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Tastaturen fürs iPad Air im Test

Am 1. November 2013 veröffentlichte Apple die fünfte Generation seines Tablets, das iPad Air. Im Gegensatz zu den letzten beiden iPad-Generationen ist es deutlich schlanker und leichter geworden. Nicht nur eine 20-prozentige Reduktion der Dicke, sondern auch eine Verschlankung in der Breite sorgen dafür, dass dieses deutlich portabler ausfällt als das iPad der 3. und 4. Generation. Mit 469 g für die WiFi-Variante bzw. 478 g für die Variante mit LTE ist es zudem jeweils fast 200 g leichter als seine Vorgänger. Das letzte große iPad, das ich persönlich als portabel bezeichnen würde, war das iPad 2, das ebenfalls dünner und leichter war als seine beiden Nachfolger.

Unter der Haube hat Apple dem iPad Air den auch aus dem iPhone 5s bekannten A7-Chip und M7-Coprozessor spendiert und den Prozessor sogar noch um 100 MHz höher getaktet als im iPhone. Der Akku hält trotzdem mindestens 10 Stunden durch.

Die Leistung hat sich gegenüber dem iPad 3 um ca. den Faktor 5,5 erhöht, zum iPad 4 gibt es eine Verdoppelung der Geschwindigkeit. Und Dank der 64-Bit-Architektur ist auch eine deutlich modernere Zeit für das iPad angebrochen.

Es war daher Zeit für mich, auf ein neues iPad upzudaten und es als neues mobiles Powerhouse zu betreiben.

Aber was wäre ein iPad ohne eine anständige Tastatur? Schon ziemlich viel, aber eben nicht für alle Aufgaben genug. Und so schaute ich mich auf dem Markt bekannter und weniger bekannter Zubehör-Hersteller um, um eine gute und im Idealfall integrierte Lösung zusammenzustellen, damit die Portabilität möglichst hoch ist. Und so ist ein Testfeld von vier Herstellern zusammengekommen, die gegeneinander antreten müssen, um ihre Vorzüge und Schwächen zu offenbaren. Dabei sind die Lösungen von ZAGG, Logitech und Belkin integriert, während die Kombo-Lösung aus Apple Wireless Keyboard und der Origami Workstation von Incase nur als Gesamtpaket eine annähernd vergleichbare Lösung bietet. Bei den ersten drei Herstellern werfe ich jeweils einen ausführlichen Blick auf eines der verfügbaren Modelle und gebe zu den anderen im jeweiligen Sortiment befindlichen einen kurzen Überblick. Im Text sind auch ein paar Produkte direkt zu Amazon.de verlinkt. Wenn Ihr über einen dieser Links eines dieser Produkte oder auch etwas anderes bei Amazon.de kauft, unterstützt Ihr dieses Blog.

ZAGGkeys Folio

Das ZAGGkeys Folio von ZAGG für das iPad Air ist der erste Testkandidat. Ich hatte an dieser Stelle schon einmal über die Kombination aus dem ZAGGfolio Keyboard Cover und dem iPad 2 berichtet, und so war ich nach den sehr guten Erfahrungen selbstverständlich neugierig auf das Angebot für das neue, schlanke iPad Air. Die technischen Daten habe ich mal übersetzt, weil dies der einzige Kandidat ohne deutsche Webpräsenz ist. Sie sehen laut Hersteller so aus:

  • Länge: 173,2 mm
  • Breite: 242,6 mm
  • Tiefe: 17,7 mm in zugeklapptem Zustand mit enthaltenem iPad, 7,6 mm nur die Tastatur
  • Gewicht: 535 g
  • Batterie: 950 MA Lithium-Polymer-Akku mit einer Laufzeit von mehreren Monaten bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von ca. 2 Stunden pro Tag

Folios sind immer Rundumschutz-Pakete für Tastatur und iPad, so dass man nur eine Einheit zum Tragen hat, in der das iPad enthalten ist. Man klappt das Folio auf und kann das iPad in diversen Winkeln aufstellen. Es ist auch ein Keyboard Cover fürs iPad Air angekündigt, das lediglich die Vorderseite des iPads zudeckt und die Rückseite nicht schützt. Es kostet genauso viel, die Tastatur ist laut Hersteller identisch, es fehlt aber eben der Rundumschutz. Mit 6,35 mm, übersetzt von der Angabe eines Viertelzoll, ist es sehr dünn. Das iPad wird bei dem ZAGGkeys Cover per Magnet an ein starkes Scharnier gekoppelt und soll sich so stufenlos in vielen Winkeln aufstellen und sogar komplett umklappen lassen, um die Tastatur aus dem Weg zu bekommen, wenn man das iPad ausschließlich mit Touchscreen bedienen will. Aber nun zurück zum Folio.

Als erstes fällt beim Auspacken der sehr intelligent gestaltete Verpackungskarton auf. Er ist mit einem Magneten verschlossen, man muss also nichts aufreißen, um das Folio auszupacken. Dies gilt allerdings nicht für das USB-Kabel, das so in den Karton eingearbeitet ist, dass man es nicht herausnehmen kann ohne den Karton zu beschädigen.

Das Scharnier des Folios ist recht schwergängig, sodass man einen stabilen ersten Eindruck beim Aufklappen bekommt. Das iPad wird mit den Lautstärkeknöpfen nach oben links im Querformat eingesetzt. Man setzt es einfach unten hinter die Tastatur und klappt es in den Rückenteil des Folios. Ein Befestigungsmechanismus oben in der Mitte rastet ein, und schon wird das iPad Air in Position gehalten. Man muss also nicht mehr wie bei den alten Folios das iPad in eine Führungsschiene schieben und es in eine Haltevorrichtung auf der Tastatur stellen. Das iPad wird eins mit dem Rücken und ist durch das Scharnier im Winkel frei aufstellbar. Dies ist analog zu einem herkömmlichen Notebook, dessen Bildschirm man aufklappt.

Und hier fällt auch gleich auf, dass das Folio nicht ganz „hauteng“ sitzt. An den Ecken und zur Tastatur hin hat die Kunststoffrückseite etwas Spiel. Es ist nicht viel mehr als 1 mm, reicht aber aus, um es beim Anfassen zu bemerken, dass das iPad manchmal etwas nach vorn heraus steht, dann sich wieder ganz in die Rückseite des Folios einfügt. Diese kleinen Ungenauigkeiten machen einen etwas unfertigen oder mit der heißen Nadel gestrickten Eindruck. Es ist nicht ganz passgenau, was man von Zubehör im Apple-Universum eigentlich erwartet. Auch ist der Plastikrücken recht weich, was das Herausnehmen des iPads zu einer kleinen Herausforderung macht. Es ist bei meinen Tests auch vorgekommen, dass sich Lautstärke- und/oder Power-Buttons leicht verkantet haben und das iPad festhing. Die Ausschnitte für die Buttons, Anschlüsse und Kamera sind ansonsten jedoch sehr passgenau gelungen. Auch für das Mikrofon und die Lautsprecher gibt es Aussparungen, diese sind jedoch sehr subtil und dienen nur dazu, den Fluss des Sounds etwas zu optimieren.

Das Schreiben auf der Tastatur gestaltet sich flüssig. Im Gegensatz zu den leicht konkaven Tasten einer Apple-Tastatur sind die Tasten des ZAGGkeys Folios plan. Der Druckpunkt ist jedoch deutlich spürbar, und auch schnelles Schreiben bringt sie nicht aus dem Tritt. Die Tastatur lärmt jedoch beim Schreiben etwas.

Sämtliche Bedienelemente befinden sich an der rechten Seite des Tastaturteils. Hinten ist die Mikro-USB-Buchse zum Laden, davor der Schiebeschalter zum Ein- und Ausschalten und davor der Taster, den man drücken muss, um ein neues Bluetooth-Pairing einzuleiten.

Die Tastatur kann das iPad aufwecken, wenn man eine Taste drückt. Sie scheint im eingeschalteten Zustand entweder nicht zu schlafen, was den Akku recht schnell leeren würde, oder sie wacht sofort auf und sendet gleichzeitig einen Impuls aus, der das iPad aufweckt. Dies ist jedenfalls sehr angenehm.

Der zweite Kritikpunkt, den ich am Folio gefunden habe, ist die Tatsache, dass, wenn man das iPad weit zurückklappt, die Tastatur sich hinten leicht anhebt. Das ist mechanisch nicht anders zu machen, führt aber dazu, dass die ganze Konstruktion etwas instabil wird. Tippt man etwas kräftiger aufs Display, wackelt das iPad schon mal. Auch kann es passieren, dass die Rückseite Übergewicht bekommt und die Tastatur sich gänzlich von der Unterlage abhebt und man aufpassen muss, dass die ganze Sache nicht umkippt. Im Gegensatz zu den früheren Folios fehlt die stabilisierende Ausbuchtung nach hinten, so dass das iPad mit der Rückseite leicht etwas schwerer wird als die Tastatur und beim Wippen gewinnt. 😉

Das ZAGGkeys Folio hat eine beleuchtete Tastatur. Die Beleuchtung kann an- und abgeschaltet und in der Helligkeit variiert werden. In der hellsten Einstellung sehe sogar ich mit meinem Hell-Dunkel-Sehvermögen die Beleuchtung. Sie dürfte also hinreichend hell sein. 😉 Gesteuert wird dies von der Taste direkt rechts neben der Leertaste, wo auf Apple-Tastaturen normalerweise die rechte CMD-Taste sitzt. Hält man sie gedrückt und drückt eine der Pfeiltasten links und rechts, ändert sich die Farbe der Hintergrundbeleuchtung.

Apropos Sondertasten: Rechts neben der Steuerung für die Tastaturhelligkeit, also an der Position der rechten Wahl- oder Option-Taste, befindet sich die Taste zum Umschalten von Tastaturlayouts. Hat man z. B. deutsch und englisch installiert, kann man schnell zwischen diesen umschalten und hat dann neben den veränderten Tasten auch das jeweilige Rechtschreibwörterbuch aktiviert.

Die oberste Reihe der Tastatur beherbergt weitere Funktionstasten. Diese sind, von links nach rechts:

  1. Home
  2. Gerät sperren
  3. Siri aktivieren
  4. Letzten Tastaturbefehl rückgängig machen
  5. Letzten Tastaturbefehl wiederholen
  6. Software-Tastatur ein- und ausblenden
  7. Markierten Text in die Zwischenablage kopieren
  8. Inhalt der Zwischenablage einfügen
  9. Vorherigen Titel abspielen
  10. Wiedergabe/Pause
  11. Nächsten Titel abspielen
  12. iPad stummschalten
  13. Lautstärke verringern
  14. Lautstärke erhöhen

Klappt man das ZAGGkeys Folio zu, wird das iPad automatisch gesperrt. Das Ganze hat dann eine ungefähre Dicke eines aktuellen MacBook Air an seiner dicksten Stelle. Länge und Breite sind nicht viel mehr als ein iPad selbst. Das Gewicht ist mit 990 g deutlich spürbar, aber im Vergleich zu einem iPad 3 mit dem zugehörigen ZAGGfolio doch deutlich leichter und dünner.

Das ZAGGkeys Folio gibt es passend zu den Farben des iPads in schwarz und weiß.

Fazit: Die Ungenauigkeiten im iPad-Teil des Folios stören auf Dauer doch sehr. Das Herausnehmen des Geräts gestaltet sich doch immer wieder etwas tückisch, und das Festhängen der Buttons kann einem schon Sorgenfalten bereiten. Immerhin ist so ein iPad ja nicht ganz billig, und da wäre es doch sehr unschön, wenn durch ein Folio, das das iPad schützen soll, eine Beschädigung verursacht werden könnte.

Wenn man sich nicht an den leichten Ungenauigkeiten beim Einfassen des iPads stört, ist das ZAGGkeys Folio ein guter Partner für das eigene iPad Air. Die Verarbeitung ist weitgehend solide, die Tastatur hat einen guten Anschlag und eine angenehme Größe, und Gewicht und Dicke fallen in einem Rucksack o. ä. sicher nicht ins Gewicht. Es ist immer noch etwas leichter als ein 11-zölliges MacBook Air.

Logitech Ultrathin Keyboard Cover

Das Logitech Ultrathin Keyboard Cover ist der nächste Testkandidat. Es ist die portablere der beiden preislich identischen Lösungen, die Logitech im Angebot hat. Die andere ist das Ultrathin Keyboard Folio. Ein kurzer Blick in die Abmessungen zeigt, dass das Ultrathin Keyboard Folio nicht nur jeweils rund einen Zentimeter länger und breiter ist als das ZAGGkeys Folio, sondern auch deutlich tiefer, nämlich ganze 3 mm. Nur das Gewicht ist mit 425 g 110 g geringer. Es ist ein traditionelles Folio, bei dem das iPad an den oberen Ecken eingehängt und dann in eine Rille auf der Tastatur gestellt wird. Der Rücken des Folios hat eine „Sollbruchstelle“, die im stehenden Zustand als Stabilisator dient und weiterhin dazu dient, das iPad liegend über die Tastatur zu klappen, um es ausschließlich und bequem per Touchscreen bedienen zu können. Eine stufenlose Aufstellmöglichkeit wie beim ZAGGkeys Folio gibt es hier jedoch nicht.

Das Keyboard Cover hingegen ist mit 330 g sehr leicht, mit 7,3 mm Tiefe sehr dünn und von der Länge und Breite genau identisch mit den Maßen des iPad Air selbst. Es ergänzt das iPad um eine haptisch und optisch identische zweite Rückseite, in der sich die Tastatur befindet und mit der der Bildschirm geschützt wird. Ein Magnetscharnier rastet am iPad dort ein, wo z. B. auch das Apple Smart Cover fürs iPad andockt. Mit 803 g (Tastaturcover und iPad Air WiFi-Modell kombiniert) ist diese Lösung die mit Abstand leichteste und trägt auch bei den Maßen nicht auf. Lediglich die Rückseite des iPad ist hierbei nicht gesondert geschützt.

Die Tastatur ist eine vollwertige deutsche Tastatur mit einer Leiste aus kombinierten Ziffern- und Funktionstasten. Lediglich das Grad- und Hütchen-Zeichen werden über die FN-Taste und das Ö bzw. Ä simuliert. Neben dem y ist auch eine Taste für die Zeichen Kleiner-Als und Größer-Als vorhanden, was beim ZAGGkeys und der eigentümlichen Belkin-Tastatur (siehe unten) nicht der Fall ist. Die Eingewöhnungszeit liegt bei 0.

Die Escape-Taste links neben der 1 simuliert den Home-Button, zusammen mit der FN-Taste wird eine Zurück-Taste simuliert, die sich meist oben links in einem Fenster befindet. VoiceOver-User können dies mit der Funktion der Zickzack-Geste vergleichen. Die anderen Sondertasten sind wie folgt:

  1. Bildschirm sperren
  2. Siri starten
  3. Spotlight-Suche aufrufen
  4. App-Umschalter aufrufen
  5. Bildschirmtastatur ein- und ausblenden
  6. nicht belegt
  7. Vorheriger Track
  8. Wiedergabe/Pause
  9. Nächster Track
  10. Stummschalten
  11. Leiser
  12. Lauter

Die Tasten stehen etwas enger zusammen als bei den Tastaturen von ZAGG und Belkin. Die Dichte ist aber für meine Hände nicht zu groß, so dass ich keinen Krampf bekomme, wenn ich schreibe. Der Druckpunkt ist sehr angenehm, lediglich ein leichtes Klappern ist beim Schreiben zu hören. Das iPad steht beim Schreiben auch auf dem Schoß stabil in seiner Halterung.

Es gibt genau eine Aufstellmöglichkeit, nämlich eine Rille hinter dem Tastenfeld. Leichte Magneten halten das iPad an seinem Platz. Eine weitere Sicherung gibt es nicht. Dafür spricht, dass sich das Keyboard Cover schnell abnehmen lässt, da man das iPad aus keiner Halterung lösen muss.

Am hinteren Ende der Aluminium-Rückseite der Tastatur befindet sich eine durchgehende Gummi-Leiste, hin zum Scharnier, und an den vorderen Ecken jeweils zwei kleine Standfüße. Das Cover steht so sicher auf einem Tisch und wackelt nicht.

