In Kalifornien angekommen

Am Sonntag bin ich nach 15 Stunden Flug gut in Kalifornien gelandet. Ich werde eine Woche in Mountain View am Stammsitz von Mozilla arbeiten, Kollegen kennenlernen, Einblicke in Qualitätssicherungsabläufe gewinnen, die nicht zwangsläufig mit Zugänglichkeit zu tun haben, selbst einiges von dem zeigen, was ich seit Anfang Dezember so mache, und hoffentlich auch das eine oder andere von der Umgebung kennenlernen. Ich war noch nie in San Francisco und hoffe, ein Cable Car zu besteigen oder die Golden Gate-Brücke zu erklimmen.

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Paderborner Bücher jetzt auch als Datei erhältlich

Als mir letzte Woche die Broschüre „Neues aus Paderborn“, Ausgabe Januar-März 2008, ins Haus flatterte, entdeckte ich am Ende des einleitenden Schreibens den Hinweis, dass die Bücher jetzt auch als Datei auf Diskette oder CD zu beziehen sind. Eine Nachfrage beim Verlag ergab, dass diese Ausgabe als Alternative zur gebundenen oder gehefteten Ausgabe zum Preis der gehefteten Ausgabe erhältlich ist.

Zu Weihnachten nun fand ich zwei solche Bücher unterm Weihnachtsbaum und stellte fest, dass diese tatsächlich im BRL-Format, allerdings mit einer .txt-Erweiterung, vorliegen. Flugs hatte ich meinen Buchwurm von Handy Tech an den PC angeschlossen, das Kommunikationsprogramm HTCom gestartet und das erste Buch übertragen. Ich habe die Datei dazu umbenannt, so dass sie eine .brl-Erweiterung trug, keine Kurzschriftübersetzung ausgewählt und die Standardeinstellung beim Braillezeichensatz belassen. Die Datei fand ich nachher im Buchwurm vor, allerdings ohne Überschriften o. ä. Die BRL-Datei enthält keinerlei Informationen zur Überschriftendarstellung, keine besonderen Zeilenabstände, anhand derer der Konverter die Überschriften von sich aus noch erkennen könnte usw. Hier müsste man vielleicht nach bestimmten Regeln selbst Hand anlegen, um die Datei noch etwas besser für den Buchwurm umzugestalten.
Das Leseerlebnis ist aber einwandfrei. Und ich freue mich jetzt schon auf viele Schmökerstunden, die keine langen Schrankwände mehr voraussetzen. 🙂

Yahoo!’s veröffentlicht Menüsteuerelement mit wai-aria-Unterstützung

Yahoo!’s Accessibility-Guru Victor Tsaran hat in diesem Blogeintrag erläutert, wie Yahoo! in seinen angereicherten Steuerelementen jetzt ARIA (Accessible Rich Internet Applications) verwendet, um so komplexe und in HTML normalerweise nicht abbildbare Strukturen wie ein komplettes Menüsystem zugänglich zu machen.

Um das Beispiel ausprobieren zu können, braucht man Firefox 3 Beta 2 und entweder JAWS 8 oder Window-Eyes 6.x. Um zum Beispiel zu gelangen:

  1. Öffne aus dem oben genannten Blogeintrag den Link „New YUI example“.
  2. Wähle in dem Artikel den Link „View example in new window“.
  3. Navigiere mit den Pfeiltasten auf die erste Zeile, die mit „text/html“ beginnt und drücke EINGABE für den Formularmodus bzw. das Äquivalent in Deinem Screen-Reader.
  4. Navigiere Links und Rechts durch die Menüleiste und öffne ein Pulldown-Menü mit Pfeil Runter, wie in einer normalen Anwendung.

Ich habe es gerade selbst ausprobiert, und es hat richtig gut funktioniert. Gute Arbeit!

Firefox 3 Beta 2 ist ab sofort verfügbar!

Nur 31 Tage nach Erscheinen der Beta 1 von Firefox 3 steht nun die Beta 2 zum Download zur Verfügung. Auch in deutscher Sprache ist diese Beta bereits verfügbar. Zu den für Blinde wichtigen Veränderungen gehört, dass, wenn man mit JAWS auf eine Seite surft, die Ausklapplisten enthält, jetzt wieder wie gewohnt nur der gewählte Eintrag im virtuellen Dokument auftaucht und nicht alle Elemente angezeigt werden. Bei einer Ausklappliste zum Wählen eines Herkunftslandes kann das schon lästig werden…
Unter Windows und Linux wurde einiges an der Menübehandlung verbessert, so dass Screen-Reader jetzt eine wesentlich zuverlässigere Ansage tätigen dürften.

