Erfahrungsbericht: Microsoft Surface Book und Surface Pro 4 mit Windows 10

Ich werde immer wieder von blinden Lesern gefragt, wie denn Windows 10 so sei, ob sich der Umstieg lohnt, ob danach alles kaputt ist o. ä. Auch kommen immer wieder mal Fragen nach geeigneter Hardware. Ich habe daher vor etwa einer Woche die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und sowohl das Microsoft Surface Book als auch das Surface Pro 4 einem Test unter Alltagsbedingungen unterzogen. Hier ist mein Erfahrungsbericht. Weiterlesen Erfahrungsbericht: Microsoft Surface Book und Surface Pro 4 mit Windows 10

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„Recht auf Behaglichkeit“? Ja seid ihr denn nicht mehr ganz dicht?

Heute Mittag spülte Twitter meiner Herzdame und mir den Artikel „Politische Korrektheit bedroht die freie Rede“ von Jochen Buchsteiner aus der FAZ auf den Esstisch. Und ich habe dazu, nachdem sich mein Blutdruck wieder halbwegs beruhigt hat, einiges zu sagen. Weiterlesen „Recht auf Behaglichkeit“? Ja seid ihr denn nicht mehr ganz dicht?

Die Grundregeln zugänglicher Webseiten

Ich werde immer wieder gefragt, was denn die absolut grundlegenden Dinge sind, die man als Webentwicklerin und Webentwickler kennen sollte, um Webseiten so zu schreiben, dass sie möglichst zugänglich sind.

Ich hatte eigentlich angenommen, dass es hierzu schon zahlreiches Material im Web gibt und dass es nicht schwierig sein dürfte, dieses auch zu finden. Da die Frage aber immer und immer wieder aufkommt, habe ich nun beschlossen, meine eigene Sicht dieser absoluten Grundlagen aufzuschreiben. Hier ist sie also nun, meine persönliche Liste der Grundlegenden Dinge für zugängliche Webseiten. Weiterlesen Die Grundregeln zugänglicher Webseiten

Eine Fahrt in einem Tesla Model S

Ich hatte es neulich auf Twitter und Facebook schon mal angedeutet, aber hier möchte ich nochmal ausführlicher über meine erste Fahrt bzw. Mitfahrt in einem Elektroauto berichten.

Letzte Woche wurde ich vom Mozilla-Büro abgeholt und zum Flughafen Toronto gefahren. Der Fahrer fuhr ein Tesla Model S, also ein Elektroauto. Es war das erste Mal, dass ich mit so einem Wagen mitgefahren bin. Hybridautos wie die von Toyota kannte ich schon, aber eben noch kein vollelektrisches Fahrzeug.

Und ich muss sagen, dass ich tief beeindruckt war. Außer einem leisen Sirren beim Beschleunigen und Abbremsen war kein Motorengeräusch zu hören. Das Sirren erinnerte mich an moderne U oder S-Bahn-Züge, nur nicht so laut. Ansonsten war das einzige Geräusch dasjenige, welches durch die Interaktion von Reifen und Straßenbelag verursacht wurde. Je besser der Belag, desto ruhiger glitt das Auto dahin. Und ja, es fuhr nicht, es glitt förmlich. Keine Vibrationen durch einen Motor, und selbst auf dem Stück Autobahn, das wir fuhren, konnte man sich bequem unterhalten, da es kaum lauter war als im Stadtverkehr. Das Fahren fühlte sich regelrecht edel an.

Als Blindem sind mir aber natürlich die Probleme, die dies für mich und andere als Fußgänger verursacht, sehr bewusst. Als wir ausgestiegen waren und der Fahrer abfuhr, hörte ich nichts davon. Die anderen Autos waren einfach zu laut, genauso wie der restliche Umgebungslärm. Solange diese Autos also mit den lärmenden Benzinern und Dieseln koexistieren müssen, brauchen sie eine akustische Markierung nach außen hin, sonst hört man sie nicht. Wenn so ein Auto an einer Ampel steht, hört man es schlicht und einfach nicht. OK, das gilt auch für Hybrid-Fahrzeuge, aber die machen ja ab irgend einem Punkt wieder Motorengeräusche.

Der Fahrer sagte aber was sehr interessantes, als wir während der Fahrt über diese Problematik sprachen. Er fährt vorsichtiger, seit er den Tesla fährt. Ihm ist sehr wohl bewusst, dass Menschen auf der Straße ihn nicht hören können, und er meinte damit nicht nur Blinde.

In meiner Brust schlagen definitiv zwei Herzen: Das eine ist das umweltbewusste, das ganz klar möchte, dass sich diese Autos sehr sehr schnell durchsetzen und die Benziner und Diesel von der Straße verdrängen. Das andere ist das des Blinden, der immer hofft und bangt, dass die Fahrer von Elektroautos so verantwortungsbewusst sind und die akustischen Warnvorrichtungen, die es in Elektroautos gibt, nutzen und nicht grundsätzlich abschalten. Erst, wenn alle Autos elektrisch sind und keine lärmenden Altfahrzeuge sie mehr übertönen können, ist ein sicheres Miteinander ohne akustische Sondervorrichtungen wieder möglich, denke ich.

Erstes Anfühlen von 3D Touch auf dem iPhone 6s und 6s Plus

Ich bin gerade in Toronto in Kanada auf einem Arbeitseinsatz, hatte aber am heutigen Samstag noch nichts zu tun und somit Zeit, zum örtlichen Apple Store zu marschieren und mir die neuen iPhone-Modelle 6s und 6s Plus anzuschauen.

Die Modelle sind am gestrigen 25.09. erst erschienen, und ich gehöre diesmal nicht zu denen, die eines am Erscheinungstag bekommen. Dennoch war ich natürlich sehr neugierig vor allem auf das neue Feature 3D Touch, das auch mit VoiceOver funktioniert.

3D Touch ist eine neue Art, mit dem Touchscreen des iPhones zu interagieren. Man kann Elemente jetzt nicht nur antippen und doppeltippen, sondern an der Stelle des Elements, das man auslösen möchte, auch fest aufs Display drücken. Je nach App geschieht dann eines von zwei Dingen: Entweder wird ein Kontextmenü aufgerufen, oder es gibt eine Vorschau des Elements, das man gerade drückt. Auf dem Home-Screen zum Beispiel bewirkt das Drücken vieler Apps das Erscheinen eines Kontextmenüs. Hier gibt es z. B. Optionen wie „neue Nachricht“ bei Nachrichten, eine Liste der Favoriten und die Möglichkeit, einen neuen Kontakt zu erstellen bei Telefon usw. Auch die ersten Apps von Drittherstellern bieten inzwischen Kontextmenüs für ihre App-Symbole an.

Drückt man jedoch zum Beispiel auf eine Mail in der Liste von Mails im Posteingang, wird eine Vorschau geöffnet, die auch mit VoiceOver zugänglich ist. Man drückt also, bekommt durch ein kurzes Vibrationssignal angezeigt, dass der Vorschau-Druck erkannt wurde, und die Vorschau erscheint. Man lässt seinen Finger auf dem Display und erforscht die Elemente. Drückt man nun noch etwas fester auf, wird die Mail tatsächlich geöffnet. Hebt man hingegen den Finger an, wird die Vorschau geschlossen, ohne die Mail als gelesen zu markieren. Wischt man ohne den Finger anzuheben nach rechts, ist man in der Vorschau nun in einem Modus, in dem jede VoiceOver-Geste funktioniert. In jeden Fall kommt man mit der Zickzack-Geste wieder zurück, also sowohl aus der Vorschau als auch den Kontextmenüs.

