Neue Mailingliste für Apple-spezifische Themen der Zugänglichkeit

Da mein Beitrag über die Zugänglichkeit von Mac OS X auch außerhalb des Blogs eine rege Resonanz gefunden hat, habe ich mich entschlossen, eine deutschsprachige Mailingliste einzurichten, die sich mit dem Themenkreis Apple und deren zugängliche Produkte wie Mac OS und dessen Anwendungen, den iPod Nano der vierten Generation usw. beschäftigt. Diese Liste soll zum Erfahrungsaustausch zwischen Anwendern dienen, richtet sich aber genauso an diejenigen, die bisher keinen Apple verwenden, sich aber informieren möchten. Hier geht’s zur Infoseite mit Anmeldemöglichkeit.

Also dann, auf einen fruchtbaren Austausch!

Mac OS X Zugänglichkeit: Eine Erfolgsgeschichte

Seit ein paar Jahren schon gibt es neben Windows andere Desktop-Betriebssysteme, die Barrierefreiheitsfunktionen zur Verfügung stellen und für die es Screen Reader gibt. Orca ist seit Version 2.18 des GNOME Desktop fester Bestandteil dieses Pakets und somit in jeder Distribution, die den GNOME Desktop vorinstalliert, ebenfalls verfügbar. Dies ermöglicht auch einigen Distributionen, sprechende Installationen zur Verfügung zu stellen, mit deren Hilfe ein Blinder das Betriebssystem selbständig installieren kann.

Während der Entwicklung von Mac OS X 10.4 Tiger betrat auch Apple das Feld der Zugänglichkeit für sein Betriebssystem und bietet seitdem den Screen Reader VoiceOver als festen Bestandteil des Betriebssystems an. Dies ist nichts Neues, zumal es inzwischen den Nachfolger Mac OS X 10.5 Leopard gibt. Ich hatte jedoch vor ein paar Tagen Gelegenheit, VoiceOver das erste Mal selbst unter den Fingern zu haben und muss gestehen, dass ich hin und weg bin, was die Zugänglichkeit und die Möglichkeiten angeht!

Das geht schon damit los, dass nach dem Einschalten des Macs ein Hinweis gesprochen wird, dass, wenn man nicht sehen kann, man Befehlstaste+F5 (oder Cmd+F5) drücken soll, um Sprachunterstützung bei der Ausführung des Setupassistenten zu bekommen. Kleiner Wehrmutstropfen hierbei ist, dass Apple selbst nur englische Stimmen mitliefert. Wenn Apple ein Abkommen mit einem Hersteller wie Cepstral oder Assistive Ware treffen würde, um auch fremdländische Stimmen gleich von Haus aus mitzuliefern, wäre das Bild perfekt! Die englische Stimme namens Alex, die standardmäßig zu sprechen beginnt, ist an sich aber schon ein echtes Schmankerl. Nicht nur, dass sie sehr schön klar ist, Apple hat ihr auch einen Lufthol-Algorithmus spendiert, der sie noch natürlicher klingen lässt.

Es benötigt also nur einen Tastendruck, um VoiceOver zu starten und den Setupassistenten somit zugänglichdurchlaufen zu können. Nach Beendigung dieses Assistenten war ich per WLAN verbunden und der Mac war sofort einsatzbereit.

Spaßeshalber habe ich dann auch mal die Mac-OS-X-DVD eingelegt und von dieser gebootet. Auch diese lädt ein vollständiges Betriebssystem, und VoiceOver ist, sobald die DVD das erste Mal aufhört, sich zu drehen, nur einen Druck auf Befehlstaste+F5 entfernt. Das Installationsprogramm wird automatisch gestartet, von diesem aus sind aber auch Zugriffe auf das Disk Utility und andere Programme zur Wartung des Computers erreichbar und somit voll sprachunterstützt einsatzfähig.

