS 8.

Sprachausgabe

Dieser Punkt ist neu und ersetzt die Punkte „Auswahl vorlesen“, „Autotext vorlesen“ und „Autokorrektur und Autogroßschreibung“. Diese sind in dieses neue Dialogfeld gewandert, und die Punkte „Autotext“ und „Autogroßschreibung…“ wurden zu „Autotext“ zusammengefasst.

Bildschirminhalt sprechen

Außerdem gibt es einen neuen Punkt „Bildschirminhalt sprechen“. Ist er aktiviert, kann man mit zwei Fingern vom oberen Bildschirmrand streichen, um sich eine Webseite, E-Mail, einen Text in iBooks o. ä. vorlesen zu lassen. Auf dem Bildschirm erscheinen dann Wiedergabe-Steuerelemente zum Pausieren und fortfahren und schnellen Spulen vor und zurück.

Diese Funktion ist übrigens auch mit VoiceOver kombinierbar. Man legt zwei Finger an den oberen Bildschirmrand und wartet auf das dezente aufsteigende Tonsignal, das anzeigt, dass jetzt erfolgende Fingerbewegungen direkt an die Anwendung durchgereicht werden. Erforscht man den Bildschirm, während der Bildschirm vorgelesen wird, wird die Vorlesestimme je nach Audioducking-Einstellung leiser gedreht, so dass die VoiceOver-Stimme deutlich besser zu hören ist. Man kann so auch die Wiedergabe-Steuerelemente fürs Vorlesen des Bildschirms bedienen.

Aktiviert man einen dieser drei Punkte, wird der Schalter „Stimmen“ verfügbar, der dem oben schon beschriebenen Dialog für die Sprachausgabe in VoiceOver entspricht, allerdings ohne die Standard-Sprache. Und außerdem sind hier alle verfügbaren Sprachen aufgelistet und konfigurierbar, weil der vorzulesende Text ja in jeder Sprache vorliegen kann und man ohne VoiceOver ja keinen Rotor hat. Außerdem sind die hier gemachten Einstellungen unabhängig von VoiceOver, man kann also fürs Vorlesen des Bildschirms für die gleiche Stimme eine andere Sprechgeschwindigkeit einstellen als bei VoiceOver.

Neue Einstellung Hörgerätbetrieb

Diese Einstellung findet sich im Dialogfeld „Hörgeräte“ und soll laut Aussage dazu beitragen, die Audioqualität zu verbessern. Auch werden in diesem Dialogfeld jetzt explizit „Made for iPhone“-Hörgeräte verbunden.

Geräuschunterdrückung

Mit dieser Einstellung werden Umgebungsgeräusche bei Telefonaten unterdrückt, um die Sprachqualität zu verbessern. Dies ist aber nur dann in Anwendung, wenn das iPhone ans Ohr gehalten wird, also nicht im Freisprech-Betrieb.

Videobeschreibungen

iOS unterstützt jetzt die Wiedergabe von Audiodeskriptionen in Videos. Dieser Punkt findet sich zusammen mit den Untertiteln im neu geschaffenen Abschnitt „Medien“ und legt fest, ob Audiodeskription automatisch abgespielt wird, wenn verfügbar, oder eben nicht.

Neue Optionen beim geführten Zugriff

Man kann den geführten Zugriff nun auch per Fingerabdruck sperren und entsperren. Weiterhin ist es nun möglich, bestimmte Zeiten festzulegen, zu denen der geführte Zugriff aktiv ist.

Art der Anrufannahme festlegen

Es ist nun möglich festzulegen, ob Anrufe automatisch (wie bisher) oder immer auf dem angeschlossenen Kopfhörer oder immer beim eingebauten Lautsprecher landen sollen.

Tastaturen

iOS 8 bietet nun endlich die Möglichkeit, Tastaturen von Drittherstellern systemweit einzubinden und zu nutzen. Und mehrere Hersteller von bekannten Apps haben nicht nur angekündigt, dass ihre Funktionalität in Zukunft per Tastatur zur Verfügung stehen wird, sondern auch, dass diese mit VoiceOver kompatibel sein werden. Dazu gehören natürlich die schon bekannte Tastatur Fleksy, die Snippet-Verwaltung TextExpander (Ankündigung) und der Passwort-Manager 1Password. Andere werden folgen oder haben ebenfalls Tastaturen angekündigt, ob diese alle mit VoiceOver kompatibel sind, muss sich zeigen. Aber die Tastaturerweiterungen ermöglichen natürlich viel mehr Flexibilität und Produktivität, so dass hier eine ganze Reihe von neuen Anwendungen möglich wird.

Notfall-Pass in der Health-App

In der neuen App Health (Engl. für Gesundheit) kann man sich einen Notfall-Pass einrichten. Dies ist der ganz rechte Tab. Diese Notfall-Informationen können dazu dienen, im Falle des nicht mehr kommunizieren Könnens wichtige Informationen an Personen weiterzugeben, die erste Hilfe leisten oder zu einem Notfall-Team gehören. Hier kann man wichtige Medikationsangaben hinterlegen, seinen Namen, sein Alter und andere relevante Informationen zur Verfügung stellen usw. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Ob ein Diabetiker, der in einen Unterzucker geraten ist und nicht mehr sprechen kann, ein Mensch mit Autismusspektrumsstörung, der unter Stress verstummt, Anweisungen für die Behandlung im Falle eines Bewusstseinsverlustes in der Öffentlichkeit usw.