Drückt man auf ein Element, das keine 3D-Touch-Aktionen unterstützt, wird einem dies durch zwei kurze Vibrationen angezeigt.

Es gibt drei Stufen, auf die man 3D Touch einstellen kann: Leicht, Mittel oder Fest. Dies steuert, wie stark man auf das Display drücken muss, um 3D Touch auszulösen. Standardmäßig ist Mittel eingestellt. In diesem Modus muss zumindest ich schon kräftig drücken, um den 3D Touch auszulösen. Denke, sobald ich mein neues iPhone habe, wird meine Einstellung wohl die leichte sein, da ich kein Anwender bin, der beim normalen tippen stark aufs Display drückt.

Will man auf den neuen iPhones 3D Touch gar nicht nutzen, kann man es auch komplett ausschalten. Die Einstellungen finden sich alle unter den Bedienungshilfen unter der Überschrift „Interaktion“, und zwar unabhängig davon, ob VoiceOver läuft oder nicht.

Was ich sehr beeindruckend fand, war, dass ich das Gefühl hatte, mein Finger würde tatsächlich das Display etwas eindrücken oder darin „versinken“. Ob dies tatsächlich so ist oder lediglich eine clevere Illusion darstellt, entzieht sich meiner Kenntnis. Als ich dieses Gefühl das erste Mal hatte, erschrak ich glatt, da ich fast das Gefühl hatte, ich könnte eventuell was kaputt machen oder zu stark gedrückt haben. Aber Apple verwendet in diesen neuen iPhones ein sehr viel stärkeres Displayglas als früher, und zwar das gleiche verstärkte Glas, das auch in der Apple Watch zum Einsatz kommt. Also scheint es sich tatsächlich um eine clevere Illusion zu handeln. Auf jeden Fall verstärkt es den Eindruck, dass dieser 3D Touch auch haptisch ein echtes 3D-Erlebnis ist.

Ein Hinweis nochmal in aller Deutlichkeit für VoiceOver-Nutzer: Man kann 3D Touch nur direkt auf dem Element ausführen. Einfach per wischen ein Element in den VoiceOver-Fokus bringen und dann irgendwo drücken funktioniert in diesem Fall nicht. Hier ist es also tatsächlich nötig, sich mit der Lage von Elementen vertraut zu machen und diese dann gezielt anzutippen und dann zu drücken.

Ansonsten kann ich zu den neuen iPhone-Modellen noch sagen, dass sie einen besseren Grip haben als das 6 und 6 Plus. Das liegt unter anderem auch daran, dass Apple durch das verstärkte Glas an anderer Stelle Beschichtungen weglassen konnte, die den Grip beeinträchtigten.

Die neuen Geräte machen einen guten Eindruck, sind sehr schnell, deutlich schneller als das 6 und 6 Plus beim Öffnen und Umschalten von Apps und VoiceOver-Reaktionszeiten. 3D Touch ist eine interessante neue Bedienweise für Apps, die auch für VoiceOver zugänglich ist. Obwohl sie also beim Namen nur ein s hinzu bekommen haben, sind es doch richtig große Upgrades der Geräte geworden. Ich freue mich auf meines! 🙂

Tipp: Die Multitasking-Funktionen des iPad von iOS 9 mit VoiceOver bedienen

Ein Schwerpunkt des gerade erschienenen iOS 9 liegt auf der Erhöhung der Produktivität. Gerade die neueren iPads wie iPad Air 2, iPad Pro und das iPad Mini der vierten Generation bieten hier im Vergleich zu früheren Modellen einige spannende neue Funktionen. Eine ist das Multitasking, also das gleichzeitige Nutzen mehrerer Apps. Wie diese auch mit VoiceOver benutzt werden können, soll dieser Artikel zeigen.

Die Grundlagen

iOS konnte Multitasking, also das gleichzeitige Ausführen von mehreren Anwendungen, schon seit Version 4.0. Seitdem gibt es den App-Umschalter, der mit zweimaligem Drücken der Home-Taste erreicht wird. In iOS 7 kamen dann Hintergrundaktualisierungen hinzu, mit denen Apps ihre Inhalte auf batterieschonende Weise auch dann aktuell halten konnten, wenn sie nicht im Vordergrund waren.

Für iPads unter iOS 9 kommen jetzt noch weitere Modi hinzu: Überblendung (Slide Over), geteilter Bildschirm (Split View) und Bild-In-Bild für Videos. Jeder dieser Modi wird in den folgenden Abschnitten erklärt.

Überblendung

Ein Modus, der neben den oben genannten Modellen auch auf dem iPad Air und dem iPad Mini in der 2. und 3. Generation zur Verfügung steht, ist die Überblendung einer zweiten App über die erste. Die erste App wird abgeblendet, und die zweite legt sich am rechten Bildschirmrand darüber. Man benutzt in diesem Modus ausschließlich die zweite App, um mal eben etwas nachzugucken oder zu kopieren, schließt sie dann wieder und kehrt zur vorigen App zurück, ohne den Kontext zu verlieren.

Diese zweite App nimmt nur etwa 25% des Bildschirms ein und zeigt sich in einer schmalen Variante, die durchaus der Ansicht eines iPhone-Bildschirms entsprechen kann. Mail zeigt in diesem Modus z. B. entweder Ordner, Mails oder eine einzelne Nachricht an und hat oben links eine Zurück-Taste wie man diese vom iPhone kennt.

Man leitet die Überblendung mit VoiceOver ein, indem man auf die Statuszeile tippt und mit drei Fingern nach links streicht. Der VoiceOver-Hinweis für die Statuszeile wurde um einen entsprechenden Satz erweitert. Sehende Anwender wischen einfach von rechts auf den Bildschirm. Da dies mit VoiceOver aber so ohne weiteres nicht möglich ist, gibt es eben diese kontrollierte Art über den Drei-Finger-Wisch nach links über die Statuszeile.

Es wird dann die zuletzt genutzte App eingeblendet, die diesen Überblend-Modus unterstützt, also z. B. Mail, Safari, Nachrichten o. ä. Es steht zu erwarten, dass mit den für iOS 9 angepassten Updates von Apps noch mehr diesen Modus unterstützen werden.

Ist die App, die iOS einblendet, nicht die gewünschte App, kann man den sogenannten Seitenumschalter aktivieren. Dies tut man, indem man mit VoiceOver wieder mit drei Fingern nach links streicht. Jetzt wird eine Liste aller Apps angezeigt, die den Überblend-Modus unterstützen. Einfach durchwischen und mit Doppeltippen die gewünschte App aufrufen. Hier gibt es auch eine Möglichkeit, diesen Seiten-Umschalter wieder zu schließen.

Man arbeitet nun in der überblendeten App genauso wie üblich, halt nur beschränkt auf die rechte Seite des Bildschirms. Der Rest des Bildschirms ist eine große Taste zum Schließen dieser überblendeten App. Nach getaner Arbeit doppeltippt man also einfach darauf und kehrt so zur ursprünglichen Anwendung zurück, um dort weiter zu arbeiten.

Geteilter Bildschirm

Dieser Multitasking-Modus steht nur auf neueren iPad-Modellen zur Verfügung. iPad Air und das Mini der 2. und 3. Generation, sowie noch ältere iPads, bleiben außen vor. In diesem Modus werden zwei Apps nebeneinander angezeigt und können auch gleichzeitig bedient werden. Sie werden entweder im Verhältnis 70:30 oder 50:50 dargestellt. Die primäre App ist immer links und nimmt also entweder 70 oder 50 % der Bildschirmbreite ein. Die sekundäre App nimmt entsprechend 30 oder 50 Prozent der rechten Bildschirmseite ein.