Im Vergleich hierzu gibt es unter Windows nur im grafischen Teil der Installation, und dann auch nur in englischsprachigen Versionen, die Möglichkeit, Narrator zu starten. Der nichtgrafische Teil, also der Teil, in dem Festplatten partitioniert und formatiert werden können, ist vollständig unzugänglich. Hinzu kommt, dass man unter Windows XP mit Microsoft Sam vorlieb nehmen muss, was ja nun wahrlich kein Vergnügen ist. Unter Vista gibt es eine Stimme namens Anna, die nur unwesentlich besser ist.

Unter Linux ist das Bild uneinheitlich: Während man bei Ubuntu 8.04 Hardy Heron nur eine überschaubare Anzahl Tasten in der richtigen Reihenfolge im Blindflug drücken musste, hat Ubuntu 8.10 hier wieder einen echten Rückschritt hingelegt. Jetzt muss man wieder die Live-CD starten, Orca beenden, als SuperUser neu starten und hoffen, dass man sich auf dem Weg dahin nicht vertippt, Ubiquity hochfahren und hoffen, dass Ubiquity und Orca sich dann auch unterhalten. Andere Distributionen bieten nur brailleunterstützte oder anderweitig klimmzugartige Techniken an, um einen zugänglichen Installationsvorgang hinzubekommen. Nur was für hartgesottene, aber keinesfalls was für Anfänger oder Gelegenheits-Tüftler. Die neue Ausgabe von Open Solaris soll ebenfalls einen zugänglichen Installer bieten, wie der aber funktioniert, weiß ich noch nicht.

Hinzu kommt, dass sowohl unter Windows als auch unter Linux die Gefahr besteht, dass die Hardware, auf die das System installiert werden soll, nicht erkannt wird. Im schlimmsten Fall wird die Soundkarte nicht erkannt, und man sitzt buchstäblich im Dunkeln. Hier zeigt sich der Vorteil der Kopplung von Betriebssystem und Hardware: Apple wissen, was sie in ihren Rechnern für Hardware haben und können so sicherstellen, dass die Unterstützung durch VoiceOver immer gewährleistet ist.

Ist Windows dann mal installiert, kommt man mit Narrator nicht einmal soweit, sich NVDA herunterzuladen, um einen vollwertigen Screen Reader zu haben. Also am besten die portable Version von NVDA vor der Neuinstallation auf einen USB-Stick ziehen, um nach der Installation dann sofort einsatzfähig zu sein.

Auch die Menge an bereits zugänglichen Anwendungen hat mich begeistert. Nicht nur die betriebssystemeigenen Anwendungen wie TextEdit, Mail, Safari o. ä., oder die Zusatzprogramme wie QuickTime und iTunes sind nutzbar, sondern z. B. auch Skype und OpenOffice. Skype ist eine von Blinden sehr häufig genutzte Internettelefonie-Anwendung, und die ist z. B. unter Linux gar nicht zugänglich. Dies ist eine der am häufigsten nachgefragten Anwendungen, wenn man über die Zugänglichkeit von Linux redet. Es steht zu hoffen, dass mit der Umstellung der Kommunikationswege weg von Corba hin zu D-Bus sich hier Verbesserungen auftun. OpenOffice ist seit Version 3.0 eine native Cocoa-Anwendung unter Mac OS und bietet volle Unterstützung von VoiceOver.

Und eben die Tatsache, den Screen Reader mit einem einzigen Tastendruck starten (und auch wieder beenden) zu können, ist ein ziemlich überzeugendes Argument! Wenn also eventuell in nächster Zeit eine Neuanschaffung in Sachen Desktop- oder Notebook-Computer ansteht, warum nicht mal im nächsten Mac-Shop vorbeischauen und sich die Modelle vorführen lassen?

Apple haben eine Zeit gebraucht, um die Zugänglichkeitsbühne zu betreten. Das, was sie aber vorweisen, kann sich wirklich sehen lassen.

Dies unterstreicht die Dringlichkeit, mit der wir bei Mozilla an der Fertigstellung unseres Supports für VoiceOver arbeiten müssen, damit Anwender auch unter diesem Betriebssystem Dinge wie WebVisum werden nutzen können.

