Kommunikation mit Aspies leichter gemacht

Seit dem 15.12.2012 gibt es, ausgelöst durch einen Bullshit-Artikel auf Spiegel Online, sowohl einen berechtigten massiven Protest von Menschen mit Autismus und deren Interessenverbänden als auch immer wieder und immer mehr Gespräche, die zu einem besseren Verständnis zwischen Autisten und Nicht-Autisten führen. Zu diesen Gesprächen soll dieser Blogeintrag beitragen. Über den Bullshit von Spiegel, Blick und BILD haben Mela, der Querdenker, Autzeit, Hawkeye und andere in den letzten Tagen ausführlich gebloggt. Das brauche ich hier nicht zu wiederholen.

Vorbemerkung: Ich selbst bin Angehöriger einer Frau mit Asperger-Syndrom, welches ein Teil des autistischen Spektrums ist. Genauere Informationen, was Autismus ist und auch nicht ist, findet sich u. a. in einem Beitrag bei RollingPlanet.

Im folgenden möchte ich einige Hinweise und Ratschläge geben, die vielleicht dazu beitragen können, die Kommunikation und Interaktion zwischen Menschen mit Autismus und solchen ohne zu erleichtern. Ähnlich wie bei Blinden (nicht einfach irgendwo hinzerren, wenn man ihnen den Weg zeigen möchte) oder Rollstuhlfahrern (nicht einfach den Rollstuhl irgendwohin schieben, weil man vermeintlich helfen möchte) gibt es einige einfach zu befolgende Dinge, die in vielen Fällen Missverständnisse vermeiden helfen können.

Kommunikation

Eine der Schwierigkeiten, die Menschen mit Autismus häufig haben, ist die zwischenmenschliche Kommunikation auf allen Ebenen außer der rein sachlichen bzw. wortwörtlichen Ebene. Häufig haben Worte, Redewendungen o. ä. mehrschichtige Bedeutungen. Neuro-typische Menschen, also solche ohne Autismus, verstehen diese mehreren Ebenen intuitiv, aus dem Bauch heraus. Menschen mit Autismus müssen hier fast immer eine intellektuelle Leistung vollbringen, um die verschiedenen Schichten einer Aussage zu entwirren.

Nehmen wir uns mal diese Redewendung vor: „Woran machen Sie das fest?“ „das“ kann zum Beispiel eine beliebige Feststellung sein. Die Frage lautet im eigentlichen Sinne: „Welche Gedanken führen zu Ihrer Schlussfolgerung?“ Menschen ohne Autismus wissen dies sofort einzuordnen. Es muss keine Transferleistung erbracht werden, weil das Bauchgefühl bzw. der automatisch arbeitende Interpreter weiß, was gemeint ist. Dieser Mechanismus fehlt bei den meisten menschen mit Autismus. Sie müssen sich antrainieren, dass „Woran machen Sie das fest?“ nicht bedeutet, dass nach einem festen Gegenstand gefragt wird, an dem man einen anderen Gegenstand festbindet (z. B. ein Boot an einem Steg, ein Fahrrad an einem Fahrradständer usw.). Es ist auch nicht gemeint: „An welchem Gegenstand soll der Gedanke festgebunden werden?“ Sondern es muss übersetzt werden, dass „das“ der Gedanke, die Schlussfolgerung ist und dass das Festmachen hier im übertragenen Sinn gemeint ist, nämlich dass nach der Grundlage einer Schlussfolgerung, den Gedankengängen, die zu einem bestimmten Ergebnis geführt haben, gefragt wird.