Ein bekanntes Problem ist, dass sich die Liste, die beim Vervollständigen von Adressen im Adressfeld geöffnet wird, als „Menü“ zu erkennen gibt. Dies trifft auch auf das Dialogfeld „Lesezeichen hinzufügen“ zu. An dem Problem wird zur Zeit gearbeitet. Während JAWS 8, NVDA unter Windows und Orca unter Linux damit keine Probleme haben, gerät Window-Eyes leider zur Zeit etwas ins Schleudern. JAWS 9.0 erkennt die Liste beim Autovervollständigen fälschlicherweise sogar als Kontextmenü, was zu einem automatischen Auswählen des ersten gefundenen Eintrags führt. Für Interessierte wird dieser Bug hier (auf englisch) behandelt.

Interessierte sind herzlich eingeladen, sich diese Betaversion anzuschauen und Feedback zu geben!

Verwirrende Sprachenansage beim Lesen von Mails in Thunderbird

Ich erhielt gestern eine Anfrage per Mail, die u. a. zum Thema hatte, dass man mit JAWS und evtl. anderen Screen-Readern beim Lesen von Mails mit Thunderbird Ansagen bekommt wie „x-western“, „x-unicode“ usw.

Hintergrund ist, dass Thunderbird versucht, aus den Headerzeilen abzuleiten, welche Sprache bzw. welche region der Absender der Mail verwendet. Dies landet dann als „lang“-Attribut in dem HTML, das zur Weitergabe an Screen-Reader verwendet wird, sofern kein explizites „lang“-Attribut z. B. in HTML-Mails verwendet wird. In Nur-Text-Nachrichten wird also immer der Header einer Mail herangezogen. Da in JAWS die Ansage von Sprachänderungen in HTML-Inhalten standardmäßig eingeschaltet ist, informiert JAWS den geneigten Anwender nun darüber, dass die Standardeinstellung für eine Sprache x-western keine entsprechende Zuordnung für die aktuelle Sprachausgabe vorsieht. Gleiches würde z. B. passieren, wenn man Eloquence verwendet und auf eine Seite surft, die explizit niederländisch oder dänisch ausgezeichnet ist. Hier würde JAWS dann „Holländisch“ oder „dänisch“ sagen, um anzuzeigen, dass zwar eine Sprachauszeichnung vorhanden ist, diese aber von der aktuellen Sprachausgabe nicht unterstützt wird.

Für dieses „Problem“ gibt es nun zwei Lösungsmöglichkeiten:

  • Man schaltet die Spracherkennung für Thunderbird komplett ab. Hierzu geht man wie folgt vor:
    1. Aus Thunderbird heraus ruft man den Konfigurationsmanager mit JAWS-Taste+6 (6 auf der alphanumerischen Tastatur) auf.
    2. Man wählt das Menü Optionen setzen, und darunter den Menüpunkt Textbearbeitung.
    3. Im darauf erscheinenden Dialogfeld deaktiviert man das Kontrollkästchen „Sprachen automatisch erkennen“ und bestätigt mit „OK“.
    4. Man drückt nun STRG+S, um die Änderungen zu speichern, und ALT+F4, um den Konfigurationsmanager zu schließen.
  • Man behält die Sprachenerkennung bei, filtert jedoch die gewünschten Ansagen, indem man sie einer gewünschten vorhandenen Sprache seiner Sprachausgabe zuordnet. Dies soll anhand der Eloquence demonstriert werden:
    1. Man öffnet, sofern bereits vorhanden, die Datei Thunderbird.jcf im Windows-Editor oder einem anderen Texteditor seiner Wahl. Die Datei gehört ins Verzeichnis Dokumente und Einstellungen[Benutzername]AnwendungsdatenFreedom ScientificJAWS8.0Settingsdeu unter XP bzw. Benutzer[Benutzername]AppDataRoamingFreedom ScientificJAWS8.0Settingsdeu unter Vista. Anwender von JAWS 7.10 ersetzen bitte die Versionsnummer 8.0 durch 7.10, ansonsten ist die Anleitung für beide Versionen gültig.
    2. In die neue bzw. bereits vorhandene Datei schreibt man jetzt folgende Zeilen:
      [Eloq Language Aliases]
      x-western=German
      x-unicode=German
      x-central-european=German

      Weitere können bei bedarf nach demselben Muster hinzugefügt werden.
    3. Speichern, und nach Rückkehr in Thunderbird sind die störenden Ansagen weg, wenn jedoch irgendwie eine „normale“ Sprachauszeichnung vorkommt, wird diese weiterhin berücksichtigt.