Dieser Modus wird genauso eingeleitet wie der Überblend-Modus im vorigen Abschnitt. Man tippt also mit dem Finger auf die Statuszeile und wischt mit drei Fingern nach links. Jede sekundäre App beginnt ihr Leben also als überblendete App. Auf iPads der neueren Generation kommt allerdings ein senkrecht stehendes Element hinzu, das die überblendete App zur sekundären App machen kann, wenn diese das unterstützt. Dieser Bildschirm-Teiler unterstützt diverse VoiceOver-Aktionen, also durch auf- und abwärts wischen auswählbare Aktionen. Man kann mit ihm die App auf 30 % erweitern, die Liste der unterstützten Apps aufrufen oder die überblendete App wieder schließen. Spielen wir das doch mal an einem Beispiel durch:

  1. Öffnet auf eurem iPad die Mail-App. Sie wird im Vollbildmodus angezeigt.
  2. Tippt mit einem Finger auf die Statuszeile und wischt mit drei Fingern nach links. Es wird entweder die zuletzt verwendete App eingeblendet, die die Überblendung unterstützt, oder die Liste der diesen Modus unterstützenden Apps, falls sich iOS nicht von allein entscheiden kann, welche App die sinnvollste sein könnte. In meinem Fall kommt der Safari sofort rechts in den Vordergrund. Tut er das bei euch nicht, tippt noch einmal auf die Statuszeile und wischt mit drei Fingern nach links, um die Liste der Apps auszuwählen und wählt dort Safari durch Doppeltippen aus.
  3. Der Safari wird nun als Überblendung angezeigt, Mail ist nicht mehr aktiv. Links des Safari-Fensters befindet sich ein senkrechtes Element, das über die gesamte Bildschirmhöhe geht. VoiceOver nennt sie die Seiten-App-Trennlinie. Der VoiceOver-Hinweis dafür ist sehr aufschlussreich: Man soll zum Befestigen von Apps doppeltippen. Außerdem sind Aktionen verfügbar, die man über auf- und abwärts wischen und dann doppeltippen auswählen kann.
  4. Doppeltippt diese Seiten-App-Trennlinie, ohne eine gesonderte Aktion auszuwählen. VoiceOver sagt jetzt so etwas wie: „Mail links. Safari rechts.“
  5. Erforscht den Bildschirm mit dem Finger. Ihr werdet beide Apps in der Aufteilung Mail ca. 70% und Safari ca. 30% finden. Ihr könnt mit beiden Apps interagieren. Ruft z. B. in Safari eine andere Seite auf, kopiert deren Adresse und startet links eine neue Mail, in die ihr diese einfügt. Getrennt werden beide wieder durch die Seiten-App-Trennlinie.
  6. Diese Trennlinie bietet jetzt noch mehr Aktionen. Das Doppeltippen löst die Verankerung wieder, d. h., Safari würde in den Überblendungs-Modus zurückkehren. Eine weitere Aktion, die zur Verfügung gestellt wird, ist, den Seiten-App-Umschalter zu öffnen. Den kennen wir schon, dadurch wird eine andere sekundäre App gewählt, die diesen Modus unterstützt. Weiterhin kann Safari auf die halbe Bildschirmgröße skaliert werden. Das macht genau das: Safari und Mail teilen sich den Bildschirm dann 50:50. Mail sieht dann in jedem Fall aus wie im Hochformat, nicht mehr wie ein etwas verkleinertes Querformat. Und man kann Safari maximieren. Dies macht Safari danach automatisch zur Primäranwendung. Das ist besonders dann praktisch, wenn man merkt, dass man diese eigentlich als sekundäre App gestartete Interaktion länger braucht und mehr Platz des Bildschirms möchte. Und man kann Safari natürlich schließen. Dies würde Mail wieder in den Vollbildmodus zurückführen, in dem wir ja gestartet waren.
  7. Wählt nun die Option „Safari auf halbe Bildschirmbreite skalieren“ aus und doppeltippt. Safari und Mail teilen sich nun den Bildschirm zu je einer Hälfte.
  8. Findet die Seiten-App-Trennlinie und schließt Safari.

Diese Ansicht zweier Programme gleichzeitig ist sehr praktisch, wenn man z. B. für einen Blogbeitrag, eine E-Mail oder ein Dokument viel recherchieren muss und nicht ständig den App-Umschalter bemühen möchte, um z. B. aus dem Web verschiedene Dinge zusammenzusuchen. Safari und eine weitere App gleichzeitig angezeigt zu bekommen und einfach dort hineintippen und los arbeiten zu können ist ein unglaublicher Gewinn an Geschwindigkeit! So zugänglich und genial effizient kenne ich das nicht mal von Desktop-Anwendungen auf Mac oder PC, wo Screen Reader doch irgendwie immer auf das aktuelle Anwendungsfenster beschränkt sind und selbst die Trackpad-Steuerung von VoiceOver einem so etwas nicht ohne weiteres ermöglichen könnte.

Übrigens: Wer sich die Hinweise zur Seiten-App-Trennlinie ganz angehört hat, wird festgestellt haben, dass man diese auch mit doppeltippen und halten hin und her ziehen kann, um die sekundäre Anwendung auf 50% zu skalieren oder gar ganz zu maximieren. Wem’s beliebt, kann gern diese Technik nutzen, die für Sehende übrigens die gängige Methode ist, das zu machen. Ich finde aber die Aktionen dafür praktischer, ich finde das Ziehen von Elementen eher fummelig.

Bild-in-Bild

Zu guter letzt noch der Modus Bild-in-Bild, der genau das tut, was man schon seit längerem aus der Unterhaltungselektronik kennt: Man startet ein Video, z. B. in Safari oder der Videos-App, schaltet auf eine andere App um, und das Video läuft als kleines Bild inklusive Audio im Hintergrund in einer Bildschirmecke weiter. Früher war so etwas z. B. ein zweites Fernsehprogramm, das der Videorecorder aufzeichnete, das man in einer Ecke des Fernsehers mitlaufen lassen konnte, während man eigentlich einen anderen Film schaute.

Während der Videowiedergabe hat man nun neben den Tasten für Zurück, Wiedergabe/Pause und Vorwärts eine neue Taste namens „Bild in Bild“. Aktiviert man diese, verkrümelt sich das gerade laufende Video in einen freien Bildschirmbereich und kann dort jederzeit wiedergefunden werden. Man kann das Video anhalten und schließen oder es wieder ins Vollbild holen. Sehende können es weiterhin skalieren und es auch an verschiedene Stellen des Bildschirms verschieben. Und noch eine gute Nachricht: Auch diese Funktion ist für alle iPads ab iPad Air und iPad Mini 2 verfügbar.

Fazit

Ich hoffe, ihr könnt mit dieser Anleitung das iPad ebenso produktiver nutzen wie ich und erfreut euch in Zukunft noch an weiteren neuen Apps, die diese Möglichkeiten unterstützen! Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels sind bereits Pages, Numbers und Keynote von Apple und ihre Entsprechungen von Microsoft, also Word, Excel und PowerPoint, aufs iPad Air 2 und iOS 9 vorbereitet und im App Store erhältlich.

Viel Spaß!