Diese Informationen sind, sofern hinterlegt, vom Sperrbildschirm aus zugänglich, ohne das iPhone entsperren zu müssen. Der Weg dorthin ist allerdings etwas kompliziert: erst muss man zum Entsperren nach rechts wischen, dann unten links auf „Notfall“ tippen, woraufhin man eine Telefontastatur angeboten bekommt, in der wiederum unten links ein kleiner Link zum Notfallpass steht. Es bleibt zu hoffen, dass Apple diesen Weg in Zukunft noch vereinfacht.

Apple verspricht, dass keine App, die das neue HealthKit unterstützt, auf diese besonderen Informationen zugreifen kann.

Einige nützliche Tipps

Im Folgenden habe ich einige nützliche Tipps für Neuerungen in an Bord befindlichen Apps zusammengefasst, primär für VoiceOver-User.

Audio-Nachrichten

In iMessage kann man jetzt Audio-Nachrichten verschicken. Dies funktioniert sogar betriebssystemübergreifend auch mit OS X Yosemite, der neuen Version des Mac-Betriebssystems. Ist das Eingabefeld für eine iMessage leer, einfach die Taste „Audio aufnehmen“ finden und doppeltippen und halten. Nach Beendigung der Aufnahme den Finger anheben, und die Nachricht wird verschickt.

Mailentwurf minimieren

In Mail kann man jetzt eine im Entwurf befindliche Mail vorübergehend minimieren, um z. B. in einer anderen Mail etwas nachzuschlagen oder eine Info zu kopieren. Neben der Abbrechen-Taste oben links befindet sich eine entsprechende weitere Taste. Genauso kann man das Fenster wiederherstellen, indem man die entsprechende neue Taste im normalen Mail-Fenster betätigt. Nicht-VoiceOver-Anwender ziehen das Entwurfsfenster nach unten weg bzw. wieder nach oben.

Apple Pay

Apple hat auf der Veranstaltung, auf der das iPhone 6 und iPhone 6 Plus vorgestellt wurden, auch einen Bezahldienst namens Apple Pay angekündigt. Mit einem in diese beiden neuen iPhones eingebauten NFC-Chip und den Fingerabdruck-Sensor wird ein Bezahlvorgang ermöglicht, der kein Herumhantieren mit einer Plastikkarte, eine PIN-Eingabe oder eine Unterschrift mehr erfordert. Der Händler bekommt nicht einmal die Kontodetails oder Kreditkartennummer übermittelt. Dieser Dienst startet im Oktober in den USA, und ich hoffe, dass er seinen Weg schnell auch nach Deutschland findet! Als jemand, der schon mal per EC-Karte um einige tausend DM (ja, ist schon eine Weile her) erleichtert wurde, weil ihm ein „Freund“ beim Geld Abheben bzw. der PIN-Eingabe trotz Absicherung über die Schulter schauen konnte, sehne ich den Tag herbei, an dem wir nicht mehr mit Bargeld oder Plastikkarten hantieren müssen. Apple Pay hat das Potential, als erste Bezahlfunktion per Smartphone endlich massentauglich zu werden. Alles, was PayPal und andere bisher so gezeigt haben, krankt immer noch an zuviel Umständlichkeit. Auch für Menschen mit motorischen Einschränkungen dürfte diese Zahlungsmethode interessant werden, weil sie wenig Bewegung erfordert.

Fingerabdruck als Zugang zu Daten in Apps

Apropos Absicherung mit dem Fingerabdruck: Apple hat den Zugang zu Touch ID in iOS 8 auch Apps von Drittherstellern geöffnet. Dieser Zugang schließt quasi bestimmte angeforderte Datensätze im Schlüsselbund auf. Es findet also keine Übertragung des tatsächlichen Fingerabdrucks statt. Ähnlich wie in iTunes und dem App Store wird es so zukünftig auch in Apps von anderen Entwicklern möglich sein, Transaktionen oder Authentifizierungen mit dem Fingerabdruck durchzuführen. Natürlich nur auf unterstützten Geräten, also ab iPhone 5s aufwärts. Auch dies bedeutet wieder ein höheres Maß an Sicherheit, da man nicht mehr Gefahr läuft, beim Eintippen des Kennworts oder einer PIN diese von den Fingern abgeguckt zu bekommen. Es ist also zu hoffen, dass viele App-Entwickler diesen Mechanismus in Zukunft nutzen werden!

Leider auch ein paar Bugs

Wie bei jeder ersten Version eines neuen Releases leider fast schon üblich, gibt es auch in iOS 8 ein paar nervige Bugs, die hoffentlich bald behoben sein werden. Zu diesen gehören:

  • Selbst wenn man das Sprechen der Eingabe auf „Wörter“ oder „Keine“ gestellt hat, werden alle eingegebenen Zeichen in fast allen Apps von VoiceOver gesprochen.
  • In der letzten Reihe der Apps auf den Home-Bildschirmen ist es nicht möglich, durch Doppeltippen und Halten den Bearbeitungsmodus einzuschalten. Workaround: Einfach irgendwoanders starten, danach sind die Apps der unteren Reihe lösch- und bearbeitbar.
  • Auf manchen Geräten wird die Statuszeile direkt über einer Dritthersteller-Tastatur dupliziert. Ich war in der Lage, eine Tastatur im Betatest auszuprobieren und sah dieses Phänomen auf meinem iPhone 5s, aber nicht auf dem iPad Air. Mir wurde bestätigt, dass dies auch mit einer zweiten Tastatur eines anderen Herstellers passiert, ist also ein generelles VoiceOver- bzw. iOS-Problem. Scheint aber nur für VoiceOver so auszusehen, visuell sieht alles ganz normal aus.
  • Im Web gibt es weiterhin einige Unstimmigkeiten beim Bearbeiten von Textfeldern. Es ist etwas besser geworden als in iOS 7, aber immer noch nicht perfekt.
  • Auf meinem iPhone 5s sagt VoiceOver bei der automatischen Bildschirmsperre nicht „Bildschirmsperre“, sondern „Code eingeben“.
  • Beim kontinuierlichen Lesen z. B. in der Kindle-App bleibt VoiceOver manchmal beim Umblättern hängen. Ob dies ein VoiceOver-Bug ist oder durch ein iOS-8-Kompatibilitäts-Update der Kindle App behoben wird, bleibt abzuwarten.