Zur Erklärung der obigen Einträge:

  • [Eloq Language Aliases] ist die Überschrift für die Sprachzuweisungen, die sich auf Eloquence beziehen. „Eloq“ ist hierbei der sogenannte kurze Name (ShortName), wie er in jfw.ini im JAWS-Programmverzeichnis verzeichnet ist.
  • Links des Gleichheitszeichens stehen die Sprachcodes, wie sie in dem HTML vorkommen. In default.jcf stehen hier so Dinge wie „de“, „en-us“ usw., hier für Thunderbird müssen eben diese besonderen Zeichenketten eingetragen werden.
  • Rechts vom Gleichheitszeichen steht eine Eloquence-Sprache, wie diese auch im JAWS-Fenster im Menü Sprache/Synthesizer Sprache zu finden sind. Diese müssen genauso eingegeben werden, wie sie dort im Menü stehen, also „German“ und nicht etwa „Deutsch (Deutschland“.

Für andere Screen-Reader, die eine automatische Sprachumschaltung unterstützen, ziehe man bitte die Anleitung des jeweiligen produktes zu Rate, um diese besonderen Zuweisungen vorzunehmen bzw. die Sprachenerkennung zu deaktivieren.

Neuerungen im Bereich der Zugänglichkeit in Firefox 3

Die Beta 1 von Firefox 3.0 ist erschienen, und obwohl diese noch nicht alle neuen Funktionen und Bugfixes für die Zugänglichkeit enthält, möchte ich doch einen Überblick geben über die Neuerungen, die Anwender von Screen-Readern oder Großschriftsystemen erwartet.

  • Unterstützung von Gnome ATK/AT-SPI unter Linux, mit dem z. B. der
    Screen-Reader Orca oder das Programm Jambu, welches eine Navigationshilfe für motorisch eingeschränkte Benutzer ist, den Firefox
    auslesen/steuern können.
  • Einführung des Standards IAccessible2 unter Windows, welches die folgenden Möglichkeiten bietet:
    • Screen-Reader, die keine Grafiktreiber-Hooks nutzen, können trotzdem in Eingabefeldern usw. lesen
    • Unterstützung vollständiger Formatierungsfunktionen, sobald Screen-Reader dies unterstützen. Eine E-Mail in Thunderbird oder einem WYSIWYG-Editor im Web können dann so bearbeitet werden wie sie auch später angezeigt werden. Überschriften, Links, Listen usw. werden als solche angesagt.
    • Weiterhin können Programme wie Dragon Naturally Speaking dies nutzen, um z.B. sprachgesteuert Blöcke von Text
      oder anderem HTML-Inhalt zu markieren und dann in die Zwischenablage zu kopieren.
  • Verbesserte Unterstützung von ARIA (Accessible Rich Internet Applications), welches zur Zeit im W3C auf dem Weg ist, die Version 1.0 zu erreichen. Mit ARIA können Internetanwendungen auch für Screen-Reader zugänglich gemacht werden, die über in HTML übliche Elemente wie Eingabefelder usw. hinausgehen. Das JavaScript-Toolkit Dojo verwendet ARIA zum Beispiel, um Elemente wie Strukturansichten, Fortschrittsbalken usw. zu generieren, die mit JAWS oder Orca und Firefox3 richtig gut genutzt werden können.
  • Unterstützung von Live-Regions. Live-Regions sind bestimmte Abschnitte einer Webseite, die, nach verschiedenen Kriterien abgestuft, Programmen wie Orca oder zukünftig dann auch anderen Screen-Readern Änderungen mitteilen können. So kann z. B. ein sich regelmäßig aktualisierender Aktienkurs per Live-Region ausgegeben werden, der dann nach einer wählbaren Einstellung im Screen-Reader per Tastendruck abgefragt oder auch automatisch gesprochen werden kann. Eine erste Anwendung, die dies nutzt, ist der Google Reader. Surft man mit Firefox 3 und der Erweiterung Fire Vox auf Google Reader, werden einige Statusinformationen per Live-Region mitgeteilt, was schon sehr dem Bedienen einer Desktop-Anwendung ähnelt.
  • Vollständiger Seiten-Zoom. In Firefox 3 beinhaltet dies neben Text auch Bilder. Dies ist hauptsächlich für Sehbehinderte spannend.
  • Ein Tool, mit dem nicht barrierefreie Webseiten gemeldet werden können, damit diese dann auf einer Liste veröffentlicht werden und anderen Anwendern bei der Auswahl barrierefreier Angebote helfen können. Das Tool diente bisher schon zum Melden einer nicht funktionierenden Webseite, bietet jetzt jedoch explizit eine Option zum Melden der Nicht-Barrierefreiheit einer Website.
  • Und natürlich tonnenweise Bugfixes. Es gibt z. B. in Firefox 2.0 und früher einen Bug, der auf bestimmten Webseiten auftritt, wo nicht der gesamte Inhalt an den Screen-Reader übermittelt wird. Dieses und viele andere Probleme sind in Firefox 3 behoben.