Ich plane in naher Zukunft eine Serie von Audiovorführungen zu diesem Thema, die ich der ISCB zur Bereitstellung im Audiobereich anbieten werde.

Erscheinungstermin für Firefox 3.0 steht fest!

Der Erscheinungstermin der finalen Version 3.0 von Firefox steht nun fest! Wie der englischsprachigen Ankündigung zu entnehmen ist, wird Firefox 3.0 am kommenden Dienstag, den 17. Juni, veröffentlicht. Wenn Du Interesse hast, beim Aufstellen eines Weltrekords mitzuhelfen, dann besuche diese Seite. Das Ziel ist, den Firefox 3.0 zur am meisten gedownloadeten Software innerhalb von 24 Stunden zu machen.

Bei dieser Ankündigung stelle ich fest, dass ich genauso aufgeregt bin wie diejenigen im Team, die schon dabei waren, bevor die Arbeit am Firefox 3 losging. Ich bin erst seit Dezember 2007 Teil des Teams und habe einige Monate zuvor als Mitglied der Community mitgeholfen. Firefox 3 ist ein echt spannendes Release: Eine komplette Plattform (Linux) wird von der Barrierefreiheit her das erste Mal unterstützt, unter Windows wurden erhebliche Verbesserungen vorgenommen, und auch ansonsten ist das Release mit so vielen tollen neuen Funktionen bestückt, dass dies ein unbedingtes Muss für jeden Firefox-Fan sein sollte! 🙂

Sobald der Firefox 3 zum Download bereitsteht, werde ich dies hier ankündigen!

Laute Gedanken eines Busfahrers

Als ich am Freitagabend von der SightCity zurückkehrte, fuhr ich mit dem letzten Bus der Linie 120 vom Hamburger Hauptbahnhof in Richtung Geesthacht. Der Bus war gesteckt voll mit Familien auf dem Nachhauseweg, Pfingsttouristen auf dem Weg zum Hotel in der Nähe der Haltestelle Billhorner Mühlenweg, und Leuten mit viel Gepäck wie mir.

Kurz hinter der Haltestelle U-Bahn Steinstraße nahm der Busfahrer beherzt das Mikro zur hand und meinte in einem sehr jovialen Plauderton:

Hier mal ein paar Gedanken Ihres Busfahrers zu Theorie und Praxis: In der Theorie besteht seit dem 01.01.2008 in der EU ein Gesetz, das mir erlaubt, entweder einen Rollstuhlfahrer und einen Kinderwagen, oder alternativ zwei Kinderwagen mitzunehmen.

Ein Blick in den Rückspiegel, eine Kunstpause, dann:

Wie gesagt, in der Theorie…

In der Praxis standen im Raum der Mitteltür drei Kinderwagen. Außer dem zu erwartenden allgemeinen Platzproblem bei der Zusammenstellung der Fahrgäste bestand jedoch kein Anlass zur Sorge: die drei Kinderwagen standen so geschickt, dass sie sich gegenseitig beim unkontrollierten Rollen durch den Fahrgastraum behinderten, und sie ließen noch Platz zum Aussteigen.

Neben mir stand ein gemütlicher älterer Rheinländer, der nur ganz trocken meinte: „Da hat wohl ein Bürokrat in Brüssel beim Gang zum stillen Örtchen einen genialen Einfall gehabt. Das ist also eine Klohaus-Vorschrift.“

Ich frage mich dabei wirklich: Wer denkt sich so etwas aus? Oder um’s mit Wänääs Worten zu sagen: Tuddat not? Dass zwei Rollstuhlfahrer zusammen unterwegs sein können, scheint den Herren in Brüssel anscheinend völlig abzugehen. Erwarten sie ernsthaft, dass in einer solchen Konstellation einer draußen bleibt und vielleicht eine Stunde auf den nächsten Bus warten muss? Das finde ich fast noch schlimmer als die Company’s Policy</span. Gegen die kann man sich wenigstens wehren, gegen die Spinnereien mancher Brüsseler Bürokraten ja eher weniger.

