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Meine Suche nach einer kleinen mobilen Braillezeile

Nachdem ich jetzt länger mit iOS-Geräten unterwegs bin und gerade mit dem iPad Mini auch deutlich mehr schreibe als mit dem großen iPad früher, stelle ich fest, dass ich mir des öfteren eine Braillezeile wünsche, um bestimmte Dinge nochmals besser nachlesen zu können als dies mit der Sprachausgabe allein möglich ist. Das Lesen mit dem Finger ist einfach noch einmal was ganz anderes als nur der Zugriff per Sprachausgabe.

Für die Suche nach einer geeigneten Zeile sind für mich folgende Kriterien wichtig:

  • Sie soll deutlich kleiner als eine herkömmliche 40-stellige Braillezeile sein, wie sie gern für Notebooks verwendet wird. Gerade wenn man nur mit kleinen Geräten wie iPad & Co. unterwegs ist, ist eine Notebook-Zeile einfach zu groß und unhandlich.
  • Das hauptsächliche Augenmerk liegt auf der Ausgabe, nicht auf der Eingabe per Brailletastatur. Ich kann Blindenschrift nur in der verkürzten Form, der Kurzschrift, wie sie auch bei herkömmlicher Belletristik verwendet wird, schnell schreiben. Vollschrift, Basisschrift oder gar Computerbraille sind sehr umständlich für mich einzugeben, da bin ich auf dem Touch Screen schneller. Nun ist aber im Deutschen die Rückübersetzung von Kurzschrift in normal lesbare Schrift nicht immer eindeutig und somit nicht, anders als im Englischen, zu 100% fehlerfrei maschinell rückübersetzbar.

Nun gibt es durchaus mehrere kleine Braillezeilen auf dem Hilfsmittelmarkt. Aber alle scheinen mit einer Brailletastatur ausgestattet zu sein. Es ist also wichtig, dass diese Tastatur abschaltbar ist und ich auch weiterhin mit der Bildschirmtastatur des iOS-Gerätes Text eingeben kann. Hier folgt nun mein kleiner Testbericht zu mehreren ultramobilen Zeilen, wie ich sie mit meinem iPhone und iPad ausprobieren konnte.

BraillePen12

Das Harpo BraillePen12 ist eine 12-stellige Braillezeile und Brailletastatur. Sechs Brailletasten, eine Leertaste plus zwei weitere größere Tasten links und rechts für Punkte 7 und 8, ein Joystick in der Mitte, und zwei kleine Navigationstasten links und rechts des Blindenschriftfeldes sind die einzigen Bedienelemente. Die Navigationstasten bewegen die Braillezeile ausschnittsweise, der Joystick simuliert die vier Wischgesten mit einem Finger, und ein Drücken auf den Joystick simuliert ein Doppeltippen zum Aktivieren des Elements im Focus. Ansonsten gelten die allgemeinen Braillekommandos zur VoiceOver-Steuerung in iOS. Diese sind auf allen Zeilen gleich, die eine Brailletastatur haben.

Die BraillePen12 wird ausschließlich über Bluetooth mit dem iOS-Gerät verbunden. Die Kopplung und Ansteuerung klappen problemlos. Das Schriftbild ist angenehm und die Zeile lässt sich flüssig lesen.

Das Gehäuse ist solide verarbeitet und hat eine geschwungene Form mit abgerundeten Ecken und einer Delle in der Gehäuserückseite. Man hat also keinen Klotz in der Hand. Allerdings ist sie mit 15,1×9,6×2,1 cm (Breite x Länge x Höhe) nicht sonderlich klein und mit 260 Gramm das absolute Schwergewicht im Test. Die Delle verleiht den beiden hinteren Ecken ein bisschen die Form von langgezogenen Ohren. Als Zubehör gibt es einen dünnen Trageriemen und eine Schutztasche, in der die Zeile mit zwei Klettverschlüssen fixiert wird, so dass sie nicht nur geschützt, sondern auch gegen versehentliches Herausfallen gesichert ist. Allerdings bewirken die an der Unterseite der Zeile angebrachten Klettaufkleber, dass die Gummifüßchen die Tischplatte oder eine andere Unterlage nicht mehr erreichen können, so dass die Zeile beim Tippen und Arbeiten sehr leicht rutscht.

Die Brailletastatur übernimmt zunächst die komplette Steuerung. Es funktionieren zwar weiterhin die normalen Gesten auf dem Touch Screen, bei der Texteingabe jedoch wird die Software-Tastatur nicht eingeblendet, sondern man gibt über die Brailletastatur Text ein. Mit dem Standard-Braille-Befehl zur Simulation der Auswerfen-Taste, Punkte 1-4-6 zusammen mit der Leertaste, wird die Softwaretastatur ein- und ausgeblendet, so dass sie jederzeit zur Verfügung steht. Auf normalen Bluetooth-Tastaturen kann man dasselbe mit einem Druck auf die gleichnamige Taste bzw. F13 erreichen.

Das Eingeben von Computerbraille gestaltet sich etwas umständlich, wenn diese die Punkte 7 und 8 beinhalten. Die beiden dafür vorgesehenen Tasten sind horizontal neben der Leertaste angeordnet, fast parallel zu den kleineren 6-Punkt-Brailletasten. Das Greifen für die Sonderpunkte wird so zu einer echten Fingerübung und war für mich nicht sonderlich bequem. Auch liegt die Leertaste sehr eng an den sonstigen Brailletasten, so dass man immer mit recht gekrümmten Händen schreibt. Meine Hände sind nicht besonders groß, aber ich empfand die Haltung auf Dauer als unangenehm.

Die Zeile hat als einzige im Test keine Routingtasten. Dies empfinde ich als sehr störend, da es doch öfter vorkommt, dass ich im Lesefluss einen Fehler finde, den ich korrigieren möchte. Nicht die Möglichkeit zu haben, den Cursor sofort an die Stelle zu bekommen, wo ich den Fehler gefunden habe, empfinde ich als sehr hinderlich.

Die Zeile wird mit Druck auf die Punkte 1 und 3 zusammen mit der Leertaste ein- und ausgeschaltet. Störend dabei: Dies ist auch das Kommando für den VoiceOver Trainingsmodus. Schaltet man die Zeile also ab, landet man erst einmal in diesem Trainingsmodus und muss dann mit Druck auf die Home-Taste diesen verlassen, um am iOS-Gerät weiterarbeiten zu können.

Der Akku dieses Geräts, das ich dankenswerterweise von der Firma Handy Tech zur Ansicht bekam, scheint mit seiner Batteriespannung ein Lotteriespiel zu veranstalten. Nach über 12-stündigem erstmaligen Aufladen hörte ich lediglich einmal die drei kurzen Pieptöne, die mir anzeigten, dass die Akkukapazität gut verfügbar war. Nach 10-minütiger Benutzung und späterem Wiedereinschalten piepte die Zeile nur zweimal, was laut Anleitung anzeigt, dass der Akku nur noch halb voll ist. Das wäre eine sehr drastische Verdampfung der Akkukapazität! Einige Stunden später piepste sie wieder dreimal.

Apropos Akku: Mit lediglich 12 Stunden Laufzeit im Betrieb hat die BraillePen12 mit Abstand die kürzeste Akkulaufzeit.

Als Zubehör liegen der Zeile ein sonderangefertigtes Netzteil mit einem Anschluss für einen kleinen Kaltgerätestecker und ein dazu passendes Kabel mit mitteleuropäischem Stecker, ein Trageriemen, die bereits erwähnte Schutztasche und eine Anleitung in Schwarzschrift (Schrift für normal Sehende) bei. In dem Heft befindet sich eine CD mit Treibern, Software und einer Anleitung im PDF-Format. Letztere ist allerdings mit der Vorschau-App unter Mac OS X nicht besonders gut lesbar. Auf dem iPad mit iBooks klappt’s schon besser.

Fazit: Die BraillePen12 ist durchaus eine solide mobile Zeile mit einem schönen Schriftbild und guter Verarbeitung. Die fehlenden Routingtasten, die fehlende Rutschfestigkeit, die Anordnung der Brailletasten 7 und 8, die kurze Akkulaufzeit und die Tatsache, dass die Akkuanzeige so unstetig funktionierte, stören mich jedoch sehr. Der Preis ist mit 1000 Euro netto allerdings unschlagbar günstig.

Focus 14 Blue

Die Focus 14 Blue von Freedom Scientific besticht durch ein sehr schlankes und modernes Design. Sie hat 14 Braillemodule und ist dabei mit 16 cm nur unwesentlich breiter als die oben beschriebene BraillePen12, in der Länge mit 8,1 cm sogar noch etwas kürzer, und vom Gehäuse her nicht so unregelmäßig geformt. Sie ist mit 1,9 cm angenehm flach, und nach vorn hin ist die Unterseite sogar etwas nach innen geschwungen, was ihr einen sehr runden, handschmeichlerischen Touch gibt.

Apropos Berührung: Die Oberfläche ist glatt, die Tasten heben sich etwas angeraut davon ab. Die Braillemodule sind, wie bei Freedom Scientific seit Einführung der 2. Generation der Pac-Mate-Zeilen üblich, in einem Stück eingesetzt, so dass sich das Lesen fast so glatt wie auf ebenem Blindenschriftpapier anfühlt. Das Leseerlebnis ist für meinen Geschmack großartig. Die Zeile steht mit vier Gummifüßen sicher auf jeder Unterlage und steht bei der Arbeit stabil.

Auf der Oberseite der Zeile befindet sich die vollständig ergonomisch angeordnete Acht-Punkt-Brailletastatur. Die Finger liegen ganz natürlich und ohne die Hände zu verkrampfen auf den Tasten. Die Leertaste ist am vorderen Gehäuserand angebracht, also noch unterhalb der Braillemodule, so dass man die Hand nicht unangenehm krümmen muss, um sie zu erreichen. Im Gegenteil: man legt die Hand ganz natürlich auf das Gerät, und die Finger fallen fast wie von selbst an den richtigen Platz.

Die Braillemodule sind mit Cursorrouting ausgestattet, und links und rechts des Lesefeldes befinden sich die Navigationsrocker (Kipptasten) und oberhalb davon deren Modus-Knöpfe.

An der Vorderseite befinden sich rechts und links die Selektor-Tasten für die daneben liegenden Scroll-Rocker-Tasten, daneben ,weiter zur Mitte hin, die beiden Tasten für das Umschalten des angezeigten Ausschnitts, und in der Mitte, unterhalb der Leertaste, die linke und rechte Shift-Taste. Diese sind unter iOS allerdings (noch) nicht belegt.

An der linken Gehäuseseite befinden sich der Ein-/Ausschalter und der standardisierte Micro-USB-Anschluss, der mit jedem handelsüblichen Kabel funktioniert. Dem Paket liegt ein Netzteil bei, das mit verschiedenen Aufsätzen für Steckdosen aus aller Welt geliefert wird, die sich leicht wechseln lassen. Man kann also dasselbe Netzteil in Kontinentaleuropa, Großbritannien, den USA und Kanada und anderen Teilen der Welt nutzen. Man kann die Zeile allerdings auch über den USB-Anschluss des Computers laden, es dauert nur etwas länger. Währenddessen läuft die Zeile z. B. unter OS X keine 2 Sekunden nach dem Anschließen einfach mit VoiceOver mit. Der Akku läuft im Betrieb stattliche 20 Stunden.