An der rechten Seite des Covers befinden sich, von hinten nach vorn gesehen, der Button zum Einleiten eines Bluetooth-Pairings, der Ein- und Ausschalter und der Mikro-USB-Anschluss zum Laden des Akkus. Der Ein-/Ausschalter ist ein Schiebeschalter, der in der Position „an“ ist, wenn er nach hinten zum Pairing-Button gestellt ist. Die Tastatur verfügt aber auch über einen Standby-Modus, so dass der Akku auch im eingeschalteten Zustand nicht schnell leer zu werden droht.

Klappt man das Cover zu, bedeckt es den Bildschirm und sperrt das iPad. An den vorderen Ecken sind jedoch keine starken Magneten enthalten, so dass das Cover nicht bombenfest auf dem iPad sitzt. Wie auch das Einsetzen und Herausnehmen aus der Aufstellvorrichtung ist auch dieser Aspekt für eine schnelle und effiziente Handhabung konzipiert. Lediglich der Magnet, der das iPad am hinteren Scharnier an die Tastatur andockt, ist sehr solide. Er ist so stark, dass man sowohl die Tastatur als auch das iPad hochheben und das jeweils andere Teil hängen lassen kann, ohne dass dies abfällt.

Es gibt keine Tastaturbeleuchtung. Die Tastatur ist neben deutsch und englisch ohne Aufpreis in vielen weiteren länderspezifischen Layouts verfügbar. Die Akkulaufzeit wird konkret mit 3 Monaten bei einer durchschnittlichen Nutzung von 2 Stunden pro Tag angegeben, es fehlt jedoch eine Angabe zu den genauen Milliampeerstunden. Sowohl Keyboard Cover als auch Keyboard Folio kosten 99 Euro.

Für 50 Euro Aufpreis gibt es von Logitech für das iPad Air auch ein Modell namens FabricSkin Keyboard Folio. Dies ist mit 425 g genauso schwer wie das UltraThin Keyboard Folio, mit 18,5 mm jedoch 2 mm dünner als dieses, aber immer noch 1 mm dicker als das ZAGGkeys Folio. Laut einem Kommentar zu diesem Beitrag handelt es sich auch hier um eine eindeutig fühlbare Tastatur mit einzelnen Tasten und deutlichem Druckpunkt und nicht, wie ich ursprünglich an dieser Stelle annahm, um eine Touch-Type-Tastatur. Die Tastatur ist dünner als beim Ultrathin Cover und Folio und mit einer wasserabweisenden Schicht überzogen. [Update 16.12.2013]: In der Zwischenzeit bekam ich von Logitech ein FabricSkin Keyboard Folio zum Rezensieren zur Verfügung gestellt und habe hierfür einen eigenen Testbericht veröffentlicht.[/Update]

Fazit: Das Logitech Ultrathin Keyboard Cover ist ein sehr solide verarbeitetes Zubehör und ein sehr leicht zu handhabender Begleiter. Für den Transport in einem Rucksack oder einer Notebooktasche eignet sie sich hervorragend und ist vom Gewicht her das am wenigsten auftragende Zubehör im Testfeld.

Lediglich die Tatsache, dass das Cover lediglich locker aufliegt und nicht auch noch durch Magneten am Schirm des iPads gehalten wird, könnte den einen oder anderen stören.

Belkin QODE Ultimate 

Als ich auf Twitter ankündigte, dass ich einen Vergleichstest mehrerer Tastaturhüllen- und -cover für das iPad Air machen wollte und in dem Zusammenhang die beiden bisher getesteten Kandidaten erwähnte, wurde ich von einem Marketing-Mitarbeiter von Belkin USA kontaktiert und darauf hingewiesen, dass Belkin auch eine Reihe von Produkten für das iPad Air im Sortiment hat. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, dass Belkin überhaupt auch diesbezügliches Zubehör anbietet. Belkin stellte mir daraufhin die QODE Ultimate Tastaturhülle für das iPad Air für diesen Vergleichstest zur Verfügung.

Neben der QODE Ultimate Tastaturhülle gibt es von Belkin auch noch die QODE Thintype Tastaturhülle und die Slim Style Hülle mit Tastatur. Erstere ist streng genommen ein Cover ähnlich dem Keyboard Cover von Logitech. Letztere ist eine dünne Lederhülle mit Tastatur, die, passend zum iPad, in verschiedenen stylischen Farben erhältlich ist.

Das QODE Ultimate schmiegt sich schon beim Auspacken sehr in die Hand. Die Tastatur besteht aus einem sehr leichten Aluminium und ähnelt vom Anfühlen der Rückseite des iPads, ist jedoch ein klein wenig rauer. Sie ist sehr dünn und flach. Die andere Hälfte dieser Hülle besteht außen aus einem hartplastikrahmen und in der Mitte aus mit Kunstleder überzogenem Plastik, das mehrere Falzstellen aufweist. Es dient dazu, das iPad aufzustellen und nach hinten in einer Art Dreieck zu stabilisieren.

Das iPad wird im Querformat mit der Home-Taste nach rechts in den Rahmen aus Hartplastik eingesetzt und dann an der Unterseite eingerastet. Der Rahmen umschließt das iPad also vollständig. Der Sitz ist perfekt, der Hartplastikrahmen schmiegt sich hauteng an das iPad und hat nirgends Spielraum. Aussparungen für Kamera, Mikrofone, Buttons und Anschlüsse sind perfekt getroffen. der Lightning-Anschluss und die Stereolautsprecher werden von einer einzelnen Aussparung freigelegt.

An der Unterseite des Rahmens befinden sich Magneten, mit denen das iPad in drei Winkeln aufgestellt werden kann. Oberhalb der Tastatur befindet sich eine Fläche, auf der die Gegenpole zu diesen Magneten vorhanden sind. Man lässt das iPad also einfach sanft nach vorn gleiten, und die erste Position wird irgendwann automatisch gefunden. Die Magneten halten sehr solide. Um die zweite und dritte Position zu erreichen, löst man die Magneten voneinander und schiebt den Rahmen weiter Richtung Tastatur. Die nächste Einrastposition meldet sich garantiert schnell. Der flachste Winkel stellt das iPad direkt oberhalb des Tastenfeldes ab.

Der Rahmen hat den Effekt, dass selbst am unteren Bildschirmrand des iPads gelegene Elemente sehr leicht mit dem Finger erreicht werden können. Während man beim ZAGGkeys schon hinter das Scharnier greifen muss, weil ja der Rand des iPad Air sehr viel schmaler ist als bei früheren iPads, hat man hier freien Zugriff.

Löst man das iPad auch aus der der Tastatur am nächsten gelegenen Position, erlaubt es das flexible Mittelteil des Rückens, das iPad vollständig auf die Tastatur zu legen. Leicht angeschrägt kann man es jetzt vollständig bedienen, und die Tastatur verschwindet platzsparend dahinter. So lässt sich beides auch sehr bequem in der Hand halten.

Klappt man das Ultimate zu, stellt sich heraus, dass es noch flacher ist als das ZAGGkeys Folio. Es hat eine Höhe von gerade einmal 15 mm und ist somit nur geringfügig höher als das iPad Air und Logitech Ultrathin Keyboard Cover zusammen, allerdings tatsächlich rundum geschützt. Auch das Gewicht kann sich sehen lassen: Ein iPad Air WiFi wiegt zusammen mit der Ultimate-Hülle 892 g, das Ultimate wiegt also 423 Gramm. Zum Vergleich: Das Logitech Ultrathin Keyboard Folio wiegt zwar auch nur 425 Gramm, trägt aber mit einem halben cm mehr deutlich dicker auf.

Kommen wir nun zur Tastatur: Zunächst fällt auf, dass es als Bedienelement nur einen Mikro-USB-Anschluss gibt, mit dem sie aufgeladen wird. Einen Ein- und Ausschalter sucht man vergeblich. Der Clou ist, dass die Tastatur eingeschaltet wird, sobald das iPad in einem der drei vorgesehenen Aufstellwinkel steht, die Magneten des Rahmens also die richtigen Positionen eingenommen haben. Im Umkehrschluss heißt dies aber auch, dass man sein iPad mit der Tastatur nicht über Tage einfach so stehen lassen sollte, da sie sich nicht abschaltet und dann irgendwann der Akku leer ist. Man sollte das Ultimate also zuklappen. Auch wenn man das iPad vollständig über die Tastatur klappt, um es ohne sie zu bedienen, läuft man also nicht Gefahr, irgend etwas auszulösen. Die Tastatur ist ausgeschaltet. Auch wenn man das iPad versehentlich schräg aufstellt, springt sie nicht an. Man muss genau die gegenüberliegenden Magneten treffen, damit die Tastatur betriebsbereit ist.

Die Tastatur hat einen sehr schönen Druckpunkt und ist extrem leise. Die Tasten sind etwas größer als beim ZAGGkeys Folio, und es gibt einige Veränderungen im Layout, an die man sich gewöhnen muss:

  • Ziffernleiste und Funktionstasten werden in einer Reihe kombiniert. Ohne das Drücken der FN-Taste hat man also eine Escape-Taste, die dem Druck auf den Home-Button entspricht, die Ziffern 1 bis 0, das SZ und die Accent-Taste. Rechts daneben befindet sich die etwas größere Rückschrittaste.
  • Das Ä ist eine Reihe höher neben das Ü gewandert.
  • Die Tasten für Nummernzeichen und Apostroph bzw. Sternchen und Plus fallen weg. Der Stern wird mit FN und P realisiert, das Nummernzeichen bekommt man mit FN und ü, und das Apostroph mit FN und Ä.
  • Die Taste mit Binde- und Unterstrich ist eine Reihe tiefer rechts neben die Leertaste gewandert. Drückt man sie zusammen mit der FN-Taste, schaltet man die in iOS installierten Tastaturlayouts um.
  • Kombiniert man die CTRL-Taste mit der FN-Taste, ruft dies Siri auf.

Die Funktionstasten der obersten Reihe haben folgende Bedeutung (Achtung, immer mit der FN-Taste zusammen drücken!):

  • Escape: Öffnet den App-Umschalter.
  • 1: Sperrt den Bildschirm.
  • 2: Schaltet die Bildschirmtastatur ein und aus.
  • 3: Kopiert Text in die Zwischenablage.
  • 4: Fügt Text ein.
  • 5: Macht die letzte Aktion rückgängig.
  • 6: Einen Titel rückwärts springen.
  • 7: Wiedergabe/Pause
  • 8: Einen Titel vorwärts springen
  • 9: Stummschalten
  • 0: Leiser
  • ß: Lauter
  • Accent: Bluetooth-Pairing einleiten.

Hat man sich einmal an die leicht veränderte Lage einiger Tasten gewöhnt, geht das Schreiben recht flüssig von der Hand. Sowohl auf einem Tisch als auch auf dem Schoß steht das iPad und das Ultimate sehr stabil. Das iPad steckt so fest im Rahmen, dass man es sogar sehr weit nach vorn kippen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass es herausfällt.

Die Akkulaufzeit wird mit 264 Stunden angegeben. Bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von zwei Stunden pro Tag ergäben sich also deutlich über vier Monate Laufzeit.

Das Ultimate kostet 129 Euro.

Fazit: Vergleicht man diese Hülle mit den Folios von ZAGG und Logitech, stellt man schnell fest, dass die 30 Euro mehr sehr gut investiert sind. Das Ultimate ist nicht nur das leichteste im Testfeld, es ist auch das am besten verarbeitete und hat das ausgeklügeltste System der Testkandidaten. Die Tastatur ist sehr angenehm zu schreiben. Für den einen oder anderen mögen die Veränderungen am Layout der Tasten am Anfang jedoch sehr gewöhnungsbedürftig sein, gerade wenn man 10-Finger-System blind schreibt, und zumindest ich habe festgestellt, dass die geänderten Fingergriffe nicht so leicht in Fleisch und Blut übergehen wollen, wie ich mir dies eigentlich wünschen würde, da ich das Folio sehr gern regelmäßiger einsetzen wollen würde Aber über 30 Jahre 10-Finger-System lassen sich nicht so leicht ignorieren. 🙁

Disclaimer: Die Tatsache, dass Belkin mir diese Tastaturhülle für den Test zur Verfügung stellte, beeinflusst in keiner Weise mein Testergebnis. Ich bekomme weder was von Belkin dafür noch bin ich in irgendeiner Weise mit Belkin assoziiert. Ich danke Belkin für den Kontakt und das Zur-Verfügung-Stellen des Testgeräts!

Apple Wireless Keyboard und Incase Origami Workstation

Der letzte Testkandidat besteht aus zwei Teilen, nämlich dem Apple Wireless Keyboard und der Incase Origami Workstation. Letztere ist optional und dient hauptsächlich dazu, dem iPad hinter der Tastatur einen festen Platz zu geben. Apple selbst bietet keine Lösung an, die die Tastatur mit einer Möglichkeit kombiniert, das iPad aufzustellen, wenn man von der Möglichkeit absieht, es einfach aufgerichtet auf einem Smart Cover oder Smart Case lose hinter die Tastatur zu stellen.

Das Apple Keyboard bietet natürlich allen Komfort, den man von Apple-Tastaturen gewohnt ist. Neben einem exzellenten Druckpunkt ist die Tastatur vollständig aus Aluminium und Apple-typisch robust verarbeitet. Sie ist sehr flach und kompakt designt. Als einziger Testkandidat läuft diese Tastatur mit Standard-AA-Akkus oder einfachen Batterien. Die Laufzeit ist immens hoch.

Der Nachteil ist, dass man immer zwei getrennte Elemente mit sich trägt: Das Keyboard, wahlweise in die Origami Workstation eingeschlagen, und das iPad, das idealerweise mit einer Schutzhülle oder mindestens einem Smart Cover geschützt sein sollte. Allein die Origami Workstation wiegt 340 g, und zusammen mit der Tastatur, die noch einmal 327 Gramm wiegt, kommt man auf ein Gewicht, das deutlich jenseits des des ZAGGkeys Folio liegt, nämlich bei 667 g.

In Puncto Portabilität ist dies definitiv der schwächste der Kandidaten. Die 100%ige Kompatibilität zwischen dem iPad und der Tastatur hingegen ist natürlich gegeben. Selbstverständlich vermag es die Apple-Tastatur, das iPad auch nach längerer Benutzungspause beim ersten Tastendruck aufzuwecken. Die Funktionstasten sind ähnlich belegt wie bei den anderen Geräten, man kann jedoch die Helligkeit des iPads steuern anstatt wie z. B. beim ZAGGkeys Folio Bearbeitungsfunktionen zu emulieren, die in den meisten Apps auch durch übliche Kommandos wie Cmd+c und CMD+v ausgeführt werden können.

Da diese Kombination nicht mechanisch miteinander verbunden ist, hat sie einen deutlichen Schwachpunkt, wenn man die Konstruktion auf dem Schoß betreibt. Die Stellfläche für den Teil der Origami Workstation, der das iPad hält, ist sehr klein. Das iPad liegt auch recht weit nach hinten gelehnt. Beim Tippen entstehende Erschütterungen, die unvermeidlich sind, können dazu führen, dass das iPad nach hinten ins Rutschen kommt und vom Schoß fallen kann. Diese Kombination ist also nur auf ganz geraden Flächen wie Tischplatten wirklich sicher einsetzbar. Wer möchte sein iPad schon beschädigen, indem es hinterrücks auf den Boden fällt?

Fazit: Wer sich nur auf das Original von Apple verlassen möchte, ist mit dieser Kombination bestens bedient. Wer jedoch eine portablere und integriertere Lösung bevorzugt, sollte zu einer der Alternativen greifen, die in den obigen Abschnitten beschrieben wurden.

Gesamtfazit

Ob es nun ein Folio oder Cover sein soll, ist Geschmackssache. Ich finde, dass beide Konzepte ihren Reiz haben. Folios bieten einen Rundumschutz und sind somit eher auch Rundum-Sorglos-Pakete. Cover bieten dafür einen deutlich schnelleren Zugriff auf das „nackte“ iPad, da sie schneller abzunehmen sind.

Bei den Folios machte ZAGG definitiv eine schlechtere Figur als Belkin, sowohl bei der Einhängung des iPad als auch der gesamten Beschaffenheit. Es ist zudem dicker und schwerer. Für es spricht die Möglichkeit, das iPad ähnlich stufenlos im Winkel aufzustellen wie einen Notebook-Bildschirm.