Es gibt also jede Menge spannende Neuerungen, die bereits jetzt genutzt werden können, die aber natürlich erst dann richtig zur Geltung kommen, sobald Screen-Reader-hersteller diese dann auch aktiv nutzen.

Auf zu neuen Ufern

Ab Montag, den 03.12. beginnt meine neue Aufgabe als Qualitätsbeauftragter für die Funktionen zur Barrierefreiheit für die Produkte der Mozilla Corporation. Vor allem wird dies natürlich den Firefox Webbrowser betreffen. Aber natürlich werden auch der Mail-Client Thunderbird und das Kalenderprogramm Sunbird werden nicht zu kurz kommen!

In diesem Blog werde ich dann regelmäßig über Aktivitäten im Rahmen dieser Tätigkeit berichten.

Ich freue mich auf die Aufgabe und hoffe dazu beitragen zu können, dass auch unter blinden Benutzern die neuen Versionen von Firefox und Thunderbird gut ankommen!

Link-Verbot gegen Heise bestätigt

Das Landgericht München hat ein Verbot gegen den Heise Zeitschriftenverlag bestätigt, nach dem dieser einen Link zu einem Anbieter einer bestimmten Kopier-Software nicht mehr setzen darf. Das Verfahren wurde von der Musikindustrie angestrengt, und das Link-Verbot wurde schon in einem Eilverfahren verfügt und jetzt im Hauptsacheverfahren bestätigt.

Abgesehen mal vom Gegenstand des Anstoßes finde ich die Tatsache, dass ein Gericht so in die Pressefreiheit einzugreifen versucht, einen ungeheuerlichen Vorgang, der leider sehr gut in den Zeitgeist der Vorratsdatenspeicherung, Bundestrojaner, Online-Durchsuchungen o. ä. passt. Frei nach dem Motto: Wir entmündigen und kriminalisieren den Bürger erst einmal von vornherein, und wenn er seine Unschuld bewiesen hat, beobachten wir ihn ein halbes Jahr lang mal nicht. Und wenn dabei ein Grundrecht wie die Pressefreiheit inMitleidenschaft gezogen wird, ist das eben Pech.

Ich bin durchaus der Ansicht, dass Links zu Software, die dazu genutzt werden kann, gezielt Kopierschutzmechanismen zu umgehen, von Verfassern entsprechender seriöser Artikel auch genau mit einer solchen Warnung versehen werden sollte. Raubkopien sind ein Straftatbestand, der jedes Jahr auf der Welt mehrere milliarden Euro Schaden verursacht und auch im Hinblick auf die Künstler oder Entwickler, die harte Arbeit investieren, zu verurteilen ist. Den Bürger aber dahingehend zu entmündigen, ihm die Bewertung eines entsprechenden Angebotes nicht zu ermöglichen, oder die Pressefreiheit einzuschränken, indem man von den Autoren der Artikel Zensur fordert oder diese sogar gerichtlich auferlegt, ist ein nicht hinnehmbarer Eingriff in die Grundrechte eines jeden von uns!

Ich drücke dem Heise Zeitschriftenverlag die Daumen, dass ein Berufungsverfahren beim OLG München Erfolg hat und es Instanzen gibt, die das Grundrecht aller höher ansiedeln als die Interessen eines einzelnen Verbandes.

Herzlichen Glückwunsch, Christiane!

Falls ihr es noch nicht wissen solltet: Christiane Link hat den diesjährigen Blogwettbewerb des Deutschlandradios gewonnen!. Auch von mir einen herzlichen Glückwunsch!

Ich weiß, ich weiß, ich bin vollkommen zu spät dran! Aber ich hoffe, dass Du mir in Anbetracht dessen, was bei mir gerade alles so abgeht, verzeihen kannst, Christiane!

Und wer nicht weiß, wer Christiane ist oder was sie macht, dem empfehle ich dringend die Lektüre des oben verlinkten Blogs! Sowohl ihre Beiträge zur allgemeinen und besonderen Barrierefreiheit als auch ihr Bericht über die Übersiedelung nach England sind meiner Meinung nach sehr lesenswert und gehören in jeden RSS-Aggregator!