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NVDA 2019.3 Beta 1 ist da

NVDA 2019.3 Beta 1 wurde heute veröffentlicht. Dies ist ein großes Release in der Geschichte von NVDA.

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Lesetipp: Wie man mit NVDA den Bildschirm erkundet

Da ich immer wieder danach gefragt werde, darüber aber schon 2014 gebloggt habe, hier ein Lesetipp quasi in eigener Sache: Wie man mit NVDA den Bildschirm erkundet.

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Erfahrungsbericht: Microsoft Surface Book und Surface Pro 4 mit Windows 10

Ich werde immer wieder von blinden Lesern gefragt, wie denn Windows 10 so sei, ob sich der Umstieg lohnt, ob danach alles kaputt ist o. ä. Auch kommen immer wieder mal Fragen nach geeigneter Hardware. Ich habe daher vor etwa einer Woche die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und sowohl das Microsoft Surface Book als auch das Surface Pro 4 einem Test unter Alltagsbedingungen unterzogen. Hier ist mein Erfahrungsbericht.

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Wie man mit NVDA den Bildschirm erkundet

Neulich wurde ich per E-Mail gefragt, ob ich nicht einmal etwas über die verschiedenen Cursor und Navigationsmodi des NVDA schreiben könnte. Der Autor und offenbar viele andere Umsteiger von kommerziellen Screen Readern kämen mit dem andersartigen Konzept von NVDA nicht gut zurecht. Nun denn, los geht’s!

Ein wenig Geschichtliches

Als die Screen Reader Anfang der 1990er Jahre die Windows-Welt erschlossen, gab es noch keine echten Programmierschnittstellen, um grafische Informationen per Sprachausgabe oder anderen alternativen Ausgabemedien zugänglich zu machen. Die einzige Möglichkeit war, sich per diverser schmutziger Tricks in alle möglichen dokumentierten und undokumentierten Kanäle von Windows zu hängen und Informationsflüsse abzugreifen. Daraus erstellten die Screen Reader sich dann ihre eigenen Datenbanken, ein sogenanntes off-screen model. Diese Technik wurde mit Windows 3.1 eingeführt und blieb bis zum Auslaufen von Windows Millennium quasi unverändert in den Home-Betriebssystemen bestehen.

Unter Windows NT 4 musste eine etwas andere Art der Informationsbeschaffung genutzt werden, nämlich ein Grafiktreiber, der vor den eigentlichen Treiber geschaltet wurde und so die Informationen, die eigentlich für die Grafikkarte bestimmt waren, erst abschnorchelte und dann weitergab. Diese Technik blieb bis einschließlich Windows XP unverändert bestehen.

In Windows Vista und 7 verbot Microsoft diese Art der Abschnorchelung und schaffte eine Alternative Möglichkeit, einen sogenannten Spiegeltreiber, der die Informationen von Microsoft parallel zur Grafikkarte erhielt. Aber immer noch bestand eine der Hauptinformationsquellen der kommerziellen Screen Reader wie JAWS, Window-Eyes & Co. aus diesen abgeschnorchelten und somit nicht klar definierten Daten.

Parallel gab es natürlich Entwicklungen wie Microsoft Active Accessibility (MSAA), mit denen Microsoft 1997 begann, grafische Informationen auf eine standardisiertere Weise zugänglich zu machen. Diese und andere ihr nachfolgende Methoden wie Microsofts eigener Nachfolger UI Automation (UIA), die Java Accessibility Bridge benötigen kein „Abkratzen“ grafischer Informationen mehr, sondern stellen alle benötigten Informationen über Namen, Rollen und Zustandsangaben selbst zur Verfügung. Auch die Bildschirmpositionen sind hierüber abfragbar.

Da es aber unter Windows bis heute möglich ist, Anwendungen zu schreiben, die diese Programmierschnittstellen nicht bedienen, haben sich die kommerziellen Screen Reader weiterhin auf ihre Off-Screen-Modelle verlassen, um Informationen zu erhalten. Zumeist ist dies in JAWS & Co. bis heute und bis Windows 7 die Hauptinformationsquelle, obwohl die Informationen, die MSAA & Co. bieten, deutlich besser sind und nicht von z. B. abgeschnittenen Texten verunstaltet werden

Mit Windows 8 ist nun endgültig Schluss mit der Abschnorchelei von Grafiktreiberinformationen. Microsoft hat den Laden dicht gemacht, so dass so Dinge wie der JAWS Cursor unter Windows 8 fast nichts mehr sehen. Es gibt noch einige wenige Aufrufe definierter Methoden, die Microsoft erlaubt, aber die nützen in der Regel nichts mehr.

Die Lösung des Problems

Die Lösung heißt bei JAWS Touch Cursor. Und dies ist quasi ein Abgucken dessen, was NVDA schon seit Anbeginn macht, nämlich eine Bildschirmerkundung auf Basis der besseren, weil definierten, Daten der Programmierschnittstellen MSAA und UIA. Andere Betriebssysteme wie iOS; Mac und Linux/Gnome funktionieren ausschließlich auf diesen Prinzipien, und NVDA hat sich als wesentlich jüngeres Screen-Reader-Projekt unter Windows gar nicht erst mit alten Zöpfen abgegeben, sondern den modernen Ansatz gewählt.

Und NVDA gibt den ganzen Objekten hierarchische Ordnung. Container werden als solche bezeichnet und behandelt, und wenn man sich ihren Inhalt anschauen möchte, muss man hineinzoomen. Mac-Anwender kennen dieses Konzept als Interagieren von VoiceOver mit bestimmten Elementen.

Auch NVDA unterstützt die verschiedenen wenigen Bildschirm-Abfrage-Möglichkeiten inzwischen, aber bei ihnen ist es eine erst vor einigen Jahren erfolgte Nachreichung, um bestimmte Lücken zu schließen, nicht die primäre Informationsquelle.

Die verschiedenen Cursor

Auch NVDA kennt verschiedene Cursor bzw. Zustände. Da wäre zunächst der Systemfokus, der immer da ist, wo die Tastatureingaben gerade hin gehen. Das JAWS-Äquivalent ist der PC Cursor. NVDA nennt dies Fokus-Modus.

Dann gibt es den Browse-Modus, der immer dann aktiv ist, wenn in Webinhalten navigiert wird. Dies ist das Äquivalent zum virtuellen PC Cursor von JAWS.