Und natürlich verfügt die Zeile über die Verbindung via Bluetooth, um sie mit iOS-Geräten und anderen mobilen Geräten zu betreiben. Auch unter iOS läuft sie sehr zuverlässig. Sie meldet sich auch selbstständig wieder beim iOS-Gerät an, wenn man sie zwischendurch ausgeschaltet hat. Das Cursorrouting funktionierte in meinen Tests in jedem Eingabefeld zuverlässig. Den Akkustand kann man sogar im laufenden Betrieb prüfen, ohne dass die Zeile sich neu verbinden muss.

Auch hier gibt es eine Eingabemöglichkeit per Brailletastatur und das Umschalten auf die Software-Tastatur mittels der Auswurf-Taste-Emulation mit den Punkten 1-4-6 zusammen mit der Leertaste. Durch die ergonomische Anordnung lässt sich Computerbraille sehr angenehm schreiben, auch wenn man es nicht gewohnt ist.

Einziger wirklicher Störfaktor ist die Tatsache, dass von den getesteten Zeilen diese Zeile am lautesten ist. Die Braillemodule klicken beim Setzen lauter als bei den anderen Zeilen. Den meisten wird dies kaum auffallen, meine recht empfindlichen Ohren haben diesen Umstand jedoch sofort festgestellt.

Dem Paket liegt eine Schutztasche bei, die mit vier stabilen Ösen aus Metall versehen ist, die in vier entsprechende Kerben unterhalb bzw. an der Gehäuserückseite passen. Die Zeile ist so sehr sicher vor dem Herausfallen geschützt, man kann die Zeile sogar, weil sich der Deckel der Tasche vollständig umklappen lässt, auch in der Tasche betreiben. Das muss man sogar, wenn man sie über der Schulter tragend betreiben will, denn nur die Tasche, nicht aber die Zeile selbst, hat Ösen für den mitgelieferten Schultergurt.

Weiterhin liegen dem Paket eine Begleit-CD mit Treibern und Dokumentation und ein Handbuch in Blindenschrift und eines in Schwarzschrift bei. Beide sind allerdings in englischer Sprache. Aber natürlich funktionieren die VoiceOver-Übungen von iOS auch mit der Zeile, so dass man auch ohne das Handbuch herausfindet, welche Taste bzw. Tastenkombination was tut. Auch gibt es bei dieser Zeile keinen Konflikt zwischen einer Tastenkombination, die eine VoiceOver-Funktion ausführt, und der Ein-/Ausschaltefunktion, wie dies bei der BraillePen12 der Fall ist.

Fazit: Die Zeile überzeugt durch ein schlankes und ergonomisches Design, geringes Gewicht, ein sehr angenehm zu lesendes Display, Cursorrouting, vielfältige Funktionen, die auch deutlich über die Standard-VoiceOver-Befehle für Braillezeilen hinaus gehen, und auch durch viele Kleinigkeiten wie den separat abrufbaren Akkustand. Auch ist sie durch ihre doppelte Konnektivität sowohl an Bluetooth-fähigen Geräten einsatzfähig als auch an solchen, die dies nicht sind. Die clevere und stabile Tragetasche runden das Bild angenehm ab. Der Preis liegt mit ca. 1300 Euro netto nur etwas über dem des BraillePen12 und ist für die gebotene Leistung sehr überzeugend.

Die Zeile wurde mir dankenswerterweise von der Firma IPD aus Hannover zur Verfügung gestellt.

Vario Conny

Die Vario Conny von BAUM Retec AG gehört zur Familie der VarioConnect Braillezeilen und ist im nicht deutschsprachigen Raum auch als VarioConnect 12 bekannt. Wie der Name vermuten lässt, hat sie 12 Braillemodule. Diese haben ein angenehmes Schriftbild und setzen ihre Punkte von allen getesteten Zeilen am leisesten.

Das Gehäuse ist mit 13 x 8,1 x 1,7 cm das schmalste und flachste Gehäuse im Test, und auch das Gewicht ist mit 200 Gramm am geringsten. Das Gehäuse macht einen solide verarbeiteten Eindruck. Der Akku läuft 20 Stunden, und sein Zustand ist über eine eingebaute Statusanzeige ohne Arbeitsunterbrechung abrufbar.

Die Zeile hat eine sehr eigentümliche Brailletastatur. Die Punkte 3, 2, 1, Leertaste, 4, 5, 6 sind 7 runde, ins Gehäuse eingelassene Tasten, die in ihrer Anordnung die Form eines Schwarzschrift-Ws haben. Es folgen darunter die Braillemodule mit Routingtasten und jeweils drei vario-typischen Display-Tasten links und rechts. An der Gerätevorderseite befinden sich in der Mitte ein Joystick und links und rechts davon zwei weitere, länglich geformte Tasten. Drückt man eine allein, betätigen sie sich als Leertaste. Drückt man sie mit anderen Brailletasten zusammen, wird die linke zu Punkt 7 und die rechte zu Punkt 8 für Computerbraille. Will man die iOS-Befehle ausführen, muss man zwingend die oben in der Mitte liegende runde Taste verwenden, also immer eine Hand von der Brailletastatur nehmen.

An der Gerätevorderseite befinden sich noch vier Funktionstasten mit den Bezeichnungen E1 bis E4. An der linken Gehäuseseite befinden sich der Anschluss für ein Netzteil zum Laden des Akkus und der Ein-/Ausschalter. Dieser fühlt sich recht wabbelig an. Der Netzanschluss ist mit älteren Nokia-Ladekabeln kompatibel.

Die Ergonomie, die mit dieser Zeile beworben wird, erschließt sich mir nicht. Zumindest an meinen Händen sind die Mittelfinger länger als die Ringfinger, die Ringfinger müssen aber am weitesten nach oben greifen, um die Punkte 3 und 6, die Spitzen des Ws, zu erreichen. Dadurch muss ich die Hände etwas nach außen drehen, was mir schon bei einem Kurztest in den Räumen der BAUM Retec AG schnell unangenehm wurde.

Die Display-Tasten 1 bis 6 üben verschiedene Funktionen aus, auch in Kombinationen, die mit beiden Händen gegriffen werden müssen. Da sie jeweils zu dritt übereinander liegen, ist ein Greifen für mein Dafürhalten recht umständlich. Lediglich die Elemente an der Gerätevorderseite sind mit den Daumen gut erreichbar.

Die Routingtasten sind Knöpfe mit für meine Fingerkuppen unangenehm spitzen Köpfen. Ich mag eher etwas längliche und somit nicht ganz so hart auf einen Punkt konzentrierte Routingtasten.

Man kann die Braillezeile in einen Über-Kopf-Modus schalten, so dass man die Brailletastatur mit der siebten Taste als Leertaste verwenden kann und diese mit dem Daumen greift. Dadurch sind dann allerdings die Punkte 7 und 8 nicht mehr erreichbar.

Die Zeile wird mit einer Tasche mit Gürtel-Clip geliefert, in die man die Zeile zum Transport hineintun kann. Sie erinnert sehr an ältere Nokia-Gürteltaschen, wie man sie Ende der 90er Jahre gern getragen hat. Betreiben kann man die Zeile nicht, wenn man steht oder sonst keine Möglichkeit hat, sie abzustellen. Sie hat keine Vorrichtungen für einen Schultergurt.

Die Verbindung geschieht ausschließlich über Bluetooth und verlief in meinem Test stabil, auch das erneute Verbinden bei Sperren des iPhone oder bei Aus- und Einschalten der Braillezeile verliefen sehr zügig und zuverlässig. Eine VarioConnect 32, die ich bei meinem Besuch bei BAUM ebenfalls testete, hatte zunächst Verbindungsschwierigkeiten, ich musste erst einmal Bluetooth an der Zeile aus- und wieder einschalten, bevor über das Koppeln hinaus auch eine tatsächliche Verbindung klappte.

Da ich die Zeile nicht zur Ansicht bekam, sondern lediglich in den Räumen der BAUM Retec AG testen konnte, kann ich über eventuelles weiteres Zubehör in der Verpackung nichts sagen.

Fazit: Die Vorteile durch das kleinste und leichteste Gehäuse wiegen die für meinen Geschmack fragwürdigen nachteiligen Entscheidungen bei der Benutzbarkeit nicht auf. Es gibt zu viele Haken und Ösen beim Erreichen von Bedienelementen, die schon bei einem kurzen Test so dermaßen ins Auge fielen, dass sie im Tagesbetrieb ein ständiges Ärgernis bedeuten würden. Zugute halten kann man der Zeile eine schnelle Verbindung, ein angenehmes Schriftbild und leise Module. Der Preis liegt mit 1560 Euro netto noch über dem Preis der Focus 14 Blue.

Weitere nicht getestete Kandidaten

Es gibt noch mindestens eine weitere Zeile, die preislich noch etwas höher angesiedelt ist, nämlich die Esys12 (PDF-Datei) von EuroBraille. Deren Spezifikation liegt mit 14,5 x 8,6 x 2 cm, 200 Gramm und ca. 20 Stunden Akkulaufzeit auch im Kreis der möglichen Kandidaten, ist preislich aber mit, soweit ich herausfinden konnte, 1900 Euro netto schon deutlich teurer. Dies liegt vermutlich an der vollständigen Notizfunktion inkl. Taschenrechner und weiteren Funktionen, die dieses Gerät zu bieten hat. Allerdings brauche ich diese Funktion nicht. Auch liest sich die Beschreibung eher so, dass die Ausstattung neben der Brailletastatur eher minimalistisch anmutet, so dass es Geräte gibt, die für weniger Geld deutlich mehr bieten.

Auch wurde mir beim Sammeln von Empfehlungen die RefreshaBraille 18 vom American Printing House (APH) empfohlen. Diese ist zwar mit 1695 US$ für eine 18-stellige Braillezeile sehr günstig, da es aber keinen Distributor in Deutschland zu geben scheint, kommt sie für mich nicht in Frage, da im Falle einer Reparatur immense Versandkosten anfallen würden. Auch scheint sie von den Bildbeschreibungen her eine Zeile zu sein, deren Module hinter den Brailletasten liegen, also ähnlich aufgebaut wie eine klassische Blindenschriftmaschine, bei der das Papier und der Prägekopf auch hinter der Tastatur liegen. Für jemanden, der mehr lesen als damit schreiben will, fällt diese Zeile aus dem Rahmen, da sie ergonomisch eher fragwürdig gestaltet ist und man mit dem Handballen oder Ärmel ständig mit den Tasten in Konflikt kommen dürfte.

Fazit

Wie man von den Gerätebeschreibungen und den aufgelisteten Pros und Contras vielleicht schon vermuten kann, wird meine Wahl sehr wahrscheinlich auf die Focus 14 Blue von Freedom Scientific fallen. Sie hat die meiner Meinung nach höchste Funktionalität bei einem ausgewogenen Preis-/Leistungsverhältnis.

Dies ist definitiv kein objektiver Bericht, denn ich bin von meinen ganz persönlichen Anforderungen an die Benutzbarkeit aus an diesen Test herangegangen. Jede der oben beschriebenen Zeilen hat ihre interessanten Kniffe und Ideen, so dass für jeden, der sich nach einer ultramobilen Zeile umschaut, etwas dabei sein dürfte. Vielleicht hat dieser kleine Überblick ja noch einen Nutzen für den einen oder anderen Leser dieses Blogs!

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Apple Zugänglichkeit

MyTaxi entwickelt sich zur Accessibility-Vaporware

Update Mai 2016: Dieser Artikel ist nicht länger relevant, wird hier aber aus historischen Gründen weiter stehen. Ein aktuellerer Beitrag zu mytaxi findet sich in meinem Mobilitätstipp.