Andere Beispiele sind emotionale Zwischentöne. Ein Klassiker ist: „Was ist los?“ – „Es ist nichts los!“ Diese Antwort besagt in vielen Fällen, dass sehr wohl ein Problem vorliegt, die antwortende Person aber darüber in diesem Moment nicht reden möchte. Dass dies in der Regel damit einher geht, dass die antwortende Person zusätzlich sauer, wütend, verletzt o. ä. ist, wird implizit als bekannte Tatsache vorausgesetzt. Die Antwort heißt also im Klartext: „Ich bin sauer/wütend/verärgert/verletzt und will darüber jetzt nicht reden.“ Die Aussage „es gibt kein Problem“, die aber wortwörtlich getroffen wird, wird von Menschen mit Autismus jedoch für bahre Münze, also als genau so gemeint, aufgefasst. Erst durch teilweise jahrelanges Training und dem Sammeln von Erfahrungen wird vielleicht beim einen oder anderen Menschen die Vielschichtigkeit dieser Aussage erfasst. Im Umkehrschluss bedeutet natürlich nicht in jedem Fall, dass „es gibt kein Problem“ immer diese Vielschichtigkeit hat. Manchmal meinen neuro-typische Menschen diese Aussage tatsächlich wörtlich!

Randbemerkung: Diese Missverständnisse gibt es nicht nur zwischen Menschen mit Autismus und solchen ohne, sondern auch allgemein vor allem in Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Während die überwiegende Mehrzahl der männlichen Bevölkerung eher direkt und ohne Vielschichtigkeit kommuniziert, ist die überwiegende Mehrzahl der Frauen quasi Spezialistin in vielschichtiger Kommunikation. Entsprechend wird von ihnen auch erwartet, dass der männliche Beziehungspartner später auf sie zukommt, um das natürlich noch vorhandene Problem dann doch auszudiskutieren, die Partnerin zu trösten o. ä. Tut ein Mann dies nicht, weil er ihre Worte als genau das verstanden hat, was sie ausgesagt haben, ist der nächste Streit schon vorprogrammiert. Viele Männer lernen natürlich im Lauf der Zeit, auf die Zwischentöne oder sonstigen nonverbalen Signale der Partnerin zu hören und entsprechend zu reagieren. Aber auch von ihnen erfordert dies oft eine aktive Interpretationsleistung.

Es ist kein Zufall, dass viele Menschen mit Autismus äußern, mit Männern in der Regel besser kommunizieren zu können als mit Frauen, da die Kommunikation auf der sachlich-analytischen Ebene abläuft und nicht mit einem Satz gleich mehrere Bedeutungen verknüpft sind, aus denen immer die richtige herauszupicken selbst für viele neuro-typische Menschen fast ein Ding der Unmöglichkeit ist. Wie viel schwerer für Menschen mit Autismus, die jedes Wort analysieren, ihre Erfahrungen einfließen lassen und ihre Kenntnis über das Gegenüber einbauen müssen, um annähernd abschätzen zu können, was denn nun gemeint sein könnte!

Genauso passiert es häufig, dass Missverständnisse daraus entstehen, dass neuro-typische Menschen Menschen mit Autismus zu interpretieren versuchen. Der Mensch mit Autismus sendet eine verbale Botschaft, die genauso gemeint ist wie sie gesagt wird. Das ist in nahezu 100% der Fälle anzunehmen. Denn sich vorzustellen, auf welche Weise eine Aussage vielleicht interpretiert werden könnte, ist ebenfalls ein Ding der Unmöglichkeit. Das neuro-typische Gegenüber interpretiert dann eine solche Aussage doch, entweder aus Unwissenheit, aus Reflex (weil man das ja so in Gesprächen macht), und schon ist ein Missverständnis da, denn die Botschaft ist beim Empfänger anders angekommen als der Absender sie gemeint hat, und der Absender versteht wiederum nicht, auf welche Weise seine Aussage interpretiert wurde, weil es doch so viele Möglichkeiten gibt.

Es täte den Menschen im Allgemeinen sehr gut, direkter miteinander zu sprechen, das ständige Interpretieren bleiben zu lassen und so Missverständnisse zu vermeiden. Dies betrifft Beziehungen aller Art, nicht nur partnerschaftliche, sondern auch geschäftliche, politische und andere.