Und dann gibt es den NVDA-Cursor, manchmal auch als Objektnavigator bezeichnet. Dies ist der Modus, der immer den gesamten Baum von Bildschirmobjekten im Blick hat. Sein Ausgangspunkt ist standardmäßig die Position bzw. das Objekt des Fokus- oder Browse-Modus. Ja, ist man in Text im Web unterwegs, ist der Ausgangspunkt tatsächlich der Absatz, auf dem man sich gerade befindet. Man braucht nicht umzuschalten, sondern legt gleich mit der Erkundung los:

  • Mit NVDA-Taste und den Ziffernblocktasten 4 und 6 geht man auf einer Ebene ein Objekt zurück oder vorwärts. Im Laptop-Layout ist die Tastenkombination NVDA-Taste+Umschalt-Taste+Pfeil links oder rechts. Auf einem Touchscreen unter Windows 8 und 8.1 mit zwei Fingern nach links oder rechts wischen. Das Wischen mit einem Finger bewegt den objektnavigator zum nächsten oder vorherigen Element dem Bildschirmlayout entsprechend und hat keine Entsprechung per Tastatur.
  • Um eine Ebene nach oben zu gehen, also zum Container, der das aktuelle Objekt enthält, drückt man NVDA+Ziffernblocktaste 8 bzw. NVDA+Umschalt-Taste+Pfeil rauf. Um in einen Container hineinzuzoomen, drückt man entsprechend NVDA+Ziffernblocktaste 2 oder NVDA+Umschalt-Taste+Pfeil nach unten. Auf einem Touchscreen wischt man nach oben bzw. unten.
  • Um die Standardaktion des aktuellen Elements im Objektnavigator auszuführen wie einen Schalter zu aktivieren, drückt man NVDA+Ziffernblocktaste Eingabe bzw. NVDA+Eingabe auf dem Laptop, oder man führt einen Doppeltipp auf einem Touchscreen aus. Es ist also nicht nötig, die Maus zu diesem Objekt zu ziehen und dort zu klicken.

Standardmäßig arbeitet NVDA in einem reduzierten und somit übersichtlichen Objektnavigator-Baum, der unnötige Zwischencontainer und leere Elemente ausblendet. Um wirklich eine haargenaue Darstellung zu bekommen, kann man in den NVDA-Einstellungen unter NVDA-Cursor aber den genauen Modus anschalten, indem man das Kontrollfeld „Einfacher Darstellungsmodus“ deaktiviert.

Es ist auch möglich, mit den oben beschriebenen Navigatortasten den Bildschirm zu erkunden, so wie der Sehende ihn sieht, aber das ist nur ein sekundärer Modus, der eigentlich nur in Ausnahmefällen wie manchen Dialogen von Total Commander o. ä. nützlich ist. Man schaltet ihn mit NVDA+Ziffernblocktaste 7 bzw. NVDA+Umschalt-Taste+Seite Rauf ein und NVDA+Ziffernblocktaste 1 bzw. NVDA+Umschalt+Seite Abwärts wieder aus. Bitte beachten: Dies entspricht nicht der Erkundung eines Touchscreens, sondern dem doch sehr rudimentären Konzept des JAWS Cursors oder ähnlicher Konzepte bei anderen kommerziellen Screen Readern.

Wenn man ein Notebook mit Touchpad, eine angeschlossene Maus am PC oder einen Convertible mit Touchscreen oder gar ein Windows Tablet hat, auf dem NVDA läuft, kann man außerdem einfach mit der Maus bzw. dem Finger den Bildschirm erkunden. NVDA gibt gesprochenes Feedback, orientiert sich aber wieder ausschließlich an per Programmierschnittstellen ordentlich wiedergegebenen Objekten. Hat man ein Element gefunden, auf das man klicken möchte, kann man entweder mit der Maus bzw. dem Touchpad klicken oder ein Doppeltippen ausführen, weil der Objektnavigator dem Finger folgt.

Man kann aber auch die Maus zum Navigatorobjekt ziehen, nämlich mit NVDA+Zifferntaste Minus bzw. NVDA+Umschalt+M. Ein Mausklick mit der linken Taste wird dann mit Ziffernblocktaste Schrägstrich bzw. NVDA+Ü ausgeführt, ein rechter mit Ziffernblocktaste Sternchen oder NVDA+Plustaste.

Text erforschen und kopieren

Innerhalb eines Navigatorobjekts kann man auch Text erforschen und kopieren. Die Ziffernblocktasten 7, 8 und 9 gehen dabei eine Zeile rauf, lesen die aktuelle Zeile oder gehen zur nächsten Zeile. Die Ziffernblocktasten 4, 5 und 6 tun das gleiche mit dem aktuellen Wort, die Ziffernblocktasten 1, 2 und 3 tun das gleiche mit dem aktuellen Zeichen. Links geht immer eines zurück, die Mitte liest, rechts geht eines weiter. Das funktioniert übrigens auch wunderbar in der Eingabeaufforderung.

Für Laptops sind die Tasten wie folgt: NVDA+Pfeiltasten links und rechts lesen zeichenweise, NVDA+Pfeil rauf und runter lesen zeilenweise, NVDA+Strg+Pfeil links und rechts lesen wortweise. NVDA+Satzpunkt liest das aktuelle Zeichen, NVDA+Umschalt-Taste+Satzpunkt liest die aktuelle Zeile und NVDA+Strg+Satzpunkt liest das aktuelle Wort.

Auch mit Touchscreens kann man Text erforschen: Zunächst schaltet man mit wiederholtem Tippen mit drei Fingern in den Textmodus um. Danach bewirkt ein Streichen mit einem Finger nach links und rechts ein Lesen des vorherigen bzw. nächsten zeichens, nach oben und unten navigiert zeilenweise, und mit zwei Fingern nach links und rechts streichen liest das vorherige bzw. nächste Wort. Das aktuelle Wort wird durch nach oben wischen vorgelesen, eine Geste, die stärker ist als das Streichen.

Zum Lesen der aktuellen zeile des Systemcursors, also dessen, wo sich gerade die Tastatureingaben abspielen, gibt es einen gesonderten Befehl. Auf Desktops ist dies NVDA+Pfeil Rauf, und zwar die Pfeiltaste der normalen Tastatur. Da diese auf Laptops bereits belegt ist (siehe oben), gibt es dort den Befehl NVDA+L.

Möchte man beliebigen Text vom Bildschirm kopieren, geht man wie folgt vor:

  1. Man bewegt sich mit den entsprechenden Navigationsbefehlen auf den Textanfang, den man markieren möchte und drückt NVDA+F9.
  2. Man bewegt sich nun aufs Ende des zu markierenden Textes und drückt NVDA+F10. Das Zeichen unter dem Navigator-Cursor wird dabei in die Auswahl mit einbezogen.

Der Text wird nun sofort in die Zwischenablage kopiert und kann weiterverwendet werden. Wichtig ist, dass man erst den Startpunkt markiert, eine umgekehrte Reihenfolge, also von Ende zu Anfang markieren, wird von NVDA nicht unterstützt. Auch auf Touchscreens wird diese Funktion zur Zeit nicht unterstützt.