Vor kurzem erschien die MyTaxi-App für Fahrgäste in der Version 4.0 für iOS. MyTaxi erlaubt es, unabhängig von Taxizentralen per Smartphone ein Taxi in der Nähe zu finden und zu bestellen. Der Fahrer nimmt die Fahrt mit einem Taxifahrer-Pendant auf seinem Smartphone an, und man kann das Annähern des Wagens verfolgen. Auch das Einsteigen und die Beendigung der Fahrt werden von beiden Seiten bestätigt. Seit einiger Zeit gibt es auch die Möglichkeit, die Fahrt direkt per Handy zu bezahlen, sogar inklusive Trinkgeld. Voraussetzung ist eine Kreditkarte oder ein PayPal-Konto. Einmal eingerichtet, bestätigt man den Fahrpreis mit der Eingabe einer selbst gewählten PIN. Es gibt sogar einen Fahrpreisrechner, mit dem man vorher den ungefähr anfallenden Fahrpreis schon mal errechnen lassen kann.

Nun hat diese App leider einige Probleme im Zusammenspiel mit VoiceOver auf dem iPhone. Es gibt in der Hauptsache unbeschriftete Grafikbuttons, aber auch beim Einleiten des Bezahlvorgangs per Wischgeste ähnlich dem Entsperren des iPhones gibt es Probleme, wenn VoiceOver läuft. Auch an einigen anderen Stellen hakt es etwas. Es ist aber nicht so, dass diese Probleme unüberwindbar wären.

Deshalb kontaktierte ich das Team von MyTaxi vor ziemlich genau einem Jahr mit entsprechendem Feedback. Mir wurde damals per E-Mail zugesagt, dass man sich der Probleme annehmen würde.

Einige Monate und einige Updates später hatte sich noch nichts getan. Ich schrieb daraufhin das Team per Twitter erneut an und bekam die Antwort, dass das Team „dran“ sei.

Im Juni twitterte ich u. a. meinen Artikel zur Zugänglichkeit für VoiceOver ebenfalls an das MyTaxi-Team, und erhielt die Rückmeldung, dass das Team diese Informationen sehr hilfreich fände.

Es gingen wieder einige Monate ins Land, und im November erschien ein großes Update auf die Version 4.0 der App. Und was soll ich sagen? Es hat keine Verbesserungen gegeben! Es wurde einiges im Benutzerinterface aufgehübscht und verschlankt, und dabei wurde nicht gleichzeitig die eine oder andere Zeile Code mit eingefügt, mit der die Herstellung der Zugänglichkeit für VoiceOver gegeben gewesen wäre!

MyTaxi wird damit allmählich zu einer echten Vaporware, was die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen angeht.

Dabei ist das wirtschaftlich eine der unvernünftigsten Dinge, die die Firma Intelligent Apps tun kann. Sie expandiert in vielen Großstädten im In- und Ausland. Viele Blinde wohnen in Großstädten, und Blinde fahren erfahrungsgemäß auch mehr Taxi als viele andere. Hier wird also durch falsche Prioritätensetzung oder Unkenntnis der Sachlage ein echter potentieller Kundenkreis passiv oder aktiv nicht bedient! Das iPhone ist in den letzten Jahren für viele Blinde zum unverzichtbaren Begleiter geworden, und MyTaxi würde einen echten weiteren Mehrwert darstellen, wenn es denn vollständig bedienbar wäre!!!

Ich weiß aus eigener Erfahrung und Zusammenarbeit mit anderen App-Entwicklern, dass nicht mehr als ein oder zwei Tage nötig wären, das Ziel vollständiger VoiceOver-Zugänglichkeit zu erreichen, und zwar gerechnet für einen Entwickler.

Da wir ja schnurstracks auf Weihnachten zugehen und heute Nikolaus ist, wäre ein großer Wunsch von mir, dass Intelligent Apps endlich eine dem Firmennamen angemessene Geschäftsentscheidung treffen und ihren Worten Taten folgen lassen!

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Apple Zugänglichkeit

OS X Mountain Lion ist da: Was ist neu bei der Barrierefreiheit

Apple hat heute Mac OS X Mountain Lion veröffentlicht. Dieses Update auf Lion, das fast genau ein Jahr nach diesem erscheint, bringt einige Neuerungen mit, die auch für Menschen mit Behinderungen sehr nützlich sein werden. Ich werfe hier mal einen virtuellen Blick auf das, was mir so aufgefallen ist.

Zunächst fällt auf, dass es z. B. im VoiceOver-Dienstprogramm kaum Neuerungen zu entdecken gibt. Die Änderungen befinden sich zumeist unter der Haube und starren einen nicht sofort frontal an. Es werden weitere Braillezeilen unterstützt. Die Änderungen liegen diesmal wirklich im Detail.

Nach dem Update nochmals updaten

Sobald man das Update auf Mountain Lion durchgeführt hat, wird man feststellen, dass die Nuance Vocalizer-Stimmen nicht mehr ganz sauber klingen. Es empfiehlt sich, sofort noch einmal die Software-Aktualisierung durchlaufen zu lassen, die lädt dann nämlich aktualisierte Versionen der installierten Stimmen herunter. Danach klingt’s wieder sauber.

Keine Chipmunks mehr

Apple hat das Problem behoben, dass die Stimmen zwischendurch selbstständig die Tonhöhe veränderten. Während das beim ersten Auftreten noch ganz lustig klang, hat’s irgendwann doch genervt.

Safari ist nicht mehr beschäftigt

Die zweite große Änderung, die erheblich zu einer besseren Benutzbarkeit beiträgt, ist die Tatsache, dass endlich das Problem behoben wurde, dass Safari im Zusammenspiel mit VoiceOver gern mal „beschäftigt“ war. Ich habe es nicht mehr hinbekommen, diese Meldung zu provozieren, während mir dies unter OS X Lion sehr leicht fiel.

Text markieren im Browser

Apropos Safari: Man kann jetzt sehr leicht Text im Safari zum Kopieren in die Zwischenablage markieren. Man nutzt einfach Shift und die Pfeiltasten, und dann wird der Text des Bereichs, auf dem sich der VoiceOver-Cursor gerade befindet, zeichen-, wort- oder zeilenweise markiert. Das funktioniert ganz analog zum TextEdit. Man muss also nicht mehr umständlich mit VO+Eingabe das Markieren einleiten, Text mit den VO-Befehlen markieren und mit nochmaligem VO+Eingabe das Markieren beenden.

Bessere Umsetzung aktueller HTML5- und ARIA-Techniken

Auch in dieser Version von OS X und Safari hat Apple wieder viele Verbesserungen bei der Umsetzung von HTML5 und WAI-ARIA für VoiceOver einfließen lassen. So ist das Webinterface von Yahoo! Mail viel besser zu bedienen und verhält sich sehr ähnlich der Kombination Firefox + NVDA unter Windows. Wer also viel mit modernen Webapplikationen zu tun hat, wird die Neuerungen schnell zu schätzen wissen!

Drag And Drop mit verschiedenen gehaltenen Tasten

Hält man Ctrl+Wahltaste+Komma gedrückt, lässt es also nicht sofort nach dem Drücken wieder los, erscheint ein Menü, in dem man auswählen kann, ob die gleich durchzuführende Zieh- und Ablege-Operation mit einer der drei Tasten Control, Wahltaste oder Befehlstaste ausgeführt werden soll. Je nach Programm werden hierdurch verschiedene Dinge ausgeführt. Drag And Drop im Finder führt bei gehaltener Wahltaste z. B. dazu, dass ein Element kopiert, nicht verschoben, wird.

Anordnen von Tabellenspalten

Man kann mit VoiceOver jetzt in iTunes und anderen Programmen die Spalten neu sortieren. Ist der Fokus auf der Tabelle, drückt man Ctrl+Wahltaste+Apostroph, bzw. Ctrl+Wahltaste+Umschalt+Nummernzeichen (rechts neben dem ä). Man befindet sich jetzt in den Spalten der Tabelle und kann mit VO+Pfeil rechts und links die Spalte wählen, die man neu sortieren möchte. VO+Komma zum Markieren, hinwandern zu der Spalte, rechts von der die Ursprungsspalte landen soll, und dann VO+Punkt drücken. Danach mit VO+Apostroph wieder zurück in die Tabelle, in der die umsortierten Spalten jetzt vorzufinden sind.

Drücken und halten von Tasten

In iTunes und anderen Programmen, die dies unterstützen, kann man bestimmte Tasten wie „Vorlauf“ jetzt drücken und halten. Man drückt dazu wie gewohnt VO+Leertaste, lässt sie jedoch nicht los, sondern hält sie solange gedrückt, wie die Aktion, z. B. das Vorspulen, ausgeführt werden soll. Wenn man die Tasten loslässt, wird auch die Taste losgelassen.

Endlich eine zugängliche Mitteilungszentrale!

Growl, das bisher für Benachrichtigungen verwendet wurde, ist ja nun nicht gerade für seine Zugänglichkeit bekannt. Die neue Mitteilungszentrale hingegen ist wunderbar zugänglich. Nettes Zusatzfeature: Growl hat angekündigt, in Mountain Lion zukünftig seine Benachrichtigungen in diese Mitteilungszentrale zu integrieren, wird dadurch also auch zugänglich. Dies ist besonders für solche Anwendungen wichtig, die die Mitteilungszentrale selbst noch nicht benutzen.

Kleiner Tipp: Schaltet die Benachrichtigung von Mails aus, wenn ihr viel Maildurchlauf habt. Das wird sonst schnell sehr geschwätzig. Angenehm: Anwendungen wie der Kalender, die bisher feststehende Dialogfelder benutzten, schieben ihre Benachrichtigungen jetzt auch hier hinein und sind somit viel weniger störend.

Besserer Zugang zu Symbolen oben rechts in der Menüleiste

Mit VO+M zweimal kam man ja schon immer in die Symbole oben rechts in der Menüleiste. Diese heißen sofort Extras-Menü. Apple hat diesen Bereich verbessert, so dass jetzt auch Symbole zugänglich werden wie die von Dropbox, VMware Fusion usw., die bisher nicht zugänglich waren. Auch die Mitteilungszentrale findet man hier. Für den schnelleren Zugriff auf diese habe ich mir jedoch einen Shortcut definiert. Bei mir erreiche ich diese jetzt schnell mit Ctrl+Shift+F8, der war noch frei. 🙂

Spotlight-Suche nicht mehr mit dreimaligem VO+M erreichbar

Da es für Spotlight schon seit Ewigkeiten die Standard-Tastenkombination Befehlstaste+Leertaste gibt, hat Apple den Workaround mit dreimaligem Drücken von VO+M entfernt. Die Sptlight-Suche befindet sich zusätzlich auch im Extras-Menü.

Neue Features sind natürlich zugänglich

Die neuen Features wie Erinnerungen und Notizen sind natürlich von vornherein zugänglich. Das Einrichten und Verwalten von Erinnerungen klappt ganz prima, auch der Abgleich über iCloud ist problemlos.

Diktierfunktion

Neu in Mountain Lion ist die Diktierfunktion. Diese ist natürlich auch voll zugänglich. Der zu vergebende Shortcut stört sich nicht mit VoiceOver. Als Mikrofon wird standardmäßig verwendet, was gerade aktuell ist, also z. B. das Mikro des apple iPhone Headsets, das eingebaute Mikrofon des Macs usw.

Kleiner Tipp für solche wie mich, die mehrere Sprachen fließend sprechen: Während man auf dem iPhone 4S einfach die Tastatur z. B. auf englisch umstellt und Siri dann englisch gesprochene Texte erkennt, funktioniert das in Mountain Lion nicht. Man muss stattdessen die Erkennungssprache in den Systemeinstellungen unter „Diktat und Sprache“ ändern.