Impressionen zur SightCity“ 2008 in Frankfurt

Vom 7. bis 9.05. fand in Frankfurt am Main die SightCity, die inzwischen wohl größte Ausstellung von Hilfsmitteln für Blinde und Sehbehinderte im deutschsprachigen Raum, statt. Die Mozilla Foundation war in diesem jahr erstmalig mit einem Stand vertreten.

Die häufigste Frage, die dem Team am Stand gestellt wurde, war „Was macht denn ein Browser-Hersteller auf einer Ausstellung für Blinde und Sehbehinderte?“ Nun, überrascht hat dies nicht: Während es in den USA, z. B. auf der CSUN Gang und Gäbe ist, dass Hersteller wie Google, Microsoft oder eben auch Mozilla sich dort präsentieren, weil sie engagiert sind, ihre Produkte barrierefreier zu gestalten, ist dies bisher auf deutschsprachigen Messen nicht oder nur sehr selten vorgekommen.

Die Resonanz auf unsere Anwesenheit war sehr positiv. Besucher konnten viel über die Neuerungen im Bereich der Barrierefreiheit des Firefox 3.0 erfahren, wir gaben Tipps zu konkreten Fragen zur Benutzung von Firefox und Thunderbird, wir hatten Besuch von einigen Webdesignern, die ich teilweise auch schon auf der Tagung „Einfach für Alle“ am 06.05. getroffen hatte, und einige Mitbringsel für Freunde und Familie gab es auch.

Die Premiere bei der SightCity ist also gelungen, so dass man uns in Zukunft öfter auf solchen oder ähnlichen Veranstaltungen antreffen kann, wo wir persönlich Rede und Antwort stehen werden.

Impressionen der Fachtagung „Einfach für Alle – Konzepte und Zukunftsbilder für ein Barrierefreies Internet“

Am 06.05.2008 nahm ich an der Fachtagung der Aktion Mensch „Einfach für Alle – Konzepte und Zukunftsbilder für ein Barrierefreies Internet“ teil. Die Aktion Mensch hatte mich als Experten für den Workshop 8: Web-Anwendungen – die Software im Browser eingeladen.

Nachdem wir Experten unsere Thesen vorgetragen und erläutert hatten, geriet der Workshop ziemlich schnell zu einer Frage- und Antwort-Stunde zwischen den anwesenden Webentwicklern im Publikum und uns. Es gab jede Menge Fragen zu ARIA (Accessible Rich Internet Applications) und deren Auswirkungen sowohl auf Browser- und Screenreader-Kombinationen, die es bereits unterstützen, als auch auf solche, die dies noch nicht tun. Sowohl Dr. Carlos Velasco als auch ich konnten deutlich machen, dass ARIA bereits heute angewandt werden kann, ja sogar sollte, um Web-2.0-Anwendungen barrierefreier zu gestalten. In Browsern, die dies noch nicht unterstützen, führt dies zu keinerlei nachteilen bei der Darstellung. Browser, die ARIA jedoch bereits unterstützen, wie der in Bälde erscheinende Firefox 3.0, können jedoch schon jetzt Vorteile daraus ziehen und entsprechend angereicherte/vervollständigte Informationen an die Screenreader weitergeben. Sobald andere Browserhersteller wie Opera und Microsoft nachziehen, werden solche Anwendungen automatisch barrierefreier, wenn diese Browser in den dann aktualisierten Versionen zum Einsatz kommen.

Es wurde weiterhin deutlich, dass es sowohl Web-2.0-Anwendungen wie gmail gibt, die von z. B. Blinden sehr aktiv genutzt werden, als auch solche, die noch echte Schwierigkeiten bereiten, wie Google Docs.

Einigkeit bestand darin, dass das Argument Barrierefreiheit nicht herangezogen werden sollte, um z. B. den Einsatz von javaScript oder Ajax zu unterlassen.