Das ist neu in den Bedienungshilfen von iOS 9

iOS 9.0 ist soeben erschienen. Diese Version bringt viele Neuerungen bei der Produktivität, verbessert die Fähigkeiten von Siri bei der Suche nach Ereignissen, Fotos und anderen Daten und macht das iOS-Gerät im allgemeinen zu einem vollwertigeren Assistenten. [Update 22.10.2015: Änderungen von iOS 9.1 hinzugefügt.]

Im folgenden gebe ich einen Überblick über einige Neuerungen bei den Bedienungshilfen und behandle die spezifische Bedienung einiger neuer Funktionen mit VoiceOver.

VoiceOver

VoiceOver hat mal wieder einiges dazugelernt. Ein Schwerpunkt von iOS 9 liegt auf der Erhöhung der Produktivität und dem verbesserten Einsatz von vor allem iPads im professionellen Umfeld. Dies spiegelt sich auch in den Neuerungen bei VoiceOver wider.

Der Rotor heißt jetzt Liste

Apple hat den Rotor in „Liste“ umbenannt, die Funktionalität bleibt aber gleich. Dies spiegelt sich vor allem in den VoiceOver-Einstellungen wider, in denen der Begriff „Rotor“ jetzt nicht mehr auftaucht, auch nicht bei den Sprachausgabe-Stimmen.

Verbesserte Textauswahl

Das Auswählen (markieren) von Text wurde stark verbessert. Bisher konte man Text mit VoiceOver nur markieren, indem man zwei Finger aufs Display legte und diese dann auseinander zog. Dies führte bei vielen Anwendern inklusive dem Autor dieses Artikels dazu, dass diese Option kaum genutzt wurde. Es machte einfach keinen Spaß. Die Auswahl war ungenau oder ging gar ganz verloren, wenn man die Finger nicht genau genug bewegte.

Unter iOS 9 wird das alles ganz anders gehandhabt. Befindet man sich dort, wo man Text markieren kann, gibt es einen neuen Eintrag in der Liste mit Namen „Textauswahl“. Bei Neuinstallationen befindet er sich „rechts“ von „Zeilen“, also von der Option „Zeichen“ aus gerechnet an vierter Listenposition. Bei bestehenden Listenkonfigurationen wandert diese neue Option ganz ans Ende der Liste, die Position kann also variieren. Am besten überprüft man einmal die Einstellungen und zieht sich die neue Option dorthin, wo man sie haben möchte.

Nach der Auswahl von „Textauswahl“ ist die Steuerung im Vergleich zu sonstigen Listenoptionen etwas verändert. Hat man die Hinweise eingeschaltet, sagt VoiceOver einem dies auch sofort an. Um nämlich einzustellen, was genau markiert werden soll, streicht man mit einem Finger nach oben oder unten. Man bewegt hier mit dieser Geste also nicht die Auswahl, sondern stellt ein, ob zeichen-, wort- oder zeilenweise markiert werden soll. Die eigentliche Auswahl erfolgt dann durch Streichen nach rechts, um die Auswahl zu erweitern, und mit streichen nach links, um sie zu verringern. Der Ablauf ist schematisch ungefähr so:

  1. Man geht mit zeichen-, wort- oder zeilenweiser Listennavigation an den Anfang.
  2. Dann schaltet man auf die Textauswahl um und wählt mit Streichen nach oben oder unten aus, in welchen Schritten man auswählen möchte.
  3. Im nächsten Schritt wird dann durch Wischen nach rechts die Textauswahl erweitert. Man kann zunächst z. B. wortweise auswählen, dann wieder auf Textauswahl schalten (VoiceOver setzt sich auf Zeichen zurück) und nun auf zeichenweises Markieren umschalten und weiter nach rechts wischen, um zeichenweise weiterzumarkieren.
  4. Hat man sich vertan, wischt man nach links, um Zeichen, Worte oder Zeilen wieder zu deselektieren.
  5. Hat man alles markiert, geht man mit dem Rotor auf Bearbeiten und kann wie üblich Nachschlagen, Ausschneiden, Kopieren und in einigen Textfeldern auch Formatierungen anwenden wie kursiv, fett, unterstreichen o. ä.

Und jetzt kommt der Clou! Das funktioniert nicht nur in Textfeldern, sondern auch in Safari oder Mail und sogar in iBooks in Textbüchern. Man kann nun also endlich kontrolliert Text markieren und muss nicht mehr auf das umständliche Doppeltippen-Und-Halten und dann unsichere Hin- und Herziehen des Fingers zurückgreifen. Text auf einer Web- oder Buchseite markieren und diesen dann kopieren wird so zu einem sehr erfreulichen Kinderspiel!

Ansagen von Formatierungen

Passend zu den oben erwähnten Verbesserungen bei der Textmarkierung und -formatierung gibt es auch Neuigkeiten bei der Ansage von Formatierungen in bestimmten Anwendungen. Die neue Notizen-App kann ja jetzt angereicherten Text aufnehmen. VoiceOver sagt an, ob man sich in irgendwie vom Standard abweichenden Text befindet, nennt Absatzstile und andere Details. Hat man eine Bluetooth-Tastatur gekoppelt, kann man auch mit VoiceOver+T (Mac-Anwender kennen diese Tastenkombination) die Formatierungen abfragen. Das funktioniert bisher in Mail und Notizen. Es ist aber zu erwarten, dass Apps, die auf iOS 9 angepasst werden, diese Möglichkeiten ebenfalls bekommen. Bei nicht angepassten Apps gibt dieses Kommando einen Fehlerton. Und beim Navigieren werden Formatierungsänderungen nicht automatisch gesprochen.

Es steht also zu hoffen, dass Pages, MS Word und andere zukünftig einen erleichterten Zugang zu Informationen zu Textformatierungen bereitstellen und man sich die Infos nicht mehr mühsam auf Verdacht hin aus den Popups und Symbolleisten zusammensuchen muss. Das wird der Produktivität auf iOS-Geräten ganz mächtig auf die Sprünge helfen!

VoiceOver-Taste abändern

Apropos Hardware-Tastaturen: Für diese kann man jetzt anpassen, ob Ctrl+Auswahltaste oder zusätzlich oder sogar statt dessen die CapsLock-Taste als VoiceOver-Sondertaste verwendet werden sollen.

Die Einstellung hierfür findet sich unter Einstellungen/Allgemein/Bedienungshilfen/VoiceOver/VoiceOver-Sondertaste.

VoiceOver-Taste einrasten

Die VoiceOver-Sondertaste kann, wie unter OS X schon lange möglich, jetzt auch auf Hardware-Tastaturen unter iOS eingerastet werden.

Siri-Stimmen verwenden

VoiceOver und auch die Funktion Bildschirm Sprechen können neben der Standard- und Premium-Variante der Stimme Anna jetzt auch die männliche und weibliche Siri-Stimme in einer Standard- oder erweiterten Variante verwenden. Die Punkte Sprachausgabe in VoiceOver bzw. den allgemeinen Bedienungshilfen wurden dementsprechend erweitert. Dies gilt im übrigen nicht nur für die deutschen, sondern auch für andere Sprachen, in denen Siri-Stimmen zur Verfügung stehen. Die Auswahl an zur Verfügung stehenden Stimmen hat sich also sprunghaft erhöht, und man kann sein VoiceOver-Erlebnis jetzt sehr viel stärker personalisieren.

Begrenzungen für Sprechgeschwindigkeit erweitert

Die obere und untere Grenze der Sprechgeschwindigkeit wurden stark erweitert. Man kann VoiceOver jetzt auch viel schneller oder langsamer sprechen lassen als vorher.