Neu gestaltete Bedienungshilfen

Apropos Systemeinstellungen: Apple hat die Bedienungshilfen und die Einstellungen für Diktat und Sprache geändert bzw. neu gestaltet. Dies ist einmal zur besseren Übersichtlichkeit geschehen und wohl auch zur Anlehnung an iOS. Die Kategorien wählt man jetzt in einer Tabelle, und dann erscheint das Dialogfeld dazu, mit einer oder mehreren Dialogseiten.

Speakable Items

Neu sind die „Speakable Items“, mit denen man Teile des Betriebssystems mit gesprochenen Befehlen steuern kann. Man legt dazu eine Tastenkombination fest oder schaltet diese Funktion so, dass fortlaufend eine Spracherkennung mitläuft. Es sind im Deutschen noch weniger Befehle verfügbar als im Englischen, aber da wird sicherlich in den nächsten kleineren updates noch mehr möglich.

Optionen für Bedienungshilfen

Neu ist die Möglichkeit, verschiedene Bedienungshilfen von überall her ohne das Merken von Tastenkombinationen ein- und ausschalten zu können. Die Tastenkombination hierfür ist Befehlstaste+Wahltaste+F5. Läuft VoiceOver nicht, wird es in diesem Dialogfeld auf jeden Fall gestartet, so dass man auch als Blinder hier VoiceOver starten kann. Die altbekannte Tastenkombination Befehlstaste+F5 funktioniert natürlich weiterhin. Aus diesem Dialogfeld heraus lässt sich auch die Systemeinstellung „Bedienungshilfen“ öffnen. Weiterhin kann man die Bedienungshilfen jetzt auch ins Extras-Menü packen.

Fazit

Anders als in Snow Leopard und Lion sind die Verbesserungen von VoiceOver in diesem Update eher unter der Haube zu finden. Es fand viel Bug fixing statt, und die Neuerungen, die es gibt, beschränken sich auf einige wenige, aber dafür sehr nützliche, Funktionen wie die Möglichkeit, Spalten neu zu sortieren oder Ziehen und Ablegen mit bestimmten Tasten zusammen durchzuführen. Und es wurde Wert darauf gelegt, dass neue Funktionen zugänglich sind. Inwieweit sich auch beim Zoom für Sehbehinderte etwas getan hat, vermag ich mangels Sehvermögen nicht zu sagen.

Meiner Meinung nach ist Mountain Lion durchaus ein lohnendes Upgrade, das die Benutzbarkeit von Macs noch wieder etwas runder gestaltet. Inkompatibilitäten mit bestehenden Anwendungen ist mir nur eine untergekommen, und die hat mit einem ganz speziellen Texteditor in meinem Blog-Editor MarsEdit zu tun. Der Entwickler weiß darüber auch schon bescheid und hat mit Apple zusammen das Problem analysiert, und ich warte sehnsüchtig auf ein Update. Aber ansonsten läuft bei mir alles wie geschmiert.

Hinweis: Ich bin Mitglied des Apple Developer Program für den Mac und habe Mountain Lion hier schon seit zwei Wochen, seit der Gold Master an Entwickler verteilt wurde, im Einsatz. Daher kann ich schon zum offiziellen Erscheinungstermin so ausführlich drüber berichten.

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Apple

Ausprobiert und für gut befunden. Das ZAGGfolio iPad Keyboard Case

Schon mehrere Monate lang suchte ich nach einer Möglichkeit, mein iPad 2 und eine Bluetooth-Tastatur so miteinander zu kombinieren, dass ich diese Kombination überall einsetzen kann. Dabei sollte es egal sein, ob ich das iPad auf dem Schoß habe oder auf einem Tisch vor mir. Die Konstruktion sollte also stabil sein und doch so portabel, dass man sie überall einsetzen kann.

Mein erster Versuch war die Tastaturhülle „Origami Workstation“ für das Apple Wireless Keyboard von Incase. Dieses kann man aufklappen und so hinten mit Klettverschlüssen fixieren, dass man das iPad hineinstellen kann. Diese Kombination ist jedoch sehr wackelig. Auf dem Tisch funktioniert sie gut, auf dem Schoß gar nicht. Mir ist das iPad einmal fast runtergefallen. Auch störten die Halterungen für das Keyboard, die teilweise den Bildschirm berührten und hier ungewollt kapazitiv tätig wurden, also Tipps auf dem unteren Bildschirmrand auslösten.

Der zweite Versuch war das Logitech iPad Keyboard Case. Die Tastatur befindet sich in einem Alu-Deckel, die Rückseite des iPads liegt frei, und die Kombination ist eigentlich auch schön zu tragen. Allerdings steht das iPad frei in einer dafür vorgesehenen Schiene und hat im Rücken nichts mehr, das es stützt. Die Folge: Bei leichten Erschütterungen, die beim Tippen unweigerlich entstehen, rutscht es ganz langsam immer weiter aus der Schiene, bis es nach hinten rüber fällt.

Ein blinder Bekannter aus den USA gab mir dann den Tipp, mir mal das ZAGGfolio iPad Keyboard Case anzuschauen. Nach kurzer Recherche fand ich heraus, dass dieses u. a. von Expansys nach Deutschland importiert wird. Ich versicherte mich, dass es eine kulante Geld-Zurück-Garantie gab und bestellte das oben verlinkte Modell für das iPad 2. Dieses musste importiert werden und wurde mit 10 Tagen Lieferzeit angekündigt. Nach fünf war es hier.

Schon der erste Eindruck war sehr positiv: Die Verpackung war stylisch und solide. Das Auspacken gestaltete sich überhaupt nicht schwierig. Das iPad einsetzen war sehr intuitiv möglich: Man schiebt es in eine dafür vorgesehene Kunststoffschiene, die es oben ganz und links und rechts bis zur Hälfte des Gehäuses umschließt.

Das zugeklappte iPad-Case mit enthaltenem iPad

Und schon stand es vor mir. Im zugeklappten Zustand rastet eine Verriegelung ein, die sich sehr solide anfühlt. Gleichzeitig wird das iPad gesperrt, ähnlich wie beim Smart Cover, wenn dies zugeklappt wird.

Seitenansicht des aufgeklappten iPad Case mit iPad und Tastatur.

Klappt man das iPad auf, wird es im Querformat etwa bis zur Hälfte von dem oben erwähnten stabilen Kunststoffrahmen gehalten. Der Rücken aus Kunstleder ist unten flexibel, so dass man es bequem kippen kann, um es in die vorgesehene Halterungsschiene zu stellen. Das iPad wird vom Rücken her zu etwa zwei Dritteln abgestützt. Die übrige Stütze kommt vom faltbaren Rest des Cases. Die Sache steht sehr stabil.

Die Tastatur schreibt sich überaus angenehm. Sie ist normal groß, ungefähr so wie die des Apple Wireless Keyboard. Der Druckpunkt ist angenehm, die Tasten fühlen sich nicht wabbelig an.

Für manche Sehende dürfte es jedoch einen Wehrmutstropfen geben: Das Tastaturlayout der Kappen ist ausschließlich in englisch zu bekommen. Welche Taste was tut, hängt letztlich aber vom in iOS eingestellten Tastaturlayout ab. Das, was man auf den Kappen sieht, ist also nicht zwangsläufig auch das, was am Bildschirm erscheint, wenn man es drückt. Für Blindschreiber oder blinde Anwender völlig egal, für Leute, die die visuelle Stütze brauchen, eher schwierig. 🙂

Nach längerer Benutzung kann ich sagen, dass ich im ZAGGfolio Keyboard Case für das iPad 2 endlich meine Traumkombination gefunden habe. Zugeklappt ist es schön portabel und fühlt sich vom Kunstleder her auch edel an. Aufgeklappt ist es stabil und tut sehr gut, was es soll. Die ins gesamt 109 Euro sind definitiv keine Fehlinvestition gewesen!

Dieser Blogeintrag wurde übrigens auf dem iPad mit dem ZAGGfolio geschrieben. 🙂

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Apple Zugänglichkeit

So baut man VoiceOver-Support in iOS-Anwendungen ein

Anfang dieser Woche wurde ich mal wieder gefragt, wie man denn am einfachsten die Zugänglichkeit für VoiceOver in iOS-Apps verbessern kann.

Bei der Recherche stellte ich fest, dass es bisher offenbar keinen deutschsprachigen Artikel zu diesem Thema gibt. Selbst die Objective-C- und Cocoa-Bibeln von Amin Negm-Awad verlieren kein sterbenswort darüber, wie man eigene Apps so erweitert, dass sie mit VoiceOver zugänglich werden. Sprich:

Es war an der Zeit, einen Artikel zu schreiben, wie einfach es ist, iOS-Anwendungen zugänglich zu machen, so dass sie mit VoiceOver benutzbar werden. Hier ist er nun!

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Apple ARIA Zugänglichkeit

Mac OS X Lion ist da, Eindrücke von den neuen Barrierefreiheitsfunktionen

Apple hat soeben die neueste Version seines Betriebssystems Mac OS X, Lion, veröffentlicht. Eine gute Gelegenheit, einen Blick auf die neuen Barrierefreiheitsmerkmale der jüngsten Raubkatze zu werfen!

Neue Stimmen in vielen Sprachen

Apple bietet für Lion Stimmen in niedriger und hoher Qualität in über 40 Sprachen und Dialekten an. Diese sind in kompakter Version für viele Sprachen bereits vorinstalliert. So kommt die deutsche Variante mit der Stimme Yannick daher, die bereits aus aktuellen iOS-Veröffentlichungen vom iPhone/iPod Touch und iPad bekannt ist. Eine höherwertige Version dieser Stimme sowie die Stimmen Steffi und Anna können nachgeladen werden. All diese Stimmen, also auch die ausländischen, werden von Apple kostenlos zur Verfügung gestellt. Man wählt sie einfach im VoiceOver-Dienstprogramm unter Sprachausgabe, Standard-Stimme, Menüpunkt „Anpassen“… aus und lädt sie dann über die automatisch sich öffnende Softwareaktualisierung herunter.

Aber auch für die Freunde der bereits für Leopard und Snow Leopard verfügbaren Stimmen der á Capella Group, die über AssistiveWare heruntergeladen und käuflich erworben werden können, gibt es Entwarnung: Diese funktionieren weiterhin, bei mir nach einem Upgrade von Snow Leopard auf Lion sogar ohne neuinstallation oder erneute Aktivierung. Wem also die Nuance-Stimmen nicht gefallen, der kann weiterhin Infovox iVox nutzen. AssistiveWare sagen selbst, dass sie bis Ende des Monats ihre Produkte auf mit Lion kompatible Versionen aktualisieren wollen, meine Tests mit den Stimmen haben allerdings gezeigt, dass die reinen Stimmenpakete anscheinend weiterhin problemlos funktionieren.

Die Tatsache, dass Stimmen u. a. für Deutsch vorinstalliert sind, bedeutet, dass man jetzt in einem Apple oder Gravis Store nicht nur iPhones und iPads in seiner Muttersprache ausprobieren kann, sondern auch alle Varianten des Macs. Bei einer frischen Installation von Lion auf deutsch wird automatisch mit Yannick Compact gesprochen, so dass VoiceOver ohne Installation einer externen Sprachausgabe sofort in deutsch zu sprechen beginnt.