Meine Empfehlung: Wenn Sie als neuro-typischer Mensch mit einem Menschen mit Autismus kommunizieren, egal welches Geschlecht dieser Mensch hat, gehen Sie davon aus, dass Ihr Gegenüber auf der sachlich-analytischen Ebene mit Ihnen spricht und nicht in irgendwelchen doppelt und dreifach transferierten Ebenen. Ihr Interpretationsversuch wäre in jedem Fall zum Scheitern verurteilt, denn die tatsächlich gemeinte Bedeutung wurde Ihnen durch den Absender schon direkt geliefert, ohne Schnörkel, ohne doppelten Briefumschlag. Umgekehrt gilt: Sprechen Sie direkt, lassen Sie im Zweifel auch jede Diplomatie aus dem Spiel und erwarten Sie nicht, dass Ihre Botschaft vom Gegenüber erst aus zwei oder drei Briefumschlägen herausgefischt wird, die alle mit unterschiedlichen Aufklebern für die Ebenen versehen sind, die Sie gemeint haben könnten. Das Gegenüber wird, je nachdem wie gut Sie sich kennen und Ihr Gegenüber gelernt hat, Sie zu lesen, Ihr Wort mehr oder weniger häufig für bahre Münze nehmen.

Gestik, Mimik

Der bedeutungsschwangere Blick, das verschwörerische Zuzwinkern, das einander Zunicken zweier Tatortpolizisten, und beide wissen, wer zuerst schießt, eine Handbewegung, und das Gegenüber weiß sofort bescheid. Ähnlich wie Blinden entgehen auch vielen Menschen mit Autismus diese nonverbalen Signale bzw. deren Bedeutung völlig. Es ist kaum feststellbar, was ausgedrückt werden soll, es findet keine offensichtliche Kommunikation statt. Gehen Sie also in der Regel nicht davon aus, dass ein Mensch mit Autismus Sie versteht, nur weil Sie auf eine bestimmte Weise schauen, auf eine Bemerkung hin mit einem irgendwie verzogenen Gesicht nicken, in einer bestimmten Situation eine Handbewegung nach rechts oder links machen. Das Signal wird in sehr vielen Fällen nicht beim Empfänger ankommen. Es gibt natürlich Menschen mit Autismus, die solche Gesten und Mimik verstehen, weil ihre Schwierigkeiten in anderen Gebieten zu finden sind, oder solche, die es durch jahrelanges Training zumindest bei manchen Menschen zu interpretieren gelernt haben. Aber ähnlich wie bei der verbalen Kommunikation gilt: Je direkter, desto besser!

Andere sensorische Wahrnehmung

Viele Menschen mit Autismus haben entweder über- oder unterempfindliche sensorische Wahrnehmungen. Bestimmte Filter im Gehirn funktionieren nicht so wie bei neuro-typischen Menschen. So ist die optische Wahrnehmung z. B. so ungefiltert, dass jedes kleine Detail eines Raumes aufgenommen wird, und sei es für den Anlass auch noch so unwichtig. In der Umgebung eines Gastronomiebetriebes werden die umgebenden Geräusche und Gespräche von anderen Tischen so laut wahrgenommen wie das Gespräch am eigenen Tisch. Die Filterung dieser unwichtigen Nebengeräusche funktioniert nicht. Stellen Sie sich eine Filmsequenz vor, in der sich zum einen keine Objekte im Hintergrund befinden, sondern alle Elemente eines Raumes gleich stark auf der Mattscheibe präsent sind und Ihnen nicht klar ist, was sich eigentlich im Vordergrund abspielt. Gleichzeitig sind alle Geräusche gleich laut, es gibt keine Differenzierung zwischen dem vordergründigen Gespräch und den normalerweise im Hintergrund vor sich hin rumorenden, aber vom neuro-typischen Gehirn weggeblendeten Geräuschen. Der Toningenieur hat alles gleich laut ausgesteuert und zwingt Ihnen die Geräusche auf, ohne Ihnen eine Chance zur Filterung zu geben. So, überspitzt dargestellt, können Sie sich ungefähr die Wahrnehmung solcher Menschen mit Autismus vorstellen, deren sensorische Filterung optischer und akustischer Reize nicht so funktioniert wie bei Ihnen.

Das gleiche gibt es natürlich auch beim Geruchs- und Tast- bzw. Berührungssinn. Geruchsempfindlichkeit kann bei einer starken Parfümierung bei Menschen mit Autismus zu einer sehr starken Belastung werden. Eine plötzliche Berührung kann sehr unangenehm sein und zu einem starken Schrecken führen.