Ein Beispiel

Ein Beispiel, nach dem ich konkret in der Mail gefragt wurde, soll nun folgen, nämlich das Erfassen der Eigenschaften einer Datei. Ich habe mir mal ein Dokument vorgenommen und seine Eigenschaften mit Alt+Eingabetaste geöffnet. Die unten stehenden Schritte erläutern das Vorgehen unter Windows 8.1, sollten aber ähnlich auch in Windows 7 funktionieren.

  1. Der Fokus landet bei mir auf dem Kontrollfeld „Schreibgeschützt“. Weiterhin liest NVDA einmal den gesamten Sermon des Dialogs vor, aber das kann sich ja kein Mensch so schnell merken!
  2. Also beginne ich mal, indem ich mit dem navigator zum Elternelement gehe. Das ist NVDA+Pfeil Rauf bzw. NVDA+Umschalt+Pfeil Rauf auf Laptops. Ich lande auf „Allgemein Eigenschaftsseite“. Jetzt kann ich beginnen, die Infos von vorn nach hinten zu lesen.
  3. Ich drücke nun die Tastenkombination zum Reinzoomen, also das erste Kindelement dieser Eigenschaftsseite zu lesen. Das ist NVDA+Ziffernblock 2 bzw. NVDA+Umschalt+Pfeil Runter auf Laptops.
  4. Ich lande auf einer unbeschrifteten Grafik. Das ist keine Grafik, die er durch Bildschirmabkratzen gefunden hat, sondern eine, die tatsächlich ohne Beschriftung so definiert wurde. Nun wandere ich mit NVDA+Ziffernblock 6 bzw. NVDA+Umschalt+Pfeil Rechts Objekt für Objekt weiter. Als erstes kommt der Dateiname, dann wieder eine Grafik, dann der Dateityp, dann ein Öffnen mit, dem sogar noch ein Button fürs Ändern folgt, und dann der Dateipfad. Na,e, Typ und Dateipfad sind schreibgeschützte Eingabefelder. Mit Tab komme ich nicht zu allen hin, mit dem Objektnavigator schon, und vor allem kann ein Sehender mit der Maus reinklicken, um z. B. den Pfad o. ä. zu kopieren. Nun, wir können das auch.
  5. Mit NVDA+Eingabetaste setze ich den Fokus in das Eingabefeld Pfad. Das bewirkt, dass der Systemfokus sich ändert und wir ab sofort wieder damit interagieren. jetzt kann ich z. B. mit Strg+A den Text markieren, wenn das noch nicht der Fall ist und ihn mit Strg+C kopieren.
  6. Mit NVDA+Ziffernblock 6 bzw. NVDA+Umschalt+Pfeil Rechts kann ich jetzt einfach weiter navigieren, wir sind ja schon ein gutes Stück weit gekommen und müssen nicht wieder von vorn anfangen.
  7. Wandert mal weiter bis zum Schalter „Erweitert“. Ein Weiterwandern verursacht die Meldung „Kein weiteres objekt“. Hier sind wir also am Ende angekommen. Wie in Schritt 2 können wir jetzt wieder zum Elternelement wandern und z. B. gucken, was es auf der Ebene noch gibt. Da finden sich bei mir als nächstes, also nach der Allgemein Eigenschaftsseite, noch der OK Button, der Abbrechen Button und ein Container namens Registerkarte, der die Tabs Allgemein und Details enthält.

Alles klar? 🙂

Fazit

Ich hoffe, dass mit dieser kleinen Einführung etwas Licht ins Dunkel der verschiedenen NVDA-Modi gebracht wurde! Wichtig ist sich klarzumachen, dass bei NVDA alles standardmäßig ein Objekt mit ordentlichen Eigenschaften ist und nicht eine platte Bildschirmdarstellung ohne semantischen Bezug zu dem, was das objekt ist, was es tut und in welchem Zustand es sich befindet. Und eines noch: Es gibt keine Möglichkeit, Grafiken zu beschriften. Dieser Altlast hat sich NVDA niemals bedient. 😉

Gerade wenn man schon mit VoiceOver auf dem Mac vertraut ist, kommen einem viele Konzepte hier wieder bekannt vor. Man hat immer eine genaue Kontrolle darüber, welche objekte da sind und welche nicht, und es gibt keine Ungenauigkeiten außer denen, die tatsächlich aus Fehlern in Anwendungen resultieren. Aber Ungenauigkeiten durch Bildschirmneuaufbauten, durch die kommerzielle Screen Reader schon immer gern mal aus dem Tritt gerieten, gibt es bei NVDA nicht.

Viel Spaß beim Erforschen! 🙂

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Office für Blinde: Altbekanntes und neue Entwicklungen

Ausgelöst durch die am 14.01.2014 erfolgte Ankündigung von Microsoft und GW Micro, den Screen Reader Window-Eyes in Zukunft für Office-Anwender kostenlos zur Verfügung zu stellen, habe ich mich mal umgeschaut, was es im Moment so an gängigen Office-Lösungen gibt und wie zugänglich diese für Blinde sind. Zugängliche Office-Anwendungen sind gerade im beruflichen Umfeld immer noch einer der wichtigsten Faktoren, die über einen Arbeitsplatz oder die Arbeitslosigkeit entscheiden können.

Microsoft Office

Der Branchenprimus ist ganz klar weiterhin Microsoft mit seinem Office-Paket. Dabei bin ich auf eine sehr spannende Entwicklung gestoßen, nämlich Microsofts Abonnement-Modell Office 365. Als Privatanwender bekommt man hier für 10 Euro im Monat oder 99 Euro pro Jahr ein Paket, das ein vollwertiges Office Professional für Windows und Mac enthält sowie Zugang zu den Office Web Apps, die in Microsoft SkyDrive integriert sind als auch zu ihren mobilen Anwendungen für iOS und Android. Man wird stets auf dem aktuellen Stand gehalten. Selbst wenn Microsoft im Abozeitraum also eine neue große Version herausbringt, hat man sofort Zugriff drauf, ohne extra etwas bezahlen zu müssen. Und das beste: man kann es einen Monat kostenlos testen! Wenn man sich also überlegt, dass allein die Home & Student 2013 Edition, die wesentlich weniger Apps enthält, schon 139 Euro kostet und ein vollwertiges Office Pro mit fast 550 Euro zu Buche schlägt, ist das ein echt attraktives Angebot. Und der Clue: man darf das Office auf bis zu fünf Rechnern im eigenen Haushalt installieren, und diese Rechner dürfen Windows-PCs oder Mac-Computer sein. Zusätzlich kann man die Office-Apps auf bis zu fünf mobilen Geräten an einen Account anmelden. Die Web-Anwendungen sind von überall her zugänglich. Selbst ein Office-Streaming-Angebot gibt es: Man streamt es auf einen Rechner, und sobald man die App zumacht, entfernt sie sich wieder, angeblich rückstandsfrei. Das ist aber, je nach Internetverbindung, eine Option, die mitunter recht viel Geduld erfordert. Ich halte Office 365 für die mit Abstand wirtschaftlichste Möglichkeit, ein Office zu nutzen, die es für MS Office heute gibt. (Hinweis: Microsoft bezahlt mich nicht für diese Schwärmerei, und auch sonst bekomme ich von niemandem Geld dafür. 😉 )