Und obwohl der Workshop zwischenzeitlich zu einer Frage- und Antwortstunde mutierte, schaffte es der Moderator Jo Bager, Redaktuer bei der C’T, am Ende doch, einige zusammenfassende Stichworte und vorausschauende Statements zu erarbeiten.

An jenem Vormittag besuchte ich einen weiteren Workshop als Publikumsteilnehmer: Zugänglichkeit und Mobilität. Dieser Workshop“ wurde von Martin ladstätter, Journalist und Redakteur bei BIZEPS – Zentrum für selbstbestimmtes Leben in Wien, geleitet. Als Experte erschien lediglich Herr Jochen Hahnen, Mitarbeiter im Kompetenzzentrum Kooperationssysteme des Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik. Der zweite angekündigte Experte, ein Herr Weber von der Fa. Microsoft, erschien nicht.

Herr Hahnen stellte eine Anwendung vor, die es mit Hilfe eines geeigneten handys ermöglicht, eine Wegstrecke in Form von GPS-Daten aufzuzeichnen und diese dann in ein dafür vorgesehenes Webportal hochzuladen. Die Zielgruppe besteht laut Herrn Hahnen aus Sportlern, die dieses Portal dazu nutzen können, sich im Vergleich zu anderen, die dieselbe Strecke laufen oder mit dem Rad abfahren, zu messen oder eine eigene Leistungskurve zu erstellen. Das Konzept der Anwendung und deren Möglichkeiten für Behinderte war für mich und viele andere Teilnehmer sofort klar ersichtlich: Auch Blinde und Rollstuhlfahrer könnten dieses System nutzen, um Mobilitätshilfen für bestimmte Streckenabschnitte zu geben. Es könnten Hinweise eingeflochten werden wie „hier befindet sich eine barrierefreie U-Bahn-Station“ oder „hier befindet sich eine Wanderbaustelle“.

Könnten, denn die Anwendung ist zur Zeit nicht barrierefrei nutzbar. Auch ist momentan fraglich, ob die Handyanwendung in Bälde für Blinde nutzbar wird: Sie läuft zur Zeit nur auf Windows Mobile und soll laut Aussage von Herrn Hahnen zu Beginn des nächsten Jahres auf Java portiert werden, um dann auch auf Nokia-Handys lauffähig zu sein. Der geneigte Leser erkennt aber sofort: Java-Anwendungen und die Symbian-Screenreader Talks und MobileSpeak sind nicht gerade bekannt dafür, die dicksten Freunde zu sein.

Da Herr Hahnen von vornherein erklärte, dass die eigentliche Zielgruppe Sportler sind, ist zumindest von hierher begründbar, warum auf die Barrierefreiheit sowohl des Webportals als auch der Handyanwendung kein besonderer Wert gelegt wurde. Ein Blinder joggt ja nicht allein, also kann auch das Handy von der sehenden Begleitung bedient werden, oder?

Die Diskussion entwickelte sich zu diesem Thema sehr lebhaft und durchaus konstruktiv. So wurde deutlich gemacht, dass diese Art Anwendung eben für Behinderte ganz erheblichen Sinn machen würde. Es hängt natürlich von der Community ab, dass Daten z. B. zu Baustellen o. ä. immer aktuell sind. Aber das Web 2.0 heißt ja nicht umsonst das Mitmach-Web.

Im Rückblick erscheint mir die Wahl des Produktes zum Thema etwas unglücklich. Herr Hahnen konnte einem zwischendurch sogar schon ein bisschen leid tun, weil immer wieder auf die Tatsache hingewiesen, um nicht zu sagen, Salz in die Wunde gestreut, wurde, dass die Anwendung nicht barrierefrei ist. Mir stellt sich die Frage, ob der Workshop dazu dienen sollte, dem Fraunhofer Institut einen Anreiz zu geben, die Anwendung dahingehend zu erweitern und barrierefrei zu gestalten, dass zur Zielgruppe zukünftig auch Behinderte zählen können. Oder alternativ: Wurde sich im Vorhinein nicht hinreichend über das Produkt informiert, so dass gar nicht klar war, dass die Anwendung für den Personenkreis der Behinderten eigentlich gar nicht konzipiert ist? Diese Frage blieb der Workshop schuldig.