Audio-Route für VoiceOver

Werden verschiedene Audio-Routen erkannt, z. B. weil Musik oder Video gerade via AirPlay auf ein Apple TV gestreamt werden, kann in der Liste jetzt ausgewählt werden, ob VoiceOver lokal auf dem Gerät sprechen oder ebenfalls per AirPlay auf das externe Gerät gegeben werden soll.

Audio-Ducking beim Telefonieren

Wenn VoiceOver während eines Telefonats sprechen muss, wird das Audio des Gesprächs jetzt ebenfalls in der Lautstärke verringert, genau wie bei der Musik- oder Videowiedergabe.

Verzögerung beim Doppeltippen

Man kann in den VoiceOver-Einstellungen ganz unten jetzt eine Verzögerung beim Doppeltippen einstellen. Das ist vor allem für diejenigen interessant, die z. B. auf Grund einer motorischen Einschränkung einen Doppeltipp nicht so schnell ausführen können, wie es standardmäßig erforderlich ist.

Unterstützung für bidirektionale Sprachen

Wird arabisch oder hebräisch verwendet, kehren sich die Wischgesten für das vorherige und nächste Element um. Das nächste Element erreicht man dann also mit einem Wischen nach links, nicht mehr nach rechts, und umgekehrt.

Wird in arabischem oder hebräischem Text lateinische Schrift gefunden, wird diese automatisch mit einer englischen Stimme vorgelesen.

Neuerungen in Braille

  • Man kann jetzt einstellen, wie lange Braille-Hinweise auf der Zeile stehen bleiben, bevor sie wieder verschwinden.
  • Die Braille-Bildschirmeingabe sagt jetzt falsch geschriebene Wörter an.
  • Nutzt man das neue Multitasking auf dem iPad (siehe unten), bewegen 3-5-Chord den Fokus auf die linke, Punkte 2-6-Chord den Fokus auf die rechte Bildschirmhälfte, und Punkte 1-6-Chord schaltet zwischen App-Switcher, Abschalter des App-Switchers und der Vordergrund-App um.
  • Unterstützung für die Zeile Seika Mini 24 hinzugefügt.

Bedienung des iPad-Multitasking

Für diejenigen unter euch, die ein iPad nutzen, habe ich in diesem Artikel beschrieben, wie man die Modi Überlagerung, geteilter Bildschirm und Bild-In-Bild mit VoiceOver bedient.

Bekannte Probleme

  • VoiceOver hatte die unangenehme Eigenschaft bekommen, bestimmte Listen z. B. in Twitterrific ganz nach oben zu scrollen, wenn es per Triple-Click auf die Home-Taste beendet und neu gestartet wurde. Dieses Problem wurde mit dem Erscheinen von iOS 9.1 am 21.10.2015 behoben.
  • Die Tastaturhilfe für externe Tastaturen sprach bei Erscheinen von iOS 9.0 noch nicht korrekt. Dieses Problem wurde in iOS 9.1 korrigiert.
  • Braille hat immer noch die unangenehme Eigenschaft, beim Ausschnittswechsel nach links über Absatzgrenzen hinweg an den Anfang des vorigen Absatzes zu springen, nicht ans Ende.
  • In iOS 9.0 gab es teils schwerwiegende Probleme mit dem Annehmen von Anrufen, wenn Bluetooth-Headsets verwendet wurden. Ich selbst konnte das Problem nie nachvollziehen, das Problem soll aber in iOS 9.1 ebenfalls behoben worden sein.

Zoom

Im Zoom ist die einzige neue Funktion, dass die Einstellung der Zoom-Filter jetzt auch von den Einstellungen aus möglich ist und nicht nur durch den Anfasser des Zoom-Fensters.

Tastatur

In iOS 9 wird per Bluetooth angekoppelten Tastaturen mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Man kann für diese in einem neuen Punkt „Tastatur“ unter den Bedienungshilfen jetzt folgendes einstellen:

  • Tastenwiederholung: Schaltet diese ein oder aus. Außerdem kann die Geschwindigkeit angepasst werden.
  • Ein-Finger-Bedienung: Ermöglicht das separate Drücken von Sondertasten, um nicht gleichzeitig mehrere Tasten drücken zu müssen.
  • Anschlagverzögerung: Ermöglicht das Einstellen der Zeit, die verstreichen muss, bis eine Taste als gedrückt erkannt wird.

Weiterhin kann für die Bildschirmtastatur eingestellt werden, ob diese bei Umschalten der Umschalttaste die Darstellung auf Groß- und Kleinschreibung ändern oder die bisherige Darstellung beibehalten soll.

Hilfe zu Tastenkombinationen

Eigentlich ist dies streng genommen gar keine Bedienungshilfe im klassischen Sinn, aber dennoch vielleicht nicht jedem sofort ersichtlich: Bedient man eine App mit externer Tastatur, kann man sich jetzt die unterstützten Tastenkombinationen anzeigen lassen, indem man die CMD-Taste ca. eine Sekunde lang gedrückt hält. Es erscheint dann eine Überlagerung mit den in diesem Fenster zur Verfügung stehenden Tastenbefehlen.

Hinweis für VoiceOver-Nutzer: Diese Überlagerung spricht in dieser Version noch nicht korrekt. Es fehlt die Ansage der eigentlichen Taste für die Funktion, und es werden immer zwei Funktionen gleichzeitig gelesen. Ich habe dies schon während der Beta-Phase an Apple gemeldet und hoffe, dass sie dies in einem baldigen Update korrigieren.

Touch-Anpassungen

Für diejenigen Anwender, die Probleme haben, den Touchscreen zu bedienen, gibt es jetzt mehrere Einstellungen zur Berührung, Haltedauer und Touch-Assistenten einstellen, um die Bedienung zu verbessern.

Schaltersteuerung

Bei der Schaltersteuerung gibt es eine deutliche Weiterentwicklung. Zum einen kann man jetzt schrittweise scannen. Man drückt so lange den Schalter, bis das gewünschte Element im Fokus ist und wartet dann die einzustellende Zeit ab, bis das Element aktiviert wird. Hierfür wird nur ein Schalter benötigt.

Ein neuer Modus „Immer Tippen“ verursacht, dass das Drücken des Schalters immer auf den Bildschirm tippt. Das Scannermenü ist dann als Icon am Ende der Elementfolge verfügbar anstatt als Aktion des Doppeltippens des Schalters.

Man kann dem langen Drücken eines Schalters jetzt eine separate Aktion zuweisen.

Weiterhin gibt es jetzt Abläufe, mit denen man bestimmte Gestenabfolgen einem Schalter zuweisen kann, die sich regelmäßig wiederholen sollen. Ein Beispiel hierfür ist das Umblättern von Seiten in iBooks. Entweder durch einen Timeout oder durch das lange Drücken des Schalters verlässt man diesen Ablauf dann wieder.

Es gibt noch einige weitere Änderungen wie eine für manche Benutzer vereinfachte Tastatureingabe. Schaut einfach mal in die Optionen, wenn ihr Schalter für die Steuerung von iOS verwendet!

Das Menü von AssistiveTouch anpassen

Bei AssistiveTouch kann man das Haupt- und die Untermenüs jetzt ändern und dieses somit besser auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die Symbole im Hauptmenü können zwischen einem und acht liegen, und die Untermenüs sind frei konfigurierbar. Und wenn etwas schief gegangen ist, gibt es einen Zurücksetzen-Schalter.