Und eben ein solches lokal installiertes Office berechtigt in Zukunft zur Nutzung von Window-Eyes, ohne dies extra erwerben zu müssen. Voraussetzung ist der auch auf deutsch verfügbare Download der Version von der oben verlinkten Webseite. Aber Window-Eyes ist nicht die einzige Lösung, die mit diesem Office läuft. Zur Zeit ist dies Version 2013. NVDA und JAWS machen hier eine ebenso gute Figur. Wer JAWS kennt, weiß, wie gut der Office-Support ist. Und NVDA hat im letzten Jahr verdammt viel dazugelernt, was die Unterstützung von Word & Co. angeht. Da NVDA kostenlos ist, lohnt sich definitiv ein Vergleich! Ich empfand das Arbeiten mit NVDA in Office durchaus als deutlich zuverlässiger und schneller als mit Window-Eyes. Besonders bei der Benutzung einer Braillezeile hinkt WE z. B. sehr, wenn man in Word nur zeilenweise auf und ab navigiert.

Und weil ich in einem anderen Blogbeitrag speziell nach Narrator gefragt wurde: Narrator bietet keine wirklich ernstzunehmende Office-Unterstützung. Es sind keine Features wie das Lesen von Fußnoten, Rechtschreibfehlern im Dokument, Revisionen o. ä. verfügbar. Auch in Excel sieht man quasi gar nichts. Auch aus diesem Grund kommt man also mit einem RT-Tablet nicht weiter, sondern sollte für Windows 8.1 immer ein richtiges Intel-System nehmen, um einen besseren Screen Reader installieren zu können. Weitere Ausführungen finden sich im verlinkten Beitrag.

Unter OS X sieht die Situation leider nicht ganz so rosig aus. Die hier aktuelle Version Office für Mac 2011 hat zwar zugängliche Symbolleisten und Menüs, der eigentliche Dokumentbereich in Word ist mit VoiceOver aber z. B. gar nicht auslesbar. Ein Bearbeiten von Dokumenten ist hier de facto nicht möglich. Outlook geht so leidlich, aber hier muss Microsoft definitiv noch einmal nachbessern!

Die iOS und Android Apps für Office Mobile sind eher keine echten Produktivwerkzeuge für VoiceOver- bzw. TalkBack-Anwender. Unter iOS z. B. ist der Dokumentbereich nicht erfassbar, und Symbolleisten erscheinen und verschwinden quasi nach Belieben. Unter Android kommt man eventuell weiter, wenn man über die SkyDrive-App Word-Dokumente in Googles QuickOffice-App öffnet, da kann man wenigstens was lesen. Unter iOS kann Pages mit Word-Dokumenten umgehen. Mehr dazu weiter unten.

Und jetzt kommt die Überraschung schlechthin: Eigentlich hatte ich mich zuerst gar nicht mit der Webversion von Office beschäftigen wollen, nachdem sowohl Google Docs als auch iWork für iCloud eher sehr traurige Beispiele von Zugänglichkeit sind (siehe unten). Doch wie überrascht war ich, als ich dann doch ein Dokument über SkyDrive erstellte! Die Webversion von Word & Co. ist in sehr vielen Belangen als echt zugänglich zu bezeichnen! Ich testete dies mit Firefox und IE unter Windows 7 und 8.1, sowohl mit NVDA, JAWS und Window-Eyes. Man bekommt sowohl den Text auf der Braillezeile zu lesen, als auch grundlegende Formatierungsinformationen. Die Ribbon-Symbolleisten sind voll zugänglich und sprechen dank der ordentlichen Implementierung von WAI-ARIA mit NVDA zusammen vollständige Informationen, so dass man immer weiß, wo man ist. JAWS und Window-Eyes schwächeln hier etwas, da sie immer nur das im Focus befindliche Element sprechen, nicht aber eventuelle Informationen zur Zugehörigkeit eines Gruppenfeldes. So kann man mit NVDA wunderbar den Übergang von einer Schleife in die nächste mitbekommen, mit JAWS und WE hingegen nicht. JAWS war bei allen Tests mit NVDA fast gleich auf, Window-Eyes hinkte bei allem sehr hinterher. Trotz ausgeschaltetem Browse-Modus wurde vieler Text nicht gelesen oder auf der Zeile angezeigt, der Focus ging oft verloren usw. Der verwendete Browser war hierbei unerheblich. NVDA schwächelte im IE, das Navigieren in Dokumenten ist dort sehr langsam. Die beste Kombination von Screen Reader und Webbrowser für Office im Web sind Firefox und NVDA.

Unter OS X kommt VoiceOver mit Safari mit den Web-Apps von Office nicht wirklich zurecht. Man sieht die erste Zeile oder den ersten Absatz eines bestehenden Dokuments, das Betätigen der Pfeiltasten bewirkt aber nur Schweigen. Nur wenn man selbst was neues hinzufügt, kann man dies eventuell kurzzeitig lesen. Auch VoiceOver spricht in den Symbolleisten nur das aktuelle Element, die Gruppeninformationen werden auch hier nicht gesprochen.

Auf dem iPad ist die Situation sehr ähnlich. Hier habe ich es nicht einmal geschafft, in den Bearbeitungsmodus zu kommen, um eventuell einem Dokument etwas hinzuzufügen. Die Symbolleisten wurden hingegen ähnlich gelesen wie auf dem Mac.

Unter Android wird dem Firefox leider nur eine Dokumentversion zum Lesen und ein Seitenzahlenanzeiger gegeben. Will man die Desktop-Version abrufen, bekommt man die Hauptseite von office.com zu sehen.

Apropos Dokumentenanzeige: Microsoft empfiehlt in seiner Anleitung zur Benutzung der Barrierefreiheitsfunktionen von Office im Web, ein Dokument als PDF zu exportieren und dieses mit dem Adobe Reader zu lesen. Und das ist eine prima Idee, denn Microsoft erzeugt hier standardmäßig ein PDF mit Tags für die Zugänglichkeit. Und die Umsetzung ist ziemlich gut!

Man kann hier also mit Fug und Recht behaupten, dass Microsoft vorbildliche Arbeit abgeliefert haben, was die Zugänglichkeit seiner Office-Lösung für den Webbrowser angeht. Die Tatsache, dass man mit Firefox und NVDA sehr gut klarkommt, heißt, dass andere Hersteller hier noch nachzuarbeiten haben. Wäre das Geschwindigkeitsproblem nicht, würde NVDA im Internet Explorer mit Sicherheit genauso gut mit Office zusammenarbeiten.