Das Herausfiltern von unwichtigen Details ist eine intellektuelle Herausforderung, der sich viele Menschen mit Autismus jeden Tag in jeder Sekunde stellen müssen, in der sie irgendwo unterwegs sind. Das ermüdet. Ermüdet das Gehirn zu stark, und hören die Reize nicht auf, so kann dies zu einem sog. Overload, einer Überladung des sensorischen Inputs, führen. Das Gehirn ist dann nicht mehr in der Lage, die Filterung vorzunehmen, und alles strömt mit voller Wucht auf diejenige Person ein. Die Folge ist ein Fluchtreflex. Der sensorische Input muss sofort auf einen Wert möglichst nahe 0 heruntergefahren werden. Ein Mensch mit Autismus, der im Overload ist, ist zu fast nichts anderem mehr in der Lage, als diesem Flucht- und Schutzreflex Folge zu leisten. Jeder weitere Kommunikationsversuch würde in einem solchen Moment die Situation weiter eskalieren. In leichteren Formen oder wenn ein Overload zwar in die Nähe des Möglichen rückt, aber noch nicht eingetreten ist, können stressabbauende Maßnahmen wie leichtes Schaukeln, die Beschäftigung und Konzentration auf einen bestimmten Gegenstand oder Tätigkeit zu einer Beruhigung und Linderung der drohenden Symptome führen. Ist es jedoch soweit, dass ein Overload eingetreten ist, sollte ein Mensch mit Autismus in Ruhe gelassen, ihm eine komplette Rückzugsmöglichkeit gegeben werden. Nichts mehr hören, keine unnötigen Berührungen oder Gerüche, möglichst vielleicht auch noch ein abgedunkelter Raum, um die optischen Reize soweit wie möglich herunterzufahren.

All dies sind natürlich nur Beobachtungen aus eigener Erfahrung oder aus Erzählungen von Menschen mit Autismus aus meinem Umfeld. Wie bei allen menschlichen Befindlichkeiten gilt: Auf das Individuum kommt es an. Ähnlich wie Autismus selbst ein Spektrum ist, so sind auch die Ausprägungen, Symptome oder Bewältigungsstrategien eines sensorischen Overloads sehr unterschiedlich.

Wenn Sie also einen Menschen mit Autismus sehen, der den Eindruck macht als stünde er gerade sehr unter Stress, unterdrücken Sie bitte Ihren Reflex, unbedingt helfen zu wollen! Sie helfen einem solchen Menschen am besten, indem Sie gar nichts tun, sondern ihn einfach in Ruhe lassen. Wenn er Ihre Hilfe braucht, wird er es Ihnen sagen oder anders, zum Beispiel schriftlich, weil sprechen gerade nicht möglich ist, mitteilen.

Fazit

Ich hoffe, diese Ausführungen helfen dem einen oder anderen Leser in der Zukunft, wenn es um eine möglichst reibungslose Verständigung zwischen Menschen ohne und mit Autismus geht! Die wichtigsten Faustregeln lauten: Kommunizieren Sie möglichst direkt und ohne viel Interpretationsspielraum, interpretieren Sie selbst das Gesagte nicht unnötigerweise, und erwarten Sie nicht, dass Gestik und Mimik immer sofort verstanden werden. Stellen Sie nie zu viele Fragen auf einmal. Sollte sich eine Person mit Autismus in einem Zustand des Overloads befinden oder darauf zusteuern, tun Sie Ihr mögliches, um den sensorischen Input zu reduzieren und reagieren Sie nur, wenn Sie darum gebeten werden und lassen Sie die Person ansonsten einfach in Ruhe. Wenn die neuro-typischen Menschen unter uns, mich eingeschlossen, diese Dinge in Zukunft mehr beachten, werden wir unseren Mitmenschen mit Autismus den Umgang mit uns und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtern und allgemein das Risiko für Missverständnisse erheblich mindern!

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Kommentar: Stellt die EU endlich auf echte staatliche Füße!