Den Rahmen der Veranstaltung bildeten sowohl die Vorstellung einer Studie zum Nutzerverhalten Behinderter im Web 2.0 als auch der Startschuss zum Biene-Award 2008. Was die Studie angeht, so konnte ich feststellen, dass ich voll im Trend zu liegen scheine: Ich nutze das Internet als Blinder tatsächlich viel zum Bestellen von Waren, bin kreativ im Umgehen von Barrieren, auf die ich stoße, und Captchas empfinde ich ebenfalls als lästigste Barriere, die das Web so zu bieten hat.

Weiterhin musste ich feststellen, dass die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich schon kannten und das ganze fast ein bisschen wie ein großes Familientreffen wirkte. Ich selbst kannte bis dahin nur sehr wenige Teilnehmer persönlich. Als New Kid on the Block wurde ich sehr freundlich aufgenommen.

Abschließend möchte ich noch auf einen Artikel bei Heise Online hinweisen, der eine gute Zusammenfassung der Veranstaltung und ebenfalls ein paar Links zur Veranstaltung und zum Biene-Award enthält.

Ich möchte der Aktion Mensch sehr herzlich für die Einladung danken! Es war eine sehr bereichernde Erfahrung.

Letzter Feinschliff für Firefox 3

Entschuldigt, wenn es hier in den letzten Wochen etwas ruhig war. Ich steckte bis zum Hals in den letzten Feinschliffarbeiten für Firefox 3.0. Wir sind nun, wie man so schön sagt, aus dem Gröbsten raus, so dass ich fürs endgültige Release nur noch eventuell aufkommende Absturz-Fixes oder gravierende Mängel zu beheben erwarte.

Hier einige der sichtbaren Änderungen, die in letzter Zeit noch so erfolgt sind:

  • Bei Grafiken, die einen leeren alt-Text, also "", enthalten, jedoch auch mit einem title-Attribut versehen sind, erzeugt Firefox nun einen Namen für das Accessible der Grafik, der aus dem Inhalt des title-Attribut besteht. Bisher wäre diese Art Grafik als sogenannte dekorative Grafik gemeldet worden, weil eben der alt-Text leer ist. Während sich für JAWS und Window-Eyes-Benutzer hieraus keine Änderung ergeben dürfte, werden Anwender von NVDA und Orca die Änderung sehr wohl bemerken. JAWS und Window-Eyes haben in einem solchen Fall bisher schon selbständig nach einem title-Attribut gesucht und dieses verwendet, wenn es vorhanden war.
  • Das src-Attribut von Grafiken wird jetzt über die Attribute eines Accessibles mitveröffentlicht. NVDA muss dann nicht extra für diese Informationen auf die älteren iSimple*-Interfaces zugreifen, die ursprünglich benutzt wurden, um Informationen zu veröffentlichen, die über MSAA (Microsoft Active Accessibility) hinausgingen. Unser Ziel ist es jedoch, alle Informationen, die bisher über iSimple* zu bekommen waren, auch für IAccessible2 zur Verfügung zu stellen.
  • Bei ARIA gab es noch einige Verbesserungen, so dass bestimmte Arten von Listenfeldern und Menüs jetzt noch besser funktionieren.
  • Unter Linux funktioniert das Dialogfeld „Bibliothek“ jetzt auch in den Baumtabellen richtig.
  • Durch das Auswerten eingesandter Absturzberichte konnten wir noch einige Fehler ausmerzen, die uns bis dahin nicht aufgefallen waren. Die Beta 5 von Firefox 3.0 wird anscheinend deutlich aktiver genutzt als frühere Betas, und diese Absturzberichte helfen uns wirklich, die Stabilität noch weiter zu verbessern. In diesem Zusammenhang eine Bitte: Es gibt im Dialogfeld zum Absenden eines Berichtes ein Kommentarfeld. Falls euch der Firefox abstürzen sollte, und ihr sendet einen Bericht an Mozilla, schreibt bitte einen Kommentar hinein, so dass wir einen Anhaltspunkt haben, wo euch der Absturz passiert ist. Manchmal ist es nämlich nicht ganz einfach, die Ursache für einen Absturz festzustellen, wenn man keinen Anhaltspunkt hat, auf welcher Seite sich der Berichtende befunden hat.