Und dass gerade Microsoft hier so gute Arbeit abgeliefert hat, erfüllt mich, der ich seit über sechs Jahren mithelfe, WAI-ARIA zu entwickeln und dabei besonders auf die Benutzung durch Endanwender achte, mit ziemlichem Stolz! Denn nachdem ich neulich über dieses Thema auf englisch bloggte, schrieb ein Kommentator, dass er ähnlich gute Ergebnisse auch mit Firefox und Orca unter Linux erzielen konnte. Nutzt Webstandards, und ihr könnt wahre Wunder bewirken! 🙂

Google Docs

Von diesem Zustand sind Google mit seiner verbreiteten Cloudlösung Docs noch weit entfernt. Auch Google Docs implementiert zwar WAI-ARIA, und die Menüs und Symbolleisten laufen inklusive Tastaturnavigation auch echt OK, das Bearbeiten von Dokumenten ist allerdings ein echtes Problem. Google haben sich dafür entschieden, alle gesprochenen Dinge als sogenannte Live-Region einfach in den Screen Reader zu kippen. Jede Cursorbewegung, jeder Zeilenwechsel und andere Informationen werden als flüchtige Nachricht einfach an die Sprachausgabe gesendet und verpuffen danach im Nirvana. Man kann weder mit der Braillezeile kontrollieren, was man geschrieben hat, geschweige denn mit Cursorrouting im Text navigieren, noch kann man die aktuelle Zeile nochmals vorlesen lassen. Auch das Abfragen von Formatierungsinformationen geht nur, indem man hübsch von Hand in die Symbolleisten wandert und sich die Infos dort zusammensucht oder eine Taste drückt, die ausgewählte Infos einmal an die Sprachausgabe schickt. Ja, man kommt damit vielleicht irgendwie klar, wenn man nur die Sprachausgabe nutzt und sich um Braille nicht schert. Ich finde aber: Schön geht anders!

Apple iWork

Apple haben im vergangenen Oktober bei einer großen Keynote angekündigt, die Office-Anwendungen Pages, Numbers und Keynote, auch unter dem Sammelbegriff iWork bekannt, in Zukunft mit jedem neuen Mac oder iOS-Gerät kostenlos abzugeben. Die Apps waren auch vorher schon nicht mehr teuer. Aber das war schon eine ziemliche Sensation. Gleichzeitig wurden von allen Programmen, die es sowohl für Mac OS X als auch für iOS gibt, neue Versionen veröffentlicht. Die für die Software-Branche lange Wartezeit von fast fünf Jahren seit dem letzten Update der Mac-Version hat sich gelohnt! iWork ist unter OS X Mavericks (unter früheren Versionen läuft diese neue Version nicht) die mit Abstand zugänglichste Office-Lösung. Alle Kritikpunkte, die es bis dahin von VoiceOver-Anwendern gab, wurden beseitigt. So kann man jetzt auch in Pages-Dokumenten Tabellen lesen und erstellen, und seit einem Update aus dem Januar 2014 auch Präsentationen in Keynote selbstständig ablaufen lassen, nicht nur bearbeiten.

Unter iOS waren die Programme ebenfalls schon immer sehr gut, haben aber mit der neuen Version, die ab iOS 7.0 läuft, auch noch einmal richtig zugelegt. Auch hier ist das Erstellen von Tabellen und anderen weitreichenden Formatierungen auf dem iPad voll mit VoiceOver zugänglich, man bekommt in Keynote Infos über Präsentationseffekte o. ä. nicht nur angesagt, sondern kann sie auch bearbeiten, und auch mit dem iPad sind Präsentationen vollständig selbst vortragbar. Auch Numbers, die Tabellenkalkulation, ist wesentlich besser geworden. Alle Programme können mit Microsoft-Office-Dokumenten umgehen, so dass hier ein Austausch möglich ist. Dokumente werden standardmäßig in iCloud gespeichert und sind somit immer auf dem neuesten Stand. Andere Cloud-Dienste werden von der iOS-Version nicht unterstützt, die Mac-Version kann natürlich Dateien auch lokal speichern, z. B. in einem Dropbox-Ordner.

Der PDF-Export erzeugt keine getaggten PDF-Dokumente, und es gibt auch keine Option, dies einzustellen.

Die Webversion von iWork, genannt iWork für iCloud, lernt erst seit einem Update von Mitte Januar 2014 ein wenig Barrierefreiheit. Und auch hier ist das Problem, dass gesprochene Inhalte per Live Region einfach an den Screen Reader gesendet werden. Auch ist die Implementierung bisher sehr rudimentär, aber dass sich was tut, lässt hoffen, dass da noch mehr kommt. Produktiv einsetzbar ist das jedenfalls noch nicht.

OpenOffice und LibreOffice

Die Open-Source-Anwendung OpenOffice und der ebenfalls quelloffene Ableger LibreOffice bieten ein sehr uneinheitliches Bild, was die Barrierefreiheit angeht. Unter Linux mit Orca läuft es anscheinend sehr anständig. Ich hatte in der Kürze der Zeit kein aktuelles Linux zur Verfügung, höre aber eigentlich nur Gutes aus der Community.

Unter Windows ist OpenOffice und LibreOffice bis jetzt, d. h., einschließlich der Version 4.0, nur mit Hilfe der Java AccessBridge nutzbar. NVDA haben viel Zeit investiert, um es halbwegs zugänglich zu machen, andere Screen Reader laufen von Version zu Version mal schlecht, mal weniger gut. Das alles wird sich aber mit der Version 4.1, die sich in Entwicklung befindet, radikal ändern. OpenOffice, und damit vermutlich dann auch LibreOffice, erben nämlich die Implementierung der Zugänglichkeitsschnittstelle IAccessible2, welche eine Fortentwicklung von Microsoft Active Accessibility durch IBM, Mozilla, NVDA und anderen ist. IBM hatte seinerzeit als Referenzimplementierung seine auf einem älteren OpenOffice basierende Suite Lotus Symphony zugänglich gemacht und diesen Code dann später dem OpenOffice-Projekt gespendet. Lotus Symphony gibt es inzwischen nicht mehr bzw. es wird nicht weiterentwickelt, und der Code von damals ist nun endlich soweit aktualisiert und an das aktuelle OpenOffice angepasst, dass es in Version 4.1 zum Release kommt und die Java-Technologie ablöst. Ich habe einen Entwicklersnapshot mit NVDA getestet, und das Teil ging ab wie eine Rakete! Tolle Infos, sehr schnelle Reaktionszeiten, die Braillezeile läuft mit. Sobald das veröffentlicht ist, ist OpenOffice eine echte Alternative zu Microsoft Office unter Windows.