Einziger Wermutstropfen: Während der Installation wird diese Stimme noch nicht verwendet, hier quatscht immer noch die Decktalk-Variante „Fred“ in allen Sprachen. Dies gilt aber nur für den Installationsvorgang von der Recovery-Partition, nicht für das Setup nach der allerersten Installation. Der Assistent, bei dem man u. a. nach seiner Apple-ID gefragt wird, wird bereits mit einer deutschen Stimme begleitet.

Neue Braille-Funktionen

VoiceOver liefert jetzt Brailletabellen in verschiedenen Sprachen mit, unter anderem deutsch. Auch die Kurzschriftübersetzung ist für deutsch und weitere unterstützte Sprachen verfügbar. Leider gibt es zur Zeit keine Möglichkeit, bei der Kurzschriftübersetzung die Anzeige von Großbuchstaben abzuschalten, so dass die Kurzschriftdarstellung nicht ganz der eines Standard-Buches entspricht, in der es ja keine Anzeige von Großbuchstaben gibt.

Durch Brailleausführlichkeit kann man jetzt angeben, was in verschiedenen Situationen angezeigt werden soll und somit gerade auf kleineren Displays den Platz effizienter nutzen.

Aktivitäten

VoiceOver-Aktivitäten sind Sätze von Einstellungen, auf Wunsch alle, die das VoiceOver-Dienstprogramm zur Verfügung stellt, die für bestimmte Situationen oder bestimmte Anwendungen angepasst werden können. So kann man z. B. eine Aktivität für eine Anwendung einstellen, oder man öffnet mit VO+X ein Menü aller verfügbaren Aktivitäten, weil man im Web zum Einkaufen vielleicht eine schnellere Sprechgeschwindigkeit und andere Stimme verwendet als zum Lesen von Artikeln, Blogs usw. Eine Aktivität kann hierbei durchaus auch auf mehrere Anwendungen automatisch angewendet werden.

Ziehen und Ablegen (Drag and Drop)

VoiceOver unterstützt jetzt das automatisierte Drag and Drop. Dies war bisher durch eine Kombination mehrerer Befehle bereits möglich, wurde jetzt jedoch erheblich vereinfacht.

  1. Man wählt mit den VoiceOver-navigationsbefehlen oder der Tastatur das zu ziehende Objekt an und drückt VO+Komma.
  2. Man navigiert mit dem VoiceOver-Cursor an die gewünschte Zielstelle am Bildschirm und drückt eine der folgenden Tasten:
    1. VO+Punkt zum Fallenlassen auf dem Objekt, auf dem sich der VoiceOver-Cursor gerade befindet. Das Resultat hängt von der Anwendung ab.
    2. VO+< (Kleiner als Das Objekt auf dem Objekt, das dem Objekt, auf dem der VoiceOver-Cursor steht, voransteht. Hierbei ist die Navigationsreihenfolge gemeint, nicht die visuelle Anordnung auf dem Bildschirm.
    3. VO+> (Größer als zum Fallenlassen auf dem Objekt, das dem Objekt unterm VoiceOver-Cursor navigationsmäßig nachfolgt.

Hierbei unterliegt der Vorgang denselben Beschränkungen wie von Windows-Screen-Readern her gewohnt: Sind nicht mehr beide Objekte visuell am Bildschirm sichtbar, weil eines in der Zwischenzeit verdeckt wurde oder weggescrollt ist, schlägt der Vorgang fehl. Auch sind nicht alle Objekte von VoiceOver zum Ziehen freigegeben: Auf den meisten Webelementen erlaubt es schon das Markieren als zu ziehendes Objekt nicht. So kann man z.B. nicht wie der Sehende in Google Plus einen Kontakt auf einen Kreis ziehen, um ihn diesem Kreis hinzuzufügen.

Schnelle Navigation mit einzelnen Buchstaben auf Webseiten

Ähnlich dem Modell von Windows-Screen-Readern kann man in VoiceOver jetzt optional einstellen, dass man durch das Tippen einzelner Buchstaben ohne Umschalttasten wie Befehlstaste zu bestimmten Elementen navigieren kann. Dies sollte Umsteigern den Umstieg noch weiter erleichtern.

Aufgeräumteres VoiceOver-Dienstprogramm

Die Benutzeroberfläche des Dienstprogrammes für VoiceOver wurde an einigen Stellen überarbeitet, um neue Funktionen elegant zu integrieren und einige Tabs übersichtlicher zu gestalten. Weiterhin gibt es jetzt eine Suchfunktion, mit der eine bestimmte Funktion leicht aufgefunden werden kann, wenn man vergessen hat, wo genau sie sich verbirgt.

Unterstützung von Anwendungen

Kalender

Die Navigation und Interaktion mit Kalenderobjekten wurde stark verbessert, auch die Überarbeitung des Kalenders selbst bringt für VoiceOver eine weitere Verbesserung der Zugänglichkeit des ohnehin schon sehr zugänglichen Kalenders.

Mail

Das neue, für meine Begriffe sehr gelungene, mail wird von VoiceOver unterstützt. Es ist also nicht nötig, außer man möchte es aus Gewohnheit tun, auf die klassische Darstellung, die man aus Snow Leopard gewohnt ist, umzuschalten. Die neue, konversationsorientierte, darstellung ist mit VoiceOver genauso nutzbar. Nach wenigen Minuten des Eingewöhnens möchte ich diese Darstellung, die auch schon vom iPad und iPhone bekannt ist, nicht mehr missen. Die Vorschau der einzelnen Mails wird automatisch vorgelesen und gibt so einen schnellen Überblick über den wichtigsten Inhalt der Mail.

Safari

Es werden jetzt Navigationspunkte (WAI-ARIA Landmarks) erkannt. Die deutsche Übersetzung ist etwas hakelig geworden, so sagt VoiceOver beim Erreichen eines Orientierungspunkts z. B. „Banner eingeben“. Warum man nicht einfach die gut funktionierende Übersetzung von iOS genommen hat, erschließt sich mir nicht.

VoiceOver sagt jetzt erforderliche und ungültige Einträge an, wenn diese mit HTML5 oder WAI-ARIA ausgezeichnet sind. Auch werden WAI-ARIA Dialoge und Live Regions unterstützt.

Die Interaktion mit formatierbarem Text, z. B. beim Verfassen einer Mail in GoogleMail, wurde verbessert.

VoiceOver kommt spürbar besser und schneller mit sich dynamisch aktualisierenden Seiten wie Facebook zurecht.

LaunchPad und Mission Control

Auch die neuen Funktionen LaunchPad und Mission Control sind mit VoiceOver bedienbar. Der wirkliche Nutzen erschließt sich mir aber nur, wenn ich die Trackpad-Steuerung aktiviert habe und somit die Objekte tatsächlich berühre. Die Navigation im Gitter mit der Tastatur ist nicht effizienter als das Wählen einer Anwendung aus dem Dock oder dem Programme-Ordner im Finder, sondern eher langsamer, weil man hier keine Möglichkeit der Eingabe von Buchstaben hat, um ein Programm gezielt anzuspringen.

Die neue Rechtschreibkorrektur und Autovervollständigung

Die neue Autovervollständigung wird von VoiceOver unterstützt. Ertönt der auch vom iPhone bekannte Blubberton, kann man mit Pfeil runter die Rechtschreibvorschläge ansteuern, mit rechts und links die einzelnen Vorschläge auswählen und mit Eingabe von z. B. Leerzeichen oder einem Satzzeichen übernehmen, oder man drückt Pfeil rauf, um keinen der Vorschläge zu akzeptieren.

Kleine Detailverbesserungen

Es sind aber auch die Detailverbesserungen, die das Arbeiten unter Lion mit VoiceOver zu einem schönen Erlebnis machen. So werden bei Tabellen, denen von einem programm Zeilen hinzugefügt werden, die gewählten Zeilen nicht automatisch erneut vorgelesen, nur weil neue Inhalte dazugekommen sind. Gerade bei einem Programm wie dem Twitter-Client Syrinx ist dies eine angenehme Reduzierung der Geschwätzigkeit.

Das Vorlesen im Web geht meines Erachtens nach etwas flüssiger vonstatten als unter Snow Leopard. In manchen Situationen (ich habe noch nicht genau herausgefunden, welche) kann man sogar während des Vorlesens eines Absatzes VO+A drücken, und das Vorlesen wird nicht unterbrochen, sondern das Objekt wird zu Ende gelesen und dann mit dem nächsten weitergemacht.

Fazit

Von vielen wird bemängelt, dass Lion kein großer Fortschritt sei. In Bezug auf die Zugänglichkeit dynamischer und mit neuen Technologien wie HTML5 und WAI-ARIA zugänglich gemachter Webinhalte ist VoiceOver in Lion hingegen doch ein sehr großer Fortschritt, da die Menge an unterstützten Widgets dramatisch zugenommen hat.

Auch die neuen Oberflächen von Mail und Kalender sind, wenn man viel mit diesen Programmen arbeitet, das Upgrade definitiv wert.

Etwas weniger sinnvoll ist LaunchPad für VoiceOver-Benutzer, die die Trackpad-Steuerung nicht benutzen.

Die eingebauten und kostenlos herunterladbaren Stimmen sind ein echter Zugewinn! Man ist nicht mehr zwangsweise auf den Erwerb von Stimmen eines Drittanbieters angewiesen, sondern bekommt schön klingende und dennoch sehr reaktionsschnelle Stimmen frei haus mitgeliefert, man muss lediglich ein bisschen Zeit aufwenden, sie per Softwareaktualisierung herunterzuladen.

Für €23,99 bekommt man hier definitiv eine ganze Menge Neues fürs Geld geboten, und ich kann das Upgrade nur wärmstens empfehlen!

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Allgemein Apple Zugänglichkeit

Neues Bezahlsystem mit Bezahlcode ein Gewinn für die Barrierefreiheit

Ich bin seit einiger Zeit Betatester für die iPhone- und iPad-Anwendung iOutBank. Das folgende ist ein Ausblick auf die kommende Version von iOutbank, speziell für das iPhone, die einen riesigen Schritt für mehr Barrierefreiheit beim Bezahlen per Überweisung darstellen kann, wenn entsprechend die Firmen mitziehen. Ich habe von der Stöger IT GmbH die Genehmigung, über dieses noch nicht veröffentlichte Feature zu bloggen.

Zunächst einmal folgt ein kleiner Einblick darin, wie ich als Blinder heute eine Überweisung tätige:

  1. Rechnung kommt mit der Post oder als PDF.
  2. Rechnung wird auf Scanner gepackt bzw. das PDF wird geöffnet.
  3. Wenn das PDF ordentlich ausgezeichnet ist, was die wenigsten sind, kann ich die Rechnung sofort verarbeiten. In den meisten Fällen muss ich aber die PDF-Rechnung durch eine Texterkennung jagen, um den Text überhaupt lesen zu können. Mit der Papierrechnung muss ich das auf jeden Fall tun.
  4. Die generierte Textdatei durchsuche ich nun nach den Daten wie Kontonummer, BLZ, genauen Namen der Firma, Rechnungsbetrag und Rechnungsnummer.
  5. Jetzt logge ich mich in mein Online-Banking-Portal ein und wähle „Überweisung“.
  6. Wenn ich Glück habe, kann ich mit Copy & Paste die Daten in die einzelnen Felder übernehmen. Wenn ich Pech habe, muss ich Dinge wie Bankleitzahl oder Kontonummer in kleineren Portionen kopieren oder im Kopf behalten, nämlich immer dann, wenn aus Gründen der optischen Verschönerung und besseren Lesbarkeit mit den Augen Leerzeichen in den Ziffernfolgen stehen. Und ich kenne bisher kein Onlinebanking-Portal, das so klug wäre, die Leerzeichen beim Einfügen rauszufiltern oder ggf. für übliche Ziffernaufteilungen in den Eingabefeldern genug Platz zu lassen. Die Folge sind abgeschnittene Kontonummern oder Bankleitzahlen, die ich erst noch mühsam nachbearbeiten und vervollständigen muss.
  7. Ist alles ausgefüllt, dann noch die indizierte TAN eingeben und die Überweisung absenden. Bei Firmen, mit denen ich öfters Zahlungsverkehr habe, kann ich die Empfängerdaten speichern und mir in Zukunft vielleicht einige Tipparbeit sparen.