Auch bei der Wahl der Tastatur muss letztendlich der Geschmack entscheiden. Einen negativen Ausreißer gab es bei keinem der Testkandidaten, lediglich das eigenwillige Layout des Belkin Ultimate könnte für den einen oder anderen ein Hindernis darstellen.

Letztendlich hilft nur, zu vergleichen, die verschiedenen Produkte in die Hand zu nehmen oder sich zur Ansicht kommen zu lassen. Amazon z. B. hat einen sehr kulanten Rückgabeservice, wenn man feststellt, dass das gekaufte Produkt nicht der Vorstellung entspricht. Allerdings sollte man darauf achten, diese Kulanz nicht auszureizen, da ansonsten das Kundenkonto gesperrt werden könnte. Auch Apple ist in diesen Punkt sehr entgegenkommend, und ZAGG selbst wirbt auch mit einer 45-Tage-Geld-Zurück-Garantie. Vielleicht hat dieser Blogbeitrag ja dem einen oder anderen Leser geholfen, eine Vorauswahl für sein oder ihr neues Zubehör fürs iPad Air zu treffen!

Wie sind eure Erfahrungen mit verschiedenen Tastaturen und Folios bzw. Covern? Kommentare können gern hinterlassen werden!

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Apple Zugänglichkeit

Das ist neu in Puncto Bedienungshilfen in Mac OS X 10.9 Mavericks

Mac OS X 10.9, Codename Mavericks, ist erschienen. Und hier kommt eine Übersicht über augenfällige Neuerungen und Erweiterungen bei den Bedienungshilfen. Aber es gibt diesmal auch eine Liste von Problemen, die für den einen oder die andere dazu führen könnte, dass mit einem Update vielleicht noch gewartet werden sollte.

VoiceOver

Für viele meiner Leser dürften die Neuerungen bei VoiceOver am interessantesten sein, daher kommen diese mal zuerst.

Neue deutsche Stimmen

Es gibt zwei neue deutsche Stimmen, die das Resultat des Aufkaufs von SVox durch Nuance sein dürften. Eine neue weibliche Stimme namens Petra dürfte vielen Hamburgern aus vielen HVV-Bussen bekannt sein. Eingesprochen wurde diese Stimme von Gabriele Libbach, ihres Zeichens Off-Stimme bei NDR Kultur und sehr bekannt aus vielen Europa-Hörspielen und Fernseh-Synchronisierungen aus den 80ern und 90ern.

Die neue männliche Stimme heißt Markus. Dies ist eine sehr sonore männliche Stimme, die ich bisher keinem bekannten Sprecher zuordnen konnte.

Die beiden Stimmen Yannick und Anna, die man schon aus OS X Lion und Mountain Lion kennt, sind ebenfalls in leicht veränderter Form erhalten geblieben. Sie sind den Stimmen in iOS 7 angeglichen.

Keine der beiden neuen Stimmen ist übrigens identisch mit den neuen Stimmen von Siri unter iOS 7. Diese beiden Stimmen sind dem Sprachassistenten vorbehalten und auf dem Mac nicht verfügbar.

Und zu den Stimmen kommt auch gleich mein erster Kritikpunkt: Sie haben sich in Puncto Qualität gegenüber den Stimmen aus Mountain Lion verschlechtert. Anna klingt leicht schnarrig, Petra klingt als sei sie nur mit 16 KHz gesamplet und klingt entsprechend muffelig. Auch Markus hat teilweise Artefakte beim Sprechen, die an eine schlecht komprimierte MP3-Datei erinnern.

Weiterhin hat sich ein Bug, der aus Lion-Zeiten sehr bekannt ist und in Mountain Lion behoben war, wieder eingeschlichen: Enthält z. B. ein im Twitter-Client Yorufukurou angezeigter Tweet ein oder mehrere Emoji-Zeichen, verstummt jede der vier deutschen Stimmen beim Vorlesen solcher Tabellenzeilen. Lediglich das Navigieren per Wörter und Zeichen innerhalb des Textes liest sowohl den Text als auch diese Emoji-Zeichen vor. Dies ist ein sehr ärgerlicher Umstand, und es ist völlig unverständlich, warum ein bereits behobenes Problem so leicht wieder seinen Weg in einen Nachfolger des Betriebssystems finden konnte und auch trotz frühen Fehlerberichts an Apple im Juni bis jetzt nicht behoben wurde.

Und noch etwas fällt sofort negativ auf: Viele Apple-spezifischen Produkt- und Programmnamen wie Finder, iTunes, iPhoto, iPad, iPhone, iPod usw. werden von den deutschen Stimmen völlig falsch ausgesprochen. Es sind sämtliche Wörterbucheinträge, die von Apple bisher für seine eigenen Produktnamen mitgeliefert hat, in dieser Version des Betriebssystems verlorengegangen. Was bleibt, ist ein Eindruck sehr unsauberer und schlampiger Übersetzung.

Menüaktionen für Elemente

Die Tastenkombination VoiceOver+Cmd+Leertaste, die bisher mit dem Markieren unzusammenhängender Einträge belegt war, hat eine neue Funktion bekommen. Drückt man diese jetzt z. B. auf einer Zeile im Mail-Posteingang, erscheint ein Menü, in dem man wählen kann, dass man das Kontextmenü anzeigen möchte. Drückt man diese Kombination aber z. B. auf einem Link in Safari, bekommt man gleich drei Optionen zur Auswahl:

  • Zum Anzeigen scrollen
  • Drücken
  • Menü anzeigen

„Drücken“ und „Menü anzeigen“ entsprechen den bekannten Kommandos VoiceOver+Leertaste und VoiceOver+Umschalttaste+Leertaste. Die dritte Option ist interessant, wenn man mit Sehenden zusammenarbeitet oder aus anderen Gründen erzwingen möchte, dass das aktuelle Element auf jeden Fall auf dem Bildschirm sichtbar ist.

Es wird hierfür sicherlich noch andere Anwendungsbeispiele geben, dies sind jedoch die auffälligsten. Dies entspricht ungefähr dem Aktions-Rotor von iOS 7, der in Mail z. B. das schnelle Löschen von Mails ermöglicht.

Änderung beim Markieren nicht zusammenhängender Elemente

Wie oben bereits erwähnt, führt VoiceOver+Cmd+Leertaste nicht mehr die Funktion aus, mehrere nicht zusammenhängende Elemente zu markieren. Diese Funktion ist zur Tastenkombination VoiceOver+Cmd+Eingabetaste gewandert, funktioniert ansonsten aber wie üblich.

Ton bei Links und eingebetteten Zeichen abspielen

Anstatt das Wort „Link“ oder „Eingebettet“ zu sprechen, kann VoiceOver für diese beiden Typen Text jetzt Signaltöne abspielen. Dies stellt man im VoiceOver-Dienstprogramm, Kategorie Ausführlichkeit, Registerkarte Text, ein. Anstatt der Ansagen hört man bei Links jetzt einen scharfen Tick-Sound, bei eingebetteten Zeichen wie Mailanhängen einen sanften Schleifton.

Audio-Ducking

Systemtöne sowie Wiedergaben von Audio- und Videoinhalten, die nicht von VoiceOver stammen, werden in der Lautstärke jetzt standardmäßig reduziert, wenn VoiceOver spricht. Die Wiedergabe duckt sich sozusagen unter die VoiceOver-Stimme. Dieses Verhalten kann man im VoiceOver-Dienstprogramm in der Kategorie „Ton“ an- und abschalten, indem man das Kontrollkästchen namens „Audio-Ducking aktivieren“ aktiviert bzw. deaktiviert.

Unified Braille

VoiceOver unterstützt jetzt den englischen Zeichensatzstandard Unified Braille. Im Deutschen hat sich anscheinend nichts geändert.

Apps

Im Folgenden liste ich einige Apps und deren Änderungen auf, die für VoiceOver-Anwender relevant sind.

Mail

In Mail hat es diverse Verschlimmbesserungen gegeben. Am auffälligsten ist, dass man in der Standard-Ansicht bei Konversationen nicht mehr sofort angesagt bekommt, wie viele Mails sich in diesem Konversations-Thread befinden. Diese Info ist viel weiter nach hinten gewandert, ist aber eigentlich essentiell für ein effektives Arbeiten mit Mail. Ich nutze die Konversationsansicht sehr oft, weil sie mir hilft, mich auf den jeweils aktuellen Mailvorgang zu konzentrieren und nicht durch ein Durcheinander von Mails im Posteingang navigieren und ständig umdenken zu müssen. Ein Beispiel für die verschlimmbesserte Ansage: In Mountain Lion sah die Ansage so aus:

2 E-Mail-Konversation reduziert Schließdreieck, Marco Zehe, Hier kommt der Mailbetreff, 10:30, Hier kommt der Mailtext, Eingang – Postfachname

In Mavericks hat sich das wie folgt geändert:

Marco Zehe, Hier kommt der Mailbetreff, 10:30, Hier kommt der Anfang des Mailtexts, 2 E-Mail-Konversation reduziert Schließdreieck, Eingang – Postfachname

Wie zu sehen ist, ist eine doch nicht unwichtige Information von prominenter erster Stelle fast ganz ans Ende gewandert. Mich persönlich stört dies sehr, weil die Konversationsansicht eben ein so wichtiger Bestandteil meiner Arbeit mit Mails ist.

Steht der Fokus nun auf einer solchen Konversation, hat sich das Layout etwas verändert. man interagiert jetzt nicht mehr mit einer Tabelle und dann mit einzelnen Tabellenzellen, sondern alle Mails sind einzelne eingebettete Objekte, mit denen man interagiert, und dann landet man sofort auf den bekannten Mail-Headern und dem Haupttext. Diese leichte Verschlankung der Hierarchie ist gar nicht unwillkommen. man muss sich nur dran gewöhnen.

Safari

Wie bereits erwähnt, gibt es im Safari nun die Möglichkeit, mit Hilfe von VoiceOver+Cmd+Leertaste ein Aktionsmenü aufzurufen, mit dem man mit Elementen noch einige Dinge mehr anstellen kann als sie zu drücken oder deren Kontextmenü aufzurufen.

Auch die Top Sites, die neue Ansicht der meist besuchten Seiten in Safari, die man als Startseite einrichten kann, ist bedienbar.

Safari hat jedoch bei einigen Elementen bzw. Elementkombinationen eine ziemliche Geschwätzigkeit entwickelt. So werden bei bestimmten Links wie den Facebook-Likes usw. noch Infos von rund um das Element herum mit einbezogen und vorgelesen. Auch manche Listenelemente, die aus einem Link und weiterem Text bestehen, entwickeln mithin einen Hang zu sehr ausführlichen Ansagen, bei denen es schwer ist, festzustellen, was jetzt genau der Linktext und was der umstehende Text ist. Das gleiche Problem tritt bei manchen Eingabefeldern auf. Das Problem scheint sich hautsächlich dann abzuspielen, wenn diese Elemente Teil von Listenaufzählungen sind.

Diese Geschwätzigkeit wird hoffentlich bald in einem Safari-Update behoben. Bis dahin muss man viel Geduld aufbringen, denn die Möglichkeit, eine ältere Version von Safari zu installieren, die das Problem noch nicht hat, gibt es nicht.

Kalender

Der Kalender hat sich im Layout geändert. Hier sollte jeder für sich nachforschen, wie er damit zurechtkommt. Die Ansichten sind teilweise recht verschachtelt und detailliert, aber man kommt an alles heran und kann mit den Elementen interagieren. Einziger wichtiger Punkt: Termineinträge lassen sich mit keinem bekannten VoiceOver-Befehl aktivieren. Ein einfacher Druck auf die Leertaste hingegen bringt das gewünschte Ergebnis.

Mitteilungszentrale

Die Mitteilungszentrale wurde funktionsmäßig ziemlich aufgebohrt. Hier können auch von bestimmten Webseiten erzeugte Benachrichtigungen erscheinen, man kann direkt auf Mail-Benachrichtigungen antworten und eine neue iMessage, Twitter- oder Facebook-Nachricht erzeugen, wenn man diese Accounttypen konfiguriert hat. Auch hat der Mac jetzt eine iOS ähnliche Nicht-Stören-Funktion.

Was sich nicht geändert hat ist der etwas umständliche Weg in die Mitteilungszentrale: VoiceOver+M zweimal, dann mit VoiceOver+Pfeil nach rechts ganz ans Ende der Menüleiste, dann VoiceOver+Leertaste auf dem Element „Mitteilungszentrale“. Schneller kommt man ans Ziel, indem man die Systemeinstellungen öffnet, Tastatur wählt, Kurzbefehle auswählt und dann unter der Kategorie Mission Control dem Punkt „Mitteilungszentrale anzeigen“ eine Tastenkombination, z. B. Ctrl+Umschalttaste+F8, zuweist. So kann man sie jederzeit ohne den Umweg über die Menüerweiterungen öffnen.

iBooks

Eine der neuen Apps in OS X Mavericks ist das bereits von iOS bekannte iBooks. Damit kann man Bücher jetzt auch auf dem Mac lesen, die man im iBooks Store gekauft hat oder die im ePub-Format auf andere Weise, z. B. über Mails oder Webseiten, in die iBooks-App übersandt wurden und dann in der Cloud landeten.

Unter Mavericks stellt sich das Lesen von Büchern ähnlich dar wie das von Webseiten. Das heißt auch, dass es nicht wirklich eine komfortable Möglichkeit gibt, sich eine Leseposition mit VoiceOver zu merken. Es wird immer an den Anfang der Buchseite gesprungen, wenn man die Interaktion mit der Seitenanzeige startet.

Aber wenn man überhaupt soweit kommt, ist man schon gut! iBooks sieht in diesem Release aus wie eine Betaversion. Das geht schon mit der Tatsache los, dass im Hauptfenster mehrere Schalter nicht beschriftet sind. Weiterhin ist die Standardansicht von Büchern, nämlich die Rasterdarstellung, nicht zugänglich. Es wird immer nur „Bild“ gesagt. man muss die Auswahltaste für „Liste“ aktivieren, um eine Tabelle zu bekommen, in der die Bücher aufgelistet sind. Diese ist dann zugänglich.

Öffnet man mit Cmd+O ein Buch, kommt ein Fenster mit über 10 nicht beschrifteten Tasten. Einige davon haben einen Hilfe-Tag, aufrufbar mit VoiceOver+Umschalttaste+H, aber auch nicht alle. Es werden mehrere Seiten nebeneinander dargestellt, man hat für jede einen HTML-Inhalt, und alle sind in einem Rollbereich zusammengefasst.

Dass diese ganzen Tasten nicht beschriftet sind und es auch sonst einige unbeschriftete bzw. nicht zugängliche Elemente gibt, ist hoch peinlich, Apple! Aus dem eigenen Haus so eine App abzuliefern, wo noch dazu die iOS-Version von vorn herein so vorbildlich zugänglich war, ist echt beschämend!

Karten

Eine weitere neue App ist die Karten-App. Aber als VoiceOver-Anwender sollte man sich hier nicht allzu große Hoffnungen machen, viel zu erreichen. Zum einen ist sie nur sinnvoll mit der Trackpad-Steuerung überhaupt navigierbar, zum anderen ist das, was man navigieren kann, überhaupt nicht mit dem vergleichbar, was man unter iOS zu fühlen bekommt. Das einzige, was ganz gut funktioniert, ist das Schicken von Routenanweisungen an ein iOS-Gerät, wenn man z. B. aus dem Kalender heraus eine Route von einem Terminort zum nächsten erstellen lässt und diese dann navigieren möchte. Ich persönlich empfinde diese App unter Mavericks ansonsten reichlich überflüssig. Vielleicht hat ja jemand von euch mehr Glück damit. Kommentare hierzu sind herzlich willkommen!

iLife und iWork

Tja und hier kommen sie, die Killer-Apps: Pages, Numbers und Keynote, die Produktivitäts-Apps, wurden für Mavericks komplett neu geschrieben und erhalten dabei massive VoiceOver-Verbesserungen. So gehen jetzt Tabellen in Textdokumenten usw. Auch das navigieren der Oberfläche hat sich vereinfacht. Auch die iLife-Produkte iPhoto, iMovie und GarageBand wurden komplett überarbeitet und dürften noch zugänglicher geworden sein, getestet habe ich dies aber noch nicht. Tja und all das bekommt man eben nur, wenn man Mavericks einsetzt.