Unter OS X sieht die Situation für OpenOffice leider nicht ganz so gut aus. Die Implementierung für VoiceOver ist zwar vorhanden, aber man hat das Gefühl, dass sie in einer früheren bis mittleren Beta-Phase steckengeblieben ist und sich seit Jahren nichts mehr tut. Es ist relativ instabil, ich hatte bei meinen Versuchen mit mehreren Abstürzen bei einfachsten Aktionen zu kämpfen. Hier ist zu hoffen, dass sich da bald mal wieder ein paar Mac-Entwickler der Situation annehmen und den VoiceOver-Support zu Ende implementieren. Denn auch Pages & Co. tut eine Alternative nur gut! Es gibt unter OS X zwar noch weitere zugängliche Alternativen wie den Nisus Writer Pro. Diese sind aber reine Textverarbeitungen, keine Tabellenkalkulation oder Präsentationssoftware.

Auch OpenOffice und LibreOffice können getaggte PDFs erzeugen. Diese muss man allerdings zunächst in den Optionen zum PDF-Export aktivieren. Standardmäßig ist der PDF-Export also ohne Zugänglichkeit.

Fazit

Unter OS X und iOS kommt man zur Zeit an Apples eigenem Angebot nicht vorbei, wenn man Office-Anwendungen nutzen will oder muss. Voraussetzung ist aber der Einsatz von OS X 10.9 Mavericks und iOS 7.0 oder neuer. Ältere Betriebssystemversionen werden in beiden Fällen nicht unterstützt. Unter Windows ist am Horizont mit OpenOffice und hoffentlich LibreOffice eine echte Alternative zu Microsoft Office zu erkennen. Und im Web besticht ganz klar Microsoft mit seiner wirklich hervorragenden Implementierung von Zugänglichkeitsstandards, die es sogar unter Linux sehr zugänglich machen! Google und Apple haben hier definitiv noch ganz viel Luft nach oben!

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Windows 8 für Blinde, oder: Touch oder nicht Touch, das ist hier die Frage!

Ich werde immer wieder gefragt, ob man sich als Blinder an Windows 8 bzw. 8.1 herantrauen kann und ob die Touch-Oberfläche eine besondere Barriere für unseren Personenkreis darstellt. Außerdem gibt es ja viele Möglichkeiten der Konfiguration, der Hardware-Anschaffung und eben ja auch die Notwendigkeit, ältere Desktop-Anwendungen weiter benutzen zu wollen.

In diesem Artikel werde ich mal einige Aspekte beleuchten, ein bisschen aufzeigen, was geht und was schwierig ist, und hoffentlich dabei die eine oder andere Frage beantworten können. Ich selbst besitze seit einem knappen Jahr ein Dell Latitude 10-Zoll-Tablet, mit dem ich schon das eine oder andere Experiment gemacht habe. Weiterhin habe ich Windows 8.1 in einer virtuellen Maschine auf dem MacBook laufen, kenne das Betriebssystem inzwischen also auch aus der Perspektive ohne Touch-Screen.

Surface RT oder was Richtiges?

Diese Frage stellen sich (und mir) viele: Reicht ein Tablet von Microsoft mit der Bezeichnung Surface RT oder Surface 2? Die ganz klare Antwort: Nein!

Surface RT und Windows RT basieren auf der Prozessorarchitektur von ARM. Das ist dieselbe Architektur, mit der quasi alle iOS-Geräte von Apple, fast alle Android-Smartphones und Tablets sowie auch die Nokia Lumia Smartphones von Microsoft laufen. Diese Prozessorarchitektur ist speziell auf den mobilen Einsatz optimiert, sehr stromsparend und benötigt eine im Vergleich zu Desktop-Betriebssystemen kleine Menge an Speicherplatz. Ein aktuelles iOS ist z. B. als Installationspaket zwischen 700 MB und 1,1 GB groß, ein OS X Mavericks schlägt mit über 5 GB zu Buche.

Auch Microsoft musste diesem Umstand bei der Entwicklung von Windows RT Rechnung tragen. Windows RT, also das Windows 8 bzw. 8.1 für ARM-Prozessoren, ist gegenüber dem herkömmlichen Windows deutlich abgespeckt. Es laufen ausschließlich Anwendungen für die Touch-Oberfläche, die aus dem Microsoft Store geladen werden. Sämtliche Anwendungen, die einen herkömmlichen Desktop, wie wir ihn von Windows 7 und früher her kennen, benötigen, laufen nicht auf einem Surface RT.

Und das beinhaltet die Wahl des Screen Readers. Für Windows RT gibt es nur den Narrator. Dieser hat für Windows 8 zwar eine Menge dazugelernt, man kann damit vor allem jetzt auch die Touch-Oberfläche navigieren und bedienen, aber es ist und bleibt ein Einstiegs-Screen-Reader mit einer begrenzten Anzahl an Möglichkeiten und unterstützten Apps. NVDA oder JAWS kann man auf einem Surface RT oder anderen RT-basierten Windows-Tablet nicht installieren. Auch die meisten für uns interessanten Apps wie WinAmp o. ä. gibt es nicht in Versionen explizit für Windows Touch, so dass auch diese auf einem RT-Tablet nicht laufen würden.

Die für uns einzige mögliche Wahl fällt also auf einen PC, ein Notebook oder eben ein Convertible oder Tablet mit Windows 8.1 oder Windows 8.1 Professional. Diese sind Intel-basiert, haben also dieselbe Prozessorarchitektur wie ältere PCs und sind daher im großen und ganzen bekanntes Terrain. Bei Microsoft heißen diese dann Surface Pro 2.

Apropos Screen Reader

Und wo wir gerade dabei sind: Es gibt bisher zwei Möglichkeiten der Nutzung eigener Screen Reader für alle anderen Windows-8-Tablets: NVDA, welcher die Touch-Oberfläche schon seit der Veröffentlichung von Windows 8 im Oktober 2012 unterstützt, und JAWS, welches mit der Version 15, die im Oktober 2013 erschien, nachzog. Alle anderen Anbieter unterstützen den Windows-8-Touch-Screen nicht, können aber, sofern sie Windows 8 überhaupt schon unterstützen, auf herkömmlichen PCs und Notebooks verwendet werden. Narrator wird auch auf Intel-basierten Windows-8-Systemen mitgeliefert.

Ein sprechendes Setup

Ja, das gibt es bei Windows 8 und 8.1 in bestimmten Situationen tatsächlich, und zwar auch auf deutsch! Auf den Surface-Tablets und z. B. auch auf dem erwähnten Dell drückt man bestimmte von Gerät zu Gerät leider etwas unterschiedliche Tastenkombinationen, die meistens entweder die Power- oder die Start-Taste und eine Lautstärke-Taste beinhalten, um Narrator beim Setup zu starten. Hat man eine externe Tastatur angeschlossen, hilft die einheitliche Tastenkombination Windows-Taste+Eingabetaste weiter.