Das Gerangel um das Freihandelsabkommen mit Kanada, CETA, die gleichfalls stockenden Verhandlungen über das Abkommen mit den USA TTIP, und viele andere kleine und große Baustellen zeigen, dass die EU politisch so, wie sie ist, nicht mehr funktioniert. Sie braucht dringend eine Neuordnung und einen Paradigmenwechsel. Ein Kommentar. Weiterlesen Kommentar: Stellt die EU endlich auf echte staatliche Füße!

Messenger mit Verschlüsselung: WhatsApp, Threema und Signal

Am 05.04.2016 gab WhatsApp bekannt, dass Nachrichten, die über den populären Messenger verschickt werden, ab sofort durch Verschlüsselung gegen Mitlesen und Abhören gesichert sind. Über eine milliarde Nutzer chatten jetzt, ohne dass Behörden und Facebook mitlesen können. Andere Messenger machen dies schon länger und vielleicht sogar noch besser. Ich habe mir mal die drei populärsten angeschaut und ziehe ein paar Vergleiche. Weiterlesen Messenger mit Verschlüsselung: WhatsApp, Threema und Signal

Bilder mit Bildbeschreibungen auf Twitter posten – So geht’s

Seit dem 29.03.2016 kann man auf Bildern, die man auf Twitter veröffentlicht, eine Bildbeschreibung hinzufügen. Dies hilft Menschen, die die Bilder nicht sehen oder interpretieren können, also z. B. Blinden und Sehbehinderten, aber auch Menschen mit bestimmten kognitiven Schwierigkeiten. Und so geht’s! Weiterlesen Bilder mit Bildbeschreibungen auf Twitter posten – So geht’s

Erfahrungsbericht: Microsoft Surface Book und Surface Pro 4 mit Windows 10

Ich werde immer wieder von blinden Lesern gefragt, wie denn Windows 10 so sei, ob sich der Umstieg lohnt, ob danach alles kaputt ist o. ä. Auch kommen immer wieder mal Fragen nach geeigneter Hardware. Ich habe daher vor etwa einer Woche die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und sowohl das Microsoft Surface Book als auch das Surface Pro 4 einem Test unter Alltagsbedingungen unterzogen. Hier ist mein Erfahrungsbericht. Weiterlesen Erfahrungsbericht: Microsoft Surface Book und Surface Pro 4 mit Windows 10

„Recht auf Behaglichkeit“? Ja seid ihr denn nicht mehr ganz dicht?

Heute Mittag spülte Twitter meiner Herzdame und mir den Artikel „Politische Korrektheit bedroht die freie Rede“ von Jochen Buchsteiner aus der FAZ auf den Esstisch. Und ich habe dazu, nachdem sich mein Blutdruck wieder halbwegs beruhigt hat, einiges zu sagen. Weiterlesen „Recht auf Behaglichkeit“? Ja seid ihr denn nicht mehr ganz dicht?

Die Grundregeln zugänglicher Webseiten

Ich werde immer wieder gefragt, was denn die absolut grundlegenden Dinge sind, die man als Webentwicklerin und Webentwickler kennen sollte, um Webseiten so zu schreiben, dass sie möglichst zugänglich sind.

Ich hatte eigentlich angenommen, dass es hierzu schon zahlreiches Material im Web gibt und dass es nicht schwierig sein dürfte, dieses auch zu finden. Da die Frage aber immer und immer wieder aufkommt, habe ich nun beschlossen, meine eigene Sicht dieser absoluten Grundlagen aufzuschreiben. Hier ist sie also nun, meine persönliche Liste der Grundlegenden Dinge für zugängliche Webseiten. Weiterlesen Die Grundregeln zugänglicher Webseiten

Eine Fahrt in einem Tesla Model S

Ich hatte es neulich auf Twitter und Facebook schon mal angedeutet, aber hier möchte ich nochmal ausführlicher über meine erste Fahrt bzw. Mitfahrt in einem Elektroauto berichten.

Letzte Woche wurde ich vom Mozilla-Büro abgeholt und zum Flughafen Toronto gefahren. Der Fahrer fuhr ein Tesla Model S, also ein Elektroauto. Es war das erste Mal, dass ich mit so einem Wagen mitgefahren bin. Hybridautos wie die von Toyota kannte ich schon, aber eben noch kein vollelektrisches Fahrzeug.