Weiterhin vermeldet der Entwickler der beliebten Navigations-App BlindSquare GPS, dass die Acapela-Stimmen für iOS 8 zunächst nicht zur Verfügung stehen, sondern ein Update brauchen. Der Entwickler von Voice Dream Reader, der diese auch nutzt, hat sich bisher nicht geäußert, es könnte aber auch hier zu Problemen kommen. Workaround: Auf die iOS-Stimmen umschalten, die beide Apps unterstützen.

Für Entwickler

Entwickler können jetzt abfragen, ob bestimmte visuelle Anpassungen ein- oder ausgeschaltet sind, und können ihr Design entsprechend anpassen, um auf die Nutzerwünsche Rücksicht zu nehmen.

Weiterhin ist es möglich, eigene Aktionen für den VoiceOver-Rotor zu definieren, so dass z. B. Wischgesten nach links und rechts, wenn VoiceOver ausgeschaltet ist, hier für VoiceOver leichter zugänglich gemacht werden können, ohne gleich auf so aufdringliche Dinge wie extra Alert Views zurückgreifen zu müssen.

Für diese und alle weiteren neuen Möglichkeiten empfehle ich Entwicklern das Anschauen des 2014er iOS Accessibility Videos von der WWDC und das Studium der zugehörigen Beispiel-App HelloGoodbye. Ein Update meiner Seite zur Zugänglichkeit für VoiceOver folgt in den nächsten Tagen.

Fazit

Wie dieser Artikel zeigt, gibt es viele neue Funktionen und Möglichkeiten für Entwickler, diese auch auszunutzen. Die Möglichkeiten, die sich durch die Brailleeingabe, die Tastaturen, die Unterstützung von Touch ID und andere neue Funktionen bieten, machen Spaß und Lust auf mehr! Die neuen Einstellmöglichkeiten für die Darstellung beim Zoom, Farben abdunkeln o. ä. haben in meinem Umfeld schon für viel Wohlwollen gesorgt, nicht nur bei Sehbehinderten. Die Bildschirm-Lesen-Funktion eröffnet z. B. Autofahrern ganz neue Möglichkeiten, Inhalte auf ihrem iPhone zu konsumieren, ohne die Aufmerksamkeit von der Straße nehmen zu müssen.

Trotz der oben aufgeführten Bugs ist iOS 8 definitiv ein sehr lohnenswertes Upgrade, das viele tolle neue Funktionen bietet, deren ganzes Potential sich erst im Alltagsgebrauch erschließt.

Viel Spaß beim Entdecken!

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Apple Zugänglichkeit

Im Test: 2. Generation der Logitech Ultrathin Keyboard Cover für iPad

Seit meinem Test von iPad-Tastaturen im November 2013 hat es bei einer dem der getesteten Kandidaten eine Neuauflage gegeben. Logitech hat seine Ultrathin Keyboard Cover für iPad Air und iPad Mini und iPad Mini mit Retina Display aufgefrischt. Diese Auffrischung passierte bereits im April, ich bekam die Cover nur erst jetzt in die Finger und konnte mir die Neuerungen anschauen. Hier ist mein Bericht.

Sowohl das Ultrathin Keyboard Cover mit Magnetclip für iPad Air als auch das für iPad Mini und iPad Mini mit Retina Display sind noch einmal dünner und leichter geworden. Sie sind jetzt nur noch 6,4 mm dick (vorher 7,3 mm) und wiegen 322 g (iPad Air) bzw. 210 g (iPad Mini). Dies tut aber dem Tastaturanschlag und Druckpunkt keinen Abbruch. Das Gehäuse ist im Vergleich zum Vorgänger nun aus einem Guss gefertigt, während beim Vorgängermodell der Teil, der die Tastatur enthielt, eindeutig aufgeklebt war. Die gesamte Verarbeitung fühlt sich durchdachter an. Beim ersten Modell hatte ich teilweise den Eindruck, dass dieses „mit der heißen Nadel gestrickt“ und irgendwie trotz seiner Qualität unfertig war.

Eine Neuerung ist die Möglichkeit, das iPad im Neigungswinkel zwischen 50 und 70 Grad zu verstellen. Die Schiene hinter der Tastatur, in der das iPad steht, lässt sich mit leichtem Druck aufs iPad verstellen, das iPad kippt weiter nach hinten. Dabei sitzt es jedoch weiterhin sicher in seiner Halterung. Um es wieder aufrechter hinzustellen, drückt man leicht auf den Teil der Schiene vor dem iPad-Bildschirm, der beim Nach-Hinten-Kippen etwas aus dem Gehäuse herauskam. Ich habe festgestellt, dass dieser verstellbare Neigungswinkel nicht nur für Sehende praktisch ist, sondern auch mir die Bedienung des Touchscreens erleichtert, wenn es etwas nach hinten gekippt ist, da ich meine Hand nicht ganz so steil abwinkeln muss.