Bei vorinstallierten Systemen klappt das in der Regel ganz prächtig. Der Setupvorgang läuft zuverlässig und man hat die volle Kontrolle. Die Touch-Screen-Bedienung ist wie heute auch auf Android und iOS üblich: Man tippt oder wischt zu einem bestimmten Element mit links/rechts, und man führt einen Doppeltipp zum Aktivieren aus. Das gilt standardmäßig auch für Tasten der Bildschirmtastatur. Wer iOS 3 noch kennt, kennt auch die Art dieser frühen Tasteneingabe. Später kann man Narrator anweisen, dass man Buchstaben durch Antippen, eventuell Korrigieren durch Ziehen des Fingers und anschließendes Anheben des Fingers eingeben möchte. JAWS und NVDA sind standardmäßig beide in so einem Modus, dass die Eingabe von Zeichen schnell von der Hand geht.

In manchen Setup-Situationen funktioniert die Sprachausgabe leider jedoch immer noch nicht. Ich habe die oben erwähnte virtuelle Maschine z. B. von Windows 7 auf 8 und später 8.1 aktualisiert. Es gibt hierbei Setup-Schritte, bei denen die Sprachausgabe noch nicht per  Tastenkombination zuschaltbar ist. Man braucht da i.d.r. auch immer noch sehende Hilfe, um diese Setupvorgänge zu durchlaufen.

Auch empfiehlt es sich, ein Smartphone, Tablet oder anderen Computer nebendran stehen zu haben. Wenn man sich nämlich mit einem Microsoft-Konto anmeldet, was unter Windows 8 zu empfehlen ist, weil es einiges erleichtert, fragt Microsoft nach einer Überprüfung und schickt dazu eine Mail an die mit dem Microsoft-Konto assoziierte E-Mail-Adresse. Den Code muss man dann im laufenden Setup eingeben, und man muss die Mails dazu natürlich auf einem anderen Gerät abrufen. Ein Microsoft-Konto ist übrigens alles, was man schon mal bei Microsoft-Diensten als Konto gehabt hat. Also eine Live-ID, ein MSN Messenger-Account o. ä. Ähnlich wie die Apple-ID ist dieser Microsoft-Account universell einsetzbar. Man kann Einstellungen synchronisieren, Apps herunterladen und kaufen, SkyDrive als Cloudspeicher verwenden und vieles mehr. So kann man mit ihm auch ein Microsoft-365-Abo abschließen und hat dadurch dann eine sehr leichte und überhaupt nicht umständliche Installation von Office.

Charms und andere Dinge, die es zu beachten gilt

Nach dem Setup und der erfolgreichen Installation des Lieblings-Screen-Readers gilt es nun, sich mit der Touch-Oberfläche vertraut zu machen. Die Zentrale ist hier die Startansicht, die sogenannten Kacheln, also das, was früher mal das Startmenü war. Hier werden die vom Benutzer konfigurierbaren die Lieblings-Apps verwaltet. Dies sind vorzugsweise Apps im modernen Design, also Touch-Apps, können aber auch herkömmliche Windows-Desktop-Apps sein.

Viele Gesten sind bei JAWS und NVDA ähnlich. Beide unterstützen zwei Modi, einen zum Bedienen des Touch Screens und einen zum detaillierten Interagieren mit Texten. Ich empfehle dringend das Studium der jeweiligen Dokumentation bzw. Befehlsreferenz. Ein Blick lohnt sich auch für Benutzer von PCs oder Notebooks ohne Touch-Screen, denn sowohl die Objektnavigation von NVDA als auch der neue in JAWS 15 eingeführte Touch Cursor eignen sich, für Touch optimierte Apps zu erforschen und auch Berührungsgesten zu simulieren.

Es gibt jedoch einige Gesten, die immer aktiv sind und die manchmal auch zu etwas Verwirrung führen können. Man kann von allen vier Rändern des Touch-Screens in Richtung der Mitte wischen und löst so immer eine bestimmte Aktion aus. Wischt man von rechts in die Mitte, kommt das sogenannte Charms-Menü. Das ist eine Leiste von Befehlen, in denen sich immer so Dinge finden wie die Option zum Teilen von Inhalten, oder auch das Aufrufen von Einstellungen. Touch-Apps verstecken ihre Einstellungen sämtlichst hier. Über das herkömmliche Menü findet man diese nicht mehr. Nur in Desktop-Apps ist hier alles beim Alten. Die Tastenkombination für das Charms-Menü ist Windows-Taste+C, die Einstellungen kriegt man direkt sogar mit Windows-Taste+I. Das Studium der Gesamtübersicht aller Tastenkombinationen empfiehlt sich dringend!

Weitere globale Gesten sind das Wischen vom oberen Rand zum Schließen einer App, welches auch weiterhin mit Alt+F4 geht, das Wischen vom unteren Rand (Windows-Taste+Z) zum Öffnen der Menüleiste einer Touch-Anwendung, und das Wischen vom linken Rand, um eine Liste aller laufenden Touch-Apps ohne Desktop-Apps aufzurufen. Was nun passieren kann, ist, dass man mit dem Finger vielleicht zu nah an den Rand gerät und zurück erforschen möchte, diese Geste jedoch als Wischgeste vom Rand interpretiert wird. Das ist in Windows 8.1 schon viel besser geworden als es in 8.0 war, ich empfehle also unbedingt ein kostenloses Upgrade auf 8.1 zu machen.

Viele der mitgelieferten Apps wie Mail, Kalender o. ä. sind inzwischen Apps im modernen Design, selbst wenn man keinen PC mit Touch Screen hat. Man merkt dies ganz schnell daran, dass sich mit Alt keine Menüleiste oder keine Ribbon-Symbolleiste öffnet. Dann also einfach Windows-Taste+Z versuchen.

Und hier kommen wir zu einem wesentlichen Punkt, den man sich klar machen muss: Microsoft verheiratet in Windows jetzt zwei unterschiedliche Systeme: Die Windows-8-Anwendungen und herkömmliche Anwendungen, wie man sie von Windows 7 und früher her kennt. Man weiß nicht immer, in was für einer Anwendung man landet, und Microsoft wird mit Sicherheit noch mehr alte Apps durch neue Pendants austauschen, so dass diese Art Apps eher mehr als weniger werden. Eine vollständige Vereinheitlichung wird es aber vermutlich erst geben, wenn Microsoft irgendwann keine altherkömmlichen Desktop-Apps mehr erlauben sollte. Aber dass das in naher Zukunft geschieht, ist eher unwahrscheinlich, denn selbst Office oder die Programmierumgebung Visual Studio sind herkömmliche Desktop-Apps, mit Ausnahme des Office für RT-basierte Windows-Tablets, welches eine Sonderstellung einnimmt. Manche Anwendungen sind auch gewahr dessen, von wo sie aufgerufen werden. So kann sich der Internet Explorer sowohl als moderne Touch-App als auch als herkömmlicher Windows-7-ähnlicher Browser öffnen, je nachdem von wo aus er aufgerufen wurde. Der virtuelle Cursor ist jedoch in beiden Situationen uneingeschränkt verfügbar.