Und ich muss sagen, dass ich tief beeindruckt war. Außer einem leisen Sirren beim Beschleunigen und Abbremsen war kein Motorengeräusch zu hören. Das Sirren erinnerte mich an moderne U oder S-Bahn-Züge, nur nicht so laut. Ansonsten war das einzige Geräusch dasjenige, welches durch die Interaktion von Reifen und Straßenbelag verursacht wurde. Je besser der Belag, desto ruhiger glitt das Auto dahin. Und ja, es fuhr nicht, es glitt förmlich. Keine Vibrationen durch einen Motor, und selbst auf dem Stück Autobahn, das wir fuhren, konnte man sich bequem unterhalten, da es kaum lauter war als im Stadtverkehr. Das Fahren fühlte sich regelrecht edel an.

Als Blindem sind mir aber natürlich die Probleme, die dies für mich und andere als Fußgänger verursacht, sehr bewusst. Als wir ausgestiegen waren und der Fahrer abfuhr, hörte ich nichts davon. Die anderen Autos waren einfach zu laut, genauso wie der restliche Umgebungslärm. Solange diese Autos also mit den lärmenden Benzinern und Dieseln koexistieren müssen, brauchen sie eine akustische Markierung nach außen hin, sonst hört man sie nicht. Wenn so ein Auto an einer Ampel steht, hört man es schlicht und einfach nicht. OK, das gilt auch für Hybrid-Fahrzeuge, aber die machen ja ab irgend einem Punkt wieder Motorengeräusche.

Der Fahrer sagte aber was sehr interessantes, als wir während der Fahrt über diese Problematik sprachen. Er fährt vorsichtiger, seit er den Tesla fährt. Ihm ist sehr wohl bewusst, dass Menschen auf der Straße ihn nicht hören können, und er meinte damit nicht nur Blinde.

In meiner Brust schlagen definitiv zwei Herzen: Das eine ist das umweltbewusste, das ganz klar möchte, dass sich diese Autos sehr sehr schnell durchsetzen und die Benziner und Diesel von der Straße verdrängen. Das andere ist das des Blinden, der immer hofft und bangt, dass die Fahrer von Elektroautos so verantwortungsbewusst sind und die akustischen Warnvorrichtungen, die es in Elektroautos gibt, nutzen und nicht grundsätzlich abschalten. Erst, wenn alle Autos elektrisch sind und keine lärmenden Altfahrzeuge sie mehr übertönen können, ist ein sicheres Miteinander ohne akustische Sondervorrichtungen wieder möglich, denke ich.

Erstes Anfühlen von 3D Touch auf dem iPhone 6s und 6s Plus

Ich bin gerade in Toronto in Kanada auf einem Arbeitseinsatz, hatte aber am heutigen Samstag noch nichts zu tun und somit Zeit, zum örtlichen Apple Store zu marschieren und mir die neuen iPhone-Modelle 6s und 6s Plus anzuschauen.

Die Modelle sind am gestrigen 25.09. erst erschienen, und ich gehöre diesmal nicht zu denen, die eines am Erscheinungstag bekommen. Dennoch war ich natürlich sehr neugierig vor allem auf das neue Feature 3D Touch, das auch mit VoiceOver funktioniert.

3D Touch ist eine neue Art, mit dem Touchscreen des iPhones zu interagieren. Man kann Elemente jetzt nicht nur antippen und doppeltippen, sondern an der Stelle des Elements, das man auslösen möchte, auch fest aufs Display drücken. Je nach App geschieht dann eines von zwei Dingen: Entweder wird ein Kontextmenü aufgerufen, oder es gibt eine Vorschau des Elements, das man gerade drückt. Auf dem Home-Screen zum Beispiel bewirkt das Drücken vieler Apps das Erscheinen eines Kontextmenüs. Hier gibt es z. B. Optionen wie „neue Nachricht“ bei Nachrichten, eine Liste der Favoriten und die Möglichkeit, einen neuen Kontakt zu erstellen bei Telefon usw. Auch die ersten Apps von Drittherstellern bieten inzwischen Kontextmenüs für ihre App-Symbole an.