Verbesserung der Lesbarkeit im Safari Reader

Der Reader-Modus in Safari, der viele Webseiten für eine bessere Lesbarkeit aufbereitet, hat einige neue Darstellungsoptionen bekommen, um das Lesen noch augenfreundlicher zu gestalten. Verbesserte Schriften und Farbkontraste sind nur einige der Neuerungen hier. Probiert es am besten einfach mal auf einer Webseite wie dieser aus, indem ihr oben neben der Adressleiste erst den Button für den Reader antippt und dann die neu erscheinenden Darstellungsoptionen ausprobiert!

Fazit

iOS 9 ist zuvorderst ein Update zur Stabilität und mit im Vergleich zu iOS 7 (komplett überarbeitete Benutzeroberfläche) und iOS 8 (Erweiterungen aller Art) mit vergleichsweise wenigen neuen Funktionen ausgestattet. Es wurden aber viele Probleme behoben und gerade bei den Bedienungshilfen doch einige echt nützliche Funktionen eingebaut, wie die deutlich verbesserte Textauswahl und eine sehr viel robustere Unterstützung externer Tastaturen.

Im Vergleich zu den letzten beiden großen Updates ist das Update auf iOS 9 in der Tat von Anfang an bedenkenlos möglich und zu empfehlen.

Im Test. Zagg Slim Book fürs iPad Mini

Vor zwei Wochen stieß ich auf diese Rezension von Kay des Zagg Slim Book für das iPad Mini. Seine sehr positive Rezension machte mich neugierig, und Anfang der Woche konnte ich endlich selbst ein Exemplar dieser iPad-Hülle mit Tastatur in Händen halten und begutachten.

Das Slim Book ist eine Kombination aus Tastatur und Schale fürs iPad. Zugeklappt erinnert sie mich sehr an einen dieser alten Asus EEE PCs, wie sie gegen Ende des letzten Jahrzehnts die Ära der Netbooks und Subnotebooks einleiteten. Es ist sehr kompakt und wiegt mit dem iPad Mini 2 mit Wifi und Mobilfunk 712 g.

Die Modi

Das Slim Book kann in vier Modi betrieben werden:

  1. Im Tastatur-Modus ist es mit dem iPad eine klassische Kombination. Das iPad steht im Querformat hinten an der Tastatur.
  2. Im Tablet-Modus wird die Schale, in der das iPad sitzt, einfach von der Tastatur abgenommen. Starke Magneten halten die beiden Teile zusammen, aber für den Tablet-Modus ist die Schale trotzdem schnell  abgenommen.
  3. Im Buchmodus wird die Schale des iPads umgekehrt an die Magnethalterung geklippt und über die Tastatur geklappt. Der Schließmechanismus funktioniert also auch, wenn das iPad mit der Schale auf dem Rücken liegt.
  4. Der Video-Modus schließlich ist der Buchmodus mit hochgeklapptem iPad. Es steht dann aufrecht, die Tastatur befindet sich an der Rückseite, und als Sehender hat man einen freien Blick auf den Bildschirm ohne Ablenkung durch die Tastatur.

In jedem Modus außer dem Tablet-Modus sind beide Teile also mechanisch aneinander gekoppelt, und es fliegt nichts in der Gegend herum. Und hält man das iPad samt Schale in der Hand, um es als Tablet zu benutzen, bleibt die Tastatur einfach auf dem Tisch liegen.

Aufbau und Handhabung

Die Schale ist sehr robust. Damit wurde einer der wesentlichen Kritikpunkte aus meinem großen iPad-Tastatur-Test behoben. Das Folio von Zagg hatte ja einen sehr wabbeligen und nicht passgenauen Rücken und fühlte sich nicht wertig an. Das ist beim Slim Book anders.

Der Schließmechanismus hält iPad und Tastatur sehr gut zusammen, so dass man beim Transport nicht befürchten muss, dass sie sich voneinander lösen.

Die Tastatur selbst hat ein fast vollwertiges deutsches Tastaturlayout. Die Tasten für ä und ü sind etwas schmaler als die sonstigen Buchstabentasten. Die Taste für das <- bzw. >-Zeichen fehlt und wird über FN+Bindestrich-Taste ausgelöst. Genauso fehlt die Taste für das Hütchen- bzw. doppelte Accent-Zeichen. Diese wird mit FN+Zifferntaste 1 simuliert. Alles ist natürlich dem iPad Mini entsprechend etwas schmaler und steht dicht zusammen. Aber die Tasten sind so angeordnet, dass für mich ein flüssiges Schreiben, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung (siehe unten), möglich ist. Die Tasten haben einen guten Druckpunkt. Und die Konstruktion erlaubt sogar eine getrennte Leiste von Funktionstasten oberhalb der Zifferntasten. Die Funktionen sind üblich Home, Sperren, Siri, Bildschirmtastatur einblenden, Wiedergabesteuerung, Stumm, Lautstärkeregelung, und auch die Power- und Bluetooth-Tasten sind in die Leiste der Funktionstasten oben rechts integriert.

Nach einer Woche musste ich jedoch feststellen, dass trotz gut erfolgter Eingewöhnung kein wirklich flüssiges Schreiben möglich war. Das Hauptproblem sind Tastendrücke, die nicht angenommen werden. Vornehmlich betrifft dies Wörter mit doppelten Buchstaben, es fehlen aber auch gern mal andere Buchstaben. Dies wurde in einem großen Tastaturtest Im Heft 1/2015 der Zeitschrift Mac & i bei einem Vorgängermodell ebenfalls bemängelt und scheint ein grundsätzliches Problem dieser Tastatur fürs iPad Mini zu sein, gerade für Schnellschreiber. Von keiner anderen Tastatur egal für welches iPad oder MacBook kenne ich dieses Problem.

Der Akku wird wie üblich per Mikro-USB-Kabel aufgeladen und soll lange halten. Schaltet man die Tastatur nicht aus und klappt das iPad zu, wird die Tastatur schlafen geschickt und wacht nach dem Aufklappen auf Tastendruck wieder auf.

Fazit

Ich kann Kay insofern zustimmen, dass dies mit Abstand die beste Tastatur fürs iPad Mini ist, die ich bisher unter den Fingern gehabt habe. In Kombination bietet das Slim Book einen robusten Rundumschutz für Tastatur und iPad. Wer es gern lieber bebildert hat, ist herzlich eingeladen, Kays Post zu lesen. Dort gibt es Fotos. 🙂

Jedoch bedeutet das oben geschilderte Problem für mich, dass die Tastatur für meinen Zweck nicht geeignet ist. Die fehlenden Buchstaben, die ich in der Regel durchs Tastaturecho „Wörter“ bei VoiceOver sofort höre, unterbrechen meinen Schreibfluss und zwingen mich zur sofortigen Korrektur. Alternativ bedeuten sie im Nachhinein einen erheblichen Korrekturaufwand. Insofern ist für mich mit dieser Tastatur trotz allen sonstigen Gefallens kein produktives Arbeiten möglich.

Das Slim Book git es auch für das iPad Air und iPad Air 2.

Erstes Anfühlen der Apple Watch

Endlich ist es soweit! Die von vielen mit Spannung erwartete Apple Watch, die Computeruhr von Apple, kann seit dem 10.04.2015 in den Apple Retail Stores angeschaut und vor allem auch angefasst werden. Und auch meine Herzdame und ich ließen es uns nicht nehmen, uns in den Apple Store im Alstertal Einkaufszentrum (AEZ) in Hamburg zu begeben und einen vorher reservierten Termin zur Anprobe und dem Kennenlernen wahrzunehmen.