Ach ja, zum Windows-7-Desktop kommt man übrigens durch Drücken von Escape von dem Startbildschirm aus oder durch Auswahl des Menüeintrags Desktop unten links in der ersten Spalte.

Und noch etwas: Gerade die Windows-Tablets mit Intel Atom-Prozessoren können recht träge sein. Die Hardware ist der von inzwischen fast ausgestorbenen Netbooks ähnlich, also eher etwas schwächlich. Trotz verbautem Solid-State-Speicher als Festplattenersatz, welchen die Tablets heute alle haben, kommen sie aber beim Starten von Programmen oder auch bei Abläufen eher gemütlich daher. Tablets oder Convertibles mit Intel Core I5-Prozessoren oder sogar noch besser bringen hier natürlich auch eindeutig mehr Leistung, brauchen dann aber eventuell auch eine aktive Kühlung.

Was sowohl NVDA als auch JAWS sehr gut hinbekommen, ist eine gute Zuverlässigkeit und schnelle Reaktionszeit bei Berührungen des Touch Screens. Mit beiden kann man sowohl moderne Apps erforschen als auch Desktop-Anwendungen. Bei letzteren ist aber zu beachten, dass sie nicht auf die Bedienung durch Finger optimiert sind, die einzelnen Elemente daher sehr klein werden können. Ein Mauszeiger ist deutlich dünner als der schlankste Finger. 😉 Es empfiehlt sich, in beiden Screen Readern die Tastaturhilfe zu starten und die Gesten zu üben.

Fazit

Ohne Tastatur geht es auch unter Windows 8.1 nicht. Ich habe festgestellt, dass zwar vieles mit dem Touch Screen geht, dass man aber immer wieder an Punkte kommt, an denen man nur mit der Tastatur weiter kommt. Dem trägt auch Microsoft Rechnung und bietet seine Surface-Pro-Tablets mit Tastaturen an. Auch andere Hersteller von Windows-Tablets haben Tastaturen in der Regel als zubuchbares Angebot dabei oder manche auch im Lieferumfang enthalten. Während man z. B. ein iPad problemlos auch ohne Tastatur vollständig bedienen kann, ist die Hybrid-Situation bei Windows Grund genug, nie ohne eine Tastatur aus dem Haus zu gehen. 🙂

Ansonsten empfehle ich dringend ein Upgrade auf Windows 8.1. Dieses läuft soweit rund und hat die Kinderkrankheiten von Windows 8 zumeist beseitigt. Microsoft löst seine Kern-Apps außerdem aus den Windows Updates heraus und bietet sie als Updates über den Store an, so dass z. B. mail o. ä. laufend aktualisiert werden können, selbst wenn Windows an sich gerade kein großes System-Update plant. Microsoft gibt sich dadurch eine größere Flexibilität, auf Marktentwicklungen zu reagieren, wie z. B. das Einstellen des Exchange-Protokolls bei GoogleMail, das lediglich ein update der Mail- und Kalender-Apps notwendig machte, nicht aber gleich ein ganzes Systemupdate erforderte.

Ich denke also, dass man sich mit Windows 8.1 durchaus anfreunden kann. Voraussetzung ist, wie eigentlich üblich, dass man seinen Screen Reader beherrscht und sich einige neue Tastenkombinationen merkt, um mit den  Eigenheiten der modernen Apps klarzukommen. Und dieses Studium empfiehlt sich in der Tat unbedingt, da diese Apps in Zukunft auch von Drittanbietern immer mehr werden werden. Die Welt wird mobiler und löst sich immer weiter von stationären Desktop-PCs, und dem tragen diese touch-optimierten Apps Rechnung. Auch als Blinder profitiert man davon, hat man über einen Touch-Screen Apps doch noch viel besser im Griff als nur per Tastatur.

Also: keine Angst vor Windows mit Touch!

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NVDA WordPress Zugänglichkeit

Tipp: Mit einem Screen Reader mit den dynamischen Menüs des WordPress-3.3-Adminbereiches umgehen

WordPress 3.3 führt neue, dynamische Menüs im Administrationsbereich ein. Dieser einfache Tipp soll zeigen, wie man als Blinder mit einem Screen Reader diese dynamischen Menüs bedienen kann. Hierfür verwende ich NVDA 2011.3RC und Firefox, es geht aber auch mit anderen Screen-Reader- und Browser-Kombinationen.

Diese Untermenüs ermöglichen einen schnelleren Zugriff auf die Untermenüpunkte. Man muss nicht erst einen Hauptmenüpunkt anklicken, auf das erneute Laden der Seite warten und dann auf die aufgeklappten Menüs zugreifen. Stattdessen werden die Untermenüpunkte sichtbar, indem man mit der Maus drüberfährt, sogenanntes Hovern, oder mit tab auf den jeweiligen Link springt und Enter drückt.

Das Problem für Screen-Reader-Benutzer ist, dass die Enter-Taste in der Regel vom Screen Reader abgefangen und für eine Funktion innerhalb des sogenannten virtuellen Dokuments oder Browse-Modus verwendet wird. Normalerweise wird durch Druck auf Enter ein Link aktiviert.

Genau das wollen wir ja aber nicht, denn das Aktivieren eines Links erzeugt ein Neuladen der Seite, und sämtliche Vorteile des schnelleren Zugriffs auf die dynamischen Menüs wären dahin.

Stattdessen tun wir folgendes:

  1. Mit dem virtuellen Cursor auf einen dieser „Untermenü Link“-Elemente wandern.
  2. NVDA-Taste+F2 drücken, um NVDA anzuweisen, den nächsten Tastendruck ungefiltert an den Browser weiterzugeben.
  3. Enter drücken.
  4. Mit dem virtuellen Cursor nach unten wandern und ein aufgeklapptes Menü vorfinden.

Diese Methode funktioniert analog mit anderen Screen Readern. Manche Screen Reader fokussieren jedoch nicht automatisch das unter dem virtuellen Cursor befindliche Element. Vor dem obigen Schritt 2 muss also eventuell noch eine Tastenkombination gedrückt werden, mit der der System-Fokus oder PC Cursor zum virtuellen Cursor gezogen wird.

Die oben beschriebene Methode ist ein Tastendruck mehr. Das stimmt, aber diese Vorgehensweise ist immer noch schneller als auf das erneute Laden einer Seite zu warten und dann die aufgeklappten Menüs wieder vom Anfang des virtuellen Dokuments an suchen zu müssen.

Viel Spaß beim Bloggen!