Eine weitere Neuerung betrifft die Halterung für das iPad, die man verwendet, um es zuzuklappen. Man entnimmt das iPad aus der Schiene hinter der Tastatur und lässt es beidseitig bündig nach hinten gleiten. Die Schiene, die das iPad nun aufnimmt, klappt sich automatisch aus dem Gehäuse und nimmt das iPad entgegen. Die alte angeflanschte Schiene, die auch gern mal geklappert hat, gibt es nicht mehr. Diese Bewegung, das iPad in diese neue Halterung zu schieben, erfordert bei den ersten zwei, drei Versuchen etwas Übung, aber wenn man den Dreh einmal raus hat, geht das Auf- und Zuklappen des iPad super schnell.

Diese neue Halterung bedingt auch, dass das iPad und die Tastatur im zugeklappten Zustand besser zusammen halten. Dies war der einzige Kritikpunkt an der ursprünglichen Ausführung, den ich hatte, und die neue Bauweise macht hier einen deutlich besseren Eindruck.

Die Tastatur fürs iPad Air ist eine vollwertige Tastatur mit separaten Reihen für Ziffern und Funktionstasten, bei der Tastatur fürs iPad Mini sind die Ziffern- und Funktionstasten in einer Reihe vereint und man löst die Funktionstasten aus, indem man die Zifferntasten zusammen mit der FN-Taste unten links bedient. Die Tasten fürs iPad Mini haben ins gesamt eine eindeutigere Kuhle für die Fingerkuppen, während die Tasten fürs iPad Air eine solche eindeutige Vertiefung nicht aufweisen. Ich habe festgestellt, dass diese Vertiefungen auf der Mini-Tastatur mir beim Tippen und zur Orientierung sehr helfen.

Und noch etwas ist bemerkenswert: Die Anleitung für die Air– und Anleitung für die Mini-Tastatur sind beides barrierefreie PDFs inklusive Auszeichnungen für die verschiedenen enthaltenen Sprachen! Vorbildlich!

Fazit: Dieses Upgrade lohnt sich für Vielschreiber allemal! Ich empfinde diese Überarbeitung als sehr gelungen und die Tastatur eine sehr lohnenswerte Anschaffung.

Ein Hinweis zu den Bezugsquellen: Bei Amazon ist nicht eindeutig erkennbar, welches Modell der Tastaturen man bekommt. Sämtliche Produktinfos wie Modellnummern usw. weisen nach wie vor auf die alte Variante hin. Ob Amazon die Bestände lediglich aktualisiert, dies aber nicht in seinen Produktinfos angegeben hat, ist nicht feststellbar. Die Links am Anfang des Artikels verweisen daher auf die Seiten des Herstellers. Und bei Apple bekommt man die neuen Varianten auch, Apple hat die Bestände ersetzt.

Viel Spaß beim Schreiben!

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Office für Blinde: Altbekanntes und neue Entwicklungen

Ausgelöst durch die am 14.01.2014 erfolgte Ankündigung von Microsoft und GW Micro, den Screen Reader Window-Eyes in Zukunft für Office-Anwender kostenlos zur Verfügung zu stellen, habe ich mich mal umgeschaut, was es im Moment so an gängigen Office-Lösungen gibt und wie zugänglich diese für Blinde sind. Zugängliche Office-Anwendungen sind gerade im beruflichen Umfeld immer noch einer der wichtigsten Faktoren, die über einen Arbeitsplatz oder die Arbeitslosigkeit entscheiden können.

Microsoft Office

Der Branchenprimus ist ganz klar weiterhin Microsoft mit seinem Office-Paket. Dabei bin ich auf eine sehr spannende Entwicklung gestoßen, nämlich Microsofts Abonnement-Modell Office 365. Als Privatanwender bekommt man hier für 10 Euro im Monat oder 99 Euro pro Jahr ein Paket, das ein vollwertiges Office Professional für Windows und Mac enthält sowie Zugang zu den Office Web Apps, die in Microsoft SkyDrive integriert sind als auch zu ihren mobilen Anwendungen für iOS und Android. Man wird stets auf dem aktuellen Stand gehalten. Selbst wenn Microsoft im Abozeitraum also eine neue große Version herausbringt, hat man sofort Zugriff drauf, ohne extra etwas bezahlen zu müssen. Und das beste: man kann es einen Monat kostenlos testen! Wenn man sich also überlegt, dass allein die Home & Student 2013 Edition, die wesentlich weniger Apps enthält, schon 139 Euro kostet und ein vollwertiges Office Pro mit fast 550 Euro zu Buche schlägt, ist das ein echt attraktives Angebot. Und der Clue: man darf das Office auf bis zu fünf Rechnern im eigenen Haushalt installieren, und diese Rechner dürfen Windows-PCs oder Mac-Computer sein. Zusätzlich kann man die Office-Apps auf bis zu fünf mobilen Geräten an einen Account anmelden. Die Web-Anwendungen sind von überall her zugänglich. Selbst ein Office-Streaming-Angebot gibt es: Man streamt es auf einen Rechner, und sobald man die App zumacht, entfernt sie sich wieder, angeblich rückstandsfrei. Das ist aber, je nach Internetverbindung, eine Option, die mitunter recht viel Geduld erfordert. Ich halte Office 365 für die mit Abstand wirtschaftlichste Möglichkeit, ein Office zu nutzen, die es für MS Office heute gibt. (Hinweis: Microsoft bezahlt mich nicht für diese Schwärmerei, und auch sonst bekomme ich von niemandem Geld dafür. 😉 )

Und eben ein solches lokal installiertes Office berechtigt in Zukunft zur Nutzung von Window-Eyes, ohne dies extra erwerben zu müssen. Voraussetzung ist der auch auf deutsch verfügbare Download der Version von der oben verlinkten Webseite. Aber Window-Eyes ist nicht die einzige Lösung, die mit diesem Office läuft. Zur Zeit ist dies Version 2013. NVDA und JAWS machen hier eine ebenso gute Figur. Wer JAWS kennt, weiß, wie gut der Office-Support ist. Und NVDA hat im letzten Jahr verdammt viel dazugelernt, was die Unterstützung von Word & Co. angeht. Da NVDA kostenlos ist, lohnt sich definitiv ein Vergleich! Ich empfand das Arbeiten mit NVDA in Office durchaus als deutlich zuverlässiger und schneller als mit Window-Eyes. Besonders bei der Benutzung einer Braillezeile hinkt WE z. B. sehr, wenn man in Word nur zeilenweise auf und ab navigiert.

Und weil ich in einem anderen Blogbeitrag speziell nach Narrator gefragt wurde: Narrator bietet keine wirklich ernstzunehmende Office-Unterstützung. Es sind keine Features wie das Lesen von Fußnoten, Rechtschreibfehlern im Dokument, Revisionen o. ä. verfügbar. Auch in Excel sieht man quasi gar nichts. Auch aus diesem Grund kommt man also mit einem RT-Tablet nicht weiter, sondern sollte für Windows 8.1 immer ein richtiges Intel-System nehmen, um einen besseren Screen Reader installieren zu können. Weitere Ausführungen finden sich im verlinkten Beitrag.

Unter OS X sieht die Situation leider nicht ganz so rosig aus. Die hier aktuelle Version Office für Mac 2011 hat zwar zugängliche Symbolleisten und Menüs, der eigentliche Dokumentbereich in Word ist mit VoiceOver aber z. B. gar nicht auslesbar. Ein Bearbeiten von Dokumenten ist hier de facto nicht möglich. Outlook geht so leidlich, aber hier muss Microsoft definitiv noch einmal nachbessern!

Die iOS und Android Apps für Office Mobile sind eher keine echten Produktivwerkzeuge für VoiceOver- bzw. TalkBack-Anwender. Unter iOS z. B. ist der Dokumentbereich nicht erfassbar, und Symbolleisten erscheinen und verschwinden quasi nach Belieben. Unter Android kommt man eventuell weiter, wenn man über die SkyDrive-App Word-Dokumente in Googles QuickOffice-App öffnet, da kann man wenigstens was lesen. Unter iOS kann Pages mit Word-Dokumenten umgehen. Mehr dazu weiter unten.

Und jetzt kommt die Überraschung schlechthin: Eigentlich hatte ich mich zuerst gar nicht mit der Webversion von Office beschäftigen wollen, nachdem sowohl Google Docs als auch iWork für iCloud eher sehr traurige Beispiele von Zugänglichkeit sind (siehe unten). Doch wie überrascht war ich, als ich dann doch ein Dokument über SkyDrive erstellte! Die Webversion von Word & Co. ist in sehr vielen Belangen als echt zugänglich zu bezeichnen! Ich testete dies mit Firefox und IE unter Windows 7 und 8.1, sowohl mit NVDA, JAWS und Window-Eyes. Man bekommt sowohl den Text auf der Braillezeile zu lesen, als auch grundlegende Formatierungsinformationen. Die Ribbon-Symbolleisten sind voll zugänglich und sprechen dank der ordentlichen Implementierung von WAI-ARIA mit NVDA zusammen vollständige Informationen, so dass man immer weiß, wo man ist. JAWS und Window-Eyes schwächeln hier etwas, da sie immer nur das im Focus befindliche Element sprechen, nicht aber eventuelle Informationen zur Zugehörigkeit eines Gruppenfeldes. So kann man mit NVDA wunderbar den Übergang von einer Schleife in die nächste mitbekommen, mit JAWS und WE hingegen nicht. JAWS war bei allen Tests mit NVDA fast gleich auf, Window-Eyes hinkte bei allem sehr hinterher. Trotz ausgeschaltetem Browse-Modus wurde vieler Text nicht gelesen oder auf der Zeile angezeigt, der Focus ging oft verloren usw. Der verwendete Browser war hierbei unerheblich. NVDA schwächelte im IE, das Navigieren in Dokumenten ist dort sehr langsam. Die beste Kombination von Screen Reader und Webbrowser für Office im Web sind Firefox und NVDA.

Unter OS X kommt VoiceOver mit Safari mit den Web-Apps von Office nicht wirklich zurecht. Man sieht die erste Zeile oder den ersten Absatz eines bestehenden Dokuments, das Betätigen der Pfeiltasten bewirkt aber nur Schweigen. Nur wenn man selbst was neues hinzufügt, kann man dies eventuell kurzzeitig lesen. Auch VoiceOver spricht in den Symbolleisten nur das aktuelle Element, die Gruppeninformationen werden auch hier nicht gesprochen.

Auf dem iPad ist die Situation sehr ähnlich. Hier habe ich es nicht einmal geschafft, in den Bearbeitungsmodus zu kommen, um eventuell einem Dokument etwas hinzuzufügen. Die Symbolleisten wurden hingegen ähnlich gelesen wie auf dem Mac.

Unter Android wird dem Firefox leider nur eine Dokumentversion zum Lesen und ein Seitenzahlenanzeiger gegeben. Will man die Desktop-Version abrufen, bekommt man die Hauptseite von office.com zu sehen.

Apropos Dokumentenanzeige: Microsoft empfiehlt in seiner Anleitung zur Benutzung der Barrierefreiheitsfunktionen von Office im Web, ein Dokument als PDF zu exportieren und dieses mit dem Adobe Reader zu lesen. Und das ist eine prima Idee, denn Microsoft erzeugt hier standardmäßig ein PDF mit Tags für die Zugänglichkeit. Und die Umsetzung ist ziemlich gut!