Im Vorfeld hatten mich schon zwei Artikel von David Woodbridge und Steven Aquino sehr neugierig gemacht und bestätigt, was schon die letzten Monate durch die Gerüchteküche waberte: Die Apple Watch hat diverse Bedienungshilfen gleich eingebaut wie Zoom, großen Text, Mono Audio und auch VoiceOver. Sie ist meines Wissens nach damit das erste Wearable, das für Blinde von vorn herein zugänglich ist. Die mir bekannte Android-Wear hat entweder keine Lautsprecher oder keine Bedienungshilfen, oder beides. Apple haben hier also mal wieder ganz deutlich die Nase vorn. Sebastian Müller hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht und den Artikel von David auf deutsch zusammengefasst.

Als wir nun gestern in den Apple Store kamen, wurden wir gleich freundlich empfangen und zu unserer Anprobe gebeten. Wir konnten sogar den Termin gleich beginnen, als wir eintrafen, etwa 20 Minuten vor der eigentlichen Zeit.

In diesem Apple Store waren die Apple Watch Sport, also die Uhr mit eloxiertem Aluminiumgehäuse, und die Apple Watch in Edelstahl zu bewundern. Die Edition-Variante aus 18-karatigem Gold ist hier nicht vorhanden, interessiert mich aber auch ehrlich gesagt nicht. Ich mag’s eher dezent. 😉 Auch waren sämtliche Armbänder vorhanden.

Die Uhr ist angenehm abgerundet geformt, eindeutig als Uhr erkennbar und sehr solide verarbeitet. Die beiden unterschiedlichen Größen (38 und 42 mm) sind durchaus gerechtfertigt. An meinem Handgelenk kam sich die 38-mm-Uhr sehr verloren vor, während die 42-mm-Uhr durchaus zu mir passte. Dennoch ist die Uhr nicht wuchtig oder klobig, sondern sehr anschmiegsam und fühlt sich nach einer runden Sache an.

Der Unterschied zwischen der Sport und der Edelstahl-Variante ist sehr deutlich spürbar, sobald man die Uhr am Arm trägt. Ja, obwohl es nur 25 Gramm sind, die den Unterschied ausmachen, ist die Apple Watch deutlich schwerer bei Handbewegungen als die Apple Watch Sport. Auch die verwendeten Armbänder machen hier einen deutlichen Unterschied aus. Die beiden Varianten in Leder und die Sportarmbänder sind deutlich leichter als das Milanaise- oder gar das Gliederarmband. Die Apple Watch mit Gliederarmband fühlte sich richtig schwer an.

Zu den Bedienungselementen: Die digitale Krone ist sehr angenehm leichtgängig zu bedienen, ohne dass man die Uhr vom Handgelenk nehmen muss oder es beim Drehen zu einem unangenehmen Hautkontakt kommt. Ich konnte sie problemlos mit einem Finger in beide Richtungen bewegen. Der darunter liegende Knopf zum Aufruf der Freundesliste ist ebenfalls mit einem angenehmen Druckpunkt ausgestattet und lässt sich bequem bedienen. Der Touch Screen schmeichelt sich geradezu an den Finger, wenn man darauf wischt oder tippt. Und dieses tut er sowohl bei der Edelstahl- als auch bei der Sport-Edition.

Zu den Gehäusen kann ich sagen, dass die Sport Edition am Rand leicht angeraut ist, während die Edelstahl-Edition sehr glatt ist. Die Sport-Edition wirkt dadurch jedoch keinesfalls unedler oder unsauber.

Die Armbänder sind verschieden bedienbar. Das An- und Abdocken von der Uhr selbst dürfte mit ein wenig Fingerübung bald schnell von der Hand gehen. Das Milanaise- und „Lederarmband mit Schlaufe“haben quasi stufenlos verstellbare Längen, indem man einen Teil des Armbands durch eine Schlaufe fädelt und dann per Magnet dort an das Armband klippt, wo man es braucht, so dass die Uhr gut sitzt. Das Sportarmband aus Fluorelastomer hat mehrere Löcher, in die man ein passendes Gegenstück einfach hineindrückt, das klassische Lederarmband hat einen Verschluss wie übliche Armbänder, und das Gliederarmband öffnet und schließt man durch einen Verschluss an der Unterseite. Man passt es der Dicke des Handgelenks an, indem Glieder aus dem Armband entfernt oder wieder hinzugefügt werden. Meine Herzdame erinnert der „Flügeltürmechanismus“ dieses Armbands übrigens an die Flügeltüren des Lamborghini aus den 1980er Jahren. 😉

Zu guter letzt sei noch die taktile Komponente auf der Unterseite der Uhr angesprochen, über die man z. B. durch sanftes Tippen Signale empfangen kann. Dieses ist kreisrund und nimmt fast die gesamte Unterseite der Uhr ein. Sie fühlt sich beim Tragen jedoch überhaupt nicht wie ein Fremdkörper an, sondern passt sehr angenehm zum Tragegefühl.

Die Modelle, die man zur Anprobe verwendet, sind entweder komplett ausgeschaltet oder laufen in einer fest programmierten Demo-Schleife. Sie dienen wirklich nur dazu, das Gefühl fürs Tragen und die Armbänder zu bekommen. Zum Testen der eigentlichen Funktionen waren mehrere Modelle auf einem anderen Ausstellungstisch auf besondere iPads gemountet. Leider befinden sich diese in einem DemoModus, in dem fast alle, aber eben nicht alle Funktionen zur Verfügung stehen. So sind sämtliche Bedienungshilfen in diesem Demo-Uhren nicht aktivierbar. Ich konnte also VoiceOver nicht selbst testen. Und da ich keinen Presseausweis oder ähnliches besitze, konnte ich auch keine privilegierte Vorführung mit einer voll funktionsfähigen Uhr bekommen. Es waren allerdings auch einige andere Funktionen nicht verfügbar, für die die Uhr definitiv ein gekoppeltes iPhone braucht.

Apropos: Um es nochmals deutlich zu sagen: Die Apple Watch benötigt ein iPhone 5 oder neuer als Partnergerät, um überhaupt in Betrieb genommen zu werden. Danach kann sie einige Funktionen selbstständig ausführen, für die allermeisten braucht sie aber das iPhone in der Nähe. So können auch einige Aspekte der Bedienungshilfen lediglich über die Apple-Watch-App auf dem iPhone richtig konfiguriert werden, wie David in seinem Artikel schreibt. Und auf dem iPhone wird mindestens iOS 8.2 vorausgesetzt, aber wer iOS 8 nutzt, sollte gerade als VoiceOver-Anwender eh auf die 8.3 aktualisieren, wegen einer riesigen Menge an Fehlerbehebungen.