Vor einigen Wochen nun sprach mich der Inhaber der Stöger IT GmbH an, dass da eine neue Funktion in IOutbank käme namens Bezahlcode-Unterstützung. Er verwies mich dann auch auf die Webseite bezahlcode.de, auf der das Verfahren näher erklärt wird und sogar ein Bezahlcode-Generator zum Ausprobieren vorhanden ist.

Ich habe dann mal einen Test gemacht und mir selbst eine Rechnung gestellt. Der Bezahlcode war auf der Seite schnell generiert, die entsprechende Grafik in die Zwischenablage kopiert und in ein Word-Dokument eingefügt.

Als nächstes die neueste Beta von iOutbank gestartet, die entsprechenden Knöpfe betätigt und die Kamera ca. 10-20 cm über das ausgedruckte Blatt Papier gehalten. Ein bisschen hin und her bewegt, und nach wenigen Sekunden ertönte ein Signal, und iOutbank teilte mir mit, dass es einen Bezahlcode identifiziert hat. Nach dem Bestätigen wurde automatisch ein Überweisungsfenster geöffnet und die Daten eingetragen. Es war alles da: Name, Kontonummer, Bankleitzahl, Betrag und Verwendungszweck! Kein Abtippen, keine Gefahr von zahlen- oder Buchstabendrehern. Ich hätte die Überweisung jetzt einfach absenden, eine i-Tan eingeben und die Überweisung tätigen können.

Einen Audioeindruck (ganz bewusst kein Video!) gibt es in diesem AudioBoo von mir.

Ich hoffe sehr, dass sich dieser Bezahlcode durchsetzt und in Zukunft auf jeder Rechnung zu finden sein wird! Dies wird blinden und sehenden Anwendern das Bezahlen von Rechnungen ganz erheblich erleichtern und gerade Blinden viel viel Arbeit, Frust und evtl. doppelt auszuführende Überweisungen ersparen (weil eine z. B. wegen Zifferndrehern oder unvollständiger Kontonummer zurückgebucht wird).

Und hiermit möchte ich einen Aufruf an alle Firmenmitentscheider, die diesen Blog lesen, starten, diesen Bezahlcode in Zukunft zu unterstützen! Es wird weitere Anwendungen geben, die diese Bezahlcodes werden auswerten können, nicht nur die iPhone-Anwendung, und Sie werden Ihren Kunden damit einen sehr großen Dienst erweisen, egal ob diese blind sind oder nicht!

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Apple Zugänglichkeit

Das zugängliche iPhone 3G S – ein Erfahrungsbericht

Nachdem ich kurz nach dessen Erscheinen das iPhone 3G S in einer Gravis-Filiale in Hamburg kurz testen durfte, habe ich seit dem 04.07. mein eigenes iPhone 3G S, und genau einen Monat später ist es nun Zeit für einen ausführlichen Erfahrungsbericht.

Das erste Auspacken und die Inbetriebnahme

Wie alle Apple-Produkte ist auch das iPhone 3G S in einem sehr effizient gestalteten Karton verpackt, in dem neben dem iPhone selbst ein Headset, ein USB-Kabel, das sowohl zum Laden als auch zur Synchronisation dient, ein externes USB-Netzteil mit europäischem Stecker und eine Kurzanleitung Platz finden.

Eine sehr angenehme Eigenschaft ist, dass dieses externe Netzteil genau dieselben Steckverbindungen für die Steckdose hat wie das Netzteil meines MacBooks. Ich kann also meine Stecker für die USA, Großbritanien und andere Systeme ohne Probleme auch für das externe iPhone-Netzteil verwenden, sollte das Notebook zum Laden mal nicht zur Verfügung stehen.

Beim ersten Anschließen ans Notebook meldet iTunes sofort die Verfügbarkeit des iPhones, und ein Assistent wird gestartet, der durch die verschiedenen Schritte der Aktivierung führt. Dieser Prozess ist mit dem des iPod Nano, den ich schon vorher hatte, quasi identisch. Ich selbst habe mit dem iTunes für Mac OS X synchronisiert, es geht aber mit JAWS 10 oder Window-Eyes 7 auch unter Windows ganz prima, habe ich mir berichten lassen.

Von Apple eigentlich angekündigt, wurde bei mir VoiceOver jedoch nicht automatisch auf dem iPhone gestartet. Ich musste in den iPhone-Einstellungen unter „Bedienungshilfen konfigurieren“ VoiceOver manuell aktivieren. Dann begann es aber sofort zu sprechen und wies mich darauf hin, dass die SIM-Karte zur Zeit gesperrt sei und dass ich sie entsperren, also die PIN eingeben könne.

Es empfiehlt sich zu diesem Zeitpunkt dringend, mindestens mal einen Blick auf die Liste der Gesten zu werfen, die bei aktiviertem VoiceOver aktiv sind. Ich selbst hatte mich vorher ausführlich über das als PDF zur Verfügung stehenden Handbuches informiert. Tut man dies nicht, läuft man Gefahr, bei den ersten Schritten doch mehr zu stolpern als nötig. Und gerade die Eingabe der PIN ist ja nicht ganz unsensibel, da nur drei Versuche für die richtige Eingabe derselben zur Verfügung stehen, bevor die Karte gesperrt wird und man die PUK usw. bemühen muss.

Ich tippte also doppelt auf die Taste „Entsperren“. Das Ziffernfeld wurde angezeigt, und ich konnte mit dem Finger die einzelnen Elemente ansteuern. Die Eingabe der PIN war dann kein Problem, und kurz darauf hatte ich 5 von 5 möglichen Balken meines T-Mobile-Netzwerkes zur Verfügung.

Es empfiehlt sich weiterhin, möglichst frühzeitig eine WLAN-Verbindung zu seinem AccessPoint einzurichten, es sei denn, man hat sich den Luxus einer mobilen Flatrate geleistet. Das iPhone nimmt als erstes, wenn verfügbar, eine WLAN-Verbindung, bevor es auf UMTS und GPRS zurückgreift.

Die Eingabe gestaltete sich denkbar einfach: Ich ging in die Einstellung, und WLAN war gleich im Eingangsbildschirm als Option verfügbar. Ein Doppeltippen, und ich wurde aufgefordert, das Netz zu wählen, mit dem ich mich verbinden wollte. Da es in der Nachbarschaft mehrere Netze gibt, musste ich tatsächlich eines von mehreren durch doppeltes Tippen auswählen. Die Eingabe des WPA-Schlüssels gestaltete sich dann genauso unproblematisch wie vorher die Eingabe der PIN. Gleich darauf hatte ich Zugriff aufs Internet über meine Festnetzflatrate. Einziger Stolperstein, zumindest für ein paar Sekunden, war die Tatsache, dass die Taste zum Bestätigen des WPA-Schlüssels sich neben der Leertaste befand, also Teil der virtuellen Tastatur war, und nicht ein separates Benutzerinterface-Element wie ein „OK“-Button.

Ein paar Worte zur Handhabung der virtuellen Tastatur

Dies ist wohl der Teil des iPhones, der den größten Lernaufwand erfordert, weil sich die Vorgehensweise so komplett von allem unterscheidet, was man als Nutzer eines Smartphones von z. B. Nokia her kennt: Das iPhone stellt eine komplette Tastatur auf dem Touchscreen dar, aufgeteilt in drei Ebenen: Buchstaben, Ziffern (plus der wichtigsten Satzzeichen) und Symbole. Hierbei ist von Buchstaben lediglich zu Ziffern, aber von Ziffern sowohl zu Symbolen als auch zurück zu Buchstaben umschaltbar. Weiterhin gibt es mehrere Tastaturlayouts. Bei mir war standardmäßig englisch voreingestellt. Neben der Leertaste gibt es aber eine Taste mit der Beschriftung „nächste Tastatur“, mit der sich das Layout dann ganz problemlos auf Deutsch umstellen ließ.

Umlaute sind ein kleiner Spezialfall: Sie sind nicht Bestandteil der Standardtastatur, können aber durch eine Standardgeste zum Vorschein gebracht werden. Will man z. B. ein ü eingeben, tippt man doppelt auf den Buchstaben u und lässt den Finger nach dem zweiten Tippen auf dem Display ruhen. Dies bewirkt, dass als nächstes eine Standardgeste erwartet wird, die nicht von VoiceOver gefiltert wird. Dies entspricht in etwa dem Durchreichen eines Tastaturkommandos an einem herkömmlichen Screen-Reader vorbei. Sobald der Ton für die Aktivierung der Durchreichung ertönt ist, bewegt man den Finger, ohne ihn vom Display zu nehmen, nach links, bis VoiceOver das ü ansagt. Dann hebt man den Finger an. Dies bewirkt das Eingeben des Buchstabens ü ins Eingabefeld. Von jetzt an sind wieder die VoiceOver-Gesten aktiv.

Eingabetechniken gibt es mehrere. Es gibt Leute, die die Zwei-Daumen-Technik verwenden. Ich hingegen halte das iPhone in der rechten Hand und lasse lediglich den Daumen an einer Kante des Displays ruhen. Die Tasten steuere ich mit meinem Lesefinger, dem Zeigefinger der linken Hand, an. Sobald ich den gewünschten Buchstaben gefunden habe, lasse ich den Finger dort liegen und tippe mit dem rechten Daumen auf das Display. Dies bewirkt das sogenannte geteilte Tippen und damit die Eingabe des Buchstabens. Das ist dasselbe wie wenn ich den Buchstaben erst mit einem Finger ausgewählt und dann per Doppeltippen eingegeben hätte.

Am Anfang muss man sich natürlich etwas eingewöhnen, aber ich habe, wie ich schon in meinen ersten Eindrücken schilderte, schnell an Tippgeschwindigkeit gewonnen. Hat man das Gefühl, dass einem die Buchstaben zu dicht nebeneinander liegen, kann man das iPhone auf die Seite ins Querformat drehen und so die Tastatur etwas verbreitern.

Telefonieren

Ich bin, seit ich mein erstes Talks-handy hatte, ein großer Freund gut gepflegter Adressbücher geworden. Als Kind konnte ich mir über 50 Telefonnummern merken. Davon ist heute aber nicht mehr viel übrig, weil ich Telefonnummern inzwischen alle im handy verwalte. Dan eines freien Plugins von Nokia war es mir auch möglich, über Apple’s iSync die Daten von meinem N82 per Mac aufs iPhone zu bekommen, ohne den geringsten Datenverlust. Unter Windows geht das mit Outlook, der PC Suite und iTunes von Apple analog.

Demzufolge war für mich das Telefonieren auch von Anfang an sehr komfortabel: Die Telefonanwendung, die sich auf dem Home-Screen immer unten links befindet, egal welche der Home-Seiten angezeigt wird, hat eine Liste der Kontakte gleich als einen der verfügbaren Tabs im Angebot. Den Kontakt doppelt tippen, und in den Details die gewünschte Telefonnummer doppelt tippen, und schon geht der Anruf los.