Würde sich der Hund von Frau Link bitte mal melden? :-)

Als ich am Sonntagmorgen zu meinem Flug nach San Francisco aufgebrochen bin, brachte meine Frau Gesa mich zum Flughaffen. Wir nahmen unsere 14-monatige Hündin Ronja mit, damit sie die Atmosphäre auf einem Flughafen mal kennenlernen kann. Zum Hintergrund: Meine Frau ist Rollstuhlfahrerin, wir sind also ein Paar aus Blindem und Rollifahrerin, genauso wie Christiane und Artur.
Nachdem ich von der Assistenz abgeholt worden war, gingen Gesa und Ronja noch etwas im Abflugterminal auf und ab. Gesa wurde plötzlich von einer Flughafenangestellten angesprochen, seit wann sie denn einen Hund habe. Bei Gesa klingelte es natürlich sofort: Sie ist mit Christiane verwechselt worden. Frei nach dem Motto „da war doch eben ein blinder Mann bei der Rollifahrerin, können ja nur die beiden sein“. 🙂

Gesa hat die Verwechslung dann natürlich sofort aufgeklärt.

In Kalifornien angekommen

Am Sonntag bin ich nach 15 Stunden Flug gut in Kalifornien gelandet. Ich werde eine Woche in Mountain View am Stammsitz von Mozilla arbeiten, Kollegen kennenlernen, Einblicke in Qualitätssicherungsabläufe gewinnen, die nicht zwangsläufig mit Zugänglichkeit zu tun haben, selbst einiges von dem zeigen, was ich seit Anfang Dezember so mache, und hoffentlich auch das eine oder andere von der Umgebung kennenlernen. Ich war noch nie in San Francisco und hoffe, ein Cable Car zu besteigen oder die Golden Gate-Brücke zu erklimmen.

Paderborner Bücher jetzt auch als Datei erhältlich

Als mir letzte Woche die Broschüre „Neues aus Paderborn“, Ausgabe Januar-März 2008, ins Haus flatterte, entdeckte ich am Ende des einleitenden Schreibens den Hinweis, dass die Bücher jetzt auch als Datei auf Diskette oder CD zu beziehen sind. Eine Nachfrage beim Verlag ergab, dass diese Ausgabe als Alternative zur gebundenen oder gehefteten Ausgabe zum Preis der gehefteten Ausgabe erhältlich ist.

Zu Weihnachten nun fand ich zwei solche Bücher unterm Weihnachtsbaum und stellte fest, dass diese tatsächlich im BRL-Format, allerdings mit einer .txt-Erweiterung, vorliegen. Flugs hatte ich meinen Buchwurm von Handy Tech an den PC angeschlossen, das Kommunikationsprogramm HTCom gestartet und das erste Buch übertragen. Ich habe die Datei dazu umbenannt, so dass sie eine .brl-Erweiterung trug, keine Kurzschriftübersetzung ausgewählt und die Standardeinstellung beim Braillezeichensatz belassen. Die Datei fand ich nachher im Buchwurm vor, allerdings ohne Überschriften o. ä. Die BRL-Datei enthält keinerlei Informationen zur Überschriftendarstellung, keine besonderen Zeilenabstände, anhand derer der Konverter die Überschriften von sich aus noch erkennen könnte usw. Hier müsste man vielleicht nach bestimmten Regeln selbst Hand anlegen, um die Datei noch etwas besser für den Buchwurm umzugestalten.
Das Leseerlebnis ist aber einwandfrei. Und ich freue mich jetzt schon auf viele Schmökerstunden, die keine langen Schrankwände mehr voraussetzen. 🙂