Und noch ein Hinweis für Leserinnen und Leser, die selbst iOS-Apps mit Apple-Watch-Erweiterungen entwickeln: Da die Apple Watch ein voll funktionsfähiges VoiceOver enthält, müssen auch die Elemente der Benutzerführung wie unter iOS zugänglich gemacht werden. Rein grafische Elemente brauchen also genauso ein AccessibilityLabel wie die iOS App für ihre grafischen Buttons selbst. Ich habe meinen Artikel zur VoiceOver-Unterstützung für iOS um einen Abschnitt für die Apple Watch erweitert.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich schon sehr gespannt auf mein persönliches Modell bin! Meine Herzdame und ich haben ein ganz konkretes Anwendungsbeispiel, wofür uns die Apple Watch schon in ihrer Grundausstattung eine große Hilfe sein wird. Immer dann, wenn sie wegen einer Kataplexie nicht in der Lage ist, ein iPhone in die Hand zu nehmen und mich per Textnachricht zu Hilfe zu rufen, kann sie aber im Regelfall wenigstens ein Tap-Muster an mich senden, bei dem ich dann sofort bescheid weiß, was Sache ist. Die Apple Watch wird hier also zu einem Zweck zum Einsatz kommen, den Apple selbst so vielleicht noch gar nicht überlegt hat. Und sie ist eben nicht ein bloßes Gadget, sondern wird ein richtiges Hilfsmittel für uns sein, dass es so bisher noch nicht gab. Ich werde dann weiter berichten!

OpenPGP: Probleme und Unzulänglichkeiten bei der Benutzbarkeit und mögliche Linderung durch Keybase.io

Wer meine Serie zur Verschlüsselung verfolgt hat, hat es sicher an der einen oder anderen Stelle gemerkt: Gerade OpenPGP ist nicht immer die Benutzerfreundlichkeit in Person. Die Front-Ends wie Enigmail und vor allem GPGTools federn viel ab, können aber auch nicht alles ausmerzen, was im Design von OpenPGP hakt.

Dies betrifft vor allem die Schlüsselverwaltung. Ist man nur mit einem Rechner unterwegs, ist das alles noch gut zu verwalten. Sobald aber schon ein handy dazukommt, merkt man, dass das Synchronisieren der Schlüssel, die man hat, nur manuell geht, und das schließt nicht nur öffentliche Schlüssel von anderen, sondern auch Aktualisierungen des eigenen Schlüsselpaares (z.B. mit neuen E-Mail-Adressen) ein.

Ein weiteres Problem ist, dass gerade bei den viel verwendeten Schlüsselservern nicht kontrolliert werden kann, dass der Schlüssel, den man für einen Empfänger dort gerade gefunden hat, tatsächlich von diesem auch dort abgelegt wurde. Es ist durchaus möglich, dass ein Scherzbold im Namen einer anderen Person, deren E-Mail-Adresse er kennt, ein Schlüsselpaar erzeugt und den öffentlichen Schlüssel dann auf den Schlüsselserver hochlädt. OpenPGP fragt nicht ab, ob die E-Mail-Adresse tatsächlich gültig ist. Und der Schlüsselserver auch nicht.

Die Folge ist, dass ich als Absender vielleicht einen solchen gefälschten Schlüssel erwische, meinem E-Mail-Empfänger eine verschlüsselte Mail schicke, dieser sie aber nicht entschlüsseln kann. Warum nicht? Natürlich weil er den passenden geheimen Schlüssel zu diesem von mir verwendeten öffentlichen Schlüssel nicht besitzt. Für mich war aber in diesem Moment gar nicht feststellbar, dass der öffentliche Schlüssel nicht von ihm stammt. Klar hätte ich ihn in diesem Fall zunächst z. B. anrufen oder ihm eine unverschlüsselte Mail schicken sollen, um den Fingerabdruck oder wenigstens die acht- oder sechzehnstellige Schlüssel-ID zu vergleichen. Spätestens dann wäre uns aufgefallen, dass da ein falscher Schlüssel von ihm auf dem Server liegt.

Das alles ist aber verdammt umständlich. Es führt sogar dazu, dass Autoren wie der c’t-Redakteur Jürgen Schmidt im Editorial der c’t 6/2015 fordern, PGP sterben zu lassen. Als Beispiel nennt Herr Schmidt unter anderem Apple’s iMessage, welches einfach transparent ende zu ende verschlüsselt und der Anwender davon gar nichts mitbekommt. Herr Schmidt lässt aber die Frage offen, welche Alternativen er denn sieht. Denn eine Neuentwicklung wäre zwar wünschenswert, aber bis die marktreif ist, vergehen wieder mehrere Jahre, im schlimmsten Fall.

Und was macht man in der Zwischenzeit? S/MIME ist gerade nach dem Lenovo-Skandal mit der Werbe- und Schadsoftware Superfish keine wirklich vertrauenswürdige Alternative, weil dieses auf demselben todkranken Prinzip der Zertifikatsverkettung aufbaut, auf dem auch SSL fußt. Wer sich irgendwie als CA, (Certificate Authority oder zertifikatsautorität) ausweist und es in die Liste der Browser oder des Betriebssystems schafft, wird klaglos akzeptiert, selbst wenn die dahinter stehende Firma nur Böses im Sin hat. S/MIME vertraut also einem System, das eben durchaus mit sehr leichten Mitteln angreifbar ist. Man braucht nur einmal an den falschen Computerhersteller geraten.

Eine Mögliche Lösung für den „Dinosaurier PGP“ könnte ein Dienst wie Keybase.io sein, welcher die Verantwortung des Echtheitsnachweises für öffentliche PGP-Schlüssel dorthin überträgt, wo sie hin gehört, nämlich zum Besitzer des Schlüsselpaares. Keybase.io funktioniert so, dass man seinen öffentlichen Schlüssel dort hinterlegt und dann mittels verschiedener beliebig kombinierbarer Verfahren nachweist, dass man tatsächlich der Inhaber dieses öffentlichen Schlüssels ist. Dies kann ein Tweet auf Twitter, eine kleine Datei im Github-Konto, ein Posting auf Reddit oder auch eine Datei auf dem eigenen Webserver oder ein DNS-Eintrag für die eigene Domain sein. Wer sich mein Keybase.io-Profil anschaut, wird dort vorfinden, dass ich mich per Twitter, Github und Nachweis des Besitzes von mehreren Domains, u. a. auch dieser, als Inhaber meines öffentlichen Schlüssels ausweise. Der Schlüssel ist – oh Wunder – tatsächlich der, den ich auch im Laufe der Serie mehrmals verlinkt und im Impressum hinterlegt habe.

Wer den Fingerabdruck abgleicht oder mich dort sucht, um meinen öffentlichen Schlüssel zu erhalten, kann also relativ sicher sein, dass ich der bin, der ich vorgebe zu sein. Denn einen Account zu hacken ist vielleicht möglich, aber mehrere, und gerade auch Zugriff auf die Namensserver der Domains zu erlangen, und das alles gleichzeitig, ist schon viel unwahrscheinlicher. Eine Fälschung eines Schlüssels ist so also zumindest mal erschwert.

Zur Unterstützung ist zu sagen, dass iPGMail unter iOS die Schlüsselsuche per Keybase.io bereits unterstützt. GPGTools hat bereits ein offenes Ticket, für Enigmail habe ich eines eingereicht, um die Unterstützung zu integrieren.

Wie Nico Brünjes in seinem Beitrag schreibt, übernimmt Keybase.io in gewissen Grenzen die Funktion einer Krypto-party, auf der man sich gegenseitig seine Schlüssel unterschreibt. Hier sind es die vom Besitzer selbst hinterlegten Nachweise, die ihn als höchstwahrscheinlich echt ausweisen.

Keybase.io ist noch in der Beta-Phase und nimmt Neuregistrierungen nur nach einer Warteliste oder per Einladung durch bereits registrierte Mitglieder entgegen. Meine Einladungen sind zur Zeit leider erschöpft, es gab einige interessierte Blogleser, die mein in der ursprünglichen Fassung eingestelltes Angebot angenommen haben.