Natürlich funktioniert auch das Wählen mit dem Ziffernblock problemlos.

Das Register Favoriten in der Telefonanwendung bietet sogar noch schnelleren Zugriff auf häfugi angerufene Kontakte.

Auch findet man hier die Anruflisten, die man weiter in „alle“, „verpasst“, „eingehend“ usw. filtern kann. Ein Doppeltippen startet einen Rückruf.

Schließlich kann man mit dem Register VoiceMail den mobilen Anrufbeantworter anrufen oder, falls verfügbar, die Funktionen von Visual VoiceMail, eine etwas interaktivere Oberfläche für den mobilen AB, nutzen. Ich selbst habe zur Zeit kein Visual VoiceMail zur Verfügung, weiß aber von anderen Anwendern, dass die Elemente alle zugänglich sind.

Eine kleine Schwäche stellte ich fest, als ich mit dem iPhone in einer Schutzhülle telefonierte. Obwohl ich das iPhone eindeutig aufrecht am Ohr hielt, schaltete es zwischendurch immer wieder in den Freisprech-Modus, als wenn ich das Telefon gerade auf den Tisch vor mich gelegt hätte. Es empfiehlt sich also, das iPhone zum Telefonieren immer aus seiner Schutztasche zu nehmen, da diese anscheinend das eine oder andere Signal ans Display sendet und das iPhone zu kleinen Felfunktionen verleitet. Ohne Tasche sind diese Effekte gänzlich verschwunden gewesen.

Nachrichten

Hier werden SMS und MMS gelesen und geschrieben. Die Interaktion ist ähnlich denen anderer Handies, man kann einen Empfänger eingeben oder aus den Kontakten wählen. Einziger Unterschied ist, dass man nicht im Vorwege entscheidet, obman eine SMS oder MMS versendet. Schreibt man nur Text, macht das iPhone automatisch eine SMS, fügt man Anlagen hinzu, wird eine MMS draus.

Mail

Mail ist sehr schnell und mächtig. Es hatte sofort alle Kontendaten von meinem MacBook übernommen und kommt wunderbar mit meinem Googlemail-Konto klar. Informationen wie der Ungelesen-Status werden angesagt, das Verfassen und Versenden sieht dem Verfassen von SMS ähnlich. Filter gibt es keine, da sollte man das GoogleMail-Interface im Web bemühen und die Filterung dort vornehmen lassen.

Safari

Dies ist der erste Browser, der mit Sprachausgabe auf einem handy zugänglich ist, bei dem ich nicht das Gefühl habe, den Finger an einer wackligen Kiste zu haben, die jeden Moment in einen Abgrund stürzt. Seiten wie die des Hamburger Abendblatts, die auf sämtlichen von mir ausprobierten Nokia-Handies immer für eine hoffnungslose Überforderung gesorgt hat, öffnet sich mit Safari auf dem iPhone problemlos und sehr schnell. Dank der Rotoreinstellungen für verschiedene HTML-Elemente ist das Navigieren sehr flexibel und funktioniert zuverlässig und zügig. Lesezeichen, Suchfunktion und sogar mehrere Tabs komplettieren den Funktionsumfang.

Da Safari mit modernen JavaScript-Dialekten umgehen kann, ist es eine sehr sichere Umgebung, um auch Web-2.0-Anwendungen gut nutzen zu können, wenn man unterwegs ist.

Kalender

Der Kalender ist komplett zugänglich und funktioniert sogar noch besser als iCal auf dem Mac. Erinnerungen, Geburtstage o. ä. sind im handumdrehen eingetragen.

Auch die Ansage bei Durchgehen der Daten, ob Termine vorhanden sind, klappt zuverlässig. Es werden alle Ansichten unterstützt.

Kamera und Fotos

Auch diese sind mit VoiceOver gut bedienbar. Wenn man also ein Gefühl dafür hat, wo die Kamera hin zeigt, kann man auch als Blinder hiermit Fotos machen. Sehr positiv fiel mir auf, dass es zwischen der Kamera und VoiceOver keine Konflikte gibt, wie ich sie leider von diversen Nokia-Handys und Talks her kenne. Man muss VoiceOver nicht zum Aufnehmen eines Fotos oder Videos ausschalten.

Das einzige, was ich in diesem Bereich noch nicht probiert habe, ist das Schneiden von Videos. Sobald ich dies mal getan habe, werde ich diesen Absatz aktualisieren.

Youtube, Karten, Aktien

Diese kleinen Anwendungen sind Interfaces zu verschiedenen Diensten wie eben Youtube, Yahoo! Finance und Google Maps. In Karten gibt es einige Möglichkeiten auch für blinde Anwender, zumindest ungefähre Richtungsangaben zu erhalten oder Verkehrsverbundsinformationen nachzuschlagen. Karten ist nicht als Ersatz für ein GPS gedacht und erfüllt auch nicht diese Funktionen, auch nicht für Sehende.

Notizen, Sprachmemos

Zwei sehr schöne kleine Helferlein, die zur Aufnahme von Sprachnotizen oder zum Niederschreiben von Informationen dienen und beide natürlich zugänglich sind. Die Notizen können ebenfalls auch abgeglichen werden, wenn man Mac OS X 10.5.7 oder höher einsetzt.

Uhr

Die Uhr ist ein kleines Wunderwerk. Sie bietet nicht nur die obligatorische Weckfunktion, sondern auch eine Weltuhr mit einstellbaren Orten. Da ich viel mit Kollegen aus sowohl Mountain View, Kalifornien (nähe San Francisco) als auch Aucland, Neuseeland, zusammenarbeite, habe ich mir eingestellt, dass mir diese beiden lokalen Zeiten ganz prominent angezeigt werden. So weiß ich jederzeit, ob meine Kollegen wach sind oder schlafen. Gerade bei Neuseeland auf der Südhalbkugel und verschobenen Sommer- und Winterzeiten ist es immer recht aufwendig, die Zeitverschiebungen zu errechnen, und daher bin ich über dieses Helferlein sehr dankbar.

Eine Stoppuhr und eine Timer-/Countdown-Funktion vervollständigen den Funktionsumfang.

Wetter

Eine kleine, aber nützliche, Anwendung, die sich mit Yahoo! Wetter verbindet und aktuelle Wetterdaten abruft. Ich habe mir Hamburg als Standardort eingestellt, es können aber jede Menge weiterer Orte hinzugefügt werden. Diese Anwendung habe ich auch im Ohrfunk-Podcast während meines Interviews demonstriert.

Der Kompass

Eine Funktion, die ich so auf noch keinem handy gesehen habe, ist ein Kompass, und dieser funktioniert auch ganz prima! Gerade wenn man mal irgendwo unterwegs ist, z. B. im Wald, kann es sehr nützlich sein, die genaue Himmelsrichtung zu wissen, in die man gerade läuft.

Anwendungen aus dem App Store

Ein Modell, das sol angsam Schule macht, ist das Vertreiben von Software von Drittherstellern über eine zentrale Sammelstelle, in diesem Fall dem App Store von Apple. Nokia und Google kopieren diesen Ansatz derzeit, weil über 65000 Anwendungen und weit über 1.000.000.000 Downloads nicht ganz falsch sein können. 🙂 Sowohl das Kaufen von Musik als auch das Kaufen oder Herunterladen kostenloser Software ist sowohl über das iPhone direkt als auch über iTunes auf Mac oder PC möglich. Das iPhone bietet eine sehr schöne Oberfläche für diese Tätigkeiten, die schnörkellos die wichtigsten Daten präsentiert.

Apple haben angekündigt, mit Entwicklern von iPhone-Anwendungen zusammenarbeiten zu wollen, um sicherzustellen, dass neue oder aktualisierte Anwendungen auch mit VoiceOver bedienbar sind. Der Accessibility Programming Guide for iPhone OS ist eine gute Einstiegsseite für Entwickler, deren Anwendungen nicht oder nur teilweise zugänglich sind.

Ich habe mal ein paar Anwendungen getestet und unterschiedliche Ergebnisse bekommen, bin alles in allem aber positiv überrascht, wie viel mit dieser ersten Version von VoiceOver und diversen zufällig gewählten Anwendungen schon geht! Eine viel ausführlichere Liste von Anwendungen, die Anwender weltweit auf die Funktionalität mit VoiceOver hin getestet haben, wird von Communitymitgliedern aus Kanada gepflegt (englisch).

Twitter

Diejenigen, die mir auf Twitter folgen, werden bemerkt haben, dass ich auch vom iPhone aus getwittert habe. Ich habe sowohl Twittelator Pro als auch Tweetero ausprobiert und komme mit beiden gut klar. Twittelator hat deutlich mehr Funktionen, aber auch zur Zeit noch einige Probleme mit Tasten, die von VoiceOver zwar als solche angesagt werden, denen aber die Beschriftungen fehlen. Andrew Stone, der Autor, hat inzwischen über Twitter verlauten lassen, dass er sich über das Feedback gefreut hat, das er aus der Blindenszene bekommen hat und an dem Zustand was ändern möchte. Wir dürfen also aufs nächste Update gespannt sein!

Der Funktionsumfang beider Programme geht deutlich über das hinaus, was z. B. Jibjib auf dem N82 bietet, und es geht flotter von der Hand als über die Twitter-Webseiten zu navigieren. Auch die mobilen Twitter-Seiten sind im Funktionsumfang eingeschränkt, so dass eine native Anwendung für Twitter auf dem iPhone der Produktivität definitiv gut tut.

Facebook

Die Facebook-Anwendung fürs iPhone funktioniert besser als viele Funktionen mit einem Screen Reader auf PC oder Mac. Die Anwendung ist in ihrem Funktionsumfang eingeschränkt, die Funktionen, die drin sind, funktionieren dafür aber prima! Man kann Facebook nur ermutigen, den Weg weiter zu gehen und auch in Zukunft gute und nützliche Funktionen einzubauen.

Radioprogramme

Ich habe sowohl die Anwendung für die Radioprogramme des norddeutschen Rundfunks als auch des Hamburger Lokalsenders Oldie95 getestet. Beide haben Barrierefreiheitsprobleme in Form von nicht beschrifteten Tasten oder Elementen, die sich mit VoiceOver nicht bedienen lassen. Während die Firma, die für Oldie95 diese Anwendung programmiert, auf meine Anmerkungen und Vorschläge innerhalb einer Stunde reagierte und Besserung beim nächsten Update in Aussicht stellte, hat sich der NDR bis heute nicht gerührt, nicht mal geschrieben, dass sie meine Anmerkungen überhaupt erhalten haben.

AroundMe

Eine kleine nützliche Anwendung für das iPhone ist AroundMe, die anhand aktueller GPS-Daten Points Of Interest aus der Umgebung findet. Wenn man also irgendwo fremd ist und ein Restaurant, eine Bank o. ä. sucht, ist dieses Programm ein sehr nützlicher Helfer.