Weitere Bedienungshilfen

Apple hat in Mavericks beim Umfang der Bedienungshilfen in einigen Punkten mit iOS gleichgezogen. So gibt es jetzt eine Unterstützung für Untertitel in Medien. Es werden sowohl Standard-Untertitel als auch erweiterte Untertitel für Gehörlose und Hörgeschädigte (UT und CC) unterstützt.

Auch neu ist die aus iOS 7 bekannte Schaltersteuerung, die Menschen mit motorischen Einschränkungen erlaubt, das Betriebssystem mit Hilfe eines einzelnen Schalters zu bedienen.

Ob sich an der Qualität des Zooms, der Kontraste oder ähnlicher visueller Bedienungshilfen etwas verändert oder verbessert hat, mag ich mangels Sehvermögens nicht zu beurteilen. Die Einstellungen hierfür sehen jedoch aus wie in Mountain Lion.

Eine Sache, die es nicht mehr gibt, ist das Kontrollkästchen für „Bedienungshilfen-Unterstützung“. Diese ist daher vermutlich für Entwickler nicht mehr abschaltbar, sondern immer aktiv.

Fazit

Gerade die Probleme in Mail und Safari haben mich eigentlich dazu bewegen wollen, nicht gleich zum Release auf meinen Produktivsystemen Mavericks einzusetzen. Mail hat über die Probleme bei der VoiceOver-Unterstützung hinaus noch diverse Probleme mit GMail- und anderen Imap-Konten. So werden z. B. in andere Ordner verschobene Mails nur sehr verzögert auch tatsächlich auf dem Server verschoben, oder manchmal wird dieses auch ganz unterlassen, und die Mail taucht nach einigen Minuten wieder im ursprünglichen Ordner auf. Auch aktualisiert Mail sich nicht mehr im Hintergrund, sondern wird von den neuen Energiesparoptionen so komplett schlafen gelegt, dass es erst wieder die Ordner synchronisiert, wenn es in den Vordergrund geholt wird.

Auch die Probleme mit der Sprachausgabe sind sehr ärgerlich. Die Tatsache, dass keine der vier Stimmen die gängigen Apple-Produktnamen wie Finder, iTunes, iBooks usw. richtig aussprechen kann, ist schon ein echter Angriff auf mein Hörempfinden!

Und auch diese anderen Schönheitsfehler wie iBooks, das nicht Lesen von Texten mit Emoji-Anteilen, und andere Haken und Ösen hier und da sind echte Abturner. So schön die neuen Funktionen wie Tags für Dateien im Finder, mehrere Tabs in selbigem und die verlängerten Batterielaufzeiten der MacBooks unter Mavericks auch sind, können sie doch diese die Produktivität sehr behindernden Fehler nicht kaschieren.

Die Tatsache, dass Pages & Co. aber endlich benutzbar werden und somit eine vollwertige Textverarbeitung unter Mavericks zugänglich wird, ist jedoch ein gewichtiges Argument. Ich muss doch öfter mal Dinge tun, die über die Fähigkeiten von TextEdit hinaus gehen. Daher werde ich an einem Update nicht vorbei können.

Ob andere Leser aktualisieren oder nicht, sei ihnen natürlich selbst überlassen. ich hoffe, dass dieser Artikel zur individuellen Entscheidungsfindung beitragen konnte. Wenn ihr aktualisiert, wisst ihr, worauf ihr euch einlasst.

Kommentare wie immer herzlich willkommen!

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Apple Zugänglichkeit

Das ist neu in iOS 7 in puncto Bedienungshilfen

iOS 7 ist endlich erschienen. Das von vielen lang ersehnte Update wurde am 18.09.2013 um 19 Uhr deutscher Zeit zum allgemeinen Download freigegeben. Wie anderswo schon viel berichtet wurde, kommt es mit einem komplett neuen Design daher, das optisch viel flacher ausfällt als alle vorherigen Versionen. Sehbehinderte dürfte auch die neue Farbgebung zunächst etwas verwirren, manche der helle Hintergrund sogar blenden.

Allgemeines

Auch für VoiceOver-Benutzer gibt es einige neue Funktionen. Allerdings fallen diese an sich eher nicht so groß aus. Wie auch in früheren Versionen, befinden sich die Änderungen, die VoiceOver-Benutzer bemerken werden, hauptsächlich über das gesamte Betriebssystem und seine Apps verteilt.

  • Durch das Redesign haben sich Bezeichnungen und Platzierung diverser Elemente in verschiedenen Apps leicht oder auch deutlich verändert. Wenn ihr euch also viel auf das gezielte Antippen in Apps verlassen habt, werdet ihr einige Dinge neu erlernen müssen. ich persönlich fand das aber nicht schwierig.
  • Viele der Hinweistöne für das Laden des Geräts, ein- bzw. ausgehende Mails, Benachrichtigungstöne usw. haben sich geändert. Sie sind in der Regel subtiler als früher und stören daher nicht mehr so sehr. Manche Anwender mit einer Schwerhörigkeit könnten hier jedoch Änderungen vornehmen wollen, um die Sounds für sich besser hörbar zu machen. Ich finde die neuen Töne sehr gelungen, sie klingen moderner und von besserer Qualität als die alten Sounds.
  • Eine der Apps, die die radikalste Veränderung erfahren hat, ist der Kalender. Verglichen mit iOS 6 ist dies eine riesige Verbesserung auf dem iPhone. Auf dem iPad verhält sich der Kalender noch nicht immer so wie erwartet.
  • Das Layout von Ordnern auf den Homebildschirmen hat sich geändert. Man kann jetzt so viele Apps in einen Ordner packen, wie man möchte, sie werden dann auf mehrere Bildschirme verteilt, durch die man genauso blättert wie durch die Homebildschirme selbst. Es befinden sich jetzt immer drei Apps pro Zeile in einem Ordner.

Die Bedienungshilfen werden zugänglicher

Apple hat die Lage der Bedienungshilfen verändert. Anstatt jetzt fast am Ende der Allgemein-Einstellungen zu sein, wurde dieser Punkt so prominent platziert, dass man nach dem Öffnen von Allgemein auf fast keinem Gerät mehr scrollen muss. Dies zeigt auch, dass Apple einen deutlich größeren Schwerpunkt auf seine Zugänglichkeitsfunktionen legt.

Änderungen bei VoiceOver

Handschrift

Während in Deutschland Apps wie Fleksy und MBraille wegen der nicht bzw. nur eingeschränkt vorhandenen Sprachunterstützung noch nicht so populär sind, genießen sie im englischsprachigen Raum große Beliebtheit. Vermutlich auch aus diesem Grund hat Apple in iOS 7 eine neue Eingabemethode eingebaut, die eine Alternative zur Eingabe über die Standard-Bildschirmtastatur darstellt.

In den Rotoreinstellungen in den VoiceOver-Einstellungen, ganz unten als letztes Element versteckt, gibt es einen neuen Punkt „Handschrift“. Dieser ist standardmäßig nicht aktiviert, kann aber  durch Doppeltippen dem Rotor hinzugefügt werden.

Befindet man sich in einer Situation, in der man Text eingeben kann, ist diese neue Option jetzt im Rotor verfügbar. Wählt man sie aus, verwandelt sich der Bildschirm in eine Malfläche, und man kann mit dem Finger Schwarzschriftbuchstaben malen. Standardmäßig werden Kleinbuchstaben erwartet. Man kann aber auch Großbuchstaben, Zahlen und Satzzeichen eingeben. Man ändert die Einstellung, indem man mit drei Fingern nach oben oder unten streicht, während die Handschrifteingabe aktiv ist. Wischt man mit zwei Fingern nach rechts, gibt man ein Leerzeichen ein, wischt man mit zwei Fingern nach links, löscht man das zuletzt eingegebene Zeichen.

Für diejenigen, die die Formen der Schwarzschriftbuchstaben kennen, wird dieser Eingabemodus sicherlich sehr schnell vertraut sein und gute Ergebnisse erzielen. Für diejenigen, die die Schwarzschriftbuchstaben nicht kennen, aber kennenlernen möchten, ist dies gleichzeitig ein tolles Lern-Tool dafür.

Die Handschrifterkennung kann auch in weiteren Situationen verwendet werden. Befindet man sich auf dem Homebildschirm, bewirkt das Malen von Buchstaben eine Filterung aller installierter Apps. Mit zwei Fingern nach oben oder unten wischen, um eine App zu wählen, und Doppeltippen, um sie zu öffnen. Dabei ist es unerheblich, auf welchem der Homebildschirme oder in welchem Ordner die App sich befindet.

Im Safari bewirkt die Handschrifterkennung, dass der Rotor sofort auf die jeweilige Option eingestellt wird. Malt man ein f, wählt VoiceOver „Formularsteuerungen“ aus, malt man ein l, wählt es die Links. Mit zwei Fingern nach unten oder oben streichen navigiert vor- bzw. rückwärts durch die gewählten Elemente. Diejenigen, die die Elementauswahl von VoiceOver vom Mac her kennen, dürfte diese Art der Listenfilterung vertraut vorkommen.

Ich selbst komme mit der Eingabe über die normale Tastatur gut zurecht, werde diesen Modus aber in Zukunft mehr benutzen und auch hier sicherlich an Geschwindigkeit zulegen. Es ist auf jeden Fall eine praktische Alternative, wenn man sich z. B. in einer lauten Umgebung befindet oder aus anderen Gründen das Schreiben auf der Bildschirmtastatur gerade unpraktisch ist.

Vereinfachung der Eingabe von Sonderzeichen

Wo wir gerade bei der Tastatur sind: Es gab eine Änderung, wenn man die Tastatur im 10-Finger-Modus betreibt, wie man Sonderzeichen wie das ß eingibt. Früher musste man das s antippen, mit einem zweiten Finger auf den Bildschirm tippen, dann Doppeltippen und halten, und nach einem Sound den Finger langsam nach links oder rechts bewegen, um das Sonderzeichen aus dem Popup auszuwählen und den Finger dann anheben, um es einzugeben. Jetzt legt man den Finger einfach auf das S, wartet max. 1,5 Sekunden, dann kommt schon die aufsteigende Tonfolge und man kann den Finger nach rechts und links bewegen, um die Sonderbuchstaben zu wählen. Ein Anheben gibt das Zeichen ein. Diese Vereinfachung der Eingabe finde zumindest ich sehr praktisch. Funktioniert übrigens auch beim Eingeben von Webadressen. Hält man den Finger auf dem Punkt, kommen mehrere Domain-Endungen wie .com, .de, .org usw in dem Popup. Früher war man immer auf .com festgelegt.

So viele Zentren!

Neben der bekannten Benachrichtigungszentrale gibt es in iOS 7 nun ein weiteres Zentrum, das Kontrollzentrum. Hier kann man schnell einige Einstellungen vornehmen wie den Flugmodus, WLAN, Bluetooth usw. ein- und ausschalten, die Audiowiedergabe steuern, Stoppuhr oder Timer setzen usw.

Die Benachrichtigungszentrale ruft man wie bisher auf, indem man mit drei Fingern nach unten streicht, wenn sich der Fokus oben in der Statuszeile befindet. Das Kontrollzentrum ruft man auf, indem man mit drei Fingern nach oben streicht, während sich der Fokus genauso in der Statuszeile befindet.

Da aber das Streichen mit drei Fingern nicht jedermanns Sache ist, hat Apple auch hier die im vorigen Abschnitt beschriebene Möglichkeit des Durchreichens geschaffen. Hält man den Finger für etwas mehr als eine Sekunde auf oder etwas oberhalb der Statuszeile, kann man ihn einfach nach unten ziehen, nachdem die aufsteigende Tonfolge zu hören war. Genauso kann man den Finger direkt oberhalb des Home-Buttons platzieren und auf die aufsteigende Tonfolge warten und den Finger dann nach oben ziehen, um das Kontrollzentrum aufzurufen.

Neue Audio-Hinweise

Ähnlich wie auf dem iPad zeigt VoiceOver jetzt auch auf dem iPhone an, wenn sich der Fokus von einer logischen Gruppierung von Elementen in eine andere bewegt. Auch die Einstellung „Container“ im Rotor ist jetzt auf dem iPhone und iPod Touch verfügbar. Auf dem iPad gab es diese schon immer, und Apple hat diese Funktionalität nun endlich angeglichen.

Psstt! Ich schlafe!

Bisher konnte man nur sämtliche Töne an- und abschalten, indem man die entsprechende Stummschaltung aktivierte oder den Kipp- bzw. Schiebeschalter am iOS-Gerät entsprechend konfigurierte. Dies schaltete auch die VoiceOver-Töne stumm. Dies irritiert aber viele VoiceOver-Benutzer, weil sie sich neben der Sprache auch auf die Töne verlassen, die Fokuswechsel o. ä. anzeigen.

Daher ist es jetzt möglich, die VoiceOver-Töne getrennt von den restlichen Systemklängen an- und abzuschalten. Dazu gibt es einmal eine neue Einstellmöglichkeit in den VoiceOver-Einstellungen und zum anderen eine Rotor-Option, mit der man die Töne schnell ein- und ausschalten kann. Dies ist auch deshalb praktisch, weil man so nicht auf die VoiceOver-Töne verzichten muss, aber z. B. mit anderen Hinweistönen einen schlafenden Partner neben sich nicht wecken will.

Geschwätziges Siri

Die Interaktion von VoiceOver und Siri wurde erheblich verbessert. Siri wiederholt nun nicht mehr den gesprochenen Befehl, sondern gibt sofort die Antwort. Außerdem kommen sich VoiceOver und Siri nicht ins Gehege, und dank der neuen Siri-Stimmen hört man auch genau, ob die Ansage von VoiceOver oder Siri kommt.

Und da wir gerade dabei sind: Diese neuen Siri-Stimmen gefallen mir sehr gut. Sie geben Siri eine echte Persönlichkeit, egal ob man die männliche oder weibliche Stimme nutzt. Die Ausdruckskraft ist gegenüber der Anna von VoiceOver noch mal erheblich verbessert worden.

Auch die Antwortzeiten der Siri-Server haben sich in letzter Zeit dramatisch verbessert. Ich stelle jedenfalls selbst bei Mobilfunkverbindung kaum noch eine Verzögerung fest, wenn ich mich mit Siri unterhalte.

Apropos Stimmen

Es ist jetzt möglich, mehrere hochqualitative Stimmen gleichzeitig zu betreiben. Der Sprachen-Rotor heißt jetzt Sprachen und Dialekte und wurde in der Benutzung erheblich vereinfacht. Weiterhin kann man bei den Einstellungen für jede Stimme nicht nur eine eigene Sprechgeschwindigkeit festlegen, sondern auch angeben, dass eine HQ-Stimme verwendet werden soll. Es wird angezeigt, wie viel Speicherplatz diese benötigt. Das Umschalten klappt trotzdem sehr flüssig, selbst auf meinem iPhone 4S. Dadurch werden mehrsprachige Texte eindeutig besser verständlich, außer man mag natürlich die kompakten Stimmen lieber. Zu diesen gehöre ich aber definitiv nicht. 😉

Hilfe allüberall

Die Gesten-Übungen können jetzt von überall her ausgeführt werden. Dieser Modus wird aktiviert, indem man mit vier Fingern einen Doppeltipp ausführt. Man muss also nicht mehr erst in die VoiceOver-Einstellungen gehen und dort die Übungen aktivieren. Man beendet diesen Modus durch Ausführen der Zickzack-Geste.

Der App-Umschalter

Dieser wurde visuell stark überarbeitet, und auch VoiceOver-Benutzer profitieren davon. Wenn man zweimal auf die Home-Taste drückt, erscheint der neue App-Umschalter. Die gerade laufende App befindet sich in der Mitte des Bildschirms. Man kann jetzt mehrere Funktionen ausführen, indem man mit einem Finger nach oben oder unten streicht. Dazu gehören, dass man die App aktiviert, also in den Vordergrund holt, oder sie schließt. Das Schließen einer App kann man auch abkürzen, indem man mit drei Fingern nach oben streicht, wenn sich der Fokus auf einer App befindet. VoiceOver sagt außerdem an, ob die App gerade ausgeführt wird. Sagt VoiceOver zu einer App nicht den Zusatz „ausführen“, bedeutet dies, dass sie im Hintergrund eingefroren wurde, also keine Prozessorleistung beansprucht.