Drückt man jedoch zum Beispiel auf eine Mail in der Liste von Mails im Posteingang, wird eine Vorschau geöffnet, die auch mit VoiceOver zugänglich ist. Man drückt also, bekommt durch ein kurzes Vibrationssignal angezeigt, dass der Vorschau-Druck erkannt wurde, und die Vorschau erscheint. Man lässt seinen Finger auf dem Display und erforscht die Elemente. Drückt man nun noch etwas fester auf, wird die Mail tatsächlich geöffnet. Hebt man hingegen den Finger an, wird die Vorschau geschlossen, ohne die Mail als gelesen zu markieren. Wischt man ohne den Finger anzuheben nach rechts, ist man in der Vorschau nun in einem Modus, in dem jede VoiceOver-Geste funktioniert. In jeden Fall kommt man mit der Zickzack-Geste wieder zurück, also sowohl aus der Vorschau als auch den Kontextmenüs.

Drückt man auf ein Element, das keine 3D-Touch-Aktionen unterstützt, wird einem dies durch zwei kurze Vibrationen angezeigt.

Es gibt drei Stufen, auf die man 3D Touch einstellen kann: Leicht, Mittel oder Fest. Dies steuert, wie stark man auf das Display drücken muss, um 3D Touch auszulösen. Standardmäßig ist Mittel eingestellt. In diesem Modus muss zumindest ich schon kräftig drücken, um den 3D Touch auszulösen. Denke, sobald ich mein neues iPhone habe, wird meine Einstellung wohl die leichte sein, da ich kein Anwender bin, der beim normalen tippen stark aufs Display drückt.

Will man auf den neuen iPhones 3D Touch gar nicht nutzen, kann man es auch komplett ausschalten. Die Einstellungen finden sich alle unter den Bedienungshilfen unter der Überschrift „Interaktion“, und zwar unabhängig davon, ob VoiceOver läuft oder nicht.

Was ich sehr beeindruckend fand, war, dass ich das Gefühl hatte, mein Finger würde tatsächlich das Display etwas eindrücken oder darin „versinken“. Ob dies tatsächlich so ist oder lediglich eine clevere Illusion darstellt, entzieht sich meiner Kenntnis. Als ich dieses Gefühl das erste Mal hatte, erschrak ich glatt, da ich fast das Gefühl hatte, ich könnte eventuell was kaputt machen oder zu stark gedrückt haben. Aber Apple verwendet in diesen neuen iPhones ein sehr viel stärkeres Displayglas als früher, und zwar das gleiche verstärkte Glas, das auch in der Apple Watch zum Einsatz kommt. Also scheint es sich tatsächlich um eine clevere Illusion zu handeln. Auf jeden Fall verstärkt es den Eindruck, dass dieser 3D Touch auch haptisch ein echtes 3D-Erlebnis ist.

Ein Hinweis nochmal in aller Deutlichkeit für VoiceOver-Nutzer: Man kann 3D Touch nur direkt auf dem Element ausführen. Einfach per wischen ein Element in den VoiceOver-Fokus bringen und dann irgendwo drücken funktioniert in diesem Fall nicht. Hier ist es also tatsächlich nötig, sich mit der Lage von Elementen vertraut zu machen und diese dann gezielt anzutippen und dann zu drücken.

Ansonsten kann ich zu den neuen iPhone-Modellen noch sagen, dass sie einen besseren Grip haben als das 6 und 6 Plus. Das liegt unter anderem auch daran, dass Apple durch das verstärkte Glas an anderer Stelle Beschichtungen weglassen konnte, die den Grip beeinträchtigten.

Die neuen Geräte machen einen guten Eindruck, sind sehr schnell, deutlich schneller als das 6 und 6 Plus beim Öffnen und Umschalten von Apps und VoiceOver-Reaktionszeiten. 3D Touch ist eine interessante neue Bedienweise für Apps, die auch für VoiceOver zugänglich ist. Obwohl sie also beim Namen nur ein s hinzu bekommen haben, sind es doch richtig große Upgrades der Geräte geworden. Ich freue mich auf meines! 🙂