Mobile Butler

Mobile Butler ist eine Anwendung, mit der nicht nur aktuelle Daten zum Mobilfunkvertrag wie verbrauchte Minuten und Volumen abgerufen, sondern ausgehend vom aktuellen Standort auch der nächst gelegene T-Mobile-WLAN-Hotspot gefunden werden kann. Leider hat dieses nützliche Tool noch diverse Probleme bei der Barrierefreiheit. ich habe den Autoren Holger Frank darüber informiert. Ich erhielt als Antwort, dass er sich darum kümmern möchte, jedoch warten muss, bis eine genügend große Sättigung mit iPhone OS 3.0 im Markt vorhanden ist, da die nötigen Änderungen die Kompatibilität mit iPhone OS 2.x nicht mehr gewährleisten würden. Ich versuche zur Zeit herauszufinden, ob es einen Workaround gibt, mit dem beides möglich ist. Wenn jemand eine Idee hat, bitte melden! 😉

heise.de

Diese Anwendung für die Online-Angebote des Heise Zeitschriftenverlages funktioniert in vielen Teilen schon ganz gut, es gibt auch hier jedoch einige nicht beschriftete Tasten und evtl. andere nicht zugängliche Elemente. Auf mein Forumposting hat sich der Autor umgehend bei mir gemeldet, und wir werden jetzt mal gucken, dass das besser wird. 😉

Fazit

Es ist, wie geschrieben, schon erstaunlich, was alles schon ohne weiteres Zutun möglich ist! Apple haben ihr Versprechen definitiv gehalten, dass sämtliche mit dem iPhone ausgelieferte Anwendungen mit VoiceOver kompatibel sind. Bei diversen anderen Anwendungen scheint es auch keine Probleme zu geben, einige Anwendungen, die ich selbst getestet haben, waren auch problemlos bedienbar, andere haben hier und da noch ein paar Haken und Ösen.

Alles in allem bereue ich den Kauf des iPhone 3G S überhaupt nicht. Es ist ein Mainstream-Handy mit eingebautem, vollwertigem, Screen Reader, basierend auf modernen Programmierschnittstellen, die bei korrekter Implementierung keinen Zweifel an der Richtigkeit der Informationen aufkommen lassen. Die Stimmen sind klar und verständlich, die Reaktionsgeschwindigkeit enorm hoch.

Es wäre wünschenswert, wenn Funktionen wie das Markieren von Text und anschließendes Copy & Paste auch bald mit VoiceOver funktionieren werden! Und mit „bald“ hoffe ich mal darauf, dass wir nicht bis zur dritten Vollversion nach VoiceOver-Start warten müssen, wie das bei den Sehenden der Fall war.

Auch hoffe ich, dass eine Funktion bald kommt, mit der VoiceOver einfacher vom iPhone aus aus- und vor allem eingeschaltet werden kann. Gerüchten zu Folge soll dies mit dreimaligem Tippen auf die Home-Taste bewerkstelligt werden.

Die große Frage, die sich manche(r) stellt, lautet mit Sicherheit: „Ist das iPhone was für mich?“ Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Denn nicht jeder wird mit den Anforderungen, einen Touchscreen zu bedienen, klar kommen. Ähnlich wie auch nicht jedes Blindenhilfsmittel für jeden Blinden gleichermaßen geeignet ist (z. B. fühlbare Armbanduhren versus sprechende), ist auch das iPhone ein Gerät, das nicht jeder (übrigens auch nicht jeder Sehende) bedienen kann. Das beste ist: Ab zum Apple-Händler des Vertrauens, den Verkäufer bitten, VoiceOver über Einstellungen/Allgemein/Bedienungshilfen einzuschalten und selbst ausprobieren. Über dieselbe Einstellung wird es auch rückstandsfrei wieder ausgeschaltet. So kann man sich in Ruhe ein erstes Bild machen, ähnlich wie ich dies getan habe.

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Erstes Anfühlen von VoiceOver auf dem iPhone

Heute Vormittag war ich bei Gravis in der Hamburger Innenstadt, um mir das am Freitag vergangener Woche erschienene iPhone 3G S anzuschauen. Das 3G S ist das erste iPhone von Apple, welches mit einem Screen Reader ausgestattet ist (die deutsche Seite spiegelt diese Info leider noch nicht wider).

Da Touchscreens bisher ja für Blinde eine unüberwindliche Barriere darstellten, war ich sehr gespannt. Nicht nur, dass es keine oder kaum taktile Orientierungspunkte geben würde, die Angst, etwas falsch zu machen oder auszulösen, was man gar nicht will, war schon vorhanden. Ich habe mal einen Alarm in einem Fahrstuhl ausgelöst, dessen Tasten nur durch Berührung sofort auslösten. Und ich habe natürlich den Alarmknopf getroffen. 🙂

Als ich bei Gravis ankam, wurde ich nach kurzer Frage sofort zum iPhone-Stand geführt. Ich hatte vorab per E-Mail mit dem Geschäft abgesprochen, dass ich mir das 3G S ausführlich anfühlen dürfe. Einer der beiden anwesenden Verkäufer wusste auch prompt, wie VoiceOver einzuschalten ist. Dies steht in der ganz normalen Anleitung für das iPhone gleichberechtigt neben allen anderen Funktionen, man muss es nicht sonstwo gesondert suchen. Im Gegensatz zur Accessibility-Seite ist die Anleitung sogar schon auf deutsch verfügbar und auf dem aktuellen Stand.

Als VoiceOver startete, begrüßte mich eine altbekannte Stimme: Yannick von den RealSpeak-Stimmen von Nuance. Die Stimme kam klar und deutlich aus dem eingebauten Lautsprecher des iPhone. Die Lautstärke lässt sich gut raufregeln, so dass man selbst in lauten Umgebungen gut verstehen kann. Leider waren die Umgebungsgeräusche jedoch so zahlreich, dass eine von mir ursprünglich geplante Aufnahme meines Tests nicht zustande kam.

Nachdem VoiceOver lief und eie Gesten sich veränderten, kam die Verkäuferin damit nicht mehr ganz so gut klar. 🙂 So übernahm ich das Handy und startete mit dem linken Zeigefinger (meinem Lesefinger für Punktschrift) eine Fahrt über den Bildschirm. VoiceOver kam sofort mit relevanten Infos daher, in einer sehr schnellen Reaktionszeit. Diese schlägt sogar die Reaktionszeiten meines N82 auf Tastendrücke um Längen. Und noch etwas wurde mir sofort klar: Ich bekam hier ein glasklares Gefühl dafür, wie der Bildschirm aufgebaut ist. Ich wusste ziemlich schnell, dass auf dem Home-Bildschirm das Symbol für Nachrichten ganz links oben unterhalb der Statusanzeige für die Akkulaufzeit, Netzstärke usw. angeordnet ist, dass das iPod-Symbol im rechten unteren Quadranten liegt usw. Man muss also nicht die erforschenden VoiceOver-Kommandos bemühen, sondern geht zielstrebig mit dem Finger in die Richtung, in der man die relevanten Infos vermutet.

Dies erleichtert natürlich auch ungemein die Kommunikation mit Sehenden: Die Verkäuferin sagte mir in der Telefonapplikation, dass man Kontakte, Zahlentastatur und andere Dinge unten umschaltet. Der Finger wanderte nach unten, und schon hatte ich die einzelnen Auswahlmöglichkeiten unterm Finger und konnte das gewünschte fokussieren und mit einem doppelten Tippen auslösen.

Das Tippen auf der Tastatur oder dem Ziffernblock gestaltete sich auch einfacher als erwartet. Dank eines Tipps von James Craig aus der englischsprachigen VIPhone Google Group, mit einem Finger das gewünschte Zeichen anzusteuern, den Finger dort zu belassen und mit einem anderen Finger derselben oder der anderen hand irgendwo auf dem Bildschirm zu tippen (geteiltes Tippen) gestaltete sich dies schon nach kurzer Eingewöhnung recht flüssig. Klar ist dies wahrscheinlich die größte Umstellung von allen, wenn man von einer Zifferntastatur wie dem N82 kommt. Aber die Tastatur erscheint immer anderselben Stelle, so dass es bald ein leichtes sein dürfte, sich darauf zurechtzufinden und schnell die gewünschten Buchstaben anzusteuern. Außerdem gibt es eine weitere Bedienungshilfe namens Autovervollständigung, die Wörter automatisch komplettiert und so Tipparbeit spart. Diese Funktion arbeitet gut mit VoiceOver zusammen.

Auch andere Gesten ließen sich schnell erlernen. So merkte ich ziemlich schnell, wie ich von links nach rechts streichen musste, um die VoiceOver-Funktion „nächstes Element lesen“ auszulösen. Auch das Scrollen durch Streichen mit den Fingern nach oben und unten begriff ich schnell. Auch die Bedienung des Rotors, die z. B. die Art der Textnavigation umschaltet (zeichen, wörter) oder im Browser Elemente auswählt, zwischen denen navigiert werden soll (Überschriften, Formulare, Links) ließ sich gut an. Hier kam mir meine Erfahrung mit meinem iPod Nano zu Gute: Die Bewegung mit einem Finger ist dieselbe wie das Navigieren über das Drehrad des iPods, um die Lautstärke zu verändern, durch Alben zu scrollen usw. Sogar der Sound, den das iPhone macht, ist bei dieser Aktion dieselbe wie im Nano. 🙂

Dies ist natürlich kein erschöpfender Vergleich. Ich besitze auch leider noch kein iPhone, da mein Vertrag vor kurzem erst verlängert wurde und ich mir noch kein neues Handy subventionieren lassen kann, und in Deutschland gibt’s das iPhone nur mit Vertrag. Einige Funktionen konnte ich daher bisher auch noch nicht ausprobieren, da die SIM-karte in dem iPhone gesperrt war.

Apple zeigen aber, dass sie inzwischen an vorderster Front in Puncto Accessibility mit dabei sind und sich nicht scheuen, neue Wege zu gehen und Konventionen aufzubrechen. Oder wie schrieb es Mike Calvo von Serotek neulich in einem Blogeintrag? Why is it that Apple always seems to get to the future first? Sie geben dem iPhone 3G S einen vollwertigen Screen Reader mit, für den man bei Handys mit Symbian oder Windows Mobile-Betriebssystemen mehrere hundert Euro extra zahlen muss, Updatepreise gar nicht mit eingerechnet. Und selbst die im AEGIS-Projekt aktive RIM Ltd arbeitet mit einer Firma zusammen, deren Blackberry-Lösung ein kostenpflichtiger Screen Reader sein wird. Lediglich Google Android scheinen da was ähnliches aufzubauen mit einer kostenlosen Screen-Reader-Lösung. Das, was ich bisher aber gehört habe, kommt bei weitem nicht an das Paket heran, das Apple hier geschnürt hat. Denn nicht nur die Anwendungen, die auf dem iPhone mitgeliefert werden, sondern auch schon diverse Anwendungen des App Store sind zugänglich, und das öffnet natürlich eine ganz große Reihe von Möglichkeiten! Denn auch Entwickler, die ein 3G S haben, können gleich testen, ob ihre Anwendung mit VoiceOver zusammenarbeitet, es ist ja einfach vorhanden.

Wie unschwer zu erkennen ist, bin ich sehr angetan vom iPhone 3G S und hoffe, dass ich in Bälde eines mein Eigen nennen kann, auf welchem Wege auch immer. 🙂

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Neue Mailingliste für Apple-spezifische Themen der Zugänglichkeit

Da mein Beitrag über die Zugänglichkeit von Mac OS X auch außerhalb des Blogs eine rege Resonanz gefunden hat, habe ich mich entschlossen, eine deutschsprachige Mailingliste einzurichten, die sich mit dem Themenkreis Apple und deren zugängliche Produkte wie Mac OS und dessen Anwendungen, den iPod Nano der vierten Generation usw. beschäftigt. Diese Liste soll zum Erfahrungsaustausch zwischen Anwendern dienen, richtet sich aber genauso an diejenigen, die bisher keinen Apple verwenden, sich aber informieren möchten. Hier geht’s zur Infoseite mit Anmeldemöglichkeit.

Also dann, auf einen fruchtbaren Austausch!