Diese Verbesserungen erleichtern das Multitasking erheblich, und auch das Beenden von Apps ist deutlich einfacher geworden als bisher.

Browsen im Web

Safari hat in iOS 7 eine Generalüberholung erfahren. Scrollt man eine Seite runter, verschwinden oben die Adress- und unten die Symbolleiste, und man hat mehr Platz auf dem Bildschirm für Webinhalte. Man kann wieder ganz nach oben scrollen, um die Elemente zurückzubekommen. Die Suche und Adresseingabe finden jetzt in ein und demselben Feld statt. Die Taste zum Freigeben bzw. Teilen von Inhalten heißt jetzt „Freigeben“ und nicht mehr „Dienstprogramme“, was viel passender ist.

Safari in iOS 7 kennt auch wieder mehr WAI-ARIA-Rollen und Zustände und ist somit noch besser für moderne Web-Apps gerüstet als bisher. Auch MathML wird jetzt unterstützt.

Weitere Nettigkeiten

Die Art, wie VoiceOver die Benutzeroberfläche dem blinden Anwender zugänglich macht, hat sich in vielen kleinen weiteren Details verbessert. So sagt VoiceOver bei der Anzahl von Elementen auf App-Symbolen jetzt, worum es sich handelt, z. B. 5 ungelesene Mails oder 2 heute zu erledigende Aufgaben.

Die Einstellung „Aktionen“ des Rotors wird kontextsensitiver eingesetzt. So kann man in Mail jetzt nicht nur eine Mail aktivieren, sondern sie auch löschen oder „weitere Aktionen“ ausführen. Befindet man sich auf einer Mailkonversation, wird angesagt, wie viele Mails und von welchen Absendern von der Aktion betroffen sind.

Das Entsperren des Telefons funktioniert nicht mehr durch ein Streichen mit einem Finger, wenn VoiceOver aktiv ist. Der Entsperren-Button verhält sich jetzt ausschließlich wie ein normaler Button, d. h., man führt einfach einen Doppeltipp aus. Mich hat das nicht gestört, weil ich die richtige Geschwindigkeit des Streichens zum Entsperren eh nie hinbekommen habe, aber es wird sicherlich einige Benutzer geben, die sich umgewöhnen werden müssen. Alternativ kann man das Telefon auch entsperren, indem man mit drei Fingern nach rechts streicht, also so als wolle man eine Seite nach links blättern.

Weitere Bedienungshilfen

iOS 7 bietet die Möglichkeit, das Gerät mit Hilfe eines Switches zu steuern. Dies ist besonders für Anwender mit einer motorischen Einschränkung interessant, die einen Touchscreen nicht mit den Händen bedienen können. Entsprechende Hardware kann mit dem iOS-Gerät gekoppelt werden, und dann läuft ein Rahmen, dem VoiceOver-Cursor nicht unähnlich, von links oben nach rechts unten über den Bildschirm, und man betätigt den Schalter, wenn das richtige Element im Fokus ist, um es zu aktivieren. Das richtige Zugänglich-Machen von Bildschirmelementen ist hierbei natürlich Voraussetzung, d. h., Entwickler sollten sich definitiv über UIAccessibility, UIAccessibilityContainer, UIAcessibilityReadingContent o. ä. informieren oder meinen Artikel lesen. 😉

Es gibt jetzt auch mehr Einstellmöglichkeiten für Schriftgröße, Farben und Invertierung, um sich das iOS-Gerät auf seine Bedürfnisse des Sehens anzupassen.

Diese und alle weiteren Einstellungen finden sich unter Einstellungen -> Allgemein -> Bedienungshilfen.

Fazit

Ich kann das Update auf iOS 7 nur wärmstens empfehlen. Apple haben mal wieder gezeigt, dass sie Barrierefreiheit ernst nehmen und bauen in jedes große Update mindestens eine neue Funktion für eine weitere Gruppe von Menschen mit Behinderungen ein. Auch die Platzierung deutlich weiter oben in den allgemeinen Einstellungen zeigt, wie wichtig Apple das Thema und die individuellen Bedürfnisse seiner Benutzer sind.

Für Blinde ist die Umstellung auf iOS 7 sicherlich einfacher als für so manchen Sehenden. Von den ganzen Animationen, neuen Farbgebungen und sonstigen Designänderungen bekommen wir wenig mit. Eine Taste ist eine Taste, egal wie sie aussieht, und sie wird auch immer noch genauso aktiviert.

Viel Spaß mit iOS 7!

Danksagung

Einige der etwas versteckteren neuen Features und die Reihenfolge der hier gezeigten Features entstammen teilweise diesem Review von Maccessibility, denen ich ausdrücklich danken möchte!

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Apple Buchwurm Freizeit Zugänglichkeit

Barrierefreie E-Books unter iOS dank der Amazon Kindle App

Im Mai diesen Jahres erschien eine Version der App Amazon Kindle, die als Neuerung die Zugänglichkeit durch den Screen Reader VoiceOver unter iOS ankündigte. Kurz darauf fluteten Begeisterungsstürme durch die Blogosphäre und sozialen Netzwerke, und inzwischen wurde die App sogar in die AppleVis iOS App Hall of Fame aufgenommen. Zeit für einen kurzen deutschsprachigen Überblick, was einen blinden VoiceOver-Nutzer erwartet!

Die Situation bei E-Books bietet ja ein eher gemischtes Bild. Während Apple mit seinem iBooks Store und der zugehörigen App für iOS und demnächst auch OS X in Puncto Barrierefreiheit eine absolute Vorreiterstellung einnahm, denn iBooks war von Anfang an, also zum Erscheinen des ersten iPads im April 2010, zugänglich, sind viele E-Books anderer Quellen eher nicht zugänglich gewesen. Entweder handelte es sich um in der Regel nicht mit Barrierefreiheits-Tags ausgestattete PDFs oder um PDFs, die aus gescannten Buchseiten bestanden, oder die Apps oder Geräte zum Lesen solcher E-Books waren nicht zugänglich. Letzteres war bis jetzt bei Amazon Kindle der Fall. Die iOS-App für iPhone, iPod Touch und iPad ist die erste, die Kindle-Bücher für Blinde zugänglich macht. Andere Apps wie die für OS X, Windows oder Android, sowie die Kindle Paperwhite, Kindle Fire und wie die Hardware-Reader auch alle heißen, sind samt und sonders bisher nicht zugänglich.

Aber allein die Zugänglichkeit der iOS-App eröffnet Blinden auf einmal eine riesige neue Quelle an elektronisch zugänglicher Literatur. Wie bei iBooks sind auch Kindle-Bücher mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit zugänglich. Das Kindle-Format basiert auf strukturierten HTML-Dateien, die von einem Gerüst aus XML-Dateien und einer bestimmten Konvertierung zusammengeführt werden. Kindle-Bücher sind somit textbasiert. Klar gibt es theoretisch auch die Möglichkeit, Buchseiten zu scannen und als Grafiken zu hinterlegen, diese müssen aber per HTML zusammengeführt werden, was vom Aufwand her fast das gleiche ist wie den Text gleich richtig lesbar zu gestalten.

Hat man sich die App heruntergeladen, empfiehlt sich ein erster Start und eine Anmeldung am eigenen Amazon-Konto. Dies registriert das iOS-Gerät als neuen Kindle-Reader bei Amazon, so dass man beim Kauf von Büchern diese sofort an das iOS-Gerät schicken kann. Beim nächsten Aufruf der App oder dem Auswählen von „Synchronisieren“ werden neue gekaufte Bücher dann automatisch heruntergeladen und sind sofort verfügbar.

Der Kauf eines Kindle-Buches geschieht im Gegensatz zu iBooks übrigens nicht innerhalb der App, sondern muss über die Webseite vom Mac, PC oder iOS-Gerät getätigt werden. Amazon müsste Apple für jedes von innerhalb der App gekaufte Buch sonst nämlich eine Provision zahlen. Da es sich um ein Konkurrenzangebot handelt, ist es nur verständlich, dass Amazon das nicht möchte. 😉

Hat man nun ein oder mehrere Bücher gekauft und beim Kauf angegeben, dass die Datei bitte gleich an das passende iOS-Gerät gesendet wird, taucht es auf der Startseite der Kindle-App auf. Die Navigation geschieht durch übliche VoiceOver-Gesten. Man wählt ein Buch aus und führt einen Doppeltipp aus, um es zu öffnen. Die Startseite bietet weiterhin eine Möglichkeit, zwischen der in der Amazon Cloud gespeicherten Inhalte und denen, die bereits auf dem Gerät vorhanden sind, umzuschalten. Weiterhin kann man die Einstellungen aufrufen und von einer Listen- in eine Rasterdarstellung umschalten.

Hat man ein Buch geöffnet, wird die erste Seite angezeigt, wenn man das Buch noch nie geöffnet hatte, oder die zuletzt gelesene Seite, wenn man das Buch schon einmal geöffnet hatte. Der Text wird zeilenweise dargestellt. Man kann also mit dem Finger von oben nach unten fahren und so die Zeilen „abscannen“. Man kann auch mit zwei Fingern von oben nach unten streichen, und VoiceOver beginnt, vom oberen Bildschirmrand oder von der aktuell gewählten Zeile an vorzulesen. VoiceOver blättert automatisch Seiten um, so dass man theoretisch ein ganzes Buch in einem Vorgang durchlesen kann. Ähnlich wie bei iBooks gibt es auch hier eine kleine Verzögerung beim Umblättern der Seiten. Eine Einstellung, Text fortlaufend anzuzeigen, bietet die Kindle-App bisher nicht. Ein Tippen mit zwei Fingern stoppt den Vorlesevorgang. Mit drei Fingern nach links wischen bewirkt das Umblättern auf die nächste Seite, mit drei Fingern nach rechts wischen blättert eine Seite zurück.

Tippt man irgendwo im Text doppelt, öffnet sich das Menü zum Buch. Man kann nun natürlich ins Buch zurückkehren, aber auch zur Startseite gehen, durch den Punkt „Gehe zu“ verschiedene wichtige Punkte im Buch anspringen wie das Inhaltsverzeichnis, zum Anfang o. ä. Man kann Lesezeichen setzen oder zu ihnen gehen, man kann eine Suche im Buch durchführen oder die Seitenposition ändern. Im Gegensatz zu iBooks rechnet Kindle jedoch nicht in virtuellen Buchseiten, sondern in Prozent des bereits gelesenen Inhalts.

Interessant sind auch die Anzeigeoptionen, vor allem für Sehbehinderte, die zusätzlich zur Sprachausgabe vielleicht noch die Augen zum Mitlesen verwenden möchten. Nicht nur Farbthemen wie „weiß“ und „schwarz“ können hier eingestellt werden, sondern auch Helligkeit, Schriftgröße, Zeilenabstand, Breite des Seitenrandes usw.

Eine weitere interessante Möglichkeit der App ist es, Text zu kopieren, um ihn z. B. als Zitat in einem Dokument einzufügen, oder Wörter in einem Wörterbuch nachzuschlagen. Auch diese Funktionen sind mit VoiceOver komplett zugänglich. Um Text zu markieren, geht man wie folgt vor:

  1. Mit Hilfe des Fahrens über die Seite und des Rotors den Beginn des zu markierenden Textes einstellen. Hierbei werden die Rotorfunktionen zum Navigieren per Zeichen, Wörtern und Zeilen vollständig unterstützt.
  2. Nun doppeltippen und halten, bis eine aufsteigende Tonfolge erklingt und das Menü zum Markieren und Nachschlagen erscheint. Hier kann man nun wählen, in welcher Farbe die Markierung geschehen soll. oder auch die Auswahl verändern. Das aktuell unter dem Cursor befindliche Wort wird automatisch markiert.
  3. Man wählt nun den Schalter für Auswahlrand ganz links oder Auswahlrand ganz rechts, doppeltippt und hält erneut, bis eine aufsteigende Tonfolge erklingt, und bewegt den Finger nun langsam nach links oder rechts. Je nach eingestellter Rotoreinstellung wird nun zeichen-, wort- oder zeilenweise markiert. Es wird nach kurzer Verzögerung jeweils der aktuell markierte Text gesprochen. Hat man den gewünschten Text markiert, hebt man den Finger wieder an.
  4. Nun kann man erneut wählen, in welcher Farbe der Text markiert werden soll. Man kann für die Textstelle auch eine Notiz erstellen. Ist ein Wörterbuch heruntergeladen, wird für ein einzelnes markiertes Wort die Definition angezeigt. Man kann den Text auch auf Twitter oder Facebook teilen oder ihn bei Google oder Wikipedia suchen.

Im Gegensatz zur sonst unter iOS üblichen Art des Markierens von Text durch das Auseinanderziehen zweier Finger im Bearbeiten-Modus „Auswählen“ geschieht die Auswahl hier also durch das Verschieben des linken oder rechten Randes der Textmarkierung mittels zweier getrennter Steuerelemente. Ich persönlich finde diese Art der Textauswahl sehr gelungen, da sie eine genauere Textauswahl ermöglicht als die sonst üblichen Gesten. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde die Textauswahl unter iOS mit VoiceOver eine der wenigen nicht gelungenen, weil umständlichen, Funktionen.

Man kann in die Kindle-App übrigens auch Inhalte aus anderen Quellen lesen. Amazon bietet jedem Kindle-Benutzer 5 Gigabyte Cloudspeicher für „persönliche Dokumente“. Jedes iOS-Gerät und jeder andere Kindle-Reader bekommt hierfür eine eigene kindle.com-E-Mail-Adresse zugewiesen, an die man Dokumente im .mobi-Format oder im Amazon Kindle Format schicken kann. So können auch E-Books aus anderen Shops, die man dort im Mobi-Format erwerben kann, in der Kindle-App gelesen werden, ähnlich wie dies bei ePub-Dateien mit iBooks möglich ist.

Interessant sind auch die Angebote abonnierbarer Zeitungen und Zeitschriften. Die zeit, die Süddeutsche und viele andere Zeitungen können über Amazon abonniert werden und werden dann sofort bei Erscheinen an das Gerät gesendet. Im Gegensatz zum Zeitungskiosk von iOS kann man hier sehr sicher sein, tatsächlich auch eine vernünftige Kindle-Datei zu bekommen und nicht ein PDF-Gekleister. Auch werden alle Zeitungen in derselben App gelesen, man muss sich also nicht für jeden Inhalt wieder auf eine andere Zeitungskiosk-App einstellen.

Ich hoffe, mit diesem Überblick vielleicht dem einen oder anderen Leser eine kleine Hilfestellung gegeben zu haben, wie man das meiste aus der Kindle-App für iOS als VoiceOver-Nutzer herausholen kann. Ich persönlich freue mich jedenfalls sehr über diese Erweiterung des E-Book-Marktes für blinde Menschen!

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Eine neue Dimension des Patentwahnsinns, oder: Ein Ertrinkender klammert sich an einen letzten Strohhalm

Der Patentkrieg zwischen Samsung und Apple hat eine neue Dimension erreicht. Diese könnte gerade auf Blinde weltweit eine massive Auswirkung haben, sollte die Klage, die momentan vor dem Landgericht Mannheim anhängig ist und über die Ende der Woche ein Urteil gesprochen werden soll, Erfolg haben.

Wie ich von Caschys Blog erfuhr, verklagt Samsung Apple darauf, mit dem Trippel-Klick auf den Home-Button auf iOS-Geräten, um VoiceOver ein- und auszuschalten, ein Patent zu verletzen.

Diese Funktion, die jedem Blinden unabhängig von jeglicher sehender Hilfe das Einschalten von VoiceOver auf jedem beliebigen iOS-Gerät ermöglicht, existiert seit mindestens iOS 5.0, welches im Oktober 2011 zusammen mit dem iPhone 4S vorgestellt wurde. Dabei ist in den Bedienungshilfen-Einstellungen sogar noch konfigurierbar, ob der Trippel-Klick überhaupt eine Funktion aktiviert oder ob diese Funktion VoiceOver, Zoom, Farben umkehren oder Assistive Touch ein- und ausschaltet.