Man kann hier also mit Fug und Recht behaupten, dass Microsoft vorbildliche Arbeit abgeliefert haben, was die Zugänglichkeit seiner Office-Lösung für den Webbrowser angeht. Die Tatsache, dass man mit Firefox und NVDA sehr gut klarkommt, heißt, dass andere Hersteller hier noch nachzuarbeiten haben. Wäre das Geschwindigkeitsproblem nicht, würde NVDA im Internet Explorer mit Sicherheit genauso gut mit Office zusammenarbeiten.

Und dass gerade Microsoft hier so gute Arbeit abgeliefert hat, erfüllt mich, der ich seit über sechs Jahren mithelfe, WAI-ARIA zu entwickeln und dabei besonders auf die Benutzung durch Endanwender achte, mit ziemlichem Stolz! Denn nachdem ich neulich über dieses Thema auf englisch bloggte, schrieb ein Kommentator, dass er ähnlich gute Ergebnisse auch mit Firefox und Orca unter Linux erzielen konnte. Nutzt Webstandards, und ihr könnt wahre Wunder bewirken! 🙂

Google Docs

Von diesem Zustand sind Google mit seiner verbreiteten Cloudlösung Docs noch weit entfernt. Auch Google Docs implementiert zwar WAI-ARIA, und die Menüs und Symbolleisten laufen inklusive Tastaturnavigation auch echt OK, das Bearbeiten von Dokumenten ist allerdings ein echtes Problem. Google haben sich dafür entschieden, alle gesprochenen Dinge als sogenannte Live-Region einfach in den Screen Reader zu kippen. Jede Cursorbewegung, jeder Zeilenwechsel und andere Informationen werden als flüchtige Nachricht einfach an die Sprachausgabe gesendet und verpuffen danach im Nirvana. Man kann weder mit der Braillezeile kontrollieren, was man geschrieben hat, geschweige denn mit Cursorrouting im Text navigieren, noch kann man die aktuelle Zeile nochmals vorlesen lassen. Auch das Abfragen von Formatierungsinformationen geht nur, indem man hübsch von Hand in die Symbolleisten wandert und sich die Infos dort zusammensucht oder eine Taste drückt, die ausgewählte Infos einmal an die Sprachausgabe schickt. Ja, man kommt damit vielleicht irgendwie klar, wenn man nur die Sprachausgabe nutzt und sich um Braille nicht schert. Ich finde aber: Schön geht anders!

Apple iWork

Apple haben im vergangenen Oktober bei einer großen Keynote angekündigt, die Office-Anwendungen Pages, Numbers und Keynote, auch unter dem Sammelbegriff iWork bekannt, in Zukunft mit jedem neuen Mac oder iOS-Gerät kostenlos abzugeben. Die Apps waren auch vorher schon nicht mehr teuer. Aber das war schon eine ziemliche Sensation. Gleichzeitig wurden von allen Programmen, die es sowohl für Mac OS X als auch für iOS gibt, neue Versionen veröffentlicht. Die für die Software-Branche lange Wartezeit von fast fünf Jahren seit dem letzten Update der Mac-Version hat sich gelohnt! iWork ist unter OS X Mavericks (unter früheren Versionen läuft diese neue Version nicht) die mit Abstand zugänglichste Office-Lösung. Alle Kritikpunkte, die es bis dahin von VoiceOver-Anwendern gab, wurden beseitigt. So kann man jetzt auch in Pages-Dokumenten Tabellen lesen und erstellen, und seit einem Update aus dem Januar 2014 auch Präsentationen in Keynote selbstständig ablaufen lassen, nicht nur bearbeiten.

Unter iOS waren die Programme ebenfalls schon immer sehr gut, haben aber mit der neuen Version, die ab iOS 7.0 läuft, auch noch einmal richtig zugelegt. Auch hier ist das Erstellen von Tabellen und anderen weitreichenden Formatierungen auf dem iPad voll mit VoiceOver zugänglich, man bekommt in Keynote Infos über Präsentationseffekte o. ä. nicht nur angesagt, sondern kann sie auch bearbeiten, und auch mit dem iPad sind Präsentationen vollständig selbst vortragbar. Auch Numbers, die Tabellenkalkulation, ist wesentlich besser geworden. Alle Programme können mit Microsoft-Office-Dokumenten umgehen, so dass hier ein Austausch möglich ist. Dokumente werden standardmäßig in iCloud gespeichert und sind somit immer auf dem neuesten Stand. Andere Cloud-Dienste werden von der iOS-Version nicht unterstützt, die Mac-Version kann natürlich Dateien auch lokal speichern, z. B. in einem Dropbox-Ordner.

Der PDF-Export erzeugt keine getaggten PDF-Dokumente, und es gibt auch keine Option, dies einzustellen.

Die Webversion von iWork, genannt iWork für iCloud, lernt erst seit einem Update von Mitte Januar 2014 ein wenig Barrierefreiheit. Und auch hier ist das Problem, dass gesprochene Inhalte per Live Region einfach an den Screen Reader gesendet werden. Auch ist die Implementierung bisher sehr rudimentär, aber dass sich was tut, lässt hoffen, dass da noch mehr kommt. Produktiv einsetzbar ist das jedenfalls noch nicht.

OpenOffice und LibreOffice

Die Open-Source-Anwendung OpenOffice und der ebenfalls quelloffene Ableger LibreOffice bieten ein sehr uneinheitliches Bild, was die Barrierefreiheit angeht. Unter Linux mit Orca läuft es anscheinend sehr anständig. Ich hatte in der Kürze der Zeit kein aktuelles Linux zur Verfügung, höre aber eigentlich nur Gutes aus der Community.

Unter Windows ist OpenOffice und LibreOffice bis jetzt, d. h., einschließlich der Version 4.0, nur mit Hilfe der Java AccessBridge nutzbar. NVDA haben viel Zeit investiert, um es halbwegs zugänglich zu machen, andere Screen Reader laufen von Version zu Version mal schlecht, mal weniger gut. Das alles wird sich aber mit der Version 4.1, die sich in Entwicklung befindet, radikal ändern. OpenOffice, und damit vermutlich dann auch LibreOffice, erben nämlich die Implementierung der Zugänglichkeitsschnittstelle IAccessible2, welche eine Fortentwicklung von Microsoft Active Accessibility durch IBM, Mozilla, NVDA und anderen ist. IBM hatte seinerzeit als Referenzimplementierung seine auf einem älteren OpenOffice basierende Suite Lotus Symphony zugänglich gemacht und diesen Code dann später dem OpenOffice-Projekt gespendet. Lotus Symphony gibt es inzwischen nicht mehr bzw. es wird nicht weiterentwickelt, und der Code von damals ist nun endlich soweit aktualisiert und an das aktuelle OpenOffice angepasst, dass es in Version 4.1 zum Release kommt und die Java-Technologie ablöst. Ich habe einen Entwicklersnapshot mit NVDA getestet, und das Teil ging ab wie eine Rakete! Tolle Infos, sehr schnelle Reaktionszeiten, die Braillezeile läuft mit. Sobald das veröffentlicht ist, ist OpenOffice eine echte Alternative zu Microsoft Office unter Windows.

Unter OS X sieht die Situation für OpenOffice leider nicht ganz so gut aus. Die Implementierung für VoiceOver ist zwar vorhanden, aber man hat das Gefühl, dass sie in einer früheren bis mittleren Beta-Phase steckengeblieben ist und sich seit Jahren nichts mehr tut. Es ist relativ instabil, ich hatte bei meinen Versuchen mit mehreren Abstürzen bei einfachsten Aktionen zu kämpfen. Hier ist zu hoffen, dass sich da bald mal wieder ein paar Mac-Entwickler der Situation annehmen und den VoiceOver-Support zu Ende implementieren. Denn auch Pages & Co. tut eine Alternative nur gut! Es gibt unter OS X zwar noch weitere zugängliche Alternativen wie den Nisus Writer Pro. Diese sind aber reine Textverarbeitungen, keine Tabellenkalkulation oder Präsentationssoftware.

Auch OpenOffice und LibreOffice können getaggte PDFs erzeugen. Diese muss man allerdings zunächst in den Optionen zum PDF-Export aktivieren. Standardmäßig ist der PDF-Export also ohne Zugänglichkeit.

Fazit

Unter OS X und iOS kommt man zur Zeit an Apples eigenem Angebot nicht vorbei, wenn man Office-Anwendungen nutzen will oder muss. Voraussetzung ist aber der Einsatz von OS X 10.9 Mavericks und iOS 7.0 oder neuer. Ältere Betriebssystemversionen werden in beiden Fällen nicht unterstützt. Unter Windows ist am Horizont mit OpenOffice und hoffentlich LibreOffice eine echte Alternative zu Microsoft Office zu erkennen. Und im Web besticht ganz klar Microsoft mit seiner wirklich hervorragenden Implementierung von Zugänglichkeitsstandards, die es sogar unter Linux sehr zugänglich machen! Google und Apple haben hier definitiv noch ganz viel Luft nach oben!

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Apple

Im gesonderten Test: Logitech FabricSkin Keyboard Folio fürs iPad Air

Im letzten Monat testete ich auf diesem Blog diverse Tastaturen fürs iPad Air. Dort streifte ich auch kurz das Logitech FabricSkin Keyboard Folio (Amazon Partnerlink), erwähnte jedoch nur das, was ich aus der Produktbeschreibung und dem Kommentar eines Lesers zusammenbauen konnte.

In der Zwischenzeit stellte mir die Firma Logitech ein solches FabricSkin Keyboard Folio zur Verfügung, so dass ich hier einen gesonderten Testbericht veröffentlichen kann. Ich habe mich dazu entschieden, den Test nicht in den anderen Artikel einzubauen, weil dieser zum einen schon lang genug ist und das Produkt so besonders ist, dass es durchaus einen eigenen Testbericht rechtfertigt.

Wie im anderen Artikel erwähnt, handelt es sich auch beim FabricSkin um ein Folio, das dem iPad Air einen Rundumschutz bietet. Die eine Hälfte besteht aus der Tastatur, die andere aus einem zweigeteilten Rücken für das iPad. Diese Zweiteilung ist eine Falte, die das Aufstellen des iPads auf die Tastatur ermöglicht und auch weiter umgeklappt werden kann, um das iPad auf der Tastatur liegend zu betreiben.

Das iPad wird in zwei Führungsschienen am oberen Ende des Folios geschoben und sitzt dort sicher fest. Die eine Führungsschiene enthält eine Verlängerung des Power-Buttons. Man drückt also auf Material des Folios, nicht auf den durch eine Aussparung heraus guckenden Power-Button des iPads selbst. In meinem Test ließ sich das iPad gefahrlos einsetzen und herausnehmen, ohne dass der Power-Button festhing oder es sonst irgendeine Gefahr einer Beschädigung des iPads gegeben hätte.

Zum Schreiben wird das iPad in eine aufrechte Position gebracht und auf dafür vorgesehene Magneten oberhalb des Tastenfeldes gestellt. Die Magneten halten das iPad an seinem Platz. Man hat also eine genaue Orientierung, wie das iPad stehen muss.

Der Kontakt zwischen der Tastatur und dem iPad sorgt auch dafür, dass die Tastatur überhaupt eingeschaltet wird. Es gibt also keinen Ein-/Ausschalter am Folio. Die rechte Seite der Tastatur enthält lediglich einen Reset-Knopf, der nur mit einem Stift oder Büroklammer gedrückt werden kann, der Micro-USB-Buchse zum Aufladen und einem Taster, der ein neues Bluetooth-Pairing einleitet, wenn man die Tastatur z. B. an einem anderen iPad betreiben möchte. Steht das iPad nicht richtig auf der Tastatur, funktioniert sie auch nicht.

Der zweite Betriebsmodus ist der, dass man das iPad vollständig über die Tastatur klappt. Die Unterseite wird dazu einfach weiter zum Benutzer hin gezogen, die Falz im Rücken des Folios führt einen automatisch in die richtige Position. Das iPad liegt nun, die Tastatur ist ausgeschaltet, und man kann es vollständig per Touchscreen bedienen.

Benötigt man das iPad und die Tastatur nicht oder möchte beides transportieren, klappt man das iPad anders herum über die Tastatur, also so, dass die Folio-Seite nach außen zeigt. Die Führungsschienen, die das iPad halten, und die Vorderseite der Tastatur sind magnetisch und rasten sicher ein. Logitech nennt dies das Secure Lock System. Gleichzeitig wird der Bildschirm des iPads gesperrt, analog zum Zuklappen eines Smart Covers. Will man weiterarbeiten, klappt man das iPad einfach hoch und stellt es wie oben beschrieben auf. Die Tastatur ist innerhalb einer Sekunde betriebsbereit und verbunden.

Kommen wir nun zur Tastatur selbst. Die Tasten sind eindeutig haptisch unterscheidbar und haben einen guten definierten Druckpunkt. Die Tasten und Zwischenräume sind mit einer dünnen Schicht, dem sogenannten FabricSkin, überzogen. Die Schicht ist wasserabweisend. Da es eine komplette Schicht ist, kann die Tastatur auch nicht zwischen den Tasten verschmutzen.

Das Schreibgefühl ist sehr angenehm. Das Schreiben geht flüssig von der Hand. Die Tastatur ist zudem sehr leise. Bis auf ein paar Eigenarten ist die Tastatur eine vollwertige Tastatur. Die Eigenarten betreffen die Tatsache, dass die Feststell- und Tab-Taste fehlen und durch das Drücken der FN-Taste und dem Buchstaben A bzw. Q erzeugt werden. Weiterhin fehlt die Taste mit dem Kleiner-Als- und Größer-Als-Zeichen. Diese werden mit FN und ü bzw. der Plus-Taste + erzeugt. Das Hütchen-Zeichen ^ und das Grad-Zeichen ° werden mit FN und ö bzw. ä erzeugt. Es fehlt eine eigene Ziffernleiste, die Ziffern und Funktionstasten werden in einer Reihe kombiniert, und rechts neben dem Zeichen für die französischen Accent-Zeichen befindet sich die Rückschritt-Taste. Die mit FN und der oberen Leiste ausgelösten Funktionen sind:

  • Escape: Home-Taste, mit FN nicht gesondert belegt.
  • 1: Bildschirm sperren.
  • 2. Siri aufrufen.
  • 3. Nicht belegt.
  • 4. Tastatursprache umschalten.
  • 5. Bildschirmtastatur aus- und einblenden.
  • 6. Nicht belegt.
  • 7. Einen Track zurück.
  • 8. Wiedergabe/Pause.
  • 9. Einen Track vorwärts.
  • 0. Stummschalten.
  • ß: Leiser.
  • Accdent-Taste: Lauter.

Auch mit FN+x, c und v kann man ausschneiden, kopieren und einfügen, und mit FN und den Pfeiltasten links und rechts Text markieren, in den meisten iOS-Apps funktioniert das aber auch mit Umschalt und Pfeiltasten bzw. Cmd+x, c und v.

Die Tastatur ist sehr flach und das Folio insgesamt sehr leicht. An diesem Folio gibt es keinerlei Aluminium-Teile, alles ist Kunststoff bzw. eben das FabricSkin. Die Hülle macht ins gesamt einen sehr strapazierfähigen Eindruck und ist so flexibel, dass sie eventuelle Stöße mit einer leichten Pufferzone rund ums iPad abfängt.

Fazit: Das FabricSkin Keyboard Folio ist ein robuster, leichter und hochwertig verarbeiteter Begleiter fürs iPad Air. An diesem Folio klappert nichts, es lässt sich gut handhaben und bietet dem iPad einen Rundumschutz, der Vertrauen erweckt und der Hand schmeichelt. Die Tastatur macht durch ihre Bauweise einen sehr haltbaren Eindruck, weil sie nicht leicht verschmutzen kann und jederzeit mit einem feuchten Tuch gereinigt werden kann, ohne dass man Angst haben muss, Elektronik zu beschädigen.

Ich kann nur empfehlen, sich bei passendem Budget (der von Logitech empfohlene Verkaufspreis liegt bei 149 Euro) das FabricSkin Keyboard Folio genauer anzuschauen und es in die engere Wahl zu nehmen. Ich habe jedenfalls meinen ständigen Begleiter fürs iPad Air gefunden!

Disclaimer: Ich danke der Firma Logitech fürs Zur-Verfügung-Stellen eines Testgeräts! Die Meinung, die in diesem Blogbeitrag zum Ausdruck gebracht wurde, ist jedoch von dieser Tatsache völlig unbeeinflusst, und ich erhalte auch kein Geld von Logitech für diesen Testbericht.