Damit ist es möglich, dass Blinde nach dem Auspacken eines iPhones, iPads oder iPod Touches dieses nicht nur allein einschalten, sondern auch selbstständig, ohne jegliche sehende Hilfe, konfigurieren können. Denn während der Konfiguration ist der Trippel-Klick tatsächlich mit VoiceOver vorbelegt, weil Blinde die einzigen Benutzer sind, die ohne dieses den Touchscreen überhaupt nicht bedienen könnten.

Zum Vergleich: Als iOS dies lernte, wurde Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) vorgestellt. Wie ich hier schon schrieb, funktionierte dies bei weitem nicht so zuverlässig wie iOS es schon seit der Version 3.0 tat. Man konnte zwar auch in Android 4.0 zum Konfigurieren TalkBack und die Funktion Explore By Touch einschalten, musste dafür aber eine komplizierte Geste ausführen, nämlich ein Rechteck mit dem Finger auf den Bildschirm malen, und dieses musste dem Betriebssystem dann auch gefallen. Tat es dies nicht, blieb das Gerät stumm. Dazu kommt, dass diese Funktion trotz Googles Ansinnen längst nicht auf allen Geräten funktionierte. Zu diesen Geräten gehören auch diejenigen von Samsung, die mit Ice Cream Sandwich ausgeliefert werden. Denn jeder Hersteller kann bei Android seine eigene Oberfläche draufflanschen, und außer bei den von Google vertriebenen Geräten Galaxy Nexus, NEXUS 4, 7 und 10, hat man bei keinem Android die Garantie, dass Dinge auch so funktionieren, wie Google es will.

Mit Android 4.1 (Jelly Bean) verbesserte sich die Situation nur marginal. Man musste jetzt zwei Finger auf das Display tippen und bei Anspringen der Sprachausgabe ja nicht zucken, oder sie stellte sich sofort wieder aus.

In Android 4.2 schließlich kam eine Funktion hinzu, TalkBack auch im laufenden Betrieb einzuschalten. Man musste dazu die Ein-/Aus-Taste länger festhalten (und hoffen, dass man stattdessen nicht versehentlich das Gerät in den Runterfahr-Dialog stellte) und dann die gleichen Fingerübungen wie bei 4.1 machen. Lustigerweise kann man TalkBack so zwar ein-, aber entgegen der Werbung nicht wieder ausschalten. Und wieder hat man die Garantie, dass dies überhaupt funktionieren könnte, nur bei Google-Geräten selbst. Samsungs Galaxy S III, das inzwischen großzügigerweise auch über Jelly Bean verfügen soll, so Gerüchte es besagen, ist bei weitem nicht so bedienbar wie die Google Nexus-Reihe. Dank ihrer eigenen verkorksten Oberfläche funktioniert TalkBack, so es denn mal läuft, quasi nirgends richtig.

Ach ja, und laut recht aktueller Zahlen sind auf 54% aller Android-Geräte in Umlauf eh noch Varianten von Android 2.3 (Gingerbread) installiert und am laufen, und bei dieser Version konnten Blinde mit Touchscreens noch gar nicht arbeiten und somit diese Geräte nur eingeschränkt über eingebaute oder gekoppelte Bluetooth-Tastaturen bedienen.

Übrigens war das erste Gerät von Apple, bei dem man als Blinder den Screen Reader überhaupt einschalten konnte, der im September 2008 erschienene iPod Nano der 4. Generation. man musste die Funktion zwar über iTunes auf dem mac oder PC ausführen, aber man konnte auch bei diesen Geräten, sowie später bei iPhone 3G S und iPad 1 usw., VoiceOver selbstständig einschalten, ohne sehende Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen.

Sollte Samsung also Recht bekommen, wäre dies ein herber Rückschlag für hunderttausende Blinde weltweit. Es würde zwar nicht bedeuten, dass VoiceOver gar nicht mehr funktioniert, aber das Aktivieren für die erste Konfiguration wäre erheblich erschwert. Dass Samsung sich jetzt ausgerechnet diesen Schauplatz für seinen nächsten Zug im Patentkrieg ausgesucht hat, ist zutiefst beschämend. Hier wird auf dem Rücken einer Minderheit ein Teil einer Schlacht geschlagen, die Samsung schon ziemlich verloren gegeben haben muss. Diese Klage macht echt den Eindruck, dass man sich hier wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm klammert. Android an sich, und das Android von Samsung im besonderen, ist noch lange nicht soweit, dass es für viele ernsthaft als Alternative in Betracht käme. Navigationslösungen wie z. B. die eingebaute Karten-App, viele Apps von Drittherstellern, das Lesen von eBooks, all das geht unbestritten auf Apple-Geräten teilweise seit Jahren wunderbar, und Android kann es bis heute nicht oder nur sehr unzulänglich. Ja, Google Maps ist weder unter iOS noch unter Android zugänglich! Bücher aus dem Google Book Store sind selten wirklich lesbar, während alles, was man bei iBooks kauft, zugänglich ist. Und die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen.

Es ist meine tief empfundene Hoffnung, dass die Richter am Landgericht Mannheim den gesunden Menschenverstand und nicht nur die bloßen Paragraphen sprechen lassen, wenn sie über diese irrsinnige Patentklage entscheiden. Ein für Samsung positives Urteil hätte massive negative Auswirkungen auf hunderttausende Blinde und Sehbehinderte iOS-Nutzer weltweit!

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Meine Suche nach einer kleinen mobilen Braillezeile

Nachdem ich jetzt länger mit iOS-Geräten unterwegs bin und gerade mit dem iPad Mini auch deutlich mehr schreibe als mit dem großen iPad früher, stelle ich fest, dass ich mir des öfteren eine Braillezeile wünsche, um bestimmte Dinge nochmals besser nachlesen zu können als dies mit der Sprachausgabe allein möglich ist. Das Lesen mit dem Finger ist einfach noch einmal was ganz anderes als nur der Zugriff per Sprachausgabe.

Für die Suche nach einer geeigneten Zeile sind für mich folgende Kriterien wichtig:

  • Sie soll deutlich kleiner als eine herkömmliche 40-stellige Braillezeile sein, wie sie gern für Notebooks verwendet wird. Gerade wenn man nur mit kleinen Geräten wie iPad & Co. unterwegs ist, ist eine Notebook-Zeile einfach zu groß und unhandlich.
  • Das hauptsächliche Augenmerk liegt auf der Ausgabe, nicht auf der Eingabe per Brailletastatur. Ich kann Blindenschrift nur in der verkürzten Form, der Kurzschrift, wie sie auch bei herkömmlicher Belletristik verwendet wird, schnell schreiben. Vollschrift, Basisschrift oder gar Computerbraille sind sehr umständlich für mich einzugeben, da bin ich auf dem Touch Screen schneller. Nun ist aber im Deutschen die Rückübersetzung von Kurzschrift in normal lesbare Schrift nicht immer eindeutig und somit nicht, anders als im Englischen, zu 100% fehlerfrei maschinell rückübersetzbar.

Nun gibt es durchaus mehrere kleine Braillezeilen auf dem Hilfsmittelmarkt. Aber alle scheinen mit einer Brailletastatur ausgestattet zu sein. Es ist also wichtig, dass diese Tastatur abschaltbar ist und ich auch weiterhin mit der Bildschirmtastatur des iOS-Gerätes Text eingeben kann. Hier folgt nun mein kleiner Testbericht zu mehreren ultramobilen Zeilen, wie ich sie mit meinem iPhone und iPad ausprobieren konnte.

BraillePen12

Das Harpo BraillePen12 ist eine 12-stellige Braillezeile und Brailletastatur. Sechs Brailletasten, eine Leertaste plus zwei weitere größere Tasten links und rechts für Punkte 7 und 8, ein Joystick in der Mitte, und zwei kleine Navigationstasten links und rechts des Blindenschriftfeldes sind die einzigen Bedienelemente. Die Navigationstasten bewegen die Braillezeile ausschnittsweise, der Joystick simuliert die vier Wischgesten mit einem Finger, und ein Drücken auf den Joystick simuliert ein Doppeltippen zum Aktivieren des Elements im Focus. Ansonsten gelten die allgemeinen Braillekommandos zur VoiceOver-Steuerung in iOS. Diese sind auf allen Zeilen gleich, die eine Brailletastatur haben.

Die BraillePen12 wird ausschließlich über Bluetooth mit dem iOS-Gerät verbunden. Die Kopplung und Ansteuerung klappen problemlos. Das Schriftbild ist angenehm und die Zeile lässt sich flüssig lesen.

Das Gehäuse ist solide verarbeitet und hat eine geschwungene Form mit abgerundeten Ecken und einer Delle in der Gehäuserückseite. Man hat also keinen Klotz in der Hand. Allerdings ist sie mit 15,1×9,6×2,1 cm (Breite x Länge x Höhe) nicht sonderlich klein und mit 260 Gramm das absolute Schwergewicht im Test. Die Delle verleiht den beiden hinteren Ecken ein bisschen die Form von langgezogenen Ohren. Als Zubehör gibt es einen dünnen Trageriemen und eine Schutztasche, in der die Zeile mit zwei Klettverschlüssen fixiert wird, so dass sie nicht nur geschützt, sondern auch gegen versehentliches Herausfallen gesichert ist. Allerdings bewirken die an der Unterseite der Zeile angebrachten Klettaufkleber, dass die Gummifüßchen die Tischplatte oder eine andere Unterlage nicht mehr erreichen können, so dass die Zeile beim Tippen und Arbeiten sehr leicht rutscht.

Die Brailletastatur übernimmt zunächst die komplette Steuerung. Es funktionieren zwar weiterhin die normalen Gesten auf dem Touch Screen, bei der Texteingabe jedoch wird die Software-Tastatur nicht eingeblendet, sondern man gibt über die Brailletastatur Text ein. Mit dem Standard-Braille-Befehl zur Simulation der Auswerfen-Taste, Punkte 1-4-6 zusammen mit der Leertaste, wird die Softwaretastatur ein- und ausgeblendet, so dass sie jederzeit zur Verfügung steht. Auf normalen Bluetooth-Tastaturen kann man dasselbe mit einem Druck auf die gleichnamige Taste bzw. F13 erreichen.

Das Eingeben von Computerbraille gestaltet sich etwas umständlich, wenn diese die Punkte 7 und 8 beinhalten. Die beiden dafür vorgesehenen Tasten sind horizontal neben der Leertaste angeordnet, fast parallel zu den kleineren 6-Punkt-Brailletasten. Das Greifen für die Sonderpunkte wird so zu einer echten Fingerübung und war für mich nicht sonderlich bequem. Auch liegt die Leertaste sehr eng an den sonstigen Brailletasten, so dass man immer mit recht gekrümmten Händen schreibt. Meine Hände sind nicht besonders groß, aber ich empfand die Haltung auf Dauer als unangenehm.

Die Zeile hat als einzige im Test keine Routingtasten. Dies empfinde ich als sehr störend, da es doch öfter vorkommt, dass ich im Lesefluss einen Fehler finde, den ich korrigieren möchte. Nicht die Möglichkeit zu haben, den Cursor sofort an die Stelle zu bekommen, wo ich den Fehler gefunden habe, empfinde ich als sehr hinderlich.

Die Zeile wird mit Druck auf die Punkte 1 und 3 zusammen mit der Leertaste ein- und ausgeschaltet. Störend dabei: Dies ist auch das Kommando für den VoiceOver Trainingsmodus. Schaltet man die Zeile also ab, landet man erst einmal in diesem Trainingsmodus und muss dann mit Druck auf die Home-Taste diesen verlassen, um am iOS-Gerät weiterarbeiten zu können.

Der Akku dieses Geräts, das ich dankenswerterweise von der Firma Handy Tech zur Ansicht bekam, scheint mit seiner Batteriespannung ein Lotteriespiel zu veranstalten. Nach über 12-stündigem erstmaligen Aufladen hörte ich lediglich einmal die drei kurzen Pieptöne, die mir anzeigten, dass die Akkukapazität gut verfügbar war. Nach 10-minütiger Benutzung und späterem Wiedereinschalten piepte die Zeile nur zweimal, was laut Anleitung anzeigt, dass der Akku nur noch halb voll ist. Das wäre eine sehr drastische Verdampfung der Akkukapazität! Einige Stunden später piepste sie wieder dreimal.

Apropos Akku: Mit lediglich 12 Stunden Laufzeit im Betrieb hat die BraillePen12 mit Abstand die kürzeste Akkulaufzeit.

Als Zubehör liegen der Zeile ein sonderangefertigtes Netzteil mit einem Anschluss für einen kleinen Kaltgerätestecker und ein dazu passendes Kabel mit mitteleuropäischem Stecker, ein Trageriemen, die bereits erwähnte Schutztasche und eine Anleitung in Schwarzschrift (Schrift für normal Sehende) bei. In dem Heft befindet sich eine CD mit Treibern, Software und einer Anleitung im PDF-Format. Letztere ist allerdings mit der Vorschau-App unter Mac OS X nicht besonders gut lesbar. Auf dem iPad mit iBooks klappt’s schon besser.

Fazit: Die BraillePen12 ist durchaus eine solide mobile Zeile mit einem schönen Schriftbild und guter Verarbeitung. Die fehlenden Routingtasten, die fehlende Rutschfestigkeit, die Anordnung der Brailletasten 7 und 8, die kurze Akkulaufzeit und die Tatsache, dass die Akkuanzeige so unstetig funktionierte, stören mich jedoch sehr. Der Preis ist mit 1000 Euro netto allerdings unschlagbar günstig.

Focus 14 Blue

Die Focus 14 Blue von Freedom Scientific besticht durch ein sehr schlankes und modernes Design. Sie hat 14 Braillemodule und ist dabei mit 16 cm nur unwesentlich breiter als die oben beschriebene BraillePen12, in der Länge mit 8,1 cm sogar noch etwas kürzer, und vom Gehäuse her nicht so unregelmäßig geformt. Sie ist mit 1,9 cm angenehm flach, und nach vorn hin ist die Unterseite sogar etwas nach innen geschwungen, was ihr einen sehr runden, handschmeichlerischen Touch gibt.

Apropos Berührung: Die Oberfläche ist glatt, die Tasten heben sich etwas angeraut davon ab. Die Braillemodule sind, wie bei Freedom Scientific seit Einführung der 2. Generation der Pac-Mate-Zeilen üblich, in einem Stück eingesetzt, so dass sich das Lesen fast so glatt wie auf ebenem Blindenschriftpapier anfühlt. Das Leseerlebnis ist für meinen Geschmack großartig. Die Zeile steht mit vier Gummifüßen sicher auf jeder Unterlage und steht bei der Arbeit stabil.

Auf der Oberseite der Zeile befindet sich die vollständig ergonomisch angeordnete Acht-Punkt-Brailletastatur. Die Finger liegen ganz natürlich und ohne die Hände zu verkrampfen auf den Tasten. Die Leertaste ist am vorderen Gehäuserand angebracht, also noch unterhalb der Braillemodule, so dass man die Hand nicht unangenehm krümmen muss, um sie zu erreichen. Im Gegenteil: man legt die Hand ganz natürlich auf das Gerät, und die Finger fallen fast wie von selbst an den richtigen Platz.

Die Braillemodule sind mit Cursorrouting ausgestattet, und links und rechts des Lesefeldes befinden sich die Navigationsrocker (Kipptasten) und oberhalb davon deren Modus-Knöpfe.

An der Vorderseite befinden sich rechts und links die Selektor-Tasten für die daneben liegenden Scroll-Rocker-Tasten, daneben ,weiter zur Mitte hin, die beiden Tasten für das Umschalten des angezeigten Ausschnitts, und in der Mitte, unterhalb der Leertaste, die linke und rechte Shift-Taste. Diese sind unter iOS allerdings (noch) nicht belegt.

An der linken Gehäuseseite befinden sich der Ein-/Ausschalter und der standardisierte Micro-USB-Anschluss, der mit jedem handelsüblichen Kabel funktioniert. Dem Paket liegt ein Netzteil bei, das mit verschiedenen Aufsätzen für Steckdosen aus aller Welt geliefert wird, die sich leicht wechseln lassen. Man kann also dasselbe Netzteil in Kontinentaleuropa, Großbritannien, den USA und Kanada und anderen Teilen der Welt nutzen. Man kann die Zeile allerdings auch über den USB-Anschluss des Computers laden, es dauert nur etwas länger. Währenddessen läuft die Zeile z. B. unter OS X keine 2 Sekunden nach dem Anschließen einfach mit VoiceOver mit. Der Akku läuft im Betrieb stattliche 20 Stunden.

Und natürlich verfügt die Zeile über die Verbindung via Bluetooth, um sie mit iOS-Geräten und anderen mobilen Geräten zu betreiben. Auch unter iOS läuft sie sehr zuverlässig. Sie meldet sich auch selbstständig wieder beim iOS-Gerät an, wenn man sie zwischendurch ausgeschaltet hat. Das Cursorrouting funktionierte in meinen Tests in jedem Eingabefeld zuverlässig. Den Akkustand kann man sogar im laufenden Betrieb prüfen, ohne dass die Zeile sich neu verbinden muss.

Auch hier gibt es eine Eingabemöglichkeit per Brailletastatur und das Umschalten auf die Software-Tastatur mittels der Auswurf-Taste-Emulation mit den Punkten 1-4-6 zusammen mit der Leertaste. Durch die ergonomische Anordnung lässt sich Computerbraille sehr angenehm schreiben, auch wenn man es nicht gewohnt ist.

Einziger wirklicher Störfaktor ist die Tatsache, dass von den getesteten Zeilen diese Zeile am lautesten ist. Die Braillemodule klicken beim Setzen lauter als bei den anderen Zeilen. Den meisten wird dies kaum auffallen, meine recht empfindlichen Ohren haben diesen Umstand jedoch sofort festgestellt.

Dem Paket liegt eine Schutztasche bei, die mit vier stabilen Ösen aus Metall versehen ist, die in vier entsprechende Kerben unterhalb bzw. an der Gehäuserückseite passen. Die Zeile ist so sehr sicher vor dem Herausfallen geschützt, man kann die Zeile sogar, weil sich der Deckel der Tasche vollständig umklappen lässt, auch in der Tasche betreiben. Das muss man sogar, wenn man sie über der Schulter tragend betreiben will, denn nur die Tasche, nicht aber die Zeile selbst, hat Ösen für den mitgelieferten Schultergurt.

Weiterhin liegen dem Paket eine Begleit-CD mit Treibern und Dokumentation und ein Handbuch in Blindenschrift und eines in Schwarzschrift bei. Beide sind allerdings in englischer Sprache. Aber natürlich funktionieren die VoiceOver-Übungen von iOS auch mit der Zeile, so dass man auch ohne das Handbuch herausfindet, welche Taste bzw. Tastenkombination was tut. Auch gibt es bei dieser Zeile keinen Konflikt zwischen einer Tastenkombination, die eine VoiceOver-Funktion ausführt, und der Ein-/Ausschaltefunktion, wie dies bei der BraillePen12 der Fall ist.

Fazit: Die Zeile überzeugt durch ein schlankes und ergonomisches Design, geringes Gewicht, ein sehr angenehm zu lesendes Display, Cursorrouting, vielfältige Funktionen, die auch deutlich über die Standard-VoiceOver-Befehle für Braillezeilen hinaus gehen, und auch durch viele Kleinigkeiten wie den separat abrufbaren Akkustand. Auch ist sie durch ihre doppelte Konnektivität sowohl an Bluetooth-fähigen Geräten einsatzfähig als auch an solchen, die dies nicht sind. Die clevere und stabile Tragetasche runden das Bild angenehm ab. Der Preis liegt mit ca. 1300 Euro netto nur etwas über dem des BraillePen12 und ist für die gebotene Leistung sehr überzeugend.

Die Zeile wurde mir dankenswerterweise von der Firma IPD aus Hannover zur Verfügung gestellt.

Vario Conny

Die Vario Conny von BAUM Retec AG gehört zur Familie der VarioConnect Braillezeilen und ist im nicht deutschsprachigen Raum auch als VarioConnect 12 bekannt. Wie der Name vermuten lässt, hat sie 12 Braillemodule. Diese haben ein angenehmes Schriftbild und setzen ihre Punkte von allen getesteten Zeilen am leisesten.

Das Gehäuse ist mit 13 x 8,1 x 1,7 cm das schmalste und flachste Gehäuse im Test, und auch das Gewicht ist mit 200 Gramm am geringsten. Das Gehäuse macht einen solide verarbeiteten Eindruck. Der Akku läuft 20 Stunden, und sein Zustand ist über eine eingebaute Statusanzeige ohne Arbeitsunterbrechung abrufbar.

Die Zeile hat eine sehr eigentümliche Brailletastatur. Die Punkte 3, 2, 1, Leertaste, 4, 5, 6 sind 7 runde, ins Gehäuse eingelassene Tasten, die in ihrer Anordnung die Form eines Schwarzschrift-Ws haben. Es folgen darunter die Braillemodule mit Routingtasten und jeweils drei vario-typischen Display-Tasten links und rechts. An der Gerätevorderseite befinden sich in der Mitte ein Joystick und links und rechts davon zwei weitere, länglich geformte Tasten. Drückt man eine allein, betätigen sie sich als Leertaste. Drückt man sie mit anderen Brailletasten zusammen, wird die linke zu Punkt 7 und die rechte zu Punkt 8 für Computerbraille. Will man die iOS-Befehle ausführen, muss man zwingend die oben in der Mitte liegende runde Taste verwenden, also immer eine Hand von der Brailletastatur nehmen.

An der Gerätevorderseite befinden sich noch vier Funktionstasten mit den Bezeichnungen E1 bis E4. An der linken Gehäuseseite befinden sich der Anschluss für ein Netzteil zum Laden des Akkus und der Ein-/Ausschalter. Dieser fühlt sich recht wabbelig an. Der Netzanschluss ist mit älteren Nokia-Ladekabeln kompatibel.

Die Ergonomie, die mit dieser Zeile beworben wird, erschließt sich mir nicht. Zumindest an meinen Händen sind die Mittelfinger länger als die Ringfinger, die Ringfinger müssen aber am weitesten nach oben greifen, um die Punkte 3 und 6, die Spitzen des Ws, zu erreichen. Dadurch muss ich die Hände etwas nach außen drehen, was mir schon bei einem Kurztest in den Räumen der BAUM Retec AG schnell unangenehm wurde.

Die Display-Tasten 1 bis 6 üben verschiedene Funktionen aus, auch in Kombinationen, die mit beiden Händen gegriffen werden müssen. Da sie jeweils zu dritt übereinander liegen, ist ein Greifen für mein Dafürhalten recht umständlich. Lediglich die Elemente an der Gerätevorderseite sind mit den Daumen gut erreichbar.

Die Routingtasten sind Knöpfe mit für meine Fingerkuppen unangenehm spitzen Köpfen. Ich mag eher etwas längliche und somit nicht ganz so hart auf einen Punkt konzentrierte Routingtasten.

Man kann die Braillezeile in einen Über-Kopf-Modus schalten, so dass man die Brailletastatur mit der siebten Taste als Leertaste verwenden kann und diese mit dem Daumen greift. Dadurch sind dann allerdings die Punkte 7 und 8 nicht mehr erreichbar.

Die Zeile wird mit einer Tasche mit Gürtel-Clip geliefert, in die man die Zeile zum Transport hineintun kann. Sie erinnert sehr an ältere Nokia-Gürteltaschen, wie man sie Ende der 90er Jahre gern getragen hat. Betreiben kann man die Zeile nicht, wenn man steht oder sonst keine Möglichkeit hat, sie abzustellen. Sie hat keine Vorrichtungen für einen Schultergurt.

Die Verbindung geschieht ausschließlich über Bluetooth und verlief in meinem Test stabil, auch das erneute Verbinden bei Sperren des iPhone oder bei Aus- und Einschalten der Braillezeile verliefen sehr zügig und zuverlässig. Eine VarioConnect 32, die ich bei meinem Besuch bei BAUM ebenfalls testete, hatte zunächst Verbindungsschwierigkeiten, ich musste erst einmal Bluetooth an der Zeile aus- und wieder einschalten, bevor über das Koppeln hinaus auch eine tatsächliche Verbindung klappte.

Da ich die Zeile nicht zur Ansicht bekam, sondern lediglich in den Räumen der BAUM Retec AG testen konnte, kann ich über eventuelles weiteres Zubehör in der Verpackung nichts sagen.

Fazit: Die Vorteile durch das kleinste und leichteste Gehäuse wiegen die für meinen Geschmack fragwürdigen nachteiligen Entscheidungen bei der Benutzbarkeit nicht auf. Es gibt zu viele Haken und Ösen beim Erreichen von Bedienelementen, die schon bei einem kurzen Test so dermaßen ins Auge fielen, dass sie im Tagesbetrieb ein ständiges Ärgernis bedeuten würden. Zugute halten kann man der Zeile eine schnelle Verbindung, ein angenehmes Schriftbild und leise Module. Der Preis liegt mit 1560 Euro netto noch über dem Preis der Focus 14 Blue.

Weitere nicht getestete Kandidaten

Es gibt noch mindestens eine weitere Zeile, die preislich noch etwas höher angesiedelt ist, nämlich die Esys12 (PDF-Datei) von EuroBraille. Deren Spezifikation liegt mit 14,5 x 8,6 x 2 cm, 200 Gramm und ca. 20 Stunden Akkulaufzeit auch im Kreis der möglichen Kandidaten, ist preislich aber mit, soweit ich herausfinden konnte, 1900 Euro netto schon deutlich teurer. Dies liegt vermutlich an der vollständigen Notizfunktion inkl. Taschenrechner und weiteren Funktionen, die dieses Gerät zu bieten hat. Allerdings brauche ich diese Funktion nicht. Auch liest sich die Beschreibung eher so, dass die Ausstattung neben der Brailletastatur eher minimalistisch anmutet, so dass es Geräte gibt, die für weniger Geld deutlich mehr bieten.

Auch wurde mir beim Sammeln von Empfehlungen die RefreshaBraille 18 vom American Printing House (APH) empfohlen. Diese ist zwar mit 1695 US$ für eine 18-stellige Braillezeile sehr günstig, da es aber keinen Distributor in Deutschland zu geben scheint, kommt sie für mich nicht in Frage, da im Falle einer Reparatur immense Versandkosten anfallen würden. Auch scheint sie von den Bildbeschreibungen her eine Zeile zu sein, deren Module hinter den Brailletasten liegen, also ähnlich aufgebaut wie eine klassische Blindenschriftmaschine, bei der das Papier und der Prägekopf auch hinter der Tastatur liegen. Für jemanden, der mehr lesen als damit schreiben will, fällt diese Zeile aus dem Rahmen, da sie ergonomisch eher fragwürdig gestaltet ist und man mit dem Handballen oder Ärmel ständig mit den Tasten in Konflikt kommen dürfte.

Fazit

Wie man von den Gerätebeschreibungen und den aufgelisteten Pros und Contras vielleicht schon vermuten kann, wird meine Wahl sehr wahrscheinlich auf die Focus 14 Blue von Freedom Scientific fallen. Sie hat die meiner Meinung nach höchste Funktionalität bei einem ausgewogenen Preis-/Leistungsverhältnis.

Dies ist definitiv kein objektiver Bericht, denn ich bin von meinen ganz persönlichen Anforderungen an die Benutzbarkeit aus an diesen Test herangegangen. Jede der oben beschriebenen Zeilen hat ihre interessanten Kniffe und Ideen, so dass für jeden, der sich nach einer ultramobilen Zeile umschaut, etwas dabei sein dürfte. Vielleicht hat dieser kleine Überblick ja noch einen Nutzen für den einen oder anderen Leser dieses Blogs!

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MyTaxi entwickelt sich zur Accessibility-Vaporware

Update Mai 2016: Dieser Artikel ist nicht länger relevant, wird hier aber aus historischen Gründen weiter stehen. Ein aktuellerer Beitrag zu mytaxi findet sich in meinem Mobilitätstipp.

Vor kurzem erschien die MyTaxi-App für Fahrgäste in der Version 4.0 für iOS. MyTaxi erlaubt es, unabhängig von Taxizentralen per Smartphone ein Taxi in der Nähe zu finden und zu bestellen. Der Fahrer nimmt die Fahrt mit einem Taxifahrer-Pendant auf seinem Smartphone an, und man kann das Annähern des Wagens verfolgen. Auch das Einsteigen und die Beendigung der Fahrt werden von beiden Seiten bestätigt. Seit einiger Zeit gibt es auch die Möglichkeit, die Fahrt direkt per Handy zu bezahlen, sogar inklusive Trinkgeld. Voraussetzung ist eine Kreditkarte oder ein PayPal-Konto. Einmal eingerichtet, bestätigt man den Fahrpreis mit der Eingabe einer selbst gewählten PIN. Es gibt sogar einen Fahrpreisrechner, mit dem man vorher den ungefähr anfallenden Fahrpreis schon mal errechnen lassen kann.

Nun hat diese App leider einige Probleme im Zusammenspiel mit VoiceOver auf dem iPhone. Es gibt in der Hauptsache unbeschriftete Grafikbuttons, aber auch beim Einleiten des Bezahlvorgangs per Wischgeste ähnlich dem Entsperren des iPhones gibt es Probleme, wenn VoiceOver läuft. Auch an einigen anderen Stellen hakt es etwas. Es ist aber nicht so, dass diese Probleme unüberwindbar wären.

Deshalb kontaktierte ich das Team von MyTaxi vor ziemlich genau einem Jahr mit entsprechendem Feedback. Mir wurde damals per E-Mail zugesagt, dass man sich der Probleme annehmen würde.

Einige Monate und einige Updates später hatte sich noch nichts getan. Ich schrieb daraufhin das Team per Twitter erneut an und bekam die Antwort, dass das Team „dran“ sei.

Im Juni twitterte ich u. a. meinen Artikel zur Zugänglichkeit für VoiceOver ebenfalls an das MyTaxi-Team, und erhielt die Rückmeldung, dass das Team diese Informationen sehr hilfreich fände.

Es gingen wieder einige Monate ins Land, und im November erschien ein großes Update auf die Version 4.0 der App. Und was soll ich sagen? Es hat keine Verbesserungen gegeben! Es wurde einiges im Benutzerinterface aufgehübscht und verschlankt, und dabei wurde nicht gleichzeitig die eine oder andere Zeile Code mit eingefügt, mit der die Herstellung der Zugänglichkeit für VoiceOver gegeben gewesen wäre!

MyTaxi wird damit allmählich zu einer echten Vaporware, was die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen angeht.

Dabei ist das wirtschaftlich eine der unvernünftigsten Dinge, die die Firma Intelligent Apps tun kann. Sie expandiert in vielen Großstädten im In- und Ausland. Viele Blinde wohnen in Großstädten, und Blinde fahren erfahrungsgemäß auch mehr Taxi als viele andere. Hier wird also durch falsche Prioritätensetzung oder Unkenntnis der Sachlage ein echter potentieller Kundenkreis passiv oder aktiv nicht bedient! Das iPhone ist in den letzten Jahren für viele Blinde zum unverzichtbaren Begleiter geworden, und MyTaxi würde einen echten weiteren Mehrwert darstellen, wenn es denn vollständig bedienbar wäre!!!

Ich weiß aus eigener Erfahrung und Zusammenarbeit mit anderen App-Entwicklern, dass nicht mehr als ein oder zwei Tage nötig wären, das Ziel vollständiger VoiceOver-Zugänglichkeit zu erreichen, und zwar gerechnet für einen Entwickler.

Da wir ja schnurstracks auf Weihnachten zugehen und heute Nikolaus ist, wäre ein großer Wunsch von mir, dass Intelligent Apps endlich eine dem Firmennamen angemessene Geschäftsentscheidung treffen und ihren Worten Taten folgen lassen!

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Apple Zugänglichkeit

OS X Mountain Lion ist da: Was ist neu bei der Barrierefreiheit

Apple hat heute Mac OS X Mountain Lion veröffentlicht. Dieses Update auf Lion, das fast genau ein Jahr nach diesem erscheint, bringt einige Neuerungen mit, die auch für Menschen mit Behinderungen sehr nützlich sein werden. Ich werfe hier mal einen virtuellen Blick auf das, was mir so aufgefallen ist.

Zunächst fällt auf, dass es z. B. im VoiceOver-Dienstprogramm kaum Neuerungen zu entdecken gibt. Die Änderungen befinden sich zumeist unter der Haube und starren einen nicht sofort frontal an. Es werden weitere Braillezeilen unterstützt. Die Änderungen liegen diesmal wirklich im Detail.

Nach dem Update nochmals updaten

Sobald man das Update auf Mountain Lion durchgeführt hat, wird man feststellen, dass die Nuance Vocalizer-Stimmen nicht mehr ganz sauber klingen. Es empfiehlt sich, sofort noch einmal die Software-Aktualisierung durchlaufen zu lassen, die lädt dann nämlich aktualisierte Versionen der installierten Stimmen herunter. Danach klingt’s wieder sauber.

Keine Chipmunks mehr

Apple hat das Problem behoben, dass die Stimmen zwischendurch selbstständig die Tonhöhe veränderten. Während das beim ersten Auftreten noch ganz lustig klang, hat’s irgendwann doch genervt.

Safari ist nicht mehr beschäftigt

Die zweite große Änderung, die erheblich zu einer besseren Benutzbarkeit beiträgt, ist die Tatsache, dass endlich das Problem behoben wurde, dass Safari im Zusammenspiel mit VoiceOver gern mal „beschäftigt“ war. Ich habe es nicht mehr hinbekommen, diese Meldung zu provozieren, während mir dies unter OS X Lion sehr leicht fiel.

Text markieren im Browser

Apropos Safari: Man kann jetzt sehr leicht Text im Safari zum Kopieren in die Zwischenablage markieren. Man nutzt einfach Shift und die Pfeiltasten, und dann wird der Text des Bereichs, auf dem sich der VoiceOver-Cursor gerade befindet, zeichen-, wort- oder zeilenweise markiert. Das funktioniert ganz analog zum TextEdit. Man muss also nicht mehr umständlich mit VO+Eingabe das Markieren einleiten, Text mit den VO-Befehlen markieren und mit nochmaligem VO+Eingabe das Markieren beenden.

Bessere Umsetzung aktueller HTML5- und ARIA-Techniken

Auch in dieser Version von OS X und Safari hat Apple wieder viele Verbesserungen bei der Umsetzung von HTML5 und WAI-ARIA für VoiceOver einfließen lassen. So ist das Webinterface von Yahoo! Mail viel besser zu bedienen und verhält sich sehr ähnlich der Kombination Firefox + NVDA unter Windows. Wer also viel mit modernen Webapplikationen zu tun hat, wird die Neuerungen schnell zu schätzen wissen!

Drag And Drop mit verschiedenen gehaltenen Tasten

Hält man Ctrl+Wahltaste+Komma gedrückt, lässt es also nicht sofort nach dem Drücken wieder los, erscheint ein Menü, in dem man auswählen kann, ob die gleich durchzuführende Zieh- und Ablege-Operation mit einer der drei Tasten Control, Wahltaste oder Befehlstaste ausgeführt werden soll. Je nach Programm werden hierdurch verschiedene Dinge ausgeführt. Drag And Drop im Finder führt bei gehaltener Wahltaste z. B. dazu, dass ein Element kopiert, nicht verschoben, wird.

Anordnen von Tabellenspalten

Man kann mit VoiceOver jetzt in iTunes und anderen Programmen die Spalten neu sortieren. Ist der Fokus auf der Tabelle, drückt man Ctrl+Wahltaste+Apostroph, bzw. Ctrl+Wahltaste+Umschalt+Nummernzeichen (rechts neben dem ä). Man befindet sich jetzt in den Spalten der Tabelle und kann mit VO+Pfeil rechts und links die Spalte wählen, die man neu sortieren möchte. VO+Komma zum Markieren, hinwandern zu der Spalte, rechts von der die Ursprungsspalte landen soll, und dann VO+Punkt drücken. Danach mit VO+Apostroph wieder zurück in die Tabelle, in der die umsortierten Spalten jetzt vorzufinden sind.

Drücken und halten von Tasten

In iTunes und anderen Programmen, die dies unterstützen, kann man bestimmte Tasten wie „Vorlauf“ jetzt drücken und halten. Man drückt dazu wie gewohnt VO+Leertaste, lässt sie jedoch nicht los, sondern hält sie solange gedrückt, wie die Aktion, z. B. das Vorspulen, ausgeführt werden soll. Wenn man die Tasten loslässt, wird auch die Taste losgelassen.

Endlich eine zugängliche Mitteilungszentrale!

Growl, das bisher für Benachrichtigungen verwendet wurde, ist ja nun nicht gerade für seine Zugänglichkeit bekannt. Die neue Mitteilungszentrale hingegen ist wunderbar zugänglich. Nettes Zusatzfeature: Growl hat angekündigt, in Mountain Lion zukünftig seine Benachrichtigungen in diese Mitteilungszentrale zu integrieren, wird dadurch also auch zugänglich. Dies ist besonders für solche Anwendungen wichtig, die die Mitteilungszentrale selbst noch nicht benutzen.

Kleiner Tipp: Schaltet die Benachrichtigung von Mails aus, wenn ihr viel Maildurchlauf habt. Das wird sonst schnell sehr geschwätzig. Angenehm: Anwendungen wie der Kalender, die bisher feststehende Dialogfelder benutzten, schieben ihre Benachrichtigungen jetzt auch hier hinein und sind somit viel weniger störend.

Besserer Zugang zu Symbolen oben rechts in der Menüleiste

Mit VO+M zweimal kam man ja schon immer in die Symbole oben rechts in der Menüleiste. Diese heißen sofort Extras-Menü. Apple hat diesen Bereich verbessert, so dass jetzt auch Symbole zugänglich werden wie die von Dropbox, VMware Fusion usw., die bisher nicht zugänglich waren. Auch die Mitteilungszentrale findet man hier. Für den schnelleren Zugriff auf diese habe ich mir jedoch einen Shortcut definiert. Bei mir erreiche ich diese jetzt schnell mit Ctrl+Shift+F8, der war noch frei. 🙂

Spotlight-Suche nicht mehr mit dreimaligem VO+M erreichbar

Da es für Spotlight schon seit Ewigkeiten die Standard-Tastenkombination Befehlstaste+Leertaste gibt, hat Apple den Workaround mit dreimaligem Drücken von VO+M entfernt. Die Sptlight-Suche befindet sich zusätzlich auch im Extras-Menü.

Neue Features sind natürlich zugänglich

Die neuen Features wie Erinnerungen und Notizen sind natürlich von vornherein zugänglich. Das Einrichten und Verwalten von Erinnerungen klappt ganz prima, auch der Abgleich über iCloud ist problemlos.

Diktierfunktion

Neu in Mountain Lion ist die Diktierfunktion. Diese ist natürlich auch voll zugänglich. Der zu vergebende Shortcut stört sich nicht mit VoiceOver. Als Mikrofon wird standardmäßig verwendet, was gerade aktuell ist, also z. B. das Mikro des apple iPhone Headsets, das eingebaute Mikrofon des Macs usw.

Kleiner Tipp für solche wie mich, die mehrere Sprachen fließend sprechen: Während man auf dem iPhone 4S einfach die Tastatur z. B. auf englisch umstellt und Siri dann englisch gesprochene Texte erkennt, funktioniert das in Mountain Lion nicht. Man muss stattdessen die Erkennungssprache in den Systemeinstellungen unter „Diktat und Sprache“ ändern.

Neu gestaltete Bedienungshilfen

Apropos Systemeinstellungen: Apple hat die Bedienungshilfen und die Einstellungen für Diktat und Sprache geändert bzw. neu gestaltet. Dies ist einmal zur besseren Übersichtlichkeit geschehen und wohl auch zur Anlehnung an iOS. Die Kategorien wählt man jetzt in einer Tabelle, und dann erscheint das Dialogfeld dazu, mit einer oder mehreren Dialogseiten.

Speakable Items

Neu sind die „Speakable Items“, mit denen man Teile des Betriebssystems mit gesprochenen Befehlen steuern kann. Man legt dazu eine Tastenkombination fest oder schaltet diese Funktion so, dass fortlaufend eine Spracherkennung mitläuft. Es sind im Deutschen noch weniger Befehle verfügbar als im Englischen, aber da wird sicherlich in den nächsten kleineren updates noch mehr möglich.

Optionen für Bedienungshilfen

Neu ist die Möglichkeit, verschiedene Bedienungshilfen von überall her ohne das Merken von Tastenkombinationen ein- und ausschalten zu können. Die Tastenkombination hierfür ist Befehlstaste+Wahltaste+F5. Läuft VoiceOver nicht, wird es in diesem Dialogfeld auf jeden Fall gestartet, so dass man auch als Blinder hier VoiceOver starten kann. Die altbekannte Tastenkombination Befehlstaste+F5 funktioniert natürlich weiterhin. Aus diesem Dialogfeld heraus lässt sich auch die Systemeinstellung „Bedienungshilfen“ öffnen. Weiterhin kann man die Bedienungshilfen jetzt auch ins Extras-Menü packen.

Fazit

Anders als in Snow Leopard und Lion sind die Verbesserungen von VoiceOver in diesem Update eher unter der Haube zu finden. Es fand viel Bug fixing statt, und die Neuerungen, die es gibt, beschränken sich auf einige wenige, aber dafür sehr nützliche, Funktionen wie die Möglichkeit, Spalten neu zu sortieren oder Ziehen und Ablegen mit bestimmten Tasten zusammen durchzuführen. Und es wurde Wert darauf gelegt, dass neue Funktionen zugänglich sind. Inwieweit sich auch beim Zoom für Sehbehinderte etwas getan hat, vermag ich mangels Sehvermögen nicht zu sagen.

Meiner Meinung nach ist Mountain Lion durchaus ein lohnendes Upgrade, das die Benutzbarkeit von Macs noch wieder etwas runder gestaltet. Inkompatibilitäten mit bestehenden Anwendungen ist mir nur eine untergekommen, und die hat mit einem ganz speziellen Texteditor in meinem Blog-Editor MarsEdit zu tun. Der Entwickler weiß darüber auch schon bescheid und hat mit Apple zusammen das Problem analysiert, und ich warte sehnsüchtig auf ein Update. Aber ansonsten läuft bei mir alles wie geschmiert.

Hinweis: Ich bin Mitglied des Apple Developer Program für den Mac und habe Mountain Lion hier schon seit zwei Wochen, seit der Gold Master an Entwickler verteilt wurde, im Einsatz. Daher kann ich schon zum offiziellen Erscheinungstermin so ausführlich drüber berichten.

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Ausprobiert und für gut befunden. Das ZAGGfolio iPad Keyboard Case

Schon mehrere Monate lang suchte ich nach einer Möglichkeit, mein iPad 2 und eine Bluetooth-Tastatur so miteinander zu kombinieren, dass ich diese Kombination überall einsetzen kann. Dabei sollte es egal sein, ob ich das iPad auf dem Schoß habe oder auf einem Tisch vor mir. Die Konstruktion sollte also stabil sein und doch so portabel, dass man sie überall einsetzen kann.

Mein erster Versuch war die Tastaturhülle „Origami Workstation“ für das Apple Wireless Keyboard von Incase. Dieses kann man aufklappen und so hinten mit Klettverschlüssen fixieren, dass man das iPad hineinstellen kann. Diese Kombination ist jedoch sehr wackelig. Auf dem Tisch funktioniert sie gut, auf dem Schoß gar nicht. Mir ist das iPad einmal fast runtergefallen. Auch störten die Halterungen für das Keyboard, die teilweise den Bildschirm berührten und hier ungewollt kapazitiv tätig wurden, also Tipps auf dem unteren Bildschirmrand auslösten.

Der zweite Versuch war das Logitech iPad Keyboard Case. Die Tastatur befindet sich in einem Alu-Deckel, die Rückseite des iPads liegt frei, und die Kombination ist eigentlich auch schön zu tragen. Allerdings steht das iPad frei in einer dafür vorgesehenen Schiene und hat im Rücken nichts mehr, das es stützt. Die Folge: Bei leichten Erschütterungen, die beim Tippen unweigerlich entstehen, rutscht es ganz langsam immer weiter aus der Schiene, bis es nach hinten rüber fällt.

Ein blinder Bekannter aus den USA gab mir dann den Tipp, mir mal das ZAGGfolio iPad Keyboard Case anzuschauen. Nach kurzer Recherche fand ich heraus, dass dieses u. a. von Expansys nach Deutschland importiert wird. Ich versicherte mich, dass es eine kulante Geld-Zurück-Garantie gab und bestellte das oben verlinkte Modell für das iPad 2. Dieses musste importiert werden und wurde mit 10 Tagen Lieferzeit angekündigt. Nach fünf war es hier.

Schon der erste Eindruck war sehr positiv: Die Verpackung war stylisch und solide. Das Auspacken gestaltete sich überhaupt nicht schwierig. Das iPad einsetzen war sehr intuitiv möglich: Man schiebt es in eine dafür vorgesehene Kunststoffschiene, die es oben ganz und links und rechts bis zur Hälfte des Gehäuses umschließt.

Das zugeklappte iPad-Case mit enthaltenem iPad

Und schon stand es vor mir. Im zugeklappten Zustand rastet eine Verriegelung ein, die sich sehr solide anfühlt. Gleichzeitig wird das iPad gesperrt, ähnlich wie beim Smart Cover, wenn dies zugeklappt wird.

Seitenansicht des aufgeklappten iPad Case mit iPad und Tastatur.

Klappt man das iPad auf, wird es im Querformat etwa bis zur Hälfte von dem oben erwähnten stabilen Kunststoffrahmen gehalten. Der Rücken aus Kunstleder ist unten flexibel, so dass man es bequem kippen kann, um es in die vorgesehene Halterungsschiene zu stellen. Das iPad wird vom Rücken her zu etwa zwei Dritteln abgestützt. Die übrige Stütze kommt vom faltbaren Rest des Cases. Die Sache steht sehr stabil.

Die Tastatur schreibt sich überaus angenehm. Sie ist normal groß, ungefähr so wie die des Apple Wireless Keyboard. Der Druckpunkt ist angenehm, die Tasten fühlen sich nicht wabbelig an.

Für manche Sehende dürfte es jedoch einen Wehrmutstropfen geben: Das Tastaturlayout der Kappen ist ausschließlich in englisch zu bekommen. Welche Taste was tut, hängt letztlich aber vom in iOS eingestellten Tastaturlayout ab. Das, was man auf den Kappen sieht, ist also nicht zwangsläufig auch das, was am Bildschirm erscheint, wenn man es drückt. Für Blindschreiber oder blinde Anwender völlig egal, für Leute, die die visuelle Stütze brauchen, eher schwierig. 🙂

Nach längerer Benutzung kann ich sagen, dass ich im ZAGGfolio Keyboard Case für das iPad 2 endlich meine Traumkombination gefunden habe. Zugeklappt ist es schön portabel und fühlt sich vom Kunstleder her auch edel an. Aufgeklappt ist es stabil und tut sehr gut, was es soll. Die ins gesamt 109 Euro sind definitiv keine Fehlinvestition gewesen!

Dieser Blogeintrag wurde übrigens auf dem iPad mit dem ZAGGfolio geschrieben. 🙂

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Apple Zugänglichkeit

So baut man VoiceOver-Support in iOS-Anwendungen ein

Anfang dieser Woche wurde ich mal wieder gefragt, wie man denn am einfachsten die Zugänglichkeit für VoiceOver in iOS-Apps verbessern kann.

Bei der Recherche stellte ich fest, dass es bisher offenbar keinen deutschsprachigen Artikel zu diesem Thema gibt. Selbst die Objective-C- und Cocoa-Bibeln von Amin Negm-Awad verlieren kein sterbenswort darüber, wie man eigene Apps so erweitert, dass sie mit VoiceOver zugänglich werden. Sprich:

Es war an der Zeit, einen Artikel zu schreiben, wie einfach es ist, iOS-Anwendungen zugänglich zu machen, so dass sie mit VoiceOver benutzbar werden. Hier